
System der Zukunft
Frauengesundheit: Cornelia Wanke, Healthcare Frauen, über die Nationale Allianz und politische Netzwerkarbeit
Cornelia Wanke, Initiatorin Allianz für Frauengesundheit, Vorstand Healthcare Frauen und Spitzenfrauen Gesundheit, gründete den Verband Spitzenfrauen Gesundheit und bringt Frauenthemen seit Jahren in die gesundheitspolitische Debatte. In Folge 166 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, warum Deutschland bei Frauengesundheit als Entwicklungsland gilt und wie Themen auf die politische Agenda kommen. Wanke erklärt, dass Frauengesundheit hierzulande lange als Nischenthema galt. Wanke verweist auf Zahlen des McKinsey Health Institute, nach denen in Deutschland jährlich rund 50 Milliarden Euro ungehoben bleiben. Zudem betont Wanke, dass politische Wirkung Vertrauensarbeit und früh aufgebaute Netzwerke braucht, auch mit Konkurrenten. Das Gespräch zeigt am Beispiel der Nationalen Allianz für Frauengesundheit, wie aus einer Bestandsaufnahme eine Strategie werden soll.
Warum das Thema wichtig ist
Wir maßen uns nicht an im Bereich Gesundheit die medizinische Expertise zu haben. Was wir können, ist die Menschen zusammenbringen und das Dach formen.
Frauengesundheit wird in Deutschland bislang als Randthema behandelt, obwohl Diagnoseverzögerungen, Versorgungslücken und entgangene Prävention das gesamte System Geld und Lebensqualität kosten. Gerade jetzt, da die GKV unter Spardruck steht und Vorsorgeuntersuchungen durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz wieder in die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung rücken, stellt die Folge die Frage, wie sich ein Thema ohne starke Lobby gegen Kürzungen behaupten kann und welche Belege dafür nötig sind. Relevant ist das Gespräch für Kostenträger, Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitiker, Verbandsvertreterinnen und Verbandsvertreter, Ärztinnen und Ärzte, HealthTech-Gründerinnen und Gründer sowie Forschende, die wissen wollen, wie aus Awareness auf Social Media politische Durchsetzungskraft wird. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, kuratiert in diesem Gespräch ein Beispiel dafür, wie Netzwerkarbeit, Multistakeholder-Ansatz und eine tragfähige Finanzierung über eine Bestandsaufnahme zur nationalen Strategie führen können.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
Frauen verbringen weltweit im Schnitt neun Jahre ihres Lebens in schlechter Gesundheit.
Die Nationale Allianz für Frauengesundheit erhebt ein Jahr lang den Status quo über verschiedene Lebensphasen.
Das McKinsey Health Institute beziffert die ungehobenen Potenziale durch Frauengesundheit in Deutschland auf rund 50 Milliarden Euro pro Jahr.
Die Kampagne Go Red zur Herzgesundheit bei Frauen erreicht im fünften Jahr über 40 Millionen Kontakte.
Die Finanzierung der Allianz soll über Sponsoren, Bundeshaushaltsmittel und Projekte laufen, eine Stiftung ist geplant.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
Frauengesundheit als politische Aufgabe: Cornelia Wanke über die Nationale Allianz für Frauengesundheit, Netzwerke und Lobbyarbeit mit Wirkung
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, begrüßt in dieser Folge von "Visionäre der Gesundheit" Cornelia Wanke. Inga Bergen hat sie eingeladen, weil Wanke seit Jahren Frauenthemen im deutschen Gesundheitswesen verankert: im Vorstand der Healthcare Frauen, als Gründerin der Spitzenfrauen Gesundheit und nun als treibende Kraft der Nationalen Allianz für Frauengesundheit. Sie kennt die Verbandsarbeit, die Politik und die Versorgungspraxis von innen und kann deshalb erklären, wie aus einer Lücke im System konkrete Projekte mit politischer Wirkung werden.
Warum gilt Deutschland bei der Frauengesundheit als Entwicklungsland?
Deutschland hat Frauengesundheit lange als Nischenthema behandelt, das sich auf Periode und Wechseljahre beschränkt und über das kaum jemand sprechen mochte. Cornelia Wanke schildert, dass sie in einem internationalen Gremium zu den Wechseljahren zunächst feststellen musste, dass Deutschland im Vergleich das Schlusslicht war. Andere Länder sind bei diesem Thema deutlich weiter.
Innerhalb eines Jahres hat sich laut Wanke einiges bewegt, auch wenn Deutschland noch nicht vorne liegt. Sie macht deutlich, dass Veränderung vor allem dann entsteht, wenn Frauen das Thema selbst vorantreiben. Wer nicht betroffen ist, kennt die Folgen später Diagnosen, falscher Behandlung oder übersehener Beschwerden oft schlicht nicht.
Was ist die Nationale Allianz für Frauengesundheit und was soll sie erreichen?
Die Allianz ist ein Zusammenschluss von Führungspersönlichkeiten, Forscherinnen, Unternehmerinnen und Journalistinnen, die Frauengesundheit strategisch voranbringen wollen. Nach dem Kickoff beginnt ein einjähriger Prozess, in dem der Status quo für verschiedene Lebensphasen von Frauen erhoben wird. Daraus soll ein Zielbild entstehen, dazu kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen.
Wanke betont, dass keine Parallelstruktur zum Bundesgesundheitsministerium aufgebaut wird. Das Ministerium und Bundestagsabgeordnete werden eingebunden, während die Allianz selbst den Prozess steuert. Das Referat für Frauengesundheit ist dort eines von vielen, weshalb ein Ansatz mit vielen Beteiligten sinnvoll ist. Der Name "Nationale Allianz" geht übrigens auf eine Anregung aus der Politik zurück. Medizinische Expertise liefert ein wissenschaftlicher Beirat, die Allianz selbst versteht sich als verbindendes Dach.
Wie entstand die Kampagne Go Red für Herzgesundheit bei Frauen?
Go Red entstand aus dem Netzwerk der Healthcare Frauen, weil sich mehrere Frauen beruflich mit Herzerkrankungen bei Frauen beschäftigten und ihre Expertise bündelten. Aus einer LinkedIn-Kampagne wurde im Lauf von inzwischen fünf Jahren ein Großprojekt mit mehr als 40 Millionen Kontakten.
