
Digitale Versorgung, System der Zukunft
Telemedizin-Box: Tobias Leipold, Arzt und Gründer von Mediwise, über Versorgung in Apotheke und Supermarkt
Tobias Leipold ist Arzt, Unternehmer und Seriengründer und entwickelte mit seinem Team das E-Rezept für die gematik mit. In Folge 137 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, ob Telemedizin-Boxen in Apotheken, Kliniken und Supermärkten die ärztliche Versorgung entlasten können. Leipold erklärt, wie Patienten per Gesundheitskarte und Ersteinschätzung einchecken und Telemediziner über die Telematikinfrastruktur nach EBM abrechnen. Er betont, dass regionale Ärzte eingebunden bleiben, und sieht in assistierter Telemedizin eine Chance, Ärzte und Apotheker enger zusammenzubringen. Das Gespräch zeigt an Einsatzorten von der Notaufnahme bis zum Dorfladen, wie die Mediwise Box Versorgung und Regulatorik verbindet.
Warum das Thema wichtig ist
Und insofern bringen wir den Arzt einfach an verschiedenen Stellen nacheinander, ohne dass er durch die Gegend fahren muss.
Die ärztliche Versorgung gerät in Deutschland an zwei Stellen gleichzeitig unter Druck: Termine bei Fachärzten dauern teils Wochen, und Notaufnahmen sind mit Fällen gefüllt, die dort nicht hingehören, während der GKV Finanzmittel fehlen. Diese Folge fragt, ob Telemedizin vor Ort mit assistierter Unterstützung durch Apotheken, Pflegekräfte und regionale Praxen diese Lücke schließen kann, ohne die bestehende Regulatorik zu umgehen, und ob Abrechnung nach EBM über die Telematikinfrastruktur dafür tragfähig ist. Relevant für Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Klinikleitungen, Kassenärztliche Vereinigungen, Kommunen, Kostenträger, Regulierer sowie HealthTech-Gründerinnen und Gründer, die Telemedizin in den Versorgungsalltag bringen wollen. Offen bleibt in dem Gespräch, ob Patienten ein solches Angebot im Supermarkt oder Dorfladen annehmen und ob sich Ärzte und Apotheker als gemeinsame Versorgungspartner statt als Konkurrenten verstehen. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, ordnet im Podcast "Visionäre der Gesundheit" diese Versorgungsfrage kritisch ein, auch mit Blick auf Überversorgung und Vollkasko-Mentalität.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
Die Telemedizin-Box von Mediwise besteht aus einer Videosprechkabine mit eingebauter Diagnostik.
Die Box ist an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen, der Zugang erfolgt per Versichertenkarte.
Telemedizinisch tätige Ärztinnen und Ärzte rechnen Leistungen aus der Box regulär über den EBM ab.
Vitalwerte werden berührungslos per Gesichtsscan erfasst, ohne Blutdruckmanschette.
Eine Telemedizin-Sitzung in der Box dauert laut Praxiserfahrung etwa 6 bis 10 Minuten.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
Telemedizin-Box von Mediwise: Wie Tobias Leipold ärztliche Versorgung in Apotheken, Notaufnahmen und Supermärkte bringen will
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft der Gesundheitsversorgung, begrüßt in dieser Folge von "Visionäre der Gesundheit" den Arzt und Serienunternehmer Tobias Leipold. Sie wollte ihn schon lange einladen, weil er Probleme im System nicht nur benennt, sondern seit Beginn seiner Laufbahn unternehmerisch angeht. Leipold bringt eine Perspektive mit, die nur wenige haben: Er hat zuvor an der Telematikinfrastruktur und am E-Rezept mitgearbeitet. Seine Telemedizin-Box ist deshalb von Anfang an auf Abrechnung, Regulatorik und Praxisalltag ausgelegt. Das Gespräch führt von der Technik über Vertrauen und Akzeptanz bis zur Frage, wie sich Apotheken und Ärzteschaft neu aufstellen können.
Was ist die Telemedizin-Box von Mediwise und warum wurde sie entwickelt?
Die Box von Mediwise ist eine Kabine mit Telemedizin-Arbeitsplatz und Diagnostik, die ärztliche Versorgung an Orten ermöglicht, an denen kein Arzt sitzt. Leipold beschreibt, dass die Idee in der Corona-Zeit entstand, als provisorische Lösungen wie Baucontainer vor Apotheken an Hygieneauflagen scheiterten. Die Ausgangslage ist bekannt: Es gibt immer mehr Patientinnen und Patienten, aber nicht mehr Ärzte.
Als Basis dienten Videosprechkabinen aus dem Großraumbüro, die das Team in dreijähriger Entwicklung mit Messtechnik ausstattete. Ein Arzt im Bus wäre über Stunden gebunden, egal ob Bedarf besteht. Die Box dagegen lässt einen Telemediziner nacheinander an vielen Orten ärztlich tätig werden, ohne dass er fahren muss.
Wie läuft ein Termin in der Telemedizin-Box ab?
Patientinnen und Patienten können ohne vorherige Anmeldung kommen und starten den Prozess mit ihrer Gesundheitskarte. Zuerst folgt eine digitale Ersteinschätzung, die klärt, ob das Anliegen telemedizinisch behandelbar ist. Danach wählt man einen freien Slot, was meist eine kurze Wartezeit bedeutet.
Zum Termin öffnet die Karte die Tür, ähnlich wie im Hotel. Die Vitalwerte werden berührungslos über die Kamera erfasst, quasi per Selfie. Der Arzt erhält alle Daten aus der Ersteinschätzung und kann bei Bedarf aus der Ferne Schubladen mit Instrumenten wie dem Auflichtmikroskop freigeben und beim Anwenden anleiten. Am Ende rechnet er ab, und ein E-Rezept ist möglich. Je nach Anliegen dauert das nur etwa sechs bis zehn Minuten.
Welche Diagnostik und welches Personal stecken in der Box?
Die Ausstattung richtet sich nach dem Einsatzort. Für den Kindernotdienst der KV in Bonn genügen etwa Fieberthermometer sowie Messung von Sättigung und Puls. In der kommunalen Versorgung kommen ein EKG-Gürtel, ein Otoskop und assistierte Blutabnahmen hinzu. Es gibt sogar Doppelboxen mit Liege.
Mit einem Kardiologen entsteht gerade ein Konzept, bei dem geschulte Pflegekräfte Ultraschall und EKG durchführen und der Facharzt anhand der Bilder entscheidet, ob eine Therapieanpassung genügt oder ein Herzkatheter nötig ist. Die Medizingeräte betreibt jeweils der Betreiber vor Ort. Die Luft in der Kabine wird mehrfach pro Minute umgewälzt und an LEDs gereinigt, die Flächen sind desinfizierbar. Erweiterte Untersuchungen finden zu festen Terminen mit Pflegekraft statt.
Wie passt die Box in das bestehende System aus Abrechnung, TI und niedergelassenen Ärzten?
Die Box ist an die Telematikinfrastruktur angebunden und so konzipiert, dass Ärzte die Leistungen regulär über den EBM abrechnen können. Leipold verweist auf die jüngsten Entwicklungen wie Entbudgetierung, Digitalgesetz und die aktualisierte Rahmenvereinbarung zur Telemedizin, die der Ablauf mit Kartenstecken und vorgeschalteter Ersteinschätzung erfüllt.
