Dr. Anke Diehl – CTO der Uniklinik Essen über die Digitalisierung der Universitätsmedizin

Dr. Anke Diehl

In dieser Folge spricht Inga Bergen mit der Ärztin und Expertin für digitale Transformation 
Dr. med. Anke Diehl. 

Anke Diehl hat in der Neurologie/ Psychiatrie und Radiologie viele Jahre in der klinischen Praxis gearbeitet. Schon damals faszinierte Anke Diehl die Neuro-Radiologie, die Vorreiter in der medizinischen Digitalisierung war. Sie hat miterlebt, wie Digitalisierung die Klinikwelt verändert. Damals wurden digitale Bildsysteme eingeführt und waren damit Vorreiter. Diese Zeit hatte großen Einfluss auf ihren Werdegang. In ihrer heutigen Rolle geht treibt sie die Veränderung durch Digitalisierung an der Universitätsklinik Essen voran. 

Smarthospital.nrw – Modellprojekt zum Einsatz von KI im Krankenhaus 

Sie leitet das Konsortium smarthospital.nrw zur Gestaltung des Krankenhauses von morgen. Für dieses vom Land NRW geförderte Projekt wurden 14 Mio. € bereitgestellt, um zusammen mit anderen Universitären, Fraunhofer-Instituten und mittelständischen Unternehmen 3 konkrete Anwendungsfelder für KI in der Praxis zu testen. 

Sprachsteuerung & KI für das Krankenbett & den Arbeitsplatz in der Klinik

Im erste Projekt, das Anke Diehl vorstellt, entwickeln sie eine Sprachsteuerungs-KI. Diese wird in verschiedenen Anwendungsfeldern in der Klinik zur Anwendung kommen und soll sowohl von Ärzten, als auch von Patienten genutzt werden. Gemeinsam mit den Partnern im Projekt entwickleln die Mediziner Prototypen. So können sowohl Unternehmen und aber auch die Bevölkerung sehen, wie die Zukunft der Versorgung aussehen könnte.

Was bringen öffentlich geförderte Projekte?

Teil des Projekts ist auch eine Leitlinie zur Transformation. Dieses Whitepaper wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, damit auch andere von der Forschung und den Ergebnissen des Projekts profitieren. Außerdem ermöglicht es der Universitätsklinik, neue Mitarbeiter aus neuen Bereichen einzustellen, wie z.B. Data Science, die langfristig zu weiteren Innovationen und zur Weiterentwicklung der Uniklinik beitragen können. Die Initiative ist also auch ein Vehikel, um die Klinik langfristig fit für die digitale Zukunft zu machen.

Smarthospital Information Plattform – neue Funktionen durch Covid

Das Universitästklinikum Essen hatte zeitweilig die zweithöchste Anzahl an Covid-Patienten in Deutschland und liegen nur knapp hinter der Charité. Versorgung ist der erste und wichtigste Auftrag und in der Pandemie haben die Entwickler und Ärzte der Uniklinik neue Datenanalyse Dashboards entwickelt, um Daten zu Covid-relevanten Fragen innerhalb des Klinikums auf einen Blick einsehbar zu machen. Gerade an diesem Beispiel hat sich gezeigt, dass die besten Lösungen entstehen, wenn Technologen, Ärzte, Pflegepersonal, Studenten usw. zusammenarbeiten. Anke Diel sagt, dass unter Klinikern heute schon sehr viel Offenheit für Digitalisierung herrscht, weil die Vorteile deutlich werden. Sie sieht einen großen Vorteil in der Förderung großer Konsortien, die Zusammenarbeit mit dem Ziel der Digitalisierung fördern.

Innovationsklima & Führungskultur außerhalb der Hierarchie

Fehlerkultur, Augenhöhe, Design Thinking, Workshops, interdisziplinäre Arbeitsgruppen außerhalb der Hierarchie – all dies sind neue Herangehensweisen, die Anke Diehl unter anderem innerhalb des Förderprojektes an der Universitätsmedizin etabliert. Offenheit für andere Meinungen und das Finden eines Ergebnisses – dies gelingt auch dadurch, dass Geld bereitgestellt wurde, um neue Konzepte auszuprobieren.

Mit Daten Zusammenhänge erkennen und Risikofaktoren verstehen

Das Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin ist mit 4 Professuren gestartet – in neuen Projekten geht es darum, Risikofaktoren aus den Gesundheitsdaten zu entdecken. So entdecken die Mediziner zum Beispiel Patienten mit erhöhtem Risiko z.B. für Komplikationen. Warum erholen sich einige Menschen besser nach Operationen und andere Schlechter? Welche Faktoren spielen hier eine Rolle? Dafür baut Anke Diel mit Ihrem Team unter anderem auch ein von der Gematik gefördertes interoperables „Patientenportal“ – um Daten zu erheben, zu Symptomen, Wohlbefinden etc. All diese Daten werden strukturiert und maschinenlesbar erhoben, so dass sie auch weiter für die Forschung verwendet werden können.

Neue Rechtgrundlagen für Versorgungsmodelle der Zukunft

Gemeinsam mit Unternehmen arbeitet die Universitätsmedizin Essen und ihre Institute an neuen Versorgungsmodellen und in Zusammenarbeit mit dem Bochumer Institut für Sozial- und Gesundheitsrecht erforschen sie derzeit , wie durch Künstliche Intelligenz z.B. Krankheiten früh erkannt und unterbrochen werden können. Heute zahlt man medizinische Leistungen nur im Krankheitsfall – daher erarbeitet die Projektgruppe ein Konzept, wie eine Leistungsübernahme vor Ausbruch einer Krankheit stattfinden kann. Zum Beispiel durch Biomarker usw.  Auch dieses Konzept.

Podcast-Folgen, die Themen dieser Folge aufgreifen:

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