Episode 37 | Dr. Susanne Ozegowski – Digitalchefin der Techniker Krankenkasse (TK) über die Vision, ein digitales Gesundheitsökosystem für Versicherte zu schaffen

In dieser Folge interviewt Inga Bergen Dr. Susanne Ozegowski über ihre Arbeit als Strategie- und Digitalchefin der Techniker Krankenkasse. Die beiden sprechen über Susannes Werdegang, ihr erstes Projekt bei der TK, die digitale Patientenakte, und ihre Vision für die Digitalisierung der größten deutschen Gesetzlichen Krankenversicherung – und wie sich die Rolle von Krankenkassen zukünftig verändern wird. 

Dr. Susanne Ozegowski

Ab Minute 1:10 geht es zunächst los mit Susannes Lebensweg, die zunächst in der Beratung bei der Boston Consulting Group startete und dann im Gesundheitswesen landete. Sie war Geschäftsführerin beim Bundesverband Managed Care und übernahm dann das Projekt der elektronischen Gesundheitsakte der Techniker Krankenkasse. Sie beschäftigt sich viel mit der Frage, was das Gesundheitswesen der Zukunft sein wird. Ab Minute 4 erklärt Susanne Ozegowski das Projekt der elektronischen Gesundheitsakte. Die gesetzliche Möglichkeit eine solche Akte anzubieten, gibt es bereits seit 2005. Im Jahr 2016 entschied sich die TK dann, eine solche Akte einfach selbst anzubieten, und nicht mehr auf andere Institutionen zu warten. Das Bundesministerium der Gesundheit wurde immer auf dem Laufenden gehalten, so wurde klar, was alles schon möglich ist.

Kundennutzen

Ab Minute 6 berichtet Susanne Ozegowski über die Erfahrungen, die die TK schon mit der Akte gemacht hat. Der Fokus lag von Anfang an auf Kundennutzen – so konnte die TK ihren Kunden alle Daten zur Verfügung stellen, die sie als Versicherung zur Verfügung hat, unter anderem eine Übersicht über verschriebene Medikamente. Im nächsten Schritt werden die Daten dann mit Services verbunden – wie z.B. Informationen zu Impfungen oder Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen.

Inga erfährt ab Minute 8:30, dass es bereits 260.000 Nutzer gibt, die die TK Akte regelmäßig nutzen. Der Ansatz, mit einem kleinen Produkt anzufangen und unmittelbar Nutzen zu schaffen ist ein anderer als der in Deutschland häufig übliche, eine perfekte Lösung, die für alle passt, auf den Markt zu bringen – denn häufig scheitert ein so großes Vorhaben dann an der Komplexität. Ab Minute 10:30 geht es um die Zukunftsvision der Techniker Krankenkasse. Es gibt bereits viele einzelne Lösungen für einzelne Indikationen. 

Das TK-Gesunheitsökosystem als Partner der Patienten

Der nächste Schritt ist, all diese Themen zusammen zu bringen und ein Gesundheitsökosystem zu schaffen. Wenn alle Daten und Systeme zusammenkommen, ergeben sich andere Möglichkeiten zur Personalisierung und auch bessere User Experience. Ab Minute 11:50 skizziert Inga, wie eine solche Zukunftsvision konkret aussehen könnte. Susanne Ozegowski erwartet, dass zukünftig die Verzahnung der digitalen und analogen Angebote relevanter werden wird. Mit einem Schweizer Start-up bietet die TK den Service Onlinedoctor.de an, einen Hautcheck. Auch die Videosprechstunde wird von der TK seit kurzem Angeboten. Ab Minute 14:45 geht es um die neue Rolle der Techniker Krankenkasse in der digitalisierten Welt. Heute werden schon über 90% der Fälle digital bearbeitet, aber die Rolle des „Kostenträgers“ beschreibt es nicht mehr treffend. Es geht immer mehr um die Unterstützung des Patienten auf seinem Weg durch das Gesundheitssystem und bei der Erhaltung seiner Gesundheit.

Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil 

Ab Minute 17:10 geht es um das Geschäftsmodell. Heute ist es nicht zwangsläufig so, dass der digitale Weg preisgünstiger ist als der analoge. Eine Frage ist auch, ob größere Erkrankungen vermieden werden können, wenn der Zugang zu Versorgung einfacher ist. Digitale Angebote sind auch ein Argument, um für Kunden attraktiv zu werden. Die TK sieht sich hier auch in Konkurrenz zu privaten Versicherern wie z.B. ottonova. Die Zielgruppe erwartet schnelle, unkomplizierte und unbürokratische Interaktion. 

Das TK-Lab: Das Digitalsierungs-Schnellboot der TK 

Ab Minute 22:30 geht es um die organisatorischen Voraussetzungen, die die TK geschaffen hat, um sich Digitalen Themen annehmen zu können. Dazu hat die TK gemeinsam mit einer Beratung das Lab gebaut – eine „Schnellboot“-Abteilung für Digitalisierungs-Themen. Die Themen müssen dann aber in die Organisation überführt werden und verzahnt werden, sonst funktioniert es nicht. Die Fachbereiche der TK ist also eng involviert und entwickeln auch Apps mit. So kommt die digitale Denke in die gesamte Organisation – und das macht auch viel Spaß, weil die Mitarbeiter den direkten Nutzen sehen können. 

Ab Minute 26 sprechen Inga Bergen und Susanne Ozegowski über den Ärzte-Service-Center der TK. Früher durften keine Diagnosen gestellt werden, das ist heute möglich und auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) können ausgestellt werden. Außerdem arbeitet die TK gerade an einem Modellprojekt zum E-Rezept. 

Heute sind die Deutschen Weltmeister bei der Menge an Arztbesuchen. Ab Minute 28:50 spricht Inga eine Forsa-Umfrage zur Epidemie der Einsamkeit an, die im Rahmen der Corona Pandemie entstanden ist. Susanne sagt, dass es in anderen Gesundheitssystemen wie in Schottland so ist, dass Social Care und Health Care nicht voneinander getrennt betrachtet werden. So ist es einfach bei solchen Themen besser interveniert werden. 

Rahmenbedingungen müssen sich ändern, damit Prävention ein Geschäftsmodell wird 

Ab Minute 30:30 sprechen Inga und Susanne Ozegowski über digitale Gesundheitsanwendungen DiGA. Die zugelassenen DiGA haben gemeinsam, dass sie Patienten bei Gesundheitsthemen unterstützen. Die große Chance der Digitalisierung ist, Krankheiten anders zu betrachten und Patienten dabei zu helfen und zu begleiten, gesund zu werden. Innerhalb der heutigen Rahmenbedingungen gibt es leider keinen Anreiz für Prävention – es wird nur Geld verdient, wenn Patienten krank sind. Die Rahmenbedingungen müssen sich ändern. Inga nennt als Beispiel den Diabetescoach aus den USA Livongo. Laut Susanne gibt es viele internationale Beispiele, die genau diese Anreize schaffen, Inspiration holt sie sich viel aus anderen Märkten. Wir sollten also den Blick über den Tellerrand wagen. 

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