Eingebunden werden sollen sowohl regionale Ärzte als auch überregionale Telemediziner. Ein Hausarzt vor Ort kann Patienten für Kleinigkeiten in die Box schicken und sich selbst zuschalten, was ihm das Wartezimmer entlastet. Ärztinnen und Ärzte können zudem von zu Hause aus in Teilzeit mitarbeiten, etwa wenn sie Familie und Beruf vereinbaren müssen.
Welche Rolle spielen Apotheken in der Vision von Mediwise?
Apotheken sollen zu Orten der erweiterten Versorgung werden, an denen Apotheker und Ärzte gemeinsam Probleme lösen. Leipold schildert, dass in Kürze die ersten beiden Apotheken starten und dass die assistierte Telemedizin dort bereits demonstriert wurde, unter anderem in Berlin.
Ein typisches Beispiel ist der Patient, der sein Blutdruckrezept vergessen hat. Statt in die Notaufnahme zu müssen, wird der Arzt per Bildschirm dazugeschaltet, und beide Berufsgruppen werden für ihren Beitrag vergütet. Auch Inga Bergen sieht darin eine Chance, denn Apotheken suchen angesichts von Versandhandel und Automatisierung eine neue Rolle. Konkurrenz durch Boxen im Supermarkt sieht Leipold nicht, weil Landapotheken ohne Ärzte vor Ort die Versorgung sogar aktiv mittragen wollen.
Warum sollten Menschen eine Telemedizin-Box im Supermarkt nutzen und wie wird Missbrauch verhindert?
Der Nutzen entsteht vor allem durch Zeitersparnis, und ein Filter vorab soll unnötige Besuche verhindern. Mit Partnern wie Tante Enso, einem Dorfladen-Konzept in kleinen Gemeinden, will Mediwise Orte nutzen, die Menschen ohnehin aufsuchen. Wer sonst weit fahren oder stundenlang in der Notaufnahme warten würde, kann sein Anliegen beim Einkauf klären.
Inga Bergen spricht die Sorge vor einer Vollkasko-Mentalität an, bei der Menschen die Kabine auch aus Einsamkeit aufsuchen. Leipold hält dagegen, dass die verpflichtende Ersteinschätzung genau diese Steuerung leistet, während im klassischen Wartezimmer die Auswahl dem Zufall überlassen bleibt. Für Vertrauen sorgen außerdem eine hochwertige Holzoptik, die vertraute Gesundheitskarte und die Einbindung regionaler Ärzte. Dass neue Technik Zeit braucht, zeigt für ihn das E-Rezept, das rund anderthalb Jahre bis zur breiten Nutzung benötigte.
Wie geht es mit Mediwise und Telemedizin-Boxen in Deutschland weiter?
Die ersten Boxen gehen im Sommer in Notaufnahmen, im Kindernotdienst und in Kommunen in Betrieb, die Nachfrage von Apotheken und Betrieben ist laut Leipold hoch. Mediwise versteht sich als offene Plattform, die keine eigene Telemedizin oder Diagnostik entwickelt, sondern Lösungen anderer Anbieter über Schnittstellen einbindet, auch KI-gestützte Anwendungen zur Zusammenfassung von Informationen.
Leipold hält es für möglich, dass bei passender Regulatorik hunderte Boxen in Deutschland stehen. Inga Bergen weist darauf hin, dass auch französische Anbieter den deutschen Markt betreten wollen. Sie begrüßt den Wettbewerb, weil Apotheken ihre Rolle in der Primärversorgung neu definieren müssen. Sie will die Entwicklung weiter begleiten.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:14
Inga Bergen
Tobias Leipold ist Arzt, Unternehmer und der Mann, der die modulare Gesundheitsbox erfunden hat. Eine Telemedizin-Box, die ärztliche Versorgung überall ermöglicht. In dieser Folge spricht er mit uns über Anamnese per Selfie, medizinische Versorgung in Tante-Emma-Läden und warum er glaubt, dass wir damit das Gesundheitssystem entlasten können. Ein Gespräch über Technik, Vertrauen und neue Wege in der Versorgung. Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Mein Name ist Ega Bergen, ich bin euer Host und ich freue mich total auf meinen heutigen Gast, den ich schon lange, lange, lange, wirklich lange Tobias einladen wollte. Tobias Leibold. Tobias Leibold ist ein super umtriebiger Serienunternehmer mit einem medizinischen Hintergrund. Und jetzt haben wir endlich einen Anlass, denn es steht ein Riesenprojekt bei dir gerade in den Startlöchern, über das ich heute unbedingt mit dir sprechen möchte. Und ich freue mich sehr, dass du heute mein Gast bist, lieber Tobias.
01:20
Tobias Leipold
Schönen guten Tag, liebe Inga. Ich freue mich sehr, dass wir es geschafft haben, hier zu sein. Und lass uns mal schauen, was wir da machen können.
01:27
Inga Bergen
Heute möchte ich mit dir über Mediweiss sprechen. Das ist dein neuestes Projekt. Ja, wir kommen gleich dazu, was du alles schon gemacht hast. Wir haben Mai 2025. Die GKV steht gerade vor einem riesigen Finanzierungsloch und wir diskutieren ja viel, also was sich ändern muss, wie Versorgung neu gestaltet werden muss. Und das ist etwas, was du eigentlich schon seit Beginn deiner Karriere Fokus hast. Du hast in der Medizin angefangen, hast dann schnell gesehen, das kann doch hier alles so nicht sein, und statt zu meckern hast du eigentlich angepackt und bist seitdem unternehmerisch tätig. Kann man das so zusammenfassen?
02:05
Tobias Leipold
Das kann man, das kann man, also besser kann man es nicht sagen, liebe Inga.
02:08
Inga Bergen
Genau, und bevor wir das alles durchgehen, möchte ich gern zu Mediwise kommen. Ich habe euch auf der DMEA gesehen. Die DMEA ist eine große Messe für Digitalisierung im Gesundheitswesen, und da hattet ihr einen Stand, und ich hätte eure Box, die ihr jetzt bald in Apotheken und Supermarktketten ausstellen oder aufstellen werdet, total gerne getestet, aber es war nie möglich, weil es war immer ein Riesenandrang. Und jetzt erzähl mir mal kurz, was macht ihr da? Was macht ihr genau bei Mediwise?
02:37
Tobias Leipold
Naja, der Punkt ist, dass wir, du hast es gesagt, in der GKV eine Riesenunterversorgung haben, dass wir nicht mehr Ärzte kriegen, aber dafür immer mehr Patienten. Wir werden zum Glück auch älter und müssen da natürlich entsprechend schauen, wie kriegen wir die beiden Angebote zusammen, dann gibt es eben auch tolle Menschen und Leistungserbringer, die Lust haben, die Versorgung zu unterstützen. Und wir kamen eigentlich im Rahmen der Corona auch drauf, wo man zum Teil Baucontainer vor Apotheken hatten oder Ähnliches. Das wurde dann aber zugemacht vom Gesundheitsamt, weil ein Teppich drin ist. Dann haben wir gesagt, na, das muss ja irgendwie, das muss doch irgendwie gehen. Ja, du hast auch bei dir im Podcast, haben wir tolle Systeme und Menschen gehört, die eben wunderbare Technologien haben, wo du zu Hause schon Versorgung auf dem Sofa machen kannst. Aber dann brauchst du manchmal noch ein Auflichtmikroskop oder ein EKG oder brauchst du irgendwas, wo du sagst: Hm, habe ich jetzt nicht zu Hause. Was machst du dann? Dann gehst du entweder zum Arzt, wartest du lang. Ja, gerade beim Facharzt haben wir ja 12 Wochen, 14 Wochen unterschiedlich natürlich. Oder du gehst in die Notaufnahme. Haben wir ja auch viel gemacht. Wir wissen, 65% aller Menschen, die da kommen, haben also ganz schwerwiegende Erkrankungen, die da eigentlich nicht hingehören. Zum Beispiel Männergrippe ist was ganz, ganz Schlimmes beispielsweise. Das verstehe ich, aber gehört natürlich nicht in die Notaufnahme. Und für diese Menschen genau in dieser Lücke wollten wir ein Angebot schaffen. Und zwar nicht in der Form, wie es vielleicht früher war, dass man einen Arzt oder Ärztin in einen Bus gesetzt hat, der ist rumgefahren, ne? Dann ist der Arzt gebunden. Und zwar für diese 8 Stunden, wo der Bus fährt, egal ob Patienten da sind oder nicht. Also haben wir angefangen, tatsächlich diese Telemedizin-Box zu bauen und haben gesagt, gut, das muss irgendwie auf einer Basis sein, die schnell vervielfachbar ist. Haben einfach Videosprechkabinen genommen aus dem Großraumbüro und haben die angefangen, wirklich mit Telemedizin voll zu bauen, Diagnostik reinzugeben. Da gibt's ja auch wirklich Hammersysteme mittlerweile. Ich bin total begeistert, was wir mittlerweile alles gesehen haben, auch mit AI-Unterstützung, Diagnostik und so weiter. Und haben das entsprechend ausgebaut, 3 Jahre lang dran entwickelt. Und der ganz entscheidende Punkt war aber, das ist das eine, die Box mit der Technik. Uns war klar, dass wir es so haben müssen, dass es 100% in die bestehende Regulatorik passt. Bedeutet, wenn du jetzt zum Beispiel Notaufnahmen, wird diesen Sommer die ersten Boxen stehen. Das muss genauso sein, dass die Notaufnahme sich freut, dass der Patient eben nicht dort untergedeckt in der Notaufnahme durchläuft, sondern dass er dann gerne in diese Box geht, weil er dann nicht da sitzt. Und der Telemediziner, der auf dem Bildschirm erscheint, kann ganz normal über EBM abrechnen.
05:16
Inga Bergen
Ja, dazu kommen wir glaube ich gleich. Also das ist total interessant, wenn sich das Ganze in Prozesse einfügt. Aber du hast jetzt das Wort gesagt: Telemedizinbox. Ja, das müssen wir uns jetzt erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Wir kennen das ja schon. Das gibt es in Frankreich. Da gibt es das in Apotheken, in Bahnhöfen, also eigentlich überall da, wo Leute auch vorbeikommen. Und du hast jetzt gesagt, Es gibt so verschiedene Anwendungsszenarien. Also erstmal der Bus mit der hausärztlichen Versorgung, der über die Dörfer fährt, wo man weiß, der kommt und dann eine Frage, die auch mal warten kann, dort vielleicht bespricht. Oder aber die Notaufnahme. Das ist ja eher ein sehr akutes Thema. Also ganz unterschiedliche Szenarien. Und diese Telemedizin-Box, die ihr gebaut habt, die ihr jetzt gerade ausrollt, die Kann erst mal was, vielleicht starten wir damit erst mal. Also ich gehe da rein. Also ich habe jetzt irgendein Thema, was ich gerne besprechen möchte. Du hast jetzt eben gerade gesagt Auflichtmikroskop. Das ist bei mir so ein Klassiker. Das habe ich immer mal, dass ich denke, oh, da sieht was komisch aus. Meistens nutze ich übrigens dann eine App zur Ersteinschätzung und überwache das. Aber ich habe jetzt irgendwie einen Leberfleck, der sieht komisch aus. Ich kriege keinen Termin. Ich gehe demnächst in die Apotheke, Supermarkt oder irgendwie sogar in eine Klinik-Notaufnahme, dann gehe ich in eure Box und was mache ich dann?
06:37
Tobias Leipold
Ganz easy tatsächlich für dich als Patientin. Du buchst deinen Termin, gibst dein Beschwerdebild ein.
06:45
Inga Bergen
Wie buche ich denn meinen Termin?
06:46
Tobias Leipold
Also je nach Anbieter, wenn du beispielsweise in der Klinik bist oder in der Apotheke, haben wir so ein Patienten-Online-Check-in-Verfahren gemacht. Das heißt, du steckst deine Karte einfach rein. Das heißt, wir können es auch entsprechend identifizieren, können checken, was man eben vor der Telemedizin auch tun sollte.
07:03
Inga Bergen
Ich will nochmal kurz nachfragen. Also ich kann einfach hingehen, hingehen oder muss ich vorher den Termin machen?
07:07
Tobias Leipold
Ja, du kannst einfach hingehen. Okay.
07:08
Inga Bergen
Du kannst einfach hingehen. Das ist schon mal super.
07:10
Tobias Leipold
Das gefällt mir schon mal sehr. Genau. Und steckst deine Karte, so wie sich das gehört im Gesundheitswesen. Wir machen dann eine Ersteinschätzung, damit wir auch sicher auch nach den Regulatorien feststellen können, ah, diese Herausforderung, die du hast, ist telemedizinisch behandelbar. Dann kommst du auf eine Terminbuchungsseite und die zeigt eben die Ressourcen an, die im Moment frei sind dafür. Also wirst nicht einfach reinmarschieren, sondern wahrscheinlich ein paar Minuten warten, bis der nächste dann frei ist als Arzt. Buchst diesen Termin. Dann gehst du wieder mit deiner Karte zu dem Zeitpunkt einfach zur Box. Du steckst wieder deine Versicherungskarte rein, wie im Hotel. Kennt man ja auch. Karte stecken, Tür geht auf. Du gehst dort rein, dann legst du dein Mäntelchen ab, deinen Schal, setzt dich auf den Stuhl dort, sagst: Jetzt geht's los. Steckst du wieder deine Karte rein und da beginnen wir die Session. In der Regel fangen wir an mit so einer Vitalwertmessung. Das geht heute übrigens ohne, dass du irgend so ein Druckgerät anlegen musst für den Blutdruck oder so. Rein visuell, ja, hat man auf der DMEA auch gesehen. Du siehst so Strahlen über dein Gesicht gehen. Das ist schon ziemlich coole Technologie mittlerweile, die es gibt. Und wenn das erledigt ist, dann startet automatisch die telemedizinische Session. Wir übermitteln dem Arzt alle Daten auch aus der Ersteinschätzung. Das heißt, er weiß, um was es geht und kann dann tatsächlich direkt anfangen, mit dir die die Dinge zu besprechen. Im Zweifel kann er aus der Ferne noch Schubladen öffnen. Dann, wenn du noch irgendwas am Ohr hast oder halt besagtes Auflichtmikroskop brauchst, dann öffnet er die Schublade. Du nimmst das raus. Er hilft dir im Zweifel, wie das aufzusetzen ist. Machst die Fotos, legst es wieder rein und am Ende ist die Session vorbei. Der Arzt rechnet noch mal ab. Du kriegst vielleicht ein elektronisches Rezept. Geht ja auch schon wunderbar heute. Und dann ist das Thema in paar Minuten erledigt. Ohne große Wartezeit. Aber wir verbinden damit ganz normal die ärztliche Visite und insofern bringen wir den Arzt einfach an verschiedenen Stellen nacheinander, ohne dass er durch die Gegend fahren muss.
09:05
Inga Bergen
Genau, du hast gerade davon gesprochen, dass eine Schublade aufgeht, und ich habe verstanden, ich kann mir den Termin buchen, wahrscheinlich auch von zu Hause. Ich gehe dann dorthin und es muss ja wahrscheinlich auch jemand anwesend sein, um das alles zu reinigen, wenn auch gerade wenn auch irgendwelche Messgeräte dann vor Ort sind. Was ich total spannend finde, ist, dass sich das Konzept ja schon mal unterscheidet von Telemedizin, die ich von zu Hause machen kann, weil eben diese Vitalwerte über ein Selfie sozusagen gemessen werden. Was ist denn dann dort alles vor Ort? Also welche Messgeräte gibt es? Was für Vitalwerte oder sonstige Werte kann ich dort noch erfassen?
09:44
Tobias Leipold
Das gefällt mir, der Ausdruck Selfie-Vitalwerte. Das nehmen wir mit, liebe Inga. Werden wir immer an dich denken.
09:50
Inga Bergen
Aber tatsächlich, so ist es.
09:52
Tobias Leipold
Es hängt einfach davon ab, wo die Box steht und wo sie eingesetzt wird. Eine weitere Box, die jetzt im Juni in Dienst geht, ist im Rahmen der kindernotärztlichen Sprechstunde bei der KV. Dort haben wir relativ überschaubar, da brauchste Fieberthermometer, ja, und da brauchste vielleicht eine Sättigung und Frequenz. Aber wir haben auch Boxen, die jetzt gerade in der kommunalen Versorgung aufgestellt werden. Da geht's hin bis zum Beispiel auch bis zum POC. Da haben wir einen EKG-Gürtel drin, ein Otoskop ist mit drin. Du kannst da tatsächlich sogar Blut abnehmen, wenn das assistiert eben gemacht wird, beispielsweise bis hin zu Laborröhrchen, die dann die Pflegekraft oder PTA mit abnehmen kann. Du kriegst deine Etiketten, also da ist tatsächlich die ganze Range drin. Es geht so weit, dass wir mit einem Kardiologen jetzt gerade in der Endphase sind der Konzeption. Der sagte: Weißt du was, das ist super, wir machen das jetzt so: Die Box, die auf dem Land steht, wenn einer irgendwie eine Herausforderung mit seinem Herz hat, dann schicke ich den im Zweifel da rein. Also nicht, wenn es um Blaulicht geht, aber im Zweifel da rein. Die Pflegekraft, die bilden wir aus mit einem Zertifikat für Ultraschall. Die hält da einmal drauf, die macht einmal ein großes EKG. Dann gucke ich mir das an, und wenn ich sehe, oh weia, ja, dann schicke ich den Stannepetes in meinen Herzkatheter. Dann hat das aber auch einen guten Grund. Oder ich sage ihm, passen Sie auf, wir erhöhen einfach ein bisschen die Dosis, und dann kommen Sie entspannt in der Woche zu mir ins Wartezimmer. Und so kann er das auf einmal steuern. Also du kannst tatsächlich relativ viel machen. Das liegt daran, dass wir es nicht als kleine Box quasi haben, sondern dass wir sowohl einen telemedizinischen Arbeitsplatz haben als auch einen medizinischen. Und an manchen Stellen wird sogar eine Doppelbox aufgebaut, baust du einfach zwei hintereinander, sogar mit Trage drin. Das ist die hohe Flexibilität. Das war eben das andere Wichtige, was wir damit erreicht haben. Und dann kannst du dort reinstellen. Wichtig ist, diese Medizingeräte werden ganz normal durch den Betreiber betrieben, sodass wir da auch entsprechend ganz gemäß der Regulatorik unterwegs sind. Und dann kannst du deiner Fantasie keine Grenzen lassen. Alles, was quasi dort machbar ist, wo jetzt keiner vor Ort sein muss, ganz normal bei Telemedizin, kannst du da dann gut machen.
11:54
Inga Bergen
Ja, und ich frage mich aber, also es muss ja Personal vor Ort sein, alleine um das zu reinigen nach jedem Patienten, oder?
12:00
Tobias Leipold
Es wird teilweise so sein, dass Personal vor Ort ist. Ja, und es wird so sein, dass sie auch alleine dort steht. Sie ist relativ hochwertig gemacht, sodass du den Eindruck hast, das ist ein ordentliches Arztzimmerchen quasi. Das kleinste Behandlungszimmer der Welt quasi. Würden die jetzt nicht einfach so am Bahnhof irgendwo hinstellen, aber in geschützten Bereichen geht das tatsächlich auch alleine, ja, so dass du dort deine Vitalwerte machst, dein Problem besprichst und so weiter. Gerade Folgerezepte, chronischer Versorgung müssen dann das nicht das Wartezimmer verstopfen. Das geht tatsächlich, da ist eine Systematik eingebaut, dass die Luft wird dreimal pro Minute umgewälzt, die geht an entsprechenden LEDs vorbei zur Reinigung. Du kannst gewisse desinfektion, desinfizierbar und so weiter und so fort. Das geht tatsächlich ganz gut auch so. Die erweiterten Dinge, jetzt sagen wir Ultraschall oder ein 12-Kanal oder Bluttropfen abnehmen, dafür haben wir dann jeweils die Termine, wo eben auch Pflegekraftkräfte mit vor Ort sind.
12:58
Inga Bergen
Genau, genau, weil wir, also du redest ja wirklich jetzt eine Ambulanz, eine Apotheke. Jetzt hast du mir im Vorgespräch erzählt, ihr werdet mit einem, einer großen Supermarktkette partnern, wo dann diese Boxen eben in Supermärkten aufgestellt werden. Du sprichst jetzt über Folgerezepte. Ich finde es total spannend. Ich bin ja super offen für Innovation und mir ist immer klar, es ist eigentlich nichts in Stein gemeißelt. Und auch Vergütungsstrukturen, wie wir sie heute haben, sind nicht in Stein gemeißelt und müssen sich ändern. Was mir jetzt gerade so vor meinem inneren Auge abgeht, ist, dass ich mich schon frage, was sagen dann Ärztinnen und Ärzte in der Fläche, die ja auch davon leben, dass sie eigentlich Patientinnen und Patienten jedes Quartal dahin bestellen, um dann nach EBM eine Pauschale auch abrechnen zu können. Das ist ja in der hausärztlichen Versorgung etwas, was gemacht werden muss. Und deswegen gibt es immer so ein bisschen diesen Konflikt zwischen Telemedizin, was macht da eigentlich Sinn und wie organisiert man Telemedizin auch? Weil Telemedizin jetzt nur aus einer Praxis zu organisieren ist total schwierig. Und dann aber halt die Frage, trifft es auf die gesetzten Strukturen? Wie ordnet ihr euch da ein? Also das würde mich auch total interessieren.
14:14
Tobias Leipold
Ja, ich glaube, das ist auch das Besondere und das ist auch das, was uns unterscheidet von anderen Lösungen. Wird sicherlich auch noch viel geben. Es ist auch gut. Wir müssen Dinge auch verändern, um schneller Zugang zu machen, aber es auch einfach viel einfacher zu machen für den Arzt. Und Inga, das ist ein ganz spannender Punkt, den du sagst. Also die Box ist auch an der TI angeschlossen. Ja, wir kommen ja auch aus dem Bereich.
14:33
Inga Bergen
Also Telematikinfrastruktur für alle, die das nicht wissen.
14:37
Tobias Leipold
Und insofern können wir tatsächlich die Voraussetzungen zu 100% sicheren Abrechnungen schaffen. Das ist durchaus auch interessant. Das ist das eine. Das andere ist, dass tatsächlich in der Regulatorik in den letzten, sagen wir mal, 12 Monaten trotz Ampelbruch ja einiges passiert ist. Wir haben eine Entbudgetierung, wir haben ein Digi-Gesetz, wo jetzt Fristen langsam umgesetzt werden. Wir haben eine Aktualisierung der Telemedizin, der Rahmenvereinbarung, die erst mal etwas komplex klingt, aber die man gut umsetzen kann. Das haben wir auch gut geschafft mit Karte stecken, mit Ersteinschätzung vorneweg machen, sodass wir sichern. Und es ist was ganz, ganz Spannendes passiert. Gucken wir uns mal auf die Apotheke Apotheken, es werden jetzt 2 Apotheken auch in 2 Monaten live gehen, da war immer dieser Disput zwischen den Ärzten, das ist auch glaube ich, was du ansprichst und was du ganz oft zum Glück auch ansprichst, weil wir müssen zusammenwachsen, wir müssen zusammen Versorgung gestalten und das war immer, wenn der Apotheker dann geimpft hat, dann hieß es, oh, das geht nicht und wenn der Apotheker Blutdruck gemessen hat, das war dann noch schlimmer, aber auf einmal, wo jetzt der Arzt quasi auf den Bildschirm der Apotheke kommt und man gemeinsam dort diese Dinge macht. Und auch die assistierte Telemedizin ist ja gerade für die Apotheken im Schiedsverfahren und wird sicherlich eine tolle Möglichkeit. Auf einmal rutschen die beiden zusammen und gestalten die Versorgung und lösen für den Patienten, ja, wenn der mit seinem, ich habe mein Blutdruckrezept vergessen, ich, ich, ich, was soll ich jetzt machen, ich brauche es, ich habe kein Rezept, ist alles, ich merke schon, wie es pocht. Ja, was machst du mit so einem Patienten am Tresen der Apotheke? Du sagst: Ja, pff, was soll ich jetzt machen? Ich kenne dich zwar gut, Leupold, aber ich brauche das Rezept. Ja, wir gehen in die Notaufnahme am Samstag. Ja, und dass du auf einmal gemeinsam Arzt und Apotheker das zum Beispiel löst und beide werden dafür unterstützt. Wir haben das Problem für den Patienten gelöst und du kannst es normal abrechnen. Das ist schon ziemlich sensationell, weil es einfach mega hilft.
16:27
Inga Bergen
Ja, jetzt reden wir ja nicht nur über Arzt, Ärztin, Apotheker, Apothekerin, sondern wir reden auch über Telemedizin in Supermarktketten. Und jetzt hast du das gerade schon gesagt. Wir haben eigentlich eine Riesenherausforderung mit Chroniker:innen in Deutschland. Ja, das ist so. Also wir haben alternde Gesellschaft. Wir haben super viele Menschen, die chronisch krank sind, die Folgerezepte brauchen, die ja, die einfach dauerhaft Unterstützung benötigen. Stellen wir uns mal vor, das ganze Ding steht in irgendeinem Discounter. Was mache ich denn dann da? Und wie stellt ihr euch das vor, dass das Leute wirklich nutzen, dass die da reingehen, dass sie diese Hürde überwinden? Weil das stelle ich mir von Seiten der Adaption auch noch mal spannend vor. Und das sehen wir auch gerade bei Telemedizin, dass es nicht so ein Selbstläufer ist, dass Leute das gar nicht so selbstverständlich wirklich anfangen zu nutzen.
17:23
Tobias Leipold
Ja, also tatsächlich gibt es dort verschiedenste Projekte. Schau mal einfach in der kommunalen Versorgung. Ja, es ist auch veröffentlicht. Wir arbeiten beispielsweise zusammen mit Tante Enso. Das ist ein mehr oder weniger Online-Supermarkt in kleinen Gemeinden, 5.000, 10.000 Gemeinden oder Kommunen verteilt, aber auch mit anderen. Und es geht darum, dass die eine Fläche haben, dass die einen Ort bilden, wo die Menschen dann einkaufen, wo sie auch mal ein Schwätzchen halten. Ja, und tatsächlich dort auch oftmals keine Ärzte mehr vor Ort sind, nicht in allen Kommunen, aber in vielen. Du fährst viele Kilometer irgendwohin oder fährst dann doch in die Notaufnahme. Wir haben, es gibt keine Verpflichtung mehr zur Neuaufnahme von Patienten bei Ärzten und Ärztinnen. Und wenn du dann die Möglichkeit hast zu sagen, okay, komm, ich habe jetzt einen Ort, wo ich eh dann gerne bin, und geh dahin und kann gleichzeitig noch mal ganz kurz mein Problem oder mein Folgerezept oder ähnliche Dinge loswerden, und das wird einfach kurz geregelt, dann ist das tatsächlich im Vergleich zu: Ich fahre jetzt in die Notaufnahme, weiß, wie das dauert, 5 Stunden mit den anderen Rotznasen, Entschuldigung, wenn ich das so sage, im Wartezimmer. Und so habe ich es in 10 Minuten gelöst, mache nebenbei noch meinen Einkauf und fahre dann wieder nach Hause, Thema durch. Oder ich weiß halt als Screening: Oh, es ist doch was Ernstes, bitte ab ins Wartezimmer. Dann weiß der Arzt aber auch und die Ärztin: Hey, das hat einen Grund, dass derjenige jetzt da ist. Und weiß auch, dass das nicht irgendwo sinnloses Wartezimmervollstopfen ist.
18:54
Inga Bergen
Ich finde das übrigens, also mir kommt noch ein spannender Punkt, und zwar habe ich gestern meine LinkedIn-Community befragt. Ich habe recht viel Reichweite auf LinkedIn, weiß vielleicht der eine oder andere, was jetzt eigentlich getan werden muss, um diese krassen Ausgaben im Gesundheitswesen wirklich so in den Griff zu bekommen. Und da kamen total viele wirklich grandiose Vorschläge. Auch ein paar komische, aber die meisten waren wirklich super konstruktiv und auch wirklich fachlich fundiert. Und es kam aber auch ein Thema auf, relativ häufig, und das ist sozusagen die Seite der Vollkasko-Mentalität, also der Frage in Deutschland: Was kostet überhaupt Gesundheit? Und es ist tatsächlich so, dass wir in Deutschland in den Top Ten sind, was so Arztbesuche angeht. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr wahrscheinlich mit dem Konzept auch oft hört, wenn das jetzt irgendwo im Supermarkt steht, wenn das im Tante-Emma-Laden steht, dann gehen Leute dorthin, weil die einfach irgendwie vielleicht gerade allein sind und mal ein kurzes Schwätzchen halten wollen. Und dann gehen sie halt in die Telemedizin-Kabine. Und das, also du hattest das eingangs, du hast ja eingeleitet mit, wir haben so viel Bedarf und wir können den nicht decken. Aber wir haben auf der anderen Seite Also du hast von Unterversorgung gesprochen, aber wir haben ja auch eine Überversorgung in vielen Bereichen. Wie stellt so ein Service denn sicher, dass das auch gut genutzt und verantwortungsvoll genutzt wird?
20:23
Tobias Leipold
Super Frage. Absolut. Haben wir uns natürlich auch gestellt. Und das eine ist, dass viele von den Patienten trotzdem heute schon ins Wartezimmer gehen und dann einfach im Wartezimmer sind und für Menschen und Patienten, die es dringend brauchen, du nicht wirklich so ein richtiges Screening vorher, Auswahl hast. Wir reden ja immer ganz viel von Patientenpfaden. Wir müssen die auf die richtigen bringen und so weiter. Das findet aber quasi per Zufall statt. Mehr oder weniger, wer jetzt im Wartezimmer sitzt. Da gibt es die ersten Systeme, die das vorher checken. Es ist einfach ganz einfach so, dass du ja, bevor du in die Telemedizin-Box gehst, machst du dieses Screening oder diese Ersteinschätzung. Dazu setzen wir verschiedene Systeme ein. Das bedeutet, Es ist eindeutig vorher geregelt, ja, zum Beispiel mit einer SMED, Ersteinschätzung, oder auch mit anderen. Hey, ja, das ist jetzt eine Herausforderung, die der Patient hat, und ja, das ist telemedizinisch behandelbar, und ja, ist relevant. Bitte, bitte, hier ist die Terminauswahl, such dir einen raus. Ja, das heißt, wir setzen davor genau aus diesen Gründen einfach einen guten Filter. Und das ist ja auch das, was zum Beispiel, worum wir sehr viel Zuspruch von Ärztinnen und Ärzten bekommen. Total toll, wenn du in so Gegenden kommst und sprichst. Und früher dachtest du: Oh, hm, wird das was? Und wie reagieren die Ärzte und Ärztinnen? Hey, die nehmen es an, weil sie sagen: Hey, alles klar, ich kann das einfach kurz regeln. Ich habe damit das Wartezimmer nicht voll. Durchschnittliche Dauer 6 bis 10 Minuten, wie auch immer, je nach Problem. Und dann ist das durch. Wenn ich aber sage: Komm rein, dann hat es einen Grund.
21:48
Inga Bergen
Darf ich noch mal fragen? Wenn du das so regional framest, ihr habt dann aber schon die Ärztinnen und Ärzte, die quasi die telemedizinische Leistung erbringen aus dem ganzen Bundesgebiet. Die sind dann nicht nur aus der Region, oder wie ist das? Oder ist es unterschiedlich?
22:02
Tobias Leipold
Auch eine hervorragende Frage, Inga. Tatsächlich beides. Ja, weil du, und das ist das, was ich meinte mit in die Regulatorik eingepasst. Wir bieten es für beide Seiten. Das heißt, regionale Ärzte können mitmachen. Ist ja auch die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung. Finden wir völlig in Ordnung. Wir entlasten damit die Ärzte.
22:21
Inga Bergen
Wenn es die denn noch gibt.
22:22
Tobias Leipold
Ja.
22:22
Inga Bergen
Also im Moment ist es ja so.
22:26
Tobias Leipold
So, und wie gesagt, machen ja auch Projekte mit denen und der Telemedizin-Box für schwierige Versorgungssituationen. Und damit sind auch die regionalen Ärzte eingebunden. Jetzt, wenn du Experten brauchst oder kein regionaler Arzt zur Verfügung steht, dann musst du halt einen Ring weitergehen. Und das ist so, dass wir mit großen medizinischen Dienstleistern auch zusammenarbeiten, dass wir mit Telemedizinsystemen zusammenarbeiten, die ja heute auch schon viele Ärzte haben. Und so kommt immer eine ganz gute Mischung zustande. Es ist aber auch so, dass der regionale Arzt sagen kann: Pass auf, Leopold, mit deiner Männergrippe oder mit deinem Splitter im Finger kommst du gar nicht zu mir, sondern bei dir vorne steht eine Box. Gehst du bitte rein, ich komme dann dazu. Dann ist das Thema in 5 Minuten erledigt. Kriegst du Betta Isadonna oder keine Schleichwerbung oder was auch immer. Und damit ist mir geholfen. Ich spare mir den ganzen weiten Weg. Und andererseits auch dem Doc. Zack, Problem erledigt. Also wenn wir schon bei Folgerezepten sind, wie macht das der Arbeitnehmer? Wir sprechen mit großen Betrieben, dann nimmst du dir einen halben Tag frei, worst case, gehst dann ins Wartezimmer, setzt dich hin, kriegst da ein Rezept, klar digital mittlerweile, gehst dann zur Apotheke, da ist es gerade nicht vorrätig, dann kriegst du es am nächsten Tag. Riesenprozess. Wenn du so eine Box in einem großen Unternehmen hast, gehst du da runter, sagst: Hey, ich brauche kurz mein Folgerezept, lässt es mit dem Botendienst Apotheke liefern. Thema Ende. Hat jeder was von.
23:49
Inga Bergen
Ja, ja, ich finde, also das ist spannend, weil letztendlich könntest du das ja auch telemedizinisch, bei den meisten Medikamenten jetzt, nicht bei allen, ne. Also Telemedizin schließt auch einige Medikamente aus, aber bei den meisten ginge das ja auch schon. Und ich frage mich auch oft, wie ist die Adaption in der Bevölkerung? Weil das sehen wir bei Telemedizin, die wird gar nicht so gut angenommen. Also ich liebe Telemedizin, ich finde es total praktisch, gerade wenn man irgendwie ein Thema hat. Übrigens noch mehr liebe ich KI mittlerweile, also für Ersteinschätzung. Und ich habe natürlich auch irgendwie, also ich habe natürlich alle Apps und kann meine Vitalwerte auch so messen. Aber es geht ja auch ein bisschen um Vertrauen, darum, es geht darum, eine Hürde eigentlich abzubauen, auch für diese Nutzung. Und deswegen finde ich einmal Apotheke total spannend, aber ich finde es auch spannend, wirklich zu überlegen. Wir haben jetzt einen gängigen Supermarkt-Discounter und da steht dann wirklich so eine Box von euch drin. Das wird ja erst mal ein Test sein. Die sind ja relativ schnell dabei, wenn das nicht läuft, das da auch wieder rauszuschmeißen. Das kennen die ja aus ihrem Sortimentsdurchlauf. Und das ist auch so eine Frage. Ihr habt euch ja sicher auch Frankreich angeguckt, ihr habt euch andere Märkte angeguckt. Ich würde gerne mal so ein bisschen darauf einsteigen, wie das Leute annehmen. Jetzt also wirklich mal von den Phrasen weg, dass du dein Problem gelöst kriegst, aber was sind so Sachen, die ihr seht? Vielleicht hast du da so ein paar Anekdoten.
25:17
Tobias Leipold
Wir haben ja tatsächlich 3 Jahre jetzt, oder etwas über 3 Jahre, dran entwickelt und insofern tatsächlich auch viele Testläufe einfach gemacht und auch ausprobiert, auch wirklich mit Patienten dann, ja, und die auch interviewt und befragt. Daher auch der Aufbau, kein Blasting, klassig beispielsweise, sondern solide, vertrauensvoll, das ist richtig Holz, ne. So, und haben auch daraufhin den ganzen Workflow so abgestimmt, also bewusst dieses, du nimmst die Gesundheitskarte, ja, und gehst mit der durch den ganzen Prozess. Und schau mal, das wird schon eine Frage, wie wird das angenommen, absolut. Aber wenn du jetzt die Argumente sind, müssen, wenn du solche Dinge in den Markt bringst oder in die Versorgung bringen willst, musst du wirklich einen richtig hohen Nutzen haben. Und wir haben es für beide Seiten, wir haben es für die Ärzte und Ärztinnen, ja, weil es einfach Sie können schneller einfachere Dinge abarbeiten. Und das Zweite ist, jetzt gucken wir uns noch mal Notaufnahme an oder gucken uns das Projekt in der kindernotärztlichen Sprechstunde an. Das wird in Bonn sein, wo du mit dem Kind da bist und manchmal für kleine Fragen dann halt 3 Stunden im Wartezimmer sitzt. Und da kriegst du die Frage gestellt: Wollen Sie da ins Wartezimmer? Ja, was du siehst, rappelvoll ist. Oder wir haben die Möglichkeit, dass sich ein Telemediziner einmal kurz dazu zuschaltet aus dem anderen Kindernotdienstzentrum, gucken sich das an und können dann immer noch entscheiden: Ah nee, ist was Größeres, geh rein. Also daher ist die Frage für den Patienten: Ja, uh, ist was Neues, vielleicht irgendwie spannend. Ich kann mich an meiner Karte aber noch festhalten, ja, das ist irgendwie was Vertrautes. Aber puh, vielleicht nicht 3 Stunden im Wartezimmer sitzen. Das ist schon ein relativ gutes Argument, genauso wie Wartezeiten auf Fachärzte und so weiter. Das so So ist die Überzeugung der Patienten, sagen ja, also das war für mich ausschlaggebend, dass ich einfach schneller und einfacher, also ein gefühlten großen Nutzen, da versorgt werde.
27:06
Inga Bergen
Ich finde es total spannend, weil ich verstehe es komplett in einem Setting, wo es jemand empfiehlt. Und das finde ich so interessant. Ich habe ja sehr viele Apps gebaut im Gesundheitskontext und da, oder so Software-Sachen, und da War meine Erfahrung immer, wenn du es irgendwie in eine zwischenmenschliche Interaktion einbaust, wenn es jemand empfiehlt, wenn jemand diesen Vertrauensmoment herstellt, dann funktioniert es. In dem Moment, wo es so singulär für sich alleine steht, wo jemand sich nur da anmeldet, das für sich alleine macht, hast du eigentlich eine— also reduzierst du eigentlich die Masse der Leute, die dafür überhaupt offen sind, auf 10% vielleicht, die diese Hürde selbstständig überwinden. Und das finde ich gerade spannend. Wenn man jetzt sagt, das steht wirklich in so einem Tante-Emma-Laden irgendwo alleine auf dem Dorf, das steht irgendwo in der Supermarktkette, wie vermarktet man das dann? Also wie kriegt man das kommunikativ hin, obwohl da jetzt niemand steht, die Leute über diese Hürde zu heben?
28:02
Tobias Leipold
Also dieser Trust Moment, den du ansprichst, der ist brutal wichtig, definitiv. Deswegen ja beispielsweise auch der Einbezug der regionalen Ärzte, wenn wir jetzt in so eine Kommune gehen, dann gibt es da irgendwo noch drumrum, sagen wir mal 3, 4 Ärzte, Ärztinnen und vielleicht noch eine Klinik oder ein MVZ dran angeschlossen, kleines, wie auch immer. Und du kannst eben, du kannst, deswegen beziehen wir die auch ein, nicht nur wegen der Regulatorik, sondern Papa Leopold geht dann, geht halt da an die App und kann dann quasi auch aus seinem regionalen Arzt das aussuchen. Wenn der halt erst in der Woche Zeit hat, ist es okay. Das ist im Zweifel immer noch schneller als irgendwo hinzufahren oder 12 Wochen zu warten auf einen Termin vor Ort, kann das schon mal eben angehen, die Herausforderung. Auch da zählt wieder dieses Zeitargument. Ich habe aber die Möglichkeit, auch meinen Arzt, wenn er mitmacht, auszuwählen. Genauso, deswegen haben wir es auch von der anderen Seite buchbar gemacht. Mein Arzt oder Ärztin kann mir auch sagen: Leibhold, geh bitte da in diese Box, ja, dann besprechen wir das einmal. Dann brauchst du aber jetzt nicht die 12 Kilometer fahren und ins Wartezimmer sitzt, sondern gehst du da rein, wir sprechen drüber oder gucken uns das an und entscheiden, wie wir weitermachen.
29:10
Inga Bergen
Ja, ich finde es total spannend, weil wenn man jetzt so telemedizinische Dienste nutzt, ne, dann kriegen die das ja auch noch nicht so richtig hin, wirklich einen Termin on point zu vergeben, sondern du sitzt dann da neben deinem Handy, das ist in der Regel kein Problem, weil du eh zu Hause bist, und wartest, bis es dich anruft und bis du eben dran bist, ne. Das ist ja auch eine Herausforderung.
29:29
Tobias Leipold
Ja, also tatsächlich deswegen diese Mischung, ja, ist genau richtig, was was du sagst, diese Mischung aus regional, ich kann ja nicht die ganze Zeit warten und dann sofort draufspringen als Arzt. Du hast ja Hände voll zu tun, trägst mögliche Ressourcen ein. Schau mal, auch hier ist die Regulatorik zum Glück echt wesentlich weitergekommen. Wir haben erweiterte Regeln der Telemedizin, was die prozentualen Dinge angeht. Ärzte, Ärztinnen können das von zu Hause auch machen. Ist ja auch spannendes Modell, wenn du Teilzeit, alleinerziehend, wie auch immer, typische Fälle, wo du sagst, hey, da mache ich eben 30%, mache ich so und kann dann quasi mein Wissen, mein Know-how und meine Behandlungskapazität trotzdem zur Verfügung stellen. Das finde ich, sind schon tolle Dinge. Und klar gibt es, wird es Menschen geben, die so ein bisschen skeptisch sind. Und es gibt Menschen wie du, wo du sagst, hey, ich habe alle Apps, die probiere ich alle aus, mache das auch, mache ich auch super gerne von zu Hause. Aber freue mich trotzdem auch auf neue Dinge auszuprobieren. Solche Menschen wird es ja auch geben. Das wird eine gewisse Anlaufphase. Es ist was Neues. Da gibt es ja die verschiedensten Projekte mit hybriden MVZs und Ähnlichem, was ja auch großartige Dinge sind. Und wir werden uns daran gewöhnen, dass wir eben als Patienten mehr und mehr technische Unterstützung bekommen. Schau, das war beim E-Rezept, was wir ja auch für die gematik entwickelt haben. Wir haben anderthalb Jahre gebraucht, bis das in der Praxis tatsächlich dann voll angekommen ist. Und heute gehen die Menschen, also hat lang gedauert, ne, also das geht auch alles nicht von heute auf morgen, das ist einfach auch Teil der Wahrheit. Und heute geht jeder mit seiner Karte in die Apotheke, steckt die oder am Handy, oder alle reden davon.
