Episode 29 | Heike Thielmann – Krisenstabsleiterin Covid19 der AOK Nordost – über Veränderungsdruck durch Corona

Heike Thielmann ist Krisenstabsleiterin Corona, Datenschützerin und Compliance-Beauftragte. Sie erzählt uns, welches Mindset es braucht, um sich selbst und eine Behörde weiterzuentwickeln und für das digitale Zeitalter fit zu machen. Außerdem sprechen wir über konstruktiven, innovationsfreundlichen Datenschutz und warum die Corona-Pandemie, zumindest unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ein Glücksfall war.

Leider war es sehr warm zum Zeitpunkt der Aufnahme, so dass wir Fenster und Türen geöffnet lassen mussten und der Podcast so etwas leiser als gewöhnlich aufgenommen wurde. Wir wünschen euch trotzdem viel Spaß beim Hören. 

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In dieser Episode reden Inga Bergen und Gast Heike Thielmann ausnahmsweise mal nicht über große Zukunftsvisionen, sondern beschäftigen sich ganz praktisch mit der Frage, wie die Umsetzung von „Zukunft“ unter erschwerten Bedingungen gelingen kann. Die erschwerten Bedingungen sind in diesem Fall die Beharrungskräfte einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Quereinstieg

Zu Beginn, ab Minute 1:30 erzählt Heike Thielmann, wie sie nach der Wende als Quereinsteigerin zu einer Krankenkasse kam. Angefangen hat sie damals als Sekretärin bei der AOK Nordost. Über die Jahre konnte sie viel Wissen aufbauten, so dass sie zur Beauftragten des Vorstandes wurde. Heute ist sie Krisenstabsleiterin Corona, Datenschützerin und Compliance-Beauftragte. In ihrer aktuellen Rolle als Corona-Krisenstabsleiterin muss Heike schnelle Entscheidungen treffen, erzählt sie ab Minute 3:36. Für eine Verwaltung nicht die leichteste Übung. Zweidrittel der Mitarbeiter wurden ins Ad-hoc Homeoffice geschickt, zum Teil mit eigenen Geräten. Einige Regeln zum Homeoffice gab es bereits, diese wurden schnell ausgerollt und die Mitarbeiter konnten auch unter Coronabedigungen weiterarbeiten. 

Konsens für Veränderung

Heike beschäftigt sich in ihrer Arbeit viel mit Change-Prozessen und dem richtigen Mindset, um diese erfolgreich umzusetzen. Ab Minute 7:30 erzählt sie, dass sie stets als Vorbild fungiert, um Mitarbeiter für Veränderungen zu motivieren. Des Weiteren nutzt Heike die Konsent-Methode, vor allem um Lösungen voranzubringen. Konsent-Methode, das bedeutet für Heike, wenn niemand eine bessere Lösung einbringt, wird die vorgeschlagene Lösung umgesetzt. Für Heike Thielmann war Corona auch ein Glücksfall, da viele Veränderungen, die schon lange gewollt waren, durch den entstandenen Veränderungsdruck schnell umgesetzt werden mussten. 

Netzwerk “Flexibles Arbeiten”

Ab Minute 9:10 thematisieren Inga und Heike das Netzwerk „Flexibles Arbeiten“, das sich aus der Krise heraus entwickelt hat. In diesem Netzwerk soll die Art zu arbeiten weiterentwickelt werden und es soll helfen, Fragen zu beantworten wie eine Verwaltung innovativ werden kann. Bis heute sind Versicherung hierarchisch organisiert, einerseits hat dies Vorteile – andererseits müssen Abteilungen heutzutage auch themenübergreifend zusammenarbeiten. Mit dem Netzwerk „Flexibles Arbeiten“ sollen dafür Raum geschaffen werden, ohne die AOK komplett umorganisieren zu müssen. 

Mut zu Fehlern

Wie können Verwaltungen und Konzernen eine neue Fehlerkultur erlernen? Heike Thielmann plädiert für mehr Eigenverantwortung und Mut. Sie ist als Sekretärin gestartet und hat sich trotz der Hierarchien entwickeln können, auch weil sie sich in Auseinandersetzungen begeben hat. Mit dem Netzwerk „Flexibles Arbeiten“ möchte Heike Menschen mit Mut und Eigenverantwortung vernetzen. Diese Mitarbeiter nennt sie „Treiber“. Generell teilt Sie Mitarbeiter in drei Kategorien. Die Treiber, die nach vorne rennen und Themen voranbringen. Welche weiteren Mitarbeiterkategorien Heike für sich definiert und warum es gut ist unterschiedliche Typen im Team zu haben, erzählt sie ab Minute 16:40.

Regeln für Datenverkehr 

Daten, Datenverkehr und Datenschutz sind einige der wichtigsten Themen unserer Zeit. Auch für Heike sind dies zentrale Themen, mit denen sich jeder beschäftigen sollte, und vor allem die jeder verstehen sollte. Für sie ist Datenschutz wie Straßenverkehr. Sowohl für den Straßenverkehr als auch für den Datenverkehr brauchen wir Regeln. Regeln, die für jeden verständlich sind. Sie empfiehlt jedem den Originaltext, in diesem Fall das Gesetzt, zu lesen, um wirklich mitreden zu können und sich nicht auf Aussagen von Beratern verlassen zu müssen. Dennoch müssen Datenschutzbeauftragte lösungsorientiert sein. Nur dann können gemeinsam die Regeln genutzt werden, um vorwärts zu kommen, plädiert Heike ab Minute 20:00 im Podcast. 

Compliance

Ab Minute 29:00 erklärt uns Heike Thielmann, was sie als Compliance-Beauftragte einer GKV macht. Dabei beschäftigen sie, welche gesetzlichen Regelungen es gibt und wie sie diese in die tägliche Arbeit integrieren kann. Ein Beispiel dafür ist die Barrierefreiheit.

Heikes Mindset ist vorwärtsgerichtet, sie packt an und probiert aus. Daher ist sie auch der Auffassung, dass Gesetze der Wirklichkeit folgen müssen und nicht andersherum. Denn wir können keine Gesetze für die Zukunft machen. Ein weiterer dieser vorwärtsgerichteten Gedanken ist, dass sie für Risikominimierung statt komplette Risikovermeidung einsteht. Das ist das Mindset, mit der man die Zukunft gestalten kann. Dabei hilft es, sich kleinteilig in Themen einzuarbeiten und seine Mitarbeiter mitzunehmen, sagt Heike zum Abschluss des Interviews. 

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