Inga Bergen

Portrait von Inga Bergen

Seit ich begann, mich beruflich mit Gesundheit zu beschäftigen, habe ich eine Vielzahl von Menschen getroffen, mit denen ich sofort eine gemeinsame Wellenlänge herstellen konnte: Forscher, Gründer, Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Angestellte in Gesundheitsunternehmen. Eine Gemeinsamkeit eint uns – eine starke, konstruktive Vision, Gesundheit neu zu denken und etwas verbessern zu wollen.

Ungefähr 8 Jahren ist es jetzt her, dass ich mit dem Thema Gesundheit & digitale Innovation in Berührung kam. Ich war damals bei der Innovationsberatung FJORD tätig und traf auf Unternehmen, die sich die Frage stellten, was die digitale Revolution für sie bedeuten würde. Das Thema interessierte mich sofort. Und die Beantwortung dieser Frage würde mich mein weiteres Berufsleben begleiten.

Ich wechselte als Geschäftsführerin zu welldoo. Erneut stieß ich dort auf die Frage, was die Digitalisierung für das Gesundheitswesen, seine Angebote und Produkte bedeuten würde. Zusammen mit meinem Team entwickelte ich fast 200 Gesundheitsapps zur Prävention und Therapiebegleitung für viele große Versicherer, Pharma-Unternehmen, Medizintechnikhersteller, Fitnessketten, etc. Ich baute das Unternehmen zu einem der führenden Digital Health Dienstleister aus. Zusätzlich hielt ich viele Vorträge zum Thema, wie die Digitalisierung das Gesundheitswesen verändern würde. Ein spannendes und vielseitiges Thema aber vor allem eines, bei dem ich mich bei jedem Vortrag etwas mehr fragte, wo diese Innovationen blieben. Denn in der täglichen Praxis kamen sie selten an. Als ich welldoo verließ, entschied ich mich daher, als nächstes ein Produkt bei dem Weg in den Markt zu begleiten. Ich wurde Geschäftsführerin von magnosco, einem Berliner Start-up, dass Diagnostik in der Onkologie mit Laser-Spektroskopie und Künstlicher Intelligenz entwickelt hat.

Doch das alleine reicht mir nicht. Auch nach Jahren der Beschäftigung mit dem Thema Digitalsierung & Gesundheit kommen noch viel zu selten innovative Lösungen beim Patienten an. Daher bin ich aktiv als Beirat der AOK Nordost und der Zur Rose sowie Botschafter für Innovation des Gesundheitsclusters Berlin-Brandenburg. Ich treffe viele Menschen, die sich insbesondere am deutschen Gesundheitswesen die Zähne ausbeißen – aber es bewegt sich etwas.

Die digitale Revolution ist ohnehin da und verändert alles. Wir brauchen eine Vision, was Gesundheit in Zukunft bedeutet. Wir können Technologie als Vehikel nutzen, um Patienten und Menschen stärker in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems zu rücken.

Neben dem Beruf habe ich auch ein privates Interesse an Gesundheit: Ich selbst habe bereits eine lebensbedrohliche Krankheit und langwierige Behandlungen überstanden. Dabei konnte ich erleben, wie viel Potential zur Verbesserung das Gesundheitswesen bietet. Mich interessieren Menschen, die wie ich daran arbeiten, das Gesundheitswesen ganzheitlich weiterzuentwickeln. Menschen, die den Menschen in den Fokus rücken, und nebenbei Probleme wie die Zunahme chronischer Krankheiten, Kostenexplosion und Fachkräftemangel lösen wollen.

Die Frage, die mich umtreibt ist, wie wir die digitale Revolution nutzen können, um Krankheiten zu verhindern und den Patienten in den Mittelpunkt zu rücken. Um individueller zu diagnostizieren und zu behandeln. Um die Selbstwirksamkeit von Patienten zu unterstützen und den Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen und Innovationen zu erleichtern. Ich bin der Meinung, dass wir zu einer ganzheitlichen, individuellen Betrachtung von Patienten kommen müssen und das Outcome incentivieren müssen, statt den Fokus (und auch den finanziellen Anreiz) auf Krank bleiben und Medikation oder chirurgische Eingriffe zu legen. Wir brauchen eine neue Vision für Gesundheit. Gleichzeitig haben wir die Chance, uns von dem heutigen „Weltbild“, das sehr von Descartes‘ Mensch-Maschine-Modell geprägt ist, zu befreien und den Menschen wieder als das komplexe Wesen wahrzunehmen, das er ist. Auch müssen wir die Prozesse im Gesundheitswesen unserer schnellen Welt anpassen, damit Innovationen schneller den Menschen zugute kommen.

In unserem Podcast treffen wir Wissenschaftler, Ärzte, Unternehmer und Persönlichkeiten, die wir spannend finden und die wie wir auch eine starke Vision verfolgen, wie Gesundheit in der Zukunft aussehen könnte.