31:05
Inga Bergen
Aber das ist übrigens auch total interessant, weil es gibt ja auch die Apps, ne, auch EPA. Ich hatte mich, ich hatte die EPA schon, aber ich habe diesen PIN wieder vergessen und jetzt Im Moment habe ich jetzt keinen Bedarf, weil ich Gott sei Dank jetzt nicht komplex krank bin. In dem Moment, wo ich das bin, richte ich die wieder ein. Aber bis dahin denke ich so, ach nee, ist mir irgendwie gerade ein bisschen zu wenig Nutzen gegenüber dem Aufwand. Und das ist ja auch so der Punkt, ne, es muss super einfach sein. Deswegen finde ich so spannend auch eine Kooperation mit so einem großen Discounter, weil die können in der Regel Kundenfokus, Marketing, Kommunikation Und das ist super spannend. Aber auch auf der anderen Seite die Apotheke, weil wir sehen jetzt klar Versandhandel auch durch das E-Rezept. Alles, was du nicht akut brauchst, wo du jetzt keine Beratung brauchst. Oder ich habe neulich ein Praktikum in der Apotheke gemacht. Da merkt man richtig, da lassen sich Leute wirklich beraten, dann teilweise und gehen raus und gucken irgendwie, wo kriege ich es günstiger. Und die Apotheken suchen ja auch eine neue Rolle. Und wenn wir uns jetzt vorstellen, ich denke schon immer, okay, die können impfen. Warum können sie nicht auch Blut abnehmen? Das können die ja theoretisch. Und wir könnten eigentlich viele Teile der Primärversorgung, gerade wenn wir jetzt darüber reden, die neue Regierung will ein Primärarztsystem. Also man hat immer einen Arzt, zu dem man wirklich einen Connect hat, und von dort aus geht man dann durch die Versorgung. Aber das bedeutet ja nicht, dass ich immer zu meinem Hausarzt oder meiner Hausärztin muss, wenn ich mein Blutbild machen will oder irgendwas. Lassen Sie uns doch mal so über so eine große Vision sprechen in diesen verschiedenen— die können wir ja vielleicht mal so Schritt für Schritt durchgehen. Also wie würdest du mit so einer Box wie MediWise die Apotheke der Zukunft sehen?
32:54
Tobias Leipold
Ja, also wir haben das große Glück, dass wir relativ viel mit Apothekern zusammenarbeiten dürfen, und da gibt es auch eine spannende Entwicklung, finde ich, die letzten eigentlich 12 Monate. Ja, es wird so sein, ganz klar Bekenntnis, wir brauchen die Apotheker vor Ort. Ja, aber warum? Ja, einfach nur so nützt nichts. Ich glaube, wir sind uns einig, dass Schrank auf, Medikament raus, jemand geben—
33:21
Inga Bergen
macht auch der Roboter heute.
33:22
Tobias Leipold
Sag mal, spätestens 2 Jahren macht das eine Maschine komplett. Ja, mit digitalen Services. Aber die Versorgung, wir müssen ja die Versorgung sicherstellen. Es wird nicht mehr Ärzte, Ärztinnen geben, es wird nicht mehr Kliniken geben, also Glaube ich, da sind wir uns wahrscheinlich relativ sicher, auch was Kosteneinsparungen ähnlich geht. Das heißt, wir müssen das irgendwie effizient regeln. Und da wird die Apotheke vor Ort, wenn wir die Möglichkeiten geben, eben die Versorgung, die ärztliche Versorgung zu unterstützen, ja, dann glaube ich, kommen wir gut zusammen. Und das wird dann auch tatsächlich der Ort der Versorgung zum ersten Mal werden. Wir sehen es, wir haben Anfragen von Apotheken ohne Ende. Ja, also es ist wirklich schön zu sehen. Das begeistert uns auch wirklich, weil die Apotheken da wirklich aktiv mitgestalten wollen. Wir bieten auch assistierte Telemedizin an als Variante, haben es ja auch hier in Berlin in der medius Apotheke gezeigt Ende März, dass solche Dinge tatsächlich regulatorisch möglich sind mit TI-Anbindung, Telematikinfrastruktur und allem, was dazugehört, nach allen Regeln. Und tatsächlich, das auch, was ich vorher sagte, dass da jetzt dass die Leistungserbringer zusammenrutschen und das tatsächlich als Ort der erweiterten Versorgung sehen. Gemeinsam, nicht entweder so, sondern gemeinsam. Und da geht mir das Herz auf, weil ich glaube, das ist das, was wir erreichen müssen, wofür wir antreten, dass diese verschiedenen Silos, die wir halt immer noch haben seit weiß nicht wie vielen Jahren, zumindest ein Stück zusammenrutschen.
34:52
Inga Bergen
Ja, für alle, die jetzt sagen, der ist ja viel zu begeistert. So geht übrigens die Grundlage von jedem Unternehmertum. Das muss ich mal kurz hier als Disclaimer einschieben. Anders geht es halt nicht. Jetzt irgendwie, das ist so, das bleibt nicht aus, wenn man lange im Gesundheitswesen ist. Man kann ja sich so in diese einzelnen Interessengruppen so ein bisschen reindenken. Und dann weißt du eigentlich schon, der Konflikt ist fast vorprogrammiert. Wenn ich morgen die Dorfapotheke habe und daneben habe ich aber den lokalen Discounter mit besseren Parkplätzen vor der Tür, wo ich dann auch reingehen kann. Wie ist da die Vision und wie unterscheidet sich das?
35:28
Tobias Leipold
Ja, auch hier tatsächlich ist doch wunderbar, wenn beispielsweise die naheliegende Apotheke, es gibt vielleicht keine Ärztin, Ärzten mehr in der Region, sondern nur noch etwas weiter entfernt im Radius, wenn die Apotheke hier unterstützt. Ja, wir haben tolle, tolle Gespräche mit großen Landapotheken, die sagen ja, pff, Da sind keine Ärzte mehr. Ja, also beispielsweise mit einer—
35:50
Inga Bergen
also denen ist es egal, wenn im Discounter dann auch die Telemedizin-Box steht, oder?
35:54
Tobias Leipold
Ja, die kümmern sich damit drum. Teilweise ist es so, dass sie sogar eben in der Versorgung mit unterstützen. Natürlich gibt es die freie Apothekenwahl, genau wie sich das gehört, aber sie helfen ihren Patienten, dort Versorgung zu ermöglichen. Und das ist etwas, was Was sie sehr begrüßen, was ihnen auch hilft. Das ist dann wieder, da kommen wir wieder in diesen Ort der Versorgung und Mitgestaltung der entsprechenden Versorgung. Und daher ist diese Kombination eigentlich gar nicht verkehrt.
36:26
Inga Bergen
Finde ich total spannend, weil es kann ja auf den ersten Blick ein Widerspruch sein. Aber wenn du jetzt sagst, wenn es vor Ort irgendeine Versorgungsmöglichkeit gibt, dann hilft es natürlich auch jeder lokalen Apotheke, weil man sich dann dort die Sachen direkt ja holen kann, wenn man das möchte. Genau. Super, super spannend. Wenn du jetzt, