
Digitale Versorgung, Daten & Prävention
Zukunft der Apotheke: Apotheker und YouTuber Jan Reuter über pharmazeutische Dienstleistungen
Jan Reuter ist Apotheker, Unternehmer, YouTuber und Gesundheitskommunikator und erreicht mit Erklärvideos zu verschreibungspflichtigen Medikamenten knapp 60.000 Abonnent:innen auf YouTube. In Folge 152 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie Apotheken 2026 von Verkaufsstellen zu Gesundheitshubs werden können. Reuter erklärt, warum er 80 Prozent des Umsatzes mit Dienstleistungen statt mit verschreibungspflichtiger Ware erzielen will, wie Asthmaschulungen die Fehlanwendung von etwa 70 auf 5 Prozent senken und weshalb Medikationschecks, Gentests und Point-of-Care-Tests Prävention greifbar machen. Das Gespräch zeigt am Beispiel einer Vor-Ort-Apotheke im ländlichen Raum, wie Prävention auch wirtschaftlich tragen kann.
Warum das Thema wichtig ist
Die Apotheke 2030, das ist kein Verkaufsort, das ist einfach ein Service-Hub für Gesundheit im Alltag.
Wenn jedes Jahr Hunderte Apotheken schließen und Arztpraxen auf dem Land fehlen, entscheidet sich an der Vor-Ort-Apotheke, ob Prävention, Medikationssicherheit und Orientierung im System überhaupt noch bei den Menschen ankommen. Die Folge klärt die konkrete Frage, ob sich Dienstleistungen wie Medikationschecks, Schulungen zur Inhalationstechnik, Gentests und Point-of-Care-Tests wirtschaftlich tragen können, wenn sie über pharmazeutische Dienstleistungen vergütet oder noch nicht erstattet werden, und was das für den Wettbewerb mit Versandapotheken bedeutet. Relevant für Apothekerinnen und Apotheker, Inhaberinnen und Inhaber von Vor-Ort-Apotheken, Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung, Krankenkassen, Apothekerverbände sowie politische Entscheiderinnen und Entscheider, die über Vergütung und Aufgaben der Apotheke entscheiden. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, ordnet in dieser Folge von Visionäre der Gesundheit ein, welche neuen Versorgungsaufgaben Apotheken 2026 realistisch übernehmen können.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
Die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation steht Patienten ab fünf verschreibungspflichtigen Arzneimitteln kostenlos zu.
Rund 70 Prozent der Patienten wenden teure Asthmasprays falsch an, nach einer Apothekenschulung nur noch etwa 5 Prozent.
Pharmazeutische Dienstleistungen werden über den Nacht- und Notdienstfonds finanziert, der 20 Cent pro Rx-Packung abzweigt.
Die Apotheke 2030 ist ein Service-Hub für Gesundheit im Alltag und kein reiner Verkaufsort.
Gentests auf Kohlenhydratempfindlichkeit, Omega-3-Rezeptoren und Vitamin-D-Rezeptoren gehören zu den noch nicht erstatteten Longevity-Angeboten.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
Apotheke als Service-Hub: Wie Jan Reuter Prävention, Dienstleistungen und YouTube in der Offizin verbindet
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, spricht im Podcast "Visionäre der Gesundheit" mit dem Apotheker und YouTuber Jan Reuter. Sie hat ihn eingeladen, weil er als einer der wenigen Apotheker bereits heute vorlebt, was 2026 für viele Betriebe zur Pflicht werden könnte. Reuter führt eine Apotheke im ländlichen Raum, erreicht mit seinen Erklärvideos knapp 60.000 Abonnenten und sieht täglich, wo Patienten im Alltag mit ihren Medikamenten scheitern. Diese Mischung aus Praxis vor Ort, digitaler Reichweite und unternehmerischem Blick macht seine Perspektive im Gespräch einzigartig.
Was bedeutet es, wenn eine Apotheke zum Service-Hub wird?
Ein Service-Hub ist eine Apotheke, die Probleme verhindern will, statt erst auf sie zu reagieren, und die dabei den Menschen vor die Ware stellt. Reuter beschreibt, dass viele Patienten ihre Arzneimittel einnehmen, ohne wirklich zu verstehen, wofür und wie. Das eigentliche Versorgungsproblem liege daher oft nicht im Präparat, sondern im fehlenden Verständnis im Alltag.
Sein Ziel ist eine Apotheke, die den Großteil ihrer Leistung als Dienstleistung erbringt. Produkte bleiben wichtig, doch sie sollen nicht mehr das Zentrum bilden. Reuter betont außerdem, dass diese Entwicklung nicht erst in einigen Jahren beginnen soll, sondern bereits jetzt, und dass sein Team sie gemeinsam trägt.
Was ist der Medikationscheck und wer hat Anspruch darauf?
Der Medikationscheck ist eine pharmazeutische Dienstleistung, die gesetzlich Versicherten kostenlos zusteht, sobald ihnen mindestens fünf verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnet wurden. Offiziell heißt sie erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation. Reuter vergleicht sie mit dem Aufstellen einer Fußballmannschaft: Geprüft wird, ob die Präparate als Team zusammenpassen oder ob einzelne Wirkstoffe sich gegenseitig stören.
Das Ziel ist, dass Patienten die Apotheke klüger verlassen, als sie hineingekommen sind. Inga Bergen ordnet das als wichtigen Einstieg in ein Gespräch ein, das Therapiekompetenz stärkt. Besonders für multimorbide Chroniker, die schnell den Überblick verlieren, sei dieser zweite Blick nach der ärztlichen Verordnung wertvoll.
Warum wirken Schulungen in der Apotheke, zum Beispiel bei Asthma, so gut?
Persönliche Schulungen wirken, weil Patienten Inhalatoren ohne Anleitung sehr häufig falsch benutzen und das Üben mit allen Sinnen den Lerneffekt deutlich steigert. Reuter nennt als Zahl, dass rund 70 Prozent der Betroffenen ihre teuren Asthmasprays fehlerhaft anwenden. Nach einer Schulung durch eine Apothekerin sinke dieser Anteil auf etwa 5 Prozent.
Herstellervideos gebe es zwar schon lange, doch sie würden kaum angesehen. Das gemeinsame Ausprobieren in der Offizin, mit Anfassen, Zeigen und Nachfragen, bleibe besser haften. Das spart nach Reuters Einschätzung nicht nur den Patienten Beschwerden, sondern auch dem System erhebliche Kosten.
Welche Rolle spielen Gentests und Longevity in der Apotheke?
Gentests und Longevity-Angebote sprechen vor allem Menschen an, die gesünder älter werden möchten, und sie gehören in Reuters Apotheke bereits zum Portfolio. Er erklärt, dass sich damit etwa Kohlenhydratempfindlichkeit, die Wirkung von Omega-3 oder die Verwertung von Vitamin D abschätzen lassen. Diese Leistungen werden bisher nicht erstattet, sind aber so stark nachgefragt, dass kaum Werbung nötig ist.
Als Beispiel schildert er seine eigene Geschichte mit erhöhtem Cholesterin. Die Testergebnisse zeigten ihm, dass ein teures Supplement für ihn nutzlos war und ein Cholesterinsenker womöglich problematisch gewesen wäre. Am Ende half ihm eine Ernährungsumstellung. Ergänzend bietet die Apotheke Point-of-Care-Tests, etwa zu Vitamin D und Eisenspeicher, sowie eine naturheilkundliche Anamnese und einen Medikationscheck an.
Inga Bergen teilt aus eigener Erfahrung, dass solche Tests ein Bewusstsein für die eigene Gesundheit schaffen, auch wenn manche Ergebnisse in einer Grauzone liegen. Reuter versteht sie als Ergänzung zur Leitlinienmedizin und arbeitet dabei eng mit der Ärzteschaft der Region zusammen.
Wie kann sich eine serviceorientierte Apotheke wirtschaftlich tragen?
Eine serviceorientierte Apotheke trägt sich, weil pharmazeutische Dienstleistungen vergütet werden und dafür kein Wareneinsatz nötig ist. Die Mittel stammen aus dem Nacht- und Notdienstfonds, in den pro verschreibungspflichtiger Packung ein kleiner Betrag fließt. Reuter hält ein Verhältnis von etwa 80 Prozent Dienstleistung und 20 Prozent Abgabe für ein ehrgeiziges, aber erreichbares Ziel.
Als Vorteil nennt er, dass Dienstleistungen weder von Lieferengpässen noch von Rabattschlachten abhängen und kaum vergleichbar sind. Gegenüber Versandapotheken, die reine Logistik betreiben, könne eine Vor-Ort-Apotheke so punkten. Durch zwei, drei zusätzliche Angebote habe sein Betrieb spürbar mehr Kunden gewonnen, auch aus dem weiteren Umkreis.
Hürden sieht er in Fachkräftemangel, Bürokratie und Trägheit. Sein Rat lautet, klein anzufangen, etwa mit einer Dienstleistung pro Tag, und die Abrechnung zu üben, die inzwischen digital deutlich einfacher geworden sei.
Warum sollten Apotheken auf YouTube und Social Media sichtbar sein?
Apotheken sollten digital sichtbar sein, weil Patienten heute auf dem Smartphone nach Antworten suchen und dort Vertrauen aufgebaut wird. Reuter erklärt auf YouTube häufig verordnete Medikamente in verständlicher Alltagssprache und lässt jedes Video vorab von einer Kollegin gegenprüfen. Er konzentriert sich bewusst auf diese Plattform, weil Videos dort wie in einer Bibliothek langfristig auffindbar bleiben.
Die Kommentare zeigen ihm, wo Wissen fehlt, und liefern Themen für Teamsitzungen und Vorträge, zum Beispiel vor Landfrauen in den Nachbarorten. Für Kolleginnen und Kollegen hat er einen niedrigschwelligen Rat: kurze Handyvideos, authentisch und ohne Perfektionsanspruch, etwa mit saisonalen Tipps in der Grippewelle. Wichtig sei, sich zu zeigen und keine Angst vor der Kamera zu haben.
Wie finden Apotheken ihre Positionierung und wie reagieren Teams und Ärzte?
Jede Apotheke findet ihre Positionierung über eine Bedarfsanalyse im eigenen Umfeld und über die Frage, was dem Team Freude macht. Nicht jede muss Longevity anbieten, denn Kundenbedürfnisse unterscheiden sich in einer Kleinstadt, in Potsdam oder in Köln. Entscheidend sei, dass Menschen Lösungen für ihren Alltag suchen und keine einzelne Leistung.
Auf Widerstand stößt Neues laut Reuter durchaus, bei Gentests etwa gab es anfangs Skepsis, auch im eigenen Team. Mit den Ärzten der Region bleibe das Verhältnis jedoch gut, denn der Patient stehe für ihn an oberster Stelle und die Praxen würden entlastet. Wie schon in einem früheren Gespräch mit Ina Lucas gilt auch hier, dass sich in der Transformation immer jemand begeistern lässt.
Am Ende fasst Reuter seine Vision zusammen: eine Apotheke, die mit Herzblut, Prävention, Tests und pharmazeutischen Dienstleistungen Probleme vermeidet. Inga Bergen ergänzt, dass sich die reine Abgabe anders organisieren ließe, das menschliche Drumherum jedoch nicht.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:15
Inga Bergen
Was wäre, wenn Apotheken in Zukunft keine Verkaufsstellen mehr wären, sondern echte Gesundheitshubs? Genau darüber spricht Inga Bergen mit Jan Reuter in dieser Folge. Jan Reuter ist Apotheker mit fast 60.000 Abonnent:innen bei YouTube. Er ist einer der lautesten Fürsprecher für Prävention, Medikationschecks und echte Aufklärung. Wir sprechen über Service statt Logistik, über Asthmatrainings und darüber, warum die Zukunft der Apotheke genau jetzt beginnt. Das Gesundheitssystem steht vor einem grundlegenden Umbau. 2026 wird sich die Rolle der Apotheken deutlich verändern. Über die Arzneimittelversorgung hinaus hin zu einem modernen Eckpfeiler des Gesundheitssystems. Apotheken werden für ganz viele Menschen der erste Ansprechpartner sein. Bei chronischen Erkrankungen, bei Prävention, bei Orientierung im System. Sie werden Lotsen, Koordinatoren und niedrigschwellige Versorgungsorte, direkt vor Ort, digital, vernetzt und stärker eingebunden als je zuvor. In dieser dreiteiligen Podcast-Serie sprechen wir darüber, wie sich die Rolle der Apotheke verändert, welche Versorgungsaufgaben realistisch dazukommen und was es braucht, damit Apotheken diese neue Verantwortung auch tragen können. Diese Serie entsteht in Partnerschaft mit gesund.de, der Plattform, die die Patienten mit ihren lokalen Leistungserbringern per App vernetzt und Apotheken, Arztpraxen und Sanitätshäuser bei der Digitalisierung unterstützt. Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Heute habe ich einen ganz besonderen Gast, auf den ich mich sehr, sehr freue, und mit ihm werde ich über die Zukunft der Apotheke sprechen, denn er hat da eine ganz, ganz eigene Vision, die er verfolgt. Er sieht die Apotheke als einen Service Habt der Zukunft. Und ich freue mich sehr auf dich, lieber Jan Reuter.
02:20
Jan Reuter
Liebe Inga, danke für die Einladung. Ich bin total enthusiastisch, tatsächlich. Ich habe mir immer mal gewünscht, dem Podcast hier beiwohnen zu dürfen, weil ich ein großer Fan bin von der ersten Stunde an. Es einfach genial finde, wenn hier mal über den Tellerrand hinausgeschaut wird. Also danke für die Einladung.
02:36
Inga Bergen
Ja, ich danke dir, dass du mir heute Rede und Antwort stehst. Du bist ja jetzt würde ich sagen, Tausendsassa oder eierlegende Wollmilchsau. Das kann man sich aussuchen. Also du bist Apotheker, du bist YouTuber, du bist Digital-Enthusiast. Das ist ganz schön viel. Was treibt dich an? Was hat dich dazu gebracht, all diese Rollen so wirklich mit der Energie, wie du das machst, voranzutreiben?
03:04
Jan Reuter
Also mich treibt was ganz Einfaches eigentlich an, weil ich sehe mit meinem Team jeden Tag Hunderte Menschen, die Medikamente nehmen, aber die wissen nicht wirklich, was sie da tun. Und dann haben wir gemerkt, das Problem in der Versorgung ist ganz oft nicht das Medikament, sondern einfach das fehlende Verständnis im Alltag. Das ist ein riesiges Problem. Und da habe ich mir die Frage gestellt: Will ich jetzt als Vor-Ort-Apotheke wirklich nur Ware bewegen? Kann es das wirklich gewesen sein? Oder wollen wir wirklich Verantwortung übernehmen? Und Digitalisierung, Social Media, YouTube, ja, das spielt eine Rolle. Das sind für mich keine Spielereien, das sind Werkzeuge, um wirklich wirklich Menschen zu erreichen. Wir haben es mit Menschen zu tun und die will ich erreichen mit meinem Team, bevor was schiefgeht. Und meine Vision, das ist eine Apotheke, die nicht erst reagiert, wenn ein Problem da ist, wenn viele Probleme da sind, sondern vorher hilft, die zu vermeiden. Weg von der reinen Abgabe, wirklich hin zur Dienstleistung. Und nicht, weil Produkte unwichtig sind, sondern weil Menschen einfach viel wichtiger sind.
04:10
Inga Bergen
Es ist so spannend, weil wir haben uns tatsächlich letzte Woche gesehen in Berlin und da haben wir so ein bisschen vorgesprochen, wir heute sprechen wollen. Und da ist bei mir hängengeblieben, dass du wirklich mehrfach gesagt hast, und so habe ich ja eben auch eingeführt, du möchtest eigentlich ein Servicedienstleister werden in deiner Apotheke. Also du stellst dir vor, wirklich 80% Services, 20% Abgabe von Medikamenten. Und siehst das auch ein bisschen als Blaupause eigentlich für die Apotheke der Zukunft. So hast du das formuliert. Und ich finde das enorm spannend, weil wir stehen ja gerade an so einem Scheideweg. Die Apotheken bekommen im Jahr 2026 neue Aufgaben. Aufgaben, neue Verantwortung und können auch eine neue Rolle übernehmen. Und das ist ja ein großer Wandel. Und ja, ich würde sagen, so wie ich dich kenne, bist du jemand, der diesen Wandel schon lebt. Also, du bist wahrscheinlich vielen Apotheken schon 5 oder 10 Jahre voraus, weil du viel— oder auch nur 2 Jahre, je nachdem, wie schnell das alles geht. Aber weil du einfach so viel innovative Möglichkeiten so schnell adaptiert hast, auch in deiner eigenen Apotheke. Kann man das so sagen? Oder wie ordnest du das ein, Jan?
05:22
Jan Reuter
Das ist ja das Team, was das macht. Ich bin ja nur das Gesicht nach außen. Das ist ja das allerwichtigste Statement von dem Podcast. Und uns treibt alle die Frage an, warum wir im Gesundheitswesen so verdammt viel wissen, aber so eine klitzekleine Menge viel zu wenig im Alltag ankommt. Wir geben Medikamente ab, aber Lassen die Fragen allzu oft noch mit, oder die Menschen noch allzu oft mit den Fragen allein. Und das darf nicht sein. Und die Apotheke 2030, das ist kein Verkaufsort, das ist einfach ein Service-Hub für Gesundheit im Alltag. Nicht erst in 2 Jahren, nicht erst in 5 Jahren, sondern jetzt.
06:01
Inga Bergen
Ja, und wie stellst du dir das genau vor? Und wie setzt du das heute schon um in deiner Apotheke?
06:08
Jan Reuter
Indem wir alles hinterfragen, auch die Dinge, die eigentlich nicht zu hinterfragen sind. Es ist ja trotzdem noch Apothekenalltag da. Wir haben die Versorgungsproblematik hier im ländlichen Raum, in unserer kleinen, feinen Apotheke mit wenigen oder vielleicht zu wenigen Arztpraxen und sind dann oft so der Anker oder der Hafen für die Patient:innen.
06:30
Inga Bergen
Also ist es heute schon so, dass die Patienten zu dir kommen mit ganz vielen Fragen?
06:34
Jan Reuter
Ja, also hier, also die meisten kommen mit Fragen und nichtsdestotrotz werden sie von uns auch noch mit Fragen gelöchert oder bombardiert oder zumindest mit höflichen Fragen penetriert. Weil das ist ja schon ein Unterschied, ob ich nur Ware abgib und Logistik mache oder ob ich mich auch als Dienstleister sehe. Und das beinhaltet dann schon mal nicht immer nur ein Füllerhorn an Fragen, aber schon 2, 3 oder 4 Fragen, die wahrhaftig in Patientenrichtung dann Gehen.
07:01
Inga Bergen
Und das Ganze ist ja schön, also diese Fragen zu beantworten und auch wichtig. Aber es muss natürlich auch verankert werden in ein Angebot, was vergütet wird, was im System zu Hause ist. Und das hat sich ja in den letzten Jahren so entwickelt. Wir können zum Beispiel über pharmazeutische Dienstleistungen sprechen und da machst du sehr, sehr viel. Vielleicht kannst du mal kurz erzählen, was das ist, weil für mich ist das Und korrigier mich, wenn ich was Falsches sage, aber für mich ist das ein Beispiel von so einer wirklichen Serviceleistung, die ihr ja schon erbringt. Würdest du das auch so sehen?
07:39
Jan Reuter
Ja, auf jeden Fall. Das ist eine grandiose Serviceleistung, die unfassbar Spaß macht, wofür ich auch studiert habe, wo ich einfach hier so wahrhaftige Pharmazie betreiben kann, wo ich dann tatsächlich, also der Arzt verordnet was und angenommen, du kriegst jetzt 5 verschreibungspflichtige Medikamente, Arzneimittel oder mehr, dann steht dir kostenlos eben diese erweiterte Polymedikation Informationscheck zu, lass uns einfach Medi-Check nennen, der Einfachheit halber. Und dann ist es mir einfach wichtig und dem Team wichtig von den ganzen Apothekerinnen, wo wir dann einfach sagen: Hey, du gehst raus schlauer als vorher, als du reingegangen bist. Du kriegst hier nicht nur Ware. Wir schauen, wie passen die zusammen, die Medikamente? Was machen die miteinander? Passt das vom Team? Das ist einfach wie so eine Art Teambuilding der Medikamente. Wenn, wie beim Fußball oder beim Mannschaftssport, habe ich da irgendwas, was zu doll auf Angriff getrimmt ist, habe ich eine gute Verteidigung? Habe ich einen guten Teamleader? Wie passt das alles von der Klaviatur? Und dann sehe ich dann einfach auch die Nuancen auf der einen Seite und ich sehe auch gleichzeitig, gibt es denn tatsächlich Wechselwirkungen oder Leute, die nicht zeitgleich ins Team passen? Und das gilt es natürlich zu verhindern. So jemand muss auf die Bank oder auf die Tribüne.
08:52
Inga Bergen
Ja, ich finde das so spannend, weil es ist ja ein Einstieg in ein Gespräch. Also es geht ja um Patient, Patientin, um ihre individuelle Routine. Was machen die eigentlich? Und das finde ich interessant, weil wenn wir jetzt mal überlegen, es gibt ja so viele Chroniker:innen, die multimorbide, eine multimorbide Situation haben, also mehrere Medikamente nehmen und dann ganz oft den Überblick verlieren. Also sage ich, ich nehme irgendwie so eine rote Pille morgens und so eine halbe weiße, die nehme ich mittags. Und wofür die ist, das weiß ich eigentlich nicht. Und ich stelle mir vor, bei so einer Leistung seid ihr ja in der Apotheke auch ein Stück weit Ein Einstiegspunkt für die Vermittlung von Therapiekompetenz und von wirklicher Kompetenz, so die eigene Gesundheit bzw. Therapie dann auch noch mal richtig zu verstehen.
09:40
Jan Reuter
Das Ding ist ja, die Leute, wenn sie jetzt zum Beispiel kommen und es geht um Supplements oder so was oder um bestimmte Sportarten oder Wearables, was total Modernes, dem Zeitgeist entspricht, da kennen die sich richtig, richtig gut aus. Und da gibt es auch tolle Informationsquellen. Aber der Arzneimittelmarkt ist so ein riesiger und so ein komplexer, dass sich da einfach schon viele Gefahren sehe ich, sehe das jetzt ja auch auf meinem YouTube-Kanal. Da kriege ich jeden Tag 1 oder 2 Stunden die Zeit oder habe ich die Notwendigkeit, eben komplexe Fragen beantworten zu dürfen oder zu müssen, wo ich mir manchmal denke, uiuiui, was ist denn da in der Arztpraxis passiert bzw. was ist denn da in der Apotheke vielleicht nicht optimal gelaufen? Das soll jetzt keine Schelte sein, aber es ist ja so, dass in der Arztpraxis was verordnet wird, und zwar nach allerbestem Wissen und Gewissen und nach wissenschaftlichen Standards und Leitlinien. Und trotzdem müssen müssen wir als Apotheke den Transfer hinkriegen, dass eben du, ich oder jeder Patient, jede Patientin an sich das dann auch noch einem 12-Jährigen nacherklären kann, wenn er, sie die Apotheke verlässt, weil sonst hat er es nicht verstanden.
10:45
Inga Bergen
Ja, würde ich. Es ist total gut formuliert. Und das ist ja, also ich meine, das ist etwas, das macht ihr wahrscheinlich eh in der Apotheke, also, oder machen deine Mitarbeiter, du machst das, dass ihr fragt irgendwie: Nehmen Sie das zum ersten Mal? Und erklärt, wie das genommen wird. Worauf ich hinaus will, dass diese Dienstleistungen für mich wirklich so ein Einstiegspunkt sind, um da noch mal in die Kommunikation zu gehen und Menschen zu befähigen, ihre eigene Therapie zu verstehen. Und eigentlich noch mal so ein Double-Check, also nach der Verschreibung beim Arzt. Und es ist ja auch so niedrigschwellig, weil wenn ich Fragen habe und mich verwirrt das, was ich irgendwie nachlesen kann, kann ich ja auch jederzeit in die Apotheke gehen. Das ist ja auch noch mal niedrigschwellig. Wieder in eine Arztpraxis zu gehen. Und ich frage mich halt, wenn du sagst, deine Apotheke wird ein Service-Hub, wenn das jetzt so der Anfang ist, diese, nehmen wir mal den MediCheck als Beispiel, wie geht das weiter? Also was siehst du bei dir, wenn du jetzt sagst, zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel, Longevity, diese ganzen Themen, das, wir sind jetzt bei dem einen Spektrum, Patienten mit mehreren Medikamenten. Das andere Spektrum sind Menschen, die gesund bleiben wollen. Wo siehst du euch da?
12:05
Jan Reuter
Oh, man sagt ja immer, there is no glory in prevention. Aber dem widerspreche ich dann wirklich ganz, ganz höflich, weil das ist ja das, was auch politisch gewollt ist. Ich möchte ja natürlich auch, dass von der Apothekerschaft, von der Vor-Ort-Apotheke hier ein richtiger Sog hervorgeht, dass wir nicht nur einfach kurativ arbeiten, sondern einfach präventiv, dass man den Patienten selbstbestimmt lassen Natürlich soll er verstehen, wie seine Blutdruckmittel wirken, wie die miteinander im Mix funktionieren. Und auch wenn er das 10. Mal das Medikament bekommt, frage ich halt in einer anderen Nuance oder mit einem anderen Hinweis, was wir dann auch immer im CRM hinterlegen. Aber durch diese Prävention wird ja mal, mal abgesehen vom Patienten, unfassbar viel Geld gespart. Wir sehen das jetzt bei der einfachsten Dienstleistung der pharmazeutischen, das ist bei der Asthma, bei der erweiterten Medikationsschulung Asthma, sehe ich, dass Die Patienten, wenn sie es nicht richtig— oder 70% der Patienten wenden die wirklich teuren Asthmasprays falsch an. Die sind teuer und komplex. Oft haben sie danach noch ein Sore, also kriegen einen Pilz im Mund, im Hals und sehen dann jetzt nicht wirklich eine Verbesserung. Und dann verkümmert das Spray da irgendwie. Aber nach so einer Schulung in der Apotheke durch eine Apothekerin, Dann sind eben 5% nur noch, die das falsch anwenden.
13:28
Inga Bergen
Also das muss ja wahrscheinlich auch YouTube-Videos oder versuchen, das irgendwie zu Hause zu verstehen, ne? Und aber man lernt wahrscheinlich sowas am besten von einem Menschen. Das ist wahrscheinlich so, würdest du sagen?
13:39
Jan Reuter
Schon, schon. Es gibt ja seit Jahren diese Schulungsvideos der ganzen Hersteller, aber die klickt keiner, ne? Die gibt's auch auf Hidden, also Hidden YouTube Links dafür, oder eben Schulungsvideos, aber die guckt keiner. Und wenn du das dann eben hast, komm mal kurz um die Ecke, darf ich dir noch mal zeigen, auch wenn der Tänzer, habe ich doch schon mal probiert. Lass es uns doch noch mal probieren. Und dann durch die Haptik und dieses Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Das ist was anderes, als wenn ich es eben nur digital mache. Und wenn diese ganzen Sinneskanäle eben getriggert werden bei so einer Meditationsschulung, dann ist die Lernkurve auch viel besser. Und wie gesagt, nur noch 5% fehlerbehaftet nach so einer Schulung statt 70%. Das ist ja schon was, auch jetzt mal volkswirtschaftlich. Und dann Stichwort Longevity. Das ist ja das, was dann die ältere Generation mitkriegt oder meine Generation, die etwas ältere Eltern haben, die dann sagen: Hey, ich möchte gesünder alt werden. Und da bieten wir natürlich verschiedene Dienstleistungen an. Die sind jetzt noch nicht erstattet vom Gesetzgeber, aber wir arbeiten daran, wie zum Beispiel Gentests, wo ich eben feststelle: Wie schaut's denn aus mit deiner Kohlenhydrat-Empfindlichkeit? Wie schaut's denn aus mit deinen Omega-3-Rezeptoren? Ist Kaffee für dein Herz gesund oder eher Ungesund. Und das sind Sachen, die sind so spannend und so extrem nachgefragt, dass man da eigentlich gar kein Marketing für machen muss. Und das ist ja auch ein schöner Mund-zu-Mund-Propagandaeffekt, den wir als Apotheker ehrlich gesagt natürlich auch gerne mitnehmen, den wir aber auch dringend brauchen.
15:08
Inga Bergen
Ja, finde ich auch sehr, sehr interessant, weil das sind ja jetzt Beispiele. Ich habe übrigens solche, also Nutrigen-Tests und so was habe ich auch alles schon gemacht. Da sind dann manche Sachen sind total evident, andere sind so ein bisschen Grauzone, aber im Grunde Für mich persönlich geht es darum, einfach ein gewisses Bewusstsein zu entwickeln zum Thema Gesundheit, mich einfach mit meiner eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen und die Möglichkeit zu haben, das zu optimieren. Ich sortiere es gerade mal so ein bisschen, weil wir sind tatsächlich, wir haben jetzt mehrere Themen gestreift. Wir haben den ganzen Bereich Sekundärprävention ja so angerissen, wo die pharmazeutischen Dienstleistungen sitzen. Also das ist in dem Moment, wo Jemand schon Medikation nimmt und man durch so einen Medikationscheck sicherstellt, dass alles keine Wechselwirkungen hat und dass es auch richtig genommen wird oder dass Therapie, wie jetzt bei Asthma, dann auch richtig eingesetzt wird. Das wäre für mich so Sekundärprävention, wo man dann wirklich dafür sorgt, dass die Leute ja einfach das richtig anwenden und dann nicht mit einem Asthmaanfall irgendwie in die Notaufnahme müssen. Das ist der eine Teil. Und jetzt haben wir diesen ganzen anderen Teil, der ja total viel, was ja auch so ein bisschen deine zweite Heimat ist, über Social Media läuft. Also wenn man da mal Analysen anguckt, es gibt super viele Influencer im Bereich Longevity oder Hormongesundheit oder Fitness, was alles so ein bisschen das Thema Prävention streift, die zum Teil ja gar keine Evidenz haben und auch keine Qualifikation, aber total viel Produkte empfehlen. Und da habe ich mich auch schon mal gefragt, wenn man da einfach mal in die Apotheke gehen könnte und fragen könnte: Ja, macht das hier wirklich Sinn? Also welche Nahrungsergänzungsmittel soll ich wirklich nehmen? Was macht für mich persönlich Sinn? Wenn ich irgendwie viel Sport mache, wenn ich im Winter nie rausgehe, wenn ich denke, ich habe vielleicht Vitamin-D-Mangel, you name it. Was kann da die Apotheke leisten? Weil das ist ja auch eine ganze Menge.
17:11
Jan Reuter
Aber da gibt es mehrere Sachen. Natürlich kannst du über einen Gentest herausfinden, wie schaut's denn aus mit deiner Rezeptor-Qualität bei Vitamin D. Wir haben Patienten, die sind gleich alt, die sind 40 Jahre verheiratet, das gleiche Blutdruckpräparat, das gleiche Vitamin-D-Präparat. Einer hat einen sehr, sehr guten Wert und der andere dann einen eher schlechten Wert, wo du dann schon Rückschlüsse drauf ziehen kannst. Es könnte wohl daran liegen, dass die Vitamin-D-Rezeptoren nicht so gut funktionieren. Das ist das eine. Bei mir war das das Beispiel, bei mir war Cholesterin im letzten Jahr, da war ich noch mal deutlich schwerer, habe ich gemerkt, oh, ich will nicht gleich einen Cholesterinsenker nehmen, wie mein Arzt mir vorschreibt. Man fühlt sich ja immer so bevormundet. Habe ich gesagt, nee, ich nehme da Omega-3, und zwar das teuerste, beste Präparat. Und das habe ich auch genommen in hoher Dosis, widerwillig, weil es nicht so gut schmeckt. Und habe dann aber gemerkt, meine Omega-3-Rezeptoren mit denen ist es, um die ist es gar nicht so gut bestellt. Das heißt, wenn ich Omega-3-Präparat, ein hochwertiges, zu mir nehme, dann verschlechtert sich mein Cholesterin sogar noch mal. Also ich habe Geld dafür. Nein, das geht noch weiter. Die Geschichte, die ist wahr, die zeige ich dir dann mal im Privaten. Also ich habe dann festgestellt, dass das Omega-3 mein Cholesterin verschlechtert. Ich habe aber auch festgestellt in einem medizinischen Gentest, dass bei mir Statine dass ich die nicht richtig abbauen kann. Das heißt, dass bei mir dann Muskelzellen platzen würden und irgendwann lande ich dann im schlimmsten Fall, als Apotheker jetzt nicht, weil ich dann weiß, was passiert, aber als Laie vielleicht an der Dialyse. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe das Omega-3 abgesetzt. Ich habe aber auch nicht den Cholesterinsenker genommen. Ich habe meine Kohlenhydratempfindlichkeit festgestellt und das Nüsse, die ich in großen Mengen wirklich gefressen habe, überall sind die in der Apotheke rumgelegen, die habe ich weggelassen. Alles gut. Also deutlich dadurch an Gewicht verloren. Cholesterin ist im Optimalwert und ich habe mir dieses, das teure Supplement gespart und das Medikament, was mir nicht gut getan hätte.
19:08
Inga Bergen
Ja, das ist total interessant, weil das ist ja schon so in Richtung Biohacking, geht das ja schon, kann man sagen.
19:13
Jan Reuter
Also irgendwie schon.
19:14
Inga Bergen
Ja, ja. Und das ist spannend, weil da siehst du Apotheken auch als Partner in der Zukunft. Also bei diesem Thema Longevity Biohacking. Das heißt, ich könnte jetzt, ich würde in deine Apotheke kommen und könnte sagen: Was kann ich bei dir machen? Und du würdest mir dann diese ganzen Tests anbieten können.
19:33
Jan Reuter
Ich würde sie dir anbieten können, aber ich würde dir nicht einfach sagen, wir haben Test A bis Z, sondern würde sagen: Liebe Inga, pass mal auf, was sind denn überhaupt deine Ketten? Was treibt dich denn in meine und in unsere schöne Apotheke? Was darf ich denn für dich tun? Und dann so 2, 3 Aktivierungsfragen. Dann schauen wir mal, ob wir im Beratungszimmer landen. Und wenn ich dann sehe, okay, da steht das vielleicht auf dem Rezept und du hast noch eine Frage, dann mache ich mir einen Reim draus. Dann kann ich schon durch einen Gentest feststellen: Bist du ein Benziner, bist du ein Diesel, bist du Plug-in-Hybrid oder ein Elektro? Und hast du als Diesel vielleicht die letzten 20 Jahre Benzin oder den falschen Diesel getankt? Das allein schon wäre ein großer Mehrwert. Ich kann dann natürlich noch verschiedene Point-of-Care-Tests machen wie Vitamin D, Eisenspeicher und da kommt immer mehr dazu. Das ist noch mal was. Dann natürlich eine naturheilkundliche, in Anführungsstrichen, Anamnese und natürlich auch ein Medikationscheck. Und auch wenn du jetzt nicht 5 verschreibungspflichtige Medikamente zu dir nimmst, machen wir trotzdem immer einen Medikationscheck, entweder im Kleinen oder dann, wenn der Patient eben Zeit hat und sich das wert ist, dass man dann auch sagen kann: Komm, wir setzen uns mal eine Stunde zusammen, machen das wirklich nach wissenschaftlichen Standards, Leitlinien, und dann wissen wir schon deutlich mehr. Und wichtig ist dann einfach, dass du halt rausgehst und sagst: Wow, jetzt habe ich 1, 2, 3 Tretminen, von denen ich überhaupt nicht wusste, dass es die gibt. Dann habe ich noch was zu mir genommen. Ich habe gedacht, das wäre für mich gesund. Das lasse ich jetzt weg, weil das ist für mich gar nicht so gesund. Und dann habe ich festgestellt, das, was ich meinte, weil ich dachte, es wäre ungesund, das ist für mich eigentlich ganz gut.
21:07
Inga Bergen
Total spannend. Also das, ja, das ist ja auch etwas, das zeichnet deine Apotheke wahrscheinlich aus. Und ich muss daran denken, dass ich ja auch einen Podcast mit Ina Lucas aufgenommen habe, die mir erzählt hat, sie hat am Anfang, als sie die Apotheken übernommen übernommen und eine neue gegründet hat, dass sie sich überlegt hat: Wer wollen wir eigentlich sein? Also, was ist meine Vision? Und deine ist relativ klar. Und ich würde jetzt aber auch daraus ableiten, dass wahrscheinlich nicht jede Apotheke diesen Longevity-Teil machen muss, sondern dass man sich einfach auf das positioniert, was es so in diesem ganzen großen breiten Spektrum gibt, und als Apotheke da seinen sogenannten Sweet Spot findet. Also das, was einen wirklich interessiert. An Services, Dienstleistungen rund um Gesundheit. Und das ist viel mehr als Medikamentenabgabe. Das ist klar. Wie würdest du das sehen? Also, wenn du jetzt von dir auf andere Apotheken schließt, was empfiehlst du, wenn dich Apotheker fragen? Also empfiehlst du denen, das dann eins zu eins so zu machen, oder was sagst du denen?
22:12
Jan Reuter
Nein, einfach so eine Bedarfsanalyse. Also wie bei einem Verkaufsgespräch bzw. wie bei einer Diagnose durch den Arzt, weil der Mensch, der sucht ja keine Leistung. Also es ist ein Mensch, mit dem ich es zu tun habe. Also deswegen macht es ja auch Sinn, den so zu behandeln, als ob es einer wäre, der sucht keine Leistung, sondern der sucht Lösungen für den Alltag. Und das ist in Walldürn anders als in Potsdam, als in Köln oder irgendwo dann im tiefen Osten, Norden oder Süden. Und dass man sich dann einfach so positioniert, was den Leuten, also den Kunden, die du dann da auch hast, entspricht. Also bei uns verschiebt sich das Kundenspektrum im Moment so ein bisschen. Und das kann ich auch nur allen anderen Kolleginnen, die jetzt gerade zuhören, außer dass sie unbedingt diesen Podcast hier abonnieren müssen, dass sie mal überlegen sollten: Was kann ich denn noch anbieten, was mir Spaß macht? Da entsteht ein bisschen mehr Sog. Und wir haben tatsächlich mehr Kunden durch 2, 3 Dienstleistungen mehr bekommen, signifikant mehr Kunden. Und der Radius der Apotheke, obwohl dazwischen 10, 20, 30 Stück sind, hat sich ausgeweitet auf diese Dienstleistungen, die total sinnstiftend sind. Positionierungsmerkmal haben und aber auch jetzt natürlich für mich als Kaufmann auch nicht unrentabel sind.
23:26
Inga Bergen
Ja, ich finde das halt spannend, weil bei mir gehen dann so ein bisschen die, also bei mir geht so ein Tab auf im Kopf, wenn ich höre, diese Gentests. Ich habe mal, das erzähle ich ja auch immer, dass ich mal eine Krebserkrankung hatte. Ich nehme noch ein Medikament. Ich habe mal einen Gentest gemacht, ob ich dieses Medikament verstoffwechseln kann. Das ist nicht in den Leitlinien, das empfiehlt kein Arzt. Ich hatte damals Darüber durch eine Recherche selbst herausgefunden, dass es das gibt. Ich habe das trotzdem gemacht. Bei mir kam raus, ich verstoffwechsle dieses Medikament. Aber das ist natürlich etwas, das jetzt so in dem klassischen System, wo wir Leitlinien haben, werden solche Fragen dann manchmal wahrscheinlich auch, werden kritisch hinterfragt. Wie ist das mit der Ärzteschaft? Du arbeitest ja auch als Apotheker total intensiv mit Ärztinnen und Ärzten zusammen in deiner Region. Das bleibt, also das ist ja so.
24:19
Jan Reuter
Gott sei Dank.
24:19
Inga Bergen
Ja, Gott sei Dank. Das denkt man ja manchmal, dass da irgendwie so eine Spaltung besteht. Die besteht ja aber in der Praxis eigentlich gar nicht, sondern ihr arbeitet ja eng zusammen. Darf ich dich mal fragen, wie die das finden, dass du dich jetzt so in diese Bereiche auch vorwagst?
24:36
Jan Reuter
Ja, die wissen das. Und man muss nicht immer gleich um Erlaubnis bitten, sondern man kann hinterher auch mal um Verzeihung bitten, wenn es schiefgeht. Aber wenn der Patient, wenn ich einfach sehe, der Patient, und wenn ich das wirklich, nicht nur als Floskel betrachtet, sondern sagt, der Patient ist die oberste Instanz. Und ich weiß, es gibt was, was ihm hilft. Der muss das ja nicht kaufen. Aber wenn ich es ihm nicht anbiete, wenn ich weiß, dass zum Beispiel bei einem Mittel, das du gerade beschrieben hast, jede fünfte Frau, dass das bei der gar nicht wirkt, aber massive Nebenwirkungen hat. Es sind 150.000 Frauen, die dieses Mittel im Jahr einnehmen müssen oder sollten, wenn es denn lieferfähig ist. Die sich dagegen sträuben. Man muss auf die mit Engelszungen einreden. Auch wir hatten in der Familie diesen Fall, und das ist sehr belastend fürs ganze Umfeld, ne? Und dann ist es vielleicht auch nicht lieferbar. Wenn ich vorher weiß, das wirkt, dann ist es was anderes, und zwar wissenschaftlich. So haben Mama und Papa mich gebaut, mit viel Liebe und 1, 2, 3 Schreibfehlern, aber ist schon was richtig Gutes rausgekommen, und es wirkt.
25:38
Inga Bergen
Und das dann wirklich wissenschaftlich belegbar ist, dass es wirkt, dann habe ich natürlich eine bessere Compliance, als wenn ich das nur rate, Ja, ich finde das spannend, weil mir geht gerade auf, dass man sozusagen über diese zusätzlichen Angebote, die vielleicht aus Apotheken entstehen, auch ganz neue Komponenten mit in das System bringen könnte, die nicht so eine Relevanz hatten einfach in der Vergangenheit, weil da so ein bisschen die Stimme fehlt in der Leitlinie, das auch unterzubringen. Also das sage ich jetzt mal so. Aber ich habe noch ein anderes Thema, was ich unbedingt mit dir besprechen möchte. Deswegen würde ich an dieser Stelle dein Service-Thema ein bisschen parken. Und das ist das ganze Thema der Kommunikation und Reichweite. Ich habe mit Ina eine Folge gemacht, mit Ina Lucas, und sie sagt, Apotheken müssen ja digital auffindbar werden. Und das gilt eigentlich auch für jede niedergelassene Arztpraxis, für alle therapeutischen Berufe. Man braucht eine digitale Auffindbarkeit und man muss irgendwie auf diese Kundenbedürfnisse, die entstehen, Bezug nehmen. Und ich finde es bei dir so spannend, weil du hast einen Riesenspaß an YouTube und an Social Media und das kommt dir natürlich auch wahrscheinlich total zugute für deine Apotheke, oder? Wie viele Follower hast du jetzt auf YouTube? Also du hast da total viel Reichweite.
27:03
Jan Reuter
Knapp 60.000. Das ist schon fast beängstigend, wie viele Leute diese Videos schauen. Das sind ganz banale Videos, also ganz klassische verschreibungspflichtige Medikamente, die wir hundertfach am Tag wirklich abgeben, die millionenfach am Tag in in Deutschland genommen werden oder auch weltweit und wo immer noch unfassbar viel Aufklärungsbedarf ist und da ganz viel Emotion mit reinschwingt. Ich sehe das an den Kommentaren. Ich habe da Hunderte Kommentare unter diesen Wirkstoffen und versuche das einfach sachlich zu erklären, wie wenn wir jetzt beim Kaffee miteinander sitzen. Aber mir ist halt wichtig, dass du es nacherklären kannst, also ohne weißen Kittel, sondern einfach von Mensch zu Mensch, dass man es als Geschichte weitererklären kann, gerne auch mal in Form einer Metapher. Forsche ich da unfassbar viel und lass das noch mal gegenlesen von mindestens einer Apothekerin, bevor ich da das Video dann einspreche. Also das ist extrem viel Arbeit. Das macht aber auch einfach wirklich Spaß, weil das ist das— stell dir vor, Taylor Swift hätte kein Mikrofon oder kein Spotify, kein YouTube und kein Apple Music. Es wäre eine Katastrophe. Viel weniger würden es hören. Und so ist es eben auch Aber bei diesen wichtigen Botschaften, und da redet kaum jemand drüber und das darf doch eigentlich nicht sein. Das ist immer so leidbehaftet und so pathologisch. Aber das kann so spannend sein, so kann es so einfach sein, so schön. Und diese Nachricht: Es wird irgendwie alles gut und da ist jemand für dich da. Und das ist mir einfach wichtig, das zu transportieren.
28:34
Inga Bergen
Ja, und das hat sich wirklich wie so ein Selbstläufer ja fast entwickelt. Und man bekommt ja auch Resonanz dadurch. Das ist ja auch interessant. Du bekommst ja auch wahrscheinlich viel Nachfragen, viel Kommentare und siehst so, wo Bedarfe sind. Wie wirkt sich das denn so auf diese Apothekenarbeit aus?
28:55
Jan Reuter
Ganz, ganz besonders eigentlich. Also ich lerne jeden Tag unfassbar viel dazu, weil ich kann nicht alle Kommentare einfach so aus dem Stand beantworten. Ganz ehrlich, ich habe dann viele Bücher, medizinische, pharmazeutische Datenbanken, in denen ich nachlese. Natürlich verwende ich auch KI, geht gar nicht anders. Ist bei dem Umfang an Fragen, die da kommen. Und die spannendsten Fragen besprechen wir dann halt tatsächlich auf Teamsitzungen. Oder wenn es ein wirklich wichtiger Schnelldreher ist, wie Ramipril zum Beispiel, wenn ich da was Neues lerne, so ein ganz häufig verordnetes Blutdruckmittel, dann sprechen wir darüber im Team. Was kann man denn da machen, wenn der Patient da jetzt sagt, ich habe da Bedenken, oder nee, ich mache jetzt zu, ich nehme es nicht mehr. Und da diesen kleinen Mehrwert, der kann für viele Patienten alles bedeuten und fürs Team auch. Weil wenn du einen Wirkstoff 20-mal am Tag den gleichen abgibst, irgendwann ist es langweilig. Aber das wird es nicht. Und da findest du viel mehr noch tiefer rein und hast noch viel mehr Liebe dann zum Detail. Das klingt so total nerdig, aber ich hoffe, das ist gar nicht so. Und wenn dem so ist, dann ist mir das auch völlig egal.
30:00
Inga Bergen
Ja, also ich finde daran total spannend, weil das ja für Apotheken auch ein Ding ist. Also erst mal digital auffindbar zu sein und dann die Möglichkeit zu haben, dass man digital auch was bestellt, aber auch digital zu kommunizieren und da wirklich auch eine Art Marke herauszubilden. Weil das, was du natürlich machst, auch mit deiner persönlichen Marke, ist, du schaffst auch ein gewisses Vertrauen. Also die Leute fragen dich und vertrauen dir natürlich auch in der Form dann als Apotheker. Und ich finde es so spannend, wie sich das eben so digital dann auch überführen lässt.
30:40
Jan Reuter
Das ist so schön. Also wenn ich jetzt auf Vorträge gehe, so bei den Landfrauen in den Nachbarorten oder Dörfern, wenn ich mal so eine Dorftour mache und rede über MediCheck, Krimi aus dem Arzneischrank, was sind so die wichtigsten Wechselwirkungen, einfach wenn die da tatsächlich an den Lippen kleben. Früher war das so, da habe ich mir ein Thema ausgesucht: Mit was könntest du die glücklich machen? Und habe dann oft kämpfen müssen. Ich halte viele Vorträge, dass die nicht wegpennen, also dass die nicht wirklich einschlafen, dass ich keine aktive Zuhörer-Sterbehilfe leiste. Und jetzt schaue ich einfach, was sind die am meisten gestellten Fragen auf YouTube oder eben in der Offizine, kuratiere das und die werden einfach beantwortet. Und das geht immer länger und immer länger. Und das macht so viel Spaß. Das ist wie ein Kind, das nicht aufhören will zu spielen.
31:30
Inga Bergen
Ja, ich finde es spannend, weil man lernt da ja viel dann auch drüber, was die Leute wirklich interessiert. Das geht ja nur über Kommunikation. Und da hat man das noch mal so ein bisschen wie durch ein Brennglas. Würdest du denn, würdest du deinen Apotheker-Kolleg:innen empfehlen, dass jeder auch so einen YouTube-Channel braucht? Oder was würdest du sagen, was sollten Apotheken heute da machen?
31:55
Jan Reuter
Also es ist schon wichtig, dass wir den wichtigsten Platz auf dem Planeten erobern als Vor-Ort-Apotheke, und das ist die Oberfläche vom Handy. Es muss nicht gleich ein YouTube-Video sein, das kannst du, kannst es auch mit anderen Plattformen machen, mit Insta, Facebook, TikTok. Habe ich auch alles schon ausprobiert, aber ich fokussiere mich tatsächlich nur auf YouTube, weil es wie so eine Art Bibliothek ist und man kann es in 5 Jahren auch noch angucken und der Algorithmus spült es nicht gleich komplett raus. Aber das Schöne ist, wenn du dich eben nach außen zeigst, egal für das, was du brennst, was Spaß macht, und man muss das ja nicht aufwendig machen, mit dem Handy heute ein Video zu machen, 20, 30 Sekunden, und dann einfach Macht das, das sind die 3 Vorteile oder die 3 Tipps von unserer Chefapothekerin, die sie jetzt gerade in der Grippewelle zu Fasching oder jetzt Anfang des Jahres, wenn es so richtig, richtig kalt ist, empfiehlt. Das kommt viel besser an als irgendwie ein teures Print. Ja, macht es, geht raus, seid empathisch, verstellt euch nicht, habt keine Angst. Macht einfach ein gestelltes Beratungsgespräch zwischen 2 coolen Kollegen, die keine Angst haben, ins Handy zu schauen, und ladet es hoch.
33:04
Inga Bergen
Ja, fertig.
33:06
Jan Reuter
Vor Ort erstellen.
33:07
Inga Bergen
Ja, einfach mal überwinden und machen. Würdest du sagen, das würde ich jetzt gerne, weil also da steckt so viel drin in dem, was du tust. Also einmal diese Serviceorientierung, dann natürlich das ganze Thema, sich Bereiche anzuschauen, wo Menschen echtes Interesse haben, mehr über ihre Gesundheit zu verstehen, sich da zu positionieren. Ich fand es interessant, ich hatte auch schon mal eine Folge mit Marc Kriesten, der ja Wearables in seiner Apotheke testet und diese Wearables. Wearables dort auch erklärt? Was bedeuten die Werte? Weil das ist ja auch ein großes Thema. Wir haben alle diese Wearables, aber im Gesundheitssystem findet das im Moment ja eigentlich nicht statt, dass man da mit seiner Apple Watch hingeht und sagt, ich hatte jetzt das und das, was kann ich denn daraus ablesen? Also, wie lässt sich denn so eine serviceorientierte Apotheke auch wirtschaftlich betreiben? Weil das ist ja auch eine große Frage, die wahrscheinlich viele auch deiner Kolleginnen und Kollegen sich stellen.
34:00
Jan Reuter
Das ist relativ einfach. Also mein Ziel ist wirklich, wir haben es, glaube ich, schon mal gesagt, ich möchte nicht komplett weg von der Ware, aber ich möchte, dass wir 80% vom Umsatz nicht mit verschreibungspflichtigem Sortiment machen, sondern mit Dienstleistungen. Das ist natürlich ein sehr hochgestecktes Ziel, aber das geht, wenn ich es richtig kommuniziere, wenn ich das Team anzünde, wenn ich die Patienten anzünde, wenn ich die Therapeuten mit ins Boot hole und da klare Kante fahre, offen kommuniziere und Natürlich geht es. Pharmazeutische Dienstleistungen, die werden ja auch vergütet. Über Nacht- und Notdienstfonds werden da von jeder Rx-Packung 20 Cent abgezweigt. Also das Geld ist da und auch die Politik möchte, dass wir das machen. So schwierig ist das natürlich. Deswegen mein Appell an die Kolleginnen: Hier einfach mal machen. Das muss nicht gleich perfekt sein. Wenn ich meine ersten Videos anschaue oder du deine ersten Podcasts, dann werden mir auch die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Und hätten wir es nicht gemacht, wären wir heute nicht hier zusammen. Und das geht, weil das Schöne ist an diesen Dienstleistungen: Ich bin eben weg von der Ware. Ich muss nicht schauen, ist es lieferfähig überhaupt? Muss mich nicht um eine Rabattschlacht begeben, sowohl beim Einkauf als auch beim Verkauf. Ich bin gar nicht so vergleichbar. Das ist dann wieder das, was diese sprechende Pharmazie oder diese menschliche Pharmazie komplett ausmacht. Und es wird vergütet ohne Wareneinsatz. Das ist natürlich schon spannend. Und da kannst du tatsächlich dann auch Versandapotheken links und rechts überholen in Sachen Rentabilität, weil das ist Logistik, das kann jeder. Aber diese wahrhaftige Pharmazie und das Kümmern oder richtige Versorgung, das können nur wir.
35:42
Inga Bergen
Ja. Was müsste sich denn ändern, damit mehr Apotheken da jetzt auch einsteigen? Oder denkst du, es ist nur eine Frage der Zeit?
35:48
Jan Reuter
Das ist eine Frage der Zeit. Also, wir haben ein paar paar Zwänge oder ein paar Bedingungen, aber die sind in jeder Branche gleich. Das ist die Versorgung, das ist der Fachkräftemangel, es ist die Bürokratie. Und es ist unfassbar schwierig, so die ersten 1, 2, 3 Dienstleistungen abzurechnen. Das ist ja mittlerweile zum Glück digitalpflichtig und sehr viel leichter Hand zu haben. Aber wenn du einfach mal da ins Machen kommst, diese Trägheit, auch wenn du sagst, ich habe jetzt keine Zeit, dann mach halt eine Dienstleistung am Tag in der Mittagspause oder danach. Geh die extra Meile, weil das weiß auch jeder, 1 bis 2 Apotheken schließen pro Tag. Und es werden wahrscheinlich die sein, in der Mehrzahl, die sich überhaupt nicht Gedanken machen bzw. Gedanken machen können, weil es um die eh schon schlecht bestellt ist, solche Dienstleistungen anzubieten. Also das, was niederschwellig funktioniert, gerade eben mit Blutdruckmessen, mit Asthmaschulung und aber auch Medikationschecks, das ist so ein Mehrwert. Wir haben angefangen, da war Corona gerade so rum, und dann sitzt eben einer von meinen wirklich zaubernden, tollen Apothekerin da, oder ich im schlimmsten Fall, weißen Kittel, das mögen die Leute auch. Wenn die Angst davor haben, ziehen wir einen aus vor der Blutdruckmessung. Und das ist eine psychomedizinische Katharsis. Da ist jemand, der sich ernsthaft kümmert, der wirklich zuhört und Zwischenfragen stellt oder zwischen die Zeilen hört, mal so halbe Stunde, Stunde Zeit nimmt und alles mal so erklärt. Legt los, das macht richtig Spaß. Das ist viel besser als dieser Alltag. Und ich mache im Prinzip fast nichts anderes, als das oder darüber zu Ja, ja, total spannend, lieber Jan.
37:29
Inga Bergen
Ich freue mich auf jeden Fall, dann deinen Weg zu beobachten weiter. Ich finde es ja auch interessant, weil ich glaube, dass das ist einfach, ja, es ist Transformation und Transformation bedeutet natürlich, dass man Dinge anders macht und dass auch manchmal sich dann Rollen und auch Beziehungen neu justieren. Und vielleicht nicht immer jeder das alles toll findet, was man da macht. Das gehört dann eben auch immer dazu, wenn man was Neues macht.
37:59
Jan Reuter
Auch im Team. Also natürlich.
38:01
Inga Bergen
Ja, ja, genau. Aber auch andere wiederum dann total begeistert sind. Und Ina meinte auch schon im Gespräch, den Podcast mit ihr habe ich vor dir aufgenommen, und sie meinte, es geht immer irgendeine Hand hoch. Also irgendwer, der begeistert ist, findet sich bei ihr immer. Das war bei dir wahrscheinlich auch so.
38:17
Jan Reuter
Das ist ja, aber das hängt vom Thema ab. Also bei den Gentests war es am Anfang völlige Skepsis. Um Gottes willen, das ist schon sehr kritisch. Impfen wollte auch nicht gleich jeder, weil die Notwendigkeit ist einfach da. Und ich sage auch, ich möchte einfach das mehr Sog erzeugen für die Patienten, die Ärzteschaft mit entlasten, hier die kritische Infrastruktur, aber auch Sog bei der Politik. Die könnten sich dem nicht verschließen, was wir da machen, die INAs und ihre Apotheken und die Mark Christens und ihre Apotheken.
38:47
Inga Bergen
Ja, also total spannend. Jetzt zum Abschluss: Vielleicht schaffst du es ja sogar, das mal auf den Punkt zu bringen und mir zu sagen, wenn du einen Satz hättest für die Zukunft der Apotheke als Service-Ort, wie würdest du die Apotheke beschreiben in der Zukunft?
39:06
Jan Reuter
Das ist eine Apotheke, die nicht reagiert, wenn Probleme da sind, wie es jetzt die letzten Jahrzehnte einfach der Fall war, sondern die einfach hilft, die zu vermeiden mit allem, was ihr zur Verfügung steht. Herzblut, Prävention. Tests, pharmazeutische Dienstleistungen, weg von der reinen Abgabe hin zur Dienstleistung als Service Hub. Und nicht, weil Produkte unwichtig sind, sondern weil Menschen viel, viel wichtiger sind.
39:33
Inga Bergen
Total gute Vision. Und ich glaube auch, mit all diesen Herausforderungen, die wir haben, müssen wir die Apotheken und die Menschen dort nutzen, denn diese reine Abgabe, Funktion, die könnte man anders organisieren, aber das ganze Drumherum halt eben nicht. Und deswegen sind die Themen so wichtig. Also welche Serviceleistungen, wie digitalisiert man das Ganze, wie gestaltet man die Prozesse, wie macht man auch darauf aufmerksam, wie kommt man dahin? Und ich fand es jetzt wirklich sehr, sehr erhellend, mit dir über all diese Themen zu sprechen. Und ich wünsche dir natürlich weiterhin total viel Erfolg bei deinen deiner wirklich visionären Arbeit. Und man kann dir auf YouTube folgen und deine Videos sehen und da auch erfahren, was Leute für Fragen stellen. Das ist sicherlich auch für all deine Kolleginnen total interessant.
40:26
Jan Reuter
Da schreiben auch viele Kolleginnen auch aus der Ärzteschaft mittlerweile mit, seit die Follower jetzt deutlich hochgegangen sind. Das ist lustig. Das ist sehr, sehr wertschätzend. Und sie sagen: Endlich mal habe ich es verstanden. Oder: Endlich mal nicht mehr so viel Chichi und Krimskrams drumherum, sondern einfach mal auf den Punkt gebracht. Gebracht. Vielleicht kannst du noch ein bisschen weniger rumfuchteln und weniger stottern, aber ansonsten super. Und ja, das nehme ich mir zu Herzen.
40:49
Inga Bergen
Ja, es ist schön. Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses tolle Gespräch bei dir, lieber Jan.
40:54
Jan Reuter
Vielen lieben Dank, liebe Inga.