Wanke sieht darin das Grundprinzip der Arbeit: Jede bringt ihr Fachwissen ein, das Thema wird auf eine übergeordnete Ebene gehoben, und niemand stellt sich selbst in den Vordergrund. Ähnlich entstand die Initiative "Let's be leaders" aus persönlicher Betroffenheit mit Brustkrebs. Inga Bergen hebt hervor, dass diese Projekte zwar aus einem Businessnetzwerk stammen, am Ende aber die Versorgung verbessern wollen.
Welches wirtschaftliche Potenzial steckt in der Frauengesundheit?
Nach einer Analyse des McKinsey Health Institute bleiben in Deutschland jährlich rund 50 Milliarden Euro ungenutzt, weil Frauengesundheit zu wenig beachtet wird. Das Institut hat seine globale Untersuchung auf Deutschland heruntergebrochen und bei der Allianz erstmals vorgestellt.
Für Wanke sind solche Zahlen entscheidend, weil sie das Thema aus der Nische holen und politisch Gewicht verleihen. Social Media und klassische Medien erzeugen Aufmerksamkeit, etwa bei Endometriose oder Wechseljahren, doch ohne politische Rückendeckung verpufft eine Kampagne. Dass der amtierende Gesundheitsminister Prävention und Frauengesundheit auf der Agenda hat, bewertet sie als Chance.
Wie wirken sich die Sparmaßnahmen in der GKV auf die Vorsorge für Frauen aus?
Wanke hält die geplante Eingliederung von Vorsorgeuntersuchungen in die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung für einen groben Fehler. Wenn Screenings nicht mehr außerhalb des Budgets vergütet werden, könnten Praxen auf Leistungen verzichten, sobald ihr Budget ausgeschöpft ist.
Sie rät dazu, mit anderen Organisationen gemeinsam dagegen vorzugehen und die Argumente mit Daten zu untermauern. Es müsse belegt werden, dass Screenings wirken und langfristig Kosten sparen. Hier sieht sie noch erhebliche Hausaufgaben für die Allianz.
Wie baut man ein Netzwerk im Gesundheitswesen auf und erreicht Entscheidungsträger?
Der Weg beginnt damit, die eigenen Werte, Stärken und Ziele zu kennen und dann Menschen mit ähnlichen Anliegen zu suchen, auch vermeintliche Konkurrenz. Wanke nennt als Beispiel ein Projekt zur Brustkrebsdiagnostik, das fast ein Jahrzehnt dauerte. Dort arbeiteten vier konkurrierende Unternehmen gemeinsam, was sie stärker und schwerer gegeneinander auszuspielen machte.
Politische Kommunikation ist aus ihrer Sicht vor allem Vertrauensarbeit über Jahre. Dazu gehört ein sorgfältiges Stakeholder Mapping und die Fähigkeit, Menschen in ihrer jeweiligen Sprache anzusprechen. Mit der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin Yvonne Magwas hat die Allianz jemanden, der den Politikbetrieb von innen kennt.
Ihr wichtigster Rat: früh in Netzwerke gehen, nicht erst, wenn man einen neuen Job braucht. Sie selbst ging einst widerwillig zur Ladylobby, übernahm sie später und lädt heute zweimal jährlich Abgeordnete, Ministerien und Verbände zum lockeren Austausch ein.
Wie finanziert sich die Allianz und wer kann mitmachen?
Die Allianz setzt auf mehrere Finanzierungssäulen: Sponsoren, hoffentlich Haushaltsmittel des Bundes und Erlöse aus eigenen Projekten. Gespräche mit Stakeholdern aus dem Gesundheitswesen laufen. Langfristig erwägt das Team, die Arbeit in eine Stiftung zu überführen, die die nationale Strategie fortlaufend weiterentwickelt.
Mitmachen können Expertinnen und Experten aus allen Bereichen, ausdrücklich auch Männer. Bisher war das Engagement weitgehend ehrenamtlich. Für die Umsetzung plant Wanke jedoch mit etwa 80 Prozent ihrer Arbeitszeit, was eine bezahlte Anstellung nötig macht. Sie versteht das als Signal an Frauen, dass wirksames Engagement durchaus vergütet werden darf.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:00
Inga Bergen
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Visionäre der Gesundheit. Ich freue mich total auf meinen heutigen Gast, denn sie ist eine Visionärin und das in ganz vielen verschiedenen Rollen und sie beschäftigt sich mit einer großen Herausforderung, die wir haben in der Gesellschaft. Und ich fange mal so an. Frauen leben länger als Männer, das ist Fakt, aber sie verbringen weltweit im Schnitt tatsächlich neun Jahre ihres Lebens. in schlechter Gesundheit. Sie werden später diagnostiziert. In der Forschung kommen sie zu kurz und Frauengesundheit ist einfach ein Entwicklungsthema. Und genau diesem Thema widmet sich mein heutiger Gast Cornelia Wahnke. Liebe Cornelia, ich freue mich sehr, dass ich dich heute hier die nächste halbe Stunde zu Gast habe und wir über dein Herzensthema sprechen können.
00:53
Cornelia Wanke
Danke, liebe Inga. Und ich freue mich megamäßig, dass ich mit dem Thema bei dir im Podcast sein darf, weil es ist wirklich ein Herzensthema und es ist aber auch außergewöhnlich, dass du es als Visionär bezeichnest. Also danke dir, dass du das Thema wirklich mitnimmst.
01:10
Inga Bergen
Ja, du bist im Gesundheitswesen in Deutschland total präsent, liebe Cornelia. Du hast die Healthcare-Frauen, ja, begleitest du lange als Vorstand. Du hast die Spitzenfrauen-Gesundheit gegründet. Das ist quasi dein eigener Verband. In beiden Verbänden bringst du Frauenthemen auf die Agenda. Und jetzt hast du mit einer ganzen Reihe anderer wirklich spannender Führungsfrauen, Führungspersönlichkeiten, Forscherinnen. Unternehmerinnen, Journalistinnen, die Allianz für Frauengesundheit gegründet. Und das ist dein Herzensthema. Das kann man sagen. Du machst das in ganz vielen verschiedenen Rollen. Wie stellst du dich vor, wenn man dich jetzt fragt, was machst du eigentlich? Also was wäre dein eigener Pitch über dich selber?
02:00
Cornelia Wanke
Ich sage immer, bin eine multiple Persönlichkeit im Gesundheitswesen. Oder ich sage, ich bin vielseitig orientiert bzw. passioniert. Vielseitig passioniert ist vielleicht der richtige Ausdruck. Zu dieser Passion gehört dazu, dass ich immer sehe, wo die Gaps im Gesundheitswesen sind und wo man was verändern sollte. Ganz oft ist es ja so, und so war es auch beim Thema Allianz für Frauengesundheit. dass jemand sagt, da sollte man eigentlich mal was machen, weil da ist eine Lücke im System und dann drehen sich alle und keiner macht was oder keine macht was. Und da gehe ich dann ganz oft rein, deswegen multipassionierte, weil ich dann einfach denke, es kann doch nicht sein, dass in diesem Bereich sich niemand engagiert und dann übernehme ich halt da den Lied und engagiere mich dann. Und beim Thema Frauenges... ja.
02:52
Inga Bergen
Ich höre oft, ja, ich höre oft, also dein Thema, ich habe jetzt eben anmoderiert, die Allianz für Frauengesundheit, Spitzenfrauengesundheit und die Healthcare Frauen, auch HCF. Das sind Initiativen, die du mit anführst und die du mit initiierst, beziehungsweise teilweise dann auch selbst gegründet hast. Und ich finde das total spannend. Ich habe neulich den Post gelesen einer LinkedIn-Influencerin, die hat geschrieben, stelle dich nie zu den Frauen. Weil das ist eigentlich das kleinste Grüppchen. Du musst dich eigentlich zu den Männern stellen. Auf Konferenzen werden die wirklichen Entscheidungen getroffen. Und Fraueninitiativen haben oft so den Ruf, dass man sich da trifft, ein bisschen über Business spricht, aber auch ein bisschen über Kinder und Fashion. Das ist ja aber bei den Initiativen, die du anführst und die du auch initiiert hast, komplett anders. Da gibt es ja eine ganze Reihe von wirklich konkreten Themen im Bereich Frauengesundheit und auch Karriere und Frauen, die ihr auf die Agenda gebracht Lass uns den Deep Dive machen und direkt mal in die Themen gehen. Also da wäre als erstes für mich Go Red, Herzgesundheit bei Frauen, das kommt ja aus HCF. Wie entsteht so was? Wie Go Red, eine Kampagne für Herzgesundheit bei Frauen?
04:19
Cornelia Wanke
Das entsteht meistens dadurch, dass eine Frau das entweder in ihrem beruflichen Umfeld als Thema hat oder dass sie selbst ein Thema damit hat. Es gibt einige Themen auch bei den Health Care Frauen, wo eine Frau beispielsweise mit dem Thema Brustkrebs zu tun hat. So ist zum Beispiel Let's be leaders entstanden.
04:24
Inga Bergen
Mhm.
04:42
Cornelia Wanke
Beim Thema Herzgesundheit war es jetzt so, dass mehrere Frauen da beruflich damit zu tun haben, also mit Herzerkrankungen, explizit aber auch bei Frauen. dann tut man sich zusammen und sagt, was können wir für das Thema tun und wie kann jede ihre Expertise einbringen? Und das ist für mich auch das Grundprinzip, wenn jede ihre Expertise einbringt und ein gemeinsames Thema formt und sozusagen das Thema auf eine Metaebene hebt.
04:58
Inga Bergen
Mh.
05:10
Cornelia Wanke
Dann wird was Großes daraus. Und das hat man bei Go Red gesehen. Das gibt es ja jetzt im fünften Jahr. Und Go Red ist groß geworden, sich eine Journalistin eingebracht hat, weil sich Frauen eingebracht haben, die beruflich mit dem Thema Herzerkrankungen zu tun haben und weil dann alle ihre Kräfte reingegeben haben. Und Schwupps wurde aus einer Kampagne. Also wir haben angefangen damit, dass es eine LinkedIn Kampagne war. Schwupps wurde aus einer Kampagne ein Riesenprojekt, das mittlerweile über 40 Millionen Kontakte erreicht. Und das geht halt nur, wenn man gemeinsam anpackt und nicht sich selber in Vordergrund stellt.
05:49
Inga Bergen
Ja, Wahnsinn.
05:53
Inga Bergen
Und ich finde das so spannend, weil es ist ja eigentlich, also es ist aus den Healthcare-Frauen entstanden, es ist eigentlich ein Business-Netzwerk für Frauen im Gesundheitswesen, aber das sind ja Themen, sind, sicherlich haben die auch irgendwo eine Business-Komponente, aber die sind eben auch von dem Bedarf getrieben und davon, dass es wirklich darum geht, die Versorgung zu verbessern. Und das finde ich so besonders. Also das möchte ich gerne nochmal so highlighten, weil
06:19
Cornelia Wanke
Ja.
06:21
Inga Bergen
Wir reden ja im Gesundheitswesen eigentlich immer darüber, was es Gutes irgendwie für Menschen tun soll. machen wir uns nichts vor. Es ist in weiten Teilen ein Business. Und das finde ich so spannend an diesen Initiativen, dass es sozusagen aus diesen Businessgedanken entstanden ist, aber dann trotzdem eine komplette Versorgungsverbesserung als Ziel hat und das ja auch ernst meint. Und da gibt es ja mehrere Initiativen und so ist jetzt auch die Allianz für Frauengesundheit entstanden.
06:50
Cornelia Wanke
Genau.
06:50
Inga Bergen
Die habt ihr gerade gelauncht im Herbst 2026 in Berlin. Und was soll da jetzt genau passieren und warum ist, eine Ministerin hat das gesagt bei der Eröffnung, also Deutschland ist eigentlich ein Entwicklungsland, was Frauengesundheit angeht, warum ist das so?
07:09
Cornelia Wanke
Ich fange mal bei der zweiten Frage an, warum ist das so? Weil wir in Deutschland einfach das Thema als Nischenthema bisher abgetan haben, so nach dem Motto Frauengesundheit. ist halt jetzt sage ich mal eine Periode Wechseljahre und irgendwie alle die Dinge, über die man nicht reden möchte.
07:12
Inga Bergen
Mh.
07:17
Inga Bergen
Mhm.
07:29
Cornelia Wanke
Und andere Länder haben uns da schon längst was voraus. ich kann vielleicht mal so, es war für mich so erstaunlich, ich sitze in so einem Policy Panel. zum Thema Wechseljahre, das ist international. Und als ich da vor anderthalb Jahren reingekommen bin, da habe ich mit Schrecken festgestellt und habe das auch so gesagt, dass Deutschland die rote Laterne bei dem Thema hat. Und jetzt ist innerhalb eines Jahres so viel passiert und das konnte eben nur passieren, indem wir alle zusammengearbeitet haben, dass wir mit Sicherheit nicht vorne dran sind, aber dass wir auf einem guten Weg sind. Und warum halt nichts passiert, wenn sich die Frau nicht selbst das Thema Frauen Gesundheit kümmern, dann passiert in der Regel nichts. Ich will da nicht mal böse nachreden, sondern die wissen ja gar nicht, was es bedeutet, wenn man in den Wechseljahren ist oder wenn man einfach übersehen wird oder falsch behandelt wird oder erst spät diagnostiziert wird. Deswegen müssen wir dafür uns selbst einstehen und müssen das Thema gemeinsam nach vorne treiben. ist es. Und zu der Frage, was wir vorhaben? Wir haben jetzt den Kickoff gehabt der Allianz für Frauengesundheit und werden ab jetzt, das beginnt jetzt dieser Prozess, ein Jahr lang daran arbeiten, in verschiedenen Lebensphasen der Frauen den Status Quo zu erheben und dann aber auch zu gucken, was braucht es, was ist unser Zielbild in dem Bereich und welche Maßnahmen können wir kurz, mittel, langfristig
09:08
Cornelia Wanke
tatsächlich nutzen, eben zu dem Zielbild zu kommen. also die richtige Arbeit fängt halt jetzt erst an. Und da sind wir gerade dabei, die Strategie aufzusetzen.
09:19
Inga Bergen
Ja, ich finde das total spannend, weil wir haben jetzt ja gesehen, also die GKV in Deutschland steht unter einem riesigen Druck und es wurden auch schon wieder Leistungen gedeckelt im Bereich Frauengesundheit. ich bin da persönlich, habe ich da noch keinen Deep Dive reingemacht. Das ist ja schon so eine Sache als Frau. Man wird ja auch häufig gebeten von seinem Gynäkologen, kommen Sie dann mal in Quartal X wieder, weil unsere Abrechnungslogik einfach so ist. Und ich habe
09:30
Cornelia Wanke
Mhm.
09:45
Cornelia Wanke
Ja.
09:49
Inga Bergen
mir noch kein abschließendes Bild darüber gemacht, ob das eine Sinnhaftigkeit haben kann, da etwas zu deckeln. Wie siehst du das? Ist das einfach nur, wenn Frauen sich keine Lobby verschaffen zum Thema Frauengesundheit, dann wird es eingeschränkt oder ist da tatsächlich ein sinnvoller Gedanke hinter aus eurer Sicht?
10:08
Cornelia Wanke
Also ich glaube, was die Reform anbelangt, also das Beitragssatzstabilisierungsgesetz, glaube ich einfach, da hat man bei allen irgendwie mal gekuttet und das ist nun mal so. Das sind aber keine sinnvollen Entscheidungen aus meiner Sicht und da wird sicherlich auch noch irgendwo nachgeschärft werden müssen. Gerade beim Thema, was du ansprichst, der Vorsorgeuntersuchungen, da sehe ich allerdings einen riesengroßen Fehler drin, da geht es ja darum, dass sozusagen die Vorsorgeuntersuchungen, die Screen
10:11
Inga Bergen
Hm
10:38
Cornelia Wanke
in die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung wieder reingenommen werden, also nicht extra budgetär bezahlt werden. Und dann ist halt das große Thema, dass man das Geld nur einmal ausgeben kann und wenn man sein Budget erreicht hat, dann wird man halt auf manche Sachen verzichten müssen. Und da sehe ich wirklich einen groben Fehler drin. Und ich glaube auch, da muss man wirklich noch mal gemeinsam mit anderen Organisationen rangehen. Aber auch da ist es halt wieder
10:51
Inga Bergen
Mhm.
11:08
Cornelia Wanke
wenn wir uns da nicht selber drum kümmern, dann wird nichts passieren und man muss halt auch immer das mit Zahlen, Daten, Fakten hinterlegen. Also einfach nur jetzt zu sagen, das geht so nicht, das ist glaube ich nicht der richtige Weg. Ich glaube, wir müssen dann halt wirklich belegen, dass beispielsweise Screenings wirken und dass sie tatsächlich am Ende zur Einsparung führen und da haben wir auch noch echt große Hausaufgaben zu machen.
11:14
Inga Bergen
Absolut.
11:34
Inga Bergen
Ja, ich finde das ist enorm spannend. Also gerade weil ihr jetzt ja im Prinzip evidenzbasiert an dieses Thema rangehen wollt, erstmal gucken wollt, so eine Map machen wollt, also wirklich sehen wollt, wo sind Bedarfe und was ist das Thema Frauengesundheit, wie sind wir da eigentlich aufgestellt, finde ich auch spannend, weil meine Frage wäre, kann das BMG nicht alleine? Also können die das nicht? Haben sie ja anscheinend nicht gemacht oder hat da keiner einen Überblick in Deutschland?
11:43
Cornelia Wanke
Mmh.
12:03
Cornelia Wanke
Naja, ich glaube, ähm... Ich sage mal, was wir können, aus einem Multistakeholderansatz heraus ist, dass wir wirklich alle unsere unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Frauengesundheit einbringen. Das ist ja was, das BMG, also da ist das Referat Frauengesundheit 1 von vielen Referaten, das BMG müsste sich diese Expertise ja reinholen. komme gerade heute vom Dialogprozess Wechseljahre, da hat das BMG das genauso gemacht, hat sich die Expertinnen
12:06
Inga Bergen
Mhm.
12:15
Inga Bergen
Mh.
12:35
Cornelia Wanke
so Prozess rein geholt. Jetzt machen wir es halt andersrum. Jetzt machen wir das aus unserem Multistakeholder-Ansatz heraus und wir nehmen das BMG mit und wir nehmen auch die Bundestagsabgeordneten mit. Und ich glaube, so ist es viel einfacher, weil dann können wir den Prozess steuern und wir müssen nicht darauf warten, dass jemand das aus dem BMG oder aus dem Bundestag initiiert. Aber und das ist uns ganz wichtig, wir machen keine Parallelstruktur. Wir nehmen wirklich die Aktien, Akteurinnen und Akteure, die da wichtig sind mit. Und das BMG kann es natürlich. Also die können fachlich, inhaltlich, die ganz viel dazu beitragen, nur so einen Prozess zu steuern. ist halt schon, wie wir das jetzt sehen, gewaltiges Brett.
13:08
Inga Bergen
Ja.
13:21
Inga Bergen
Ja, also das ist so spannend, weil du kommst ja aus diesen Jahren Verbandsarbeit für Frauenthemen und ich finde es wie gesagt beeindruckend, wie viel wirklich konkrete Projekte, die richtig was bewegt haben, daraus auch entstanden sind. Also es ist nicht nur man trifft sich, trinkt Champagner und isst Häppchen.
13:38
Cornelia Wanke
Hm.
13:40
Inga Bergen
Jetzt ist diese Allianz für Frauengesundheit entstanden, gerade in einer Phase, wo wir große Umbrüche haben. Man kann das auch immer als Chance begreifen natürlich. Die Versorgung wird ja in ein paar Jahren anders aussehen, als sie heute aussieht. Was ich halt so krass finde, wenn ich auf das Thema blicke, ich beschäftige mich ja viel mit digitaler Transformation und Social Media, ist das Themen.
14:00
Cornelia Wanke
Mhm.
14:04
Inga Bergen
wo wir jetzt sehen, ist ein A riesen Bedarf und das ist aber B natürlich auch ein großes Marktpotenzial dahinter. Wechseljahre, Endometriose, Kinderwunsch, dann diese ganzen Themen rund Fehlgeburten, Mutterschutz für Selbstständige. Also es gibt so viele Themen, die einfach nicht präsent waren.
14:14
Cornelia Wanke
Ja, ja.
14:26
Inga Bergen
Social Media. Jetzt kann man, Social Media hat sehr viele Nachteile, ich will das gar nicht glorifizieren, aber in diesem konkreten Punkt sind wir uns ja eigentlich einig, dass solche Themen wie Endometriose erst über Instagram eigentlich in das Licht der Öffentlichkeit gerückt sind und das Gleiche eigentlich bei Wechseljahren, dass Frauen sagen, hey ich habe hier irgendwie dies und das Symptom. und dann irgendwie in den Austausch kommen und es entsteht eine Öffentlichkeit. Leute reden darüber und dann kommt es so ins Rollen und der Markt erkennt, da ist einfach ein Unmet Need. Und ich denke mir immer, also alles was für Endometriose kommt, wird ja der nächste große Blockbuster. Das ist schon krass.
15:04
Cornelia Wanke
Gnock!
15:11
Cornelia Wanke
Ja, was du sagst ist natürlich richtig. Du brauchst diese mediale Macht über Social Media, über die konservativen Medien natürlich auch. Das brauchst du auf der einen Seite, du brauchst aber auch die politische Macht. Das darf man nicht vergessen, weil wenn das nur Social Media in der Kampagne ist, dann verpufft die irgendwann. Und was wir ja gerade versuchen, ist wirklich alle mitzunehmen bei dem Thema.
15:16
Inga Bergen
Mh-mh. Mh-mh.
15:27
Inga Bergen
Mhm. Bimmt.
15:39
Cornelia Wanke
und politische Macht zu erzeugen und auch zu erklären, warum. Und deswegen war es bei unserer Allianz auch so gut und so wichtig, dass wir das McKinsey Health Institute mit an Bord hatten, die ja wirklich als Nachfolge ihrer damals One
15:52
Inga Bergen
Mh.
15:59
Cornelia Wanke
Trillion Dollar Opportunity aus dem Jahr, ich glaube 2024 war das beim World Economic Forum. Das haben die jetzt ja runtergebrochen auf Deutschland Ebene und das exklusiv bei uns vorgestellt. Und da sind dann halt wirklich Zahlen dahinter, wo keiner mehr sagen kann, ja, das ist jetzt eine Nische. Wenn man die Zahlen sieht, also roundabout 50 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland, die nicht gehoben werden, weil nicht auf Frauengesundheit geachtet wird, dann
16:03
Inga Bergen
Mhm.
16:18
Inga Bergen
Mh.
16:29
Cornelia Wanke
man dadurch tatsächlich auch politisch ein bisschen Druck erzeugen bzw. Wir erzeugen keinen Druck, wir nehmen alle mit und zeigen nur, was möglich ist. Und jetzt kommen wir vielleicht wieder zurück zu diesem ganzen Thema der Gesetzesvorhaben und der Sparnmaßnahmen. Wenn ich sehe, wie viel Geld da liegen gelassen wird und überhaupt beim Thema Prävention, was da ein Potenzial gehoben werden kann, dann müsste eigentlich jetzt eine Bundesregierung sagen, ich setze viel mehr auf Prävention. da bin ich froh, dass wir einen Minister jetzt haben, der das Thema erkannt hat. Also er sowohl das Thema Prävention als auch das Thema Frauengesundheit tatsächlich sich auf die Fahnen geschrieben.
17:14
Inga Bergen
Ja, das ist natürlich fantastisch und ich finde diesen Punkt spannend, den du sagst, weil da würde ich gerne mit dir noch mal so bisschen reingehen, weil das ist ja etwas, was man von dir auch lernen kann. Das eine ist, die Awareness für Themen zu haben, einen Diskurs zu haben in der Öffentlichkeit. Das zweite Thema ist, das dann auch auf die Agenda zu bringen. Und das ist einfach ein ganz anderes Ding. Und das erfordert
17:21
Cornelia Wanke
Hm.
17:35
Cornelia Wanke
Mhm.
17:41
Inga Bergen
Ja, ich würde sagen, sehr viel Geduld, sehr viel Hartnäckigkeit, auch sehr viel Aushalten. du machst jetzt, also ich bewundere das wirklich so aus der Ferne. Also ich muss jetzt auch sagen, wir kennen uns natürlich lange. Ich bin auch Mitglied der Health Care Frauen und ich will auch immer noch Mitglied der Spitzenfrauen werden, Spitzenfrauengesundheit. Und ich bewundere das aus der Ferne, also diese Gremienarbeit, diese Verbandsarbeit.
17:47
Cornelia Wanke
Kutzpe.
18:08
Cornelia Wanke
Mhm. Ja.
18:11
Inga Bergen
die, wie du ja eben gesagt hast, im Gesundheitswesen zentral ist. Ohne die verändert sich rein gar nichts. Was macht das aus? Also wie bewegt man da was aus deiner ganzen langjährigen Erfahrung? Was ist das Geheimnis, da wirklich an die Entscheidungsträger dann ranzukommen und die dazu zu bringen, das auch eben ernst zu nehmen?
18:31
Cornelia Wanke
Ja.
18:35
Cornelia Wanke
Witzigerweise habe ich das heute auch mit meinem Mann diskutiert. Erstmal ist es ganz, ganz viel Vertrauensarbeit, die du über Jahre hinweg leisten kannst. Du musst natürlich als glaubwürdig gelten. Wir wissen ja auch, das Thema Lobbyismus wird in Deutschland nicht sehr gerne gesehen. Deswegen ist es eine Vertrauensarbeit, mit den Menschen ins Gespräch zu gehen, zu erklären, was man möchte, warum man das möchte und wofür man
18:39
Inga Bergen
Mh!
18:46
Inga Bergen
Mhm.
18:56
Inga Bergen
Mh.
19:05
Cornelia Wanke
sich einsetzt. Und natürlich ist es so für ein Thema, wo viele sich mit angesprochen fühlen, ist es einfacher, Lobbyarbeit, sage ich jetzt mal, oder politische Kommunikation zu machen, als jetzt, ich mal, nur für ein Arzneimittelthema oder so. Und das Schöne ist, unter dem Thema Frauengesundheit finden ganz viele Platz unter diesem großen Schirm. Und wie macht man so was, indem man viele versammelt?
19:12
Inga Bergen
Mh.
19:33
Cornelia Wanke
die natürlich auch was beitragen können und viele, die auch mitreden können und die vielleicht auch Wirkungsmacht entfalten können. Also ich sage jetzt mal ein Beispiel. Für uns ist es ein riesengroßes Glück und ein Segen, dass wir jemanden mit an Bord haben, wie die Yvonne Magwas, die ehemals Bundestagsvizepräsidentin war und die den Politikbetrieb von innen kennt. und auch die Sprache kennt und wie man sich in so einem Politikbetrieb auch jetzt, sage ich mal, ordentlich benimmt. Weil vieles steht und ja, vieles steht und fällt. Ja, vieles steht und fällt damit, dass man die Menschen da abholt, wo sie sind. Und ich kann jetzt nicht zu einem Haushälter im Bundestag gehen, kann sagen, du, ich hätte von dir gerne eine halbe Million Euro. also das ist schon die Frage, wie spreche ich mit wem?
20:08
Inga Bergen
Schön gesagt, ja. Mhm.
20:30
Cornelia Wanke
Und wen brauche ich? Also das Typische, was wir auch bei den Healthcare Frauen zum Beispiel immer immer anführen, du brauchst ein gutes Stakeholder Mapping. Du musst dir Gedanken machen, welche Stakeholder brauche ich für welche Themen an Bord und das wirklich auch orchestrieren. Und das ist was, das kannst du nicht, das lernst du nicht von heute auf morgen. Das ist was, das muss dir auch liegen, alle mitnehmen zu wollen. Und das ist ein Prozess, das musste ich auch in vielen Jahren Verbandsarbeit lernen. Ich war immer unter anderem bei den Krankenkassen und dann aber auch für den Ärzteverband mal im Bereich der politischen Kommunikation. Also das muss man halt auch irgendwie lernen und man muss es auch mögen, sowas auszuhalten.
21:12
Inga Bergen
Ja, total, weil es natürlich so, wenn du das jetzt beschreibst, ein Netzwerk, auch gerade ein politisches Netzwerk baut man lange auf, aber es hat nicht ein unmittelbares Resultat zur Folge.
21:25
Cornelia Wanke
Nee, und manchmal erkennst du auch erst Jahre später, warum dir eine Person irgendwann mal über den Weg gelaufen ist und warum du mit der eine gute Verbindung aufgebaut hast. Und jetzt ist es wirklich so, jetzt sind die Verbindungen so stabil und man hat so viel drauf eingezahlt auch. Das ist ja auch eine große Arbeit, die wir da alle als Frauen im Gesundheitswesen in den Vereinen leisten. Also wir geben ja jeden Tag da ehrenamtlich auch ganz viel rein. Und jetzt macht es sich halt, ich sag mal bezahlt, diese Kontakte zu haben und sie dann auch ansprechen und mitnehmen zu können. das ist im Prinzip das Ergebnis Jahre, Jahrzehnte lange Arbeit.
22:06
Inga Bergen
Ja.
22:13
Inga Bergen
Ja, dann hoffen wir mal, dass die Regierung noch so lange hält, dass das jetzt auch in die Umsetzung kommt und dass wir da nicht in ein paar Monaten mit ganz ganz anderen Akteuren zu tun haben. Das wäre natürlich auch krass. Aber ich meine, auch dann muss man sich eben darauf einstellen. Das ist ja dann auch pragmatisch zu sehen. Also was ich spannend finde, ist auch noch mal die Frage. Warum sollte man Netzwerken? Ich glaube, das ist etwas, ich kann mich an eine, ich kann mich an eine Konversation tatsächlich mit dir erinnern, wo du mal erzählt hast, deine Kinder wurden irgendwie gefragt, was macht denn die Mama beruflich? Ja, die ist immer auf Veranstaltungen und trinkt Sekt und isst Häppchen oder sowas. Das war die Antwort. Du bist wirklich eine Top-Netzwerkerin.
22:40
Cornelia Wanke
Mhm.
22:55
Cornelia Wanke
Genau.
23:03
Inga Bergen
Du bist auch eine Top-Lobbyistin für das Thema Frauengesundheit. Das kann man so sagen. Was sind denn deine Tipps zum Netzwerkaufbau? Wie kann sich jeder ein Netzwerk aufbauen? Wie kann man anfangen?
23:19
Cornelia Wanke
Na, erstmal muss ich mich selber kennen, also meine Werte, meine Stärken und was ich überhaupt will. Wenn ich weiß, was ich will, wohin ich will, was ich aufbauen möchte.
23:22
Inga Bergen
Mhm.
23:31
Cornelia Wanke
dann kann ich mir ein paar Menschen suchen, die was Ähnliches wollen, die vielleicht sogar Konkurrentinnen sind. Also ich halte viel davon auch, die mitzunehmen auf den Weg, die vermeintlich Konkurrenz sein können und dann einfach zu gucken, was treibt uns gemeinsam, was können wir gemeinsam voranbringen und sozusagen immer auf die Metaebene zu gehen. Also nicht zu gucken, was separiert uns, sondern was eint uns. Und wenn du dann ein gemeinsames Ziel hast, wo alle
23:37
Inga Bergen
Mhm.
24:01
Cornelia Wanke
sich versammeln können, dann ist es fast wie Magie, dann ergibt sich das eine oder andere. Und ich erinnere mich gerade an ein Projekt, ich vor vielen Jahren begonnen habe und auch dann durchgeführt habe. Da ging es das Thema Brustkrebsdiagnostik. Und das war ein wirklich schwieriges Projekt, weil das hat sich über fast ein Jahrzehnt im GBA gezogen. Und da war es zum Beispiel so, dass wir nicht das eine unternehmen, für das ich damals mitgearbeitet habe, nur genutzt haben, sondern dass wir die vier Konkurrenzunternehmen, dass die das gemeinsam vorangetrieben haben und das heißt wir waren A viel stärker, B wir waren auch nicht auseinander zu dividieren, weil das ist ja das, oft passiert. Wenn du alleine was machst, dann kommst du vielleicht ganz schnell voran. Aber wenn du es gemeinsam machst, ist es einfach ja ist es. einfacher das Ziel zu erreichen, man sich nicht auseinanderdividieren lässt und die Kräfte bündelt. Und so machen wir das halt immer. Und das ist mein Tipp auch fürs Netzwerken. Einfach zu gucken, wer macht was Ähnliches, wer kann mitgehen und dann einfach anbieten, dass wir das gemeinsam machen.
25:03
Inga Bergen
Total. Zu teilverständlich.
25:18
Inga Bergen
Gibt es irgendeinen Ratschlag, den man immer wieder hört, es ums Netzwerken geht, den du für komplett falsch hältst?
25:25
Cornelia Wanke
Das ist jetzt dreimal die Ecke gedacht. was ich auf jeden Fall anders formuliert sagen kann, nicht dann in ein Netzwerk zu gehen, wenn man es braucht, sondern ganz, ganz früh in ein Netzwerk zu gehen. Also nicht zu gucken, jetzt bin ich an dem Punkt, jetzt bin ich zum Beispiel an der nächsten Schwelle oder jetzt brauche ich einen neuen Job.
25:26
Inga Bergen
Hahaha!
25:47
Cornelia Wanke
Und dann kriegt man oft gesagt, na geh doch mal in ein Netzwerk, sondern ganz früh in ein Netzwerk zu gehen, auch dann, wenn man noch nicht erkennt, wofür es gut sein kann, weil dann hat man stabile Beziehungen und dann kann man in der akuten Situation kann man sich dann auch tatsächlich Hilfe holen.
26:07
Inga Bergen
Und gerade im Gesundheitswesen ist das ja tatsächlich noch mal wahrscheinlich viel wichtiger als in anderen Branchen, weil es natürlich eine geschlossene Bubble ist, auch auf eine gewisse Art.
26:14
Cornelia Wanke
Ja.
26:19
Cornelia Wanke
Ich kann mich an eins erinnern, als mir nämlich mein damaliger Chef beim IKK e.V. vorgeschlagen hat, geh doch in das Frauennetzwerk. Und das war die Ladylobby, die ich später übernommen habe. Und dann habe ich gesagt, was soll ich in ein Frauennetzwerk? Ich komme alleine gut klar. Und dann bin ich da widerwillig hingegangen und habe mir die Frauen angeguckt und dachte, ich weiß nicht, ob ich mich da wohlfühle. Und dann bin ich aber geblieben und habe mich immer wieder getroffen und Ich habe dann erst auf dieser Reise gemerkt, wie wichtig dieses Netzwerk ist. Und später habe ich es dann selber, also zehn Jahre später habe ich es dann quasi übernommen. Und das zeigt doch, dass du kannst gar nicht wissen, wofür es gut ist. Deswegen mach's einfach mal.
27:05
Inga Bergen
Ja, das ist total spannend. Das beantwortet auch meine Frage, ich jetzt noch gestellt habe, welcher Kontakt deine Karriere da so hingebracht hat, wirklich das Thema Netzwerken aufzugreifen. Aber dann war das wahrscheinlich war das deine Feuertaufe, die Lady Lobby, die du heute auch machst. Da war ich auch schon. Das ist eine Veranstaltung, die machst du zweimal im Jahr vor der Pause, glaube ich. Und da treffen.
27:31
Cornelia Wanke
Genau, vor der Winter- und vor der Sommerpause.
27:34
Inga Bergen
Und wer trifft sich da?
27:36
Cornelia Wanke
Da treffen sich Abgeordnete, aus dem Bundestag, aus den Ministerien, ganz oft die Ministerien im Gesundheitsministerium, Forschungsministerium, aber auch Arbeitsministerium und alle Stakeholder im Gesundheitswesen, alle Vereine, Verbände, also alle, Lust haben, da hinzukommen und sich auszutauschen und eben zu Netzwerken. Das ist Sinn und Zweck des Ganzen, locker zu Netzwerken.
28:00
Inga Bergen
Mhm.
28:06
Cornelia Wanke
ohne Vorbehalte.
28:09
Inga Bergen
Ja, dann kommen wir tatsächlich schon so ein bisschen zum Ende des Gesprächs und ich würde gerne noch mal von dir wissen und das ist auch der Grund, warum ich jetzt endlich den Podcast mit dir machen wollte. Ihr habt jetzt ein Jahr vor der Brust, wo ihr arbeiten werdet, wo ihr eine Bestandsaufnahme machen werdet für die Allianz für Frauengesundheit. Wer kann denn da beitragen? Also braucht ihr noch Partner? Wie finanziert sich das Ganze?
28:20
Cornelia Wanke
Mh!
28:38
Inga Bergen
Wie geht ihr vor? Wer kann euch noch unterstützen und wie?
28:44
Cornelia Wanke
Also natürlich Expertinnen und Experten in ihrem Bereich. Also wir dürfen ausdrücklich sich auch Männer engagieren. Und das Thema Finanzierung ist natürlich gerade das spannendste und dickste Brett, das wir sozusagen zu bohren haben. Also wir
28:52
Inga Bergen
Mhm.
29:05
Cornelia Wanke
werden uns teilweise über Sponsoren finanzieren. Wir werden uns aber auch hoffentlich, und das kann ich jetzt heute noch nicht abschließend sagen, aber aus Haushaltsmitteln des Bundes finanzieren, weil auch der Bund natürlich erkennt, das ist ein ganz großes Thema und hatten wir vorhin schon auch kurz angesprochen, es ist vielleicht besser, Prozess durch die Stakeholder machen zu lassen, als sich die Stakeholder einzukaufen oder reinzuholen dann. Und was wir allerdings auch wollen, ist eine Finanzierung, die auf mehreren Säulen steht. Also wir wollen uns nicht nur über den Bundeshaushalt, sondern auch über Stakeholder aus dem Gesundheitswesen finanzieren. Und da sind wir eben gerade in Gesprächen. Und eine Finanzierungssäule werden natürlich auch Projekte sein, die wir dann über die Allianz, jetzt heißen wir Nationale Allianz für Frauengesundheit mittlerweile, weil Emmi Zäulner gesagt hat, ihr seid die Nationale Allianz.
29:43
Inga Bergen
Ja.
30:03
Cornelia Wanke
Also so wollen wir uns finanzieren und ja, das ist natürlich, das ist viel Arbeit, das wissen wir, aber wir wissen halt auch, es lohnt sich und wir werden am Ende, also es soll ja nicht nach einem Jahr zu Ende sein, sondern wir überlegen gerade, ob wir das Ganze in eine Stiftung überführen dann und dann aus dieser Stiftung heraus halt immer wieder Jahr für Jahr die nationale Strategie weiterentwickeln.
30:29
Inga Bergen
Und das muss man ja auch sagen, einen Großteil dieser Rollen, die ich eben beschrieben habe, die machst du komplett ehrenamtlich. Das ist alles Ehrenamt, also damit wird man nicht reich. Weil das ist ja etwas, sobald der Begriff Lobby auftaucht, ist das etwas, so eine Vermutung, die dann entsteht. Damit können wir an dieser Stelle nochmal aufräumen, oder?
30:44
Cornelia Wanke
Ja.
30:51
Cornelia Wanke
Ja, wobei wir sagen, jetzt bei der Allianz, ist, also wenn wir die Allianz wirklich erfolgreich ins Leben rufen wollen, nicht nur jetzt als Arbeitsgemeinschaft, sondern auch mit einem Legal Body, dann ist es so, dass wir unsere, ich sag mal,
31:05
Inga Bergen
Mhm.
31:10
Cornelia Wanke
dass mindestens 80 Prozent meiner Arbeitszeit darauf verwenden werde, damit es wirklich auch im Projektmanagement und in der politischen Umsetzung wirklich auch wirksam werden kann, dann braucht es dafür auch Geld und tatsächlich eine Anstellung in der Stiftung. Das haben wir alle gesagt, die daran im Kernteam beteiligt sind, weil das können wir nicht on top noch ehrenamtlich machen. Und auch das ist was, was wir Frauen uns vielleicht auf die Fahnen schreiben sollten. Gutes tun und wirksam werden, das darf ruhig auch Geld nach sich ziehen. Also das muss nicht heißen, dass wir das alles immer ehrenamtlich nur machen.
31:36
Inga Bergen
Gut.
31:51
Inga Bergen
Ja, und ich würde das eher unter professionelle Strukturen zusammenfassen. also das ist toll. Ich werde das immer teilen. Also wer mich auf LinkedIn folgt, ihr auch folgen können. Und dann wird man sehen, wofür ihr gerade in die Deep Dives geht, welche Expertinnen und Experten ihr aufmacht.
31:57
Cornelia Wanke
Ja. Ja.
32:13
Inga Bergen
und welchen Themen ihr euch widmet. Ich bedanke mich auf jeden Fall total. Das war sehr straight forward. Du kommst ja auch von einem langen Tag aus dem Bundestag und ich glaube, es ist super rübergekommen, was da jetzt entsteht und ich freue mich total, das weiter zu beobachten.
32:32
Cornelia Wanke
Danke liebe Inga und natürlich auch Teil des Ganzen irgendwie zu sein. Also du bist mit beim Thema Innovation würde ich dich zum Beispiel super gerne ansprechen.
32:36
Inga Bergen
Ja, genau.
32:43
Cornelia Wanke
Und vielleicht noch eine letzte Ergänzung. Wir haben einen wunderbaren wissenschaftlichen Beirat, denn hat meine Kollegin die Clarissa Kurscheidt und die Susanne Ebler haben den zusammengestellt. wer sich den mal angucken möchte, also da sind ganz viele Expertinnen aus dem medizinischen Bereich, weil das ist mir ganz wichtig nochmal zu sagen, wir maßen uns nicht an im Bereich Gesundheit die medizinische Expertise zu haben. Was wir können, ist die Menschen zusammenbringen und das Dach formen.
33:13
Inga Bergen
Danke liebe Cornelia, danke und hoffentlich bis bald und ganz viel Erfolg mit der Nationalen Allianz für Frauengesundheit.
33:25
Cornelia Wanke
Danke liebe Inga.
33:30
Inga Bergen
Super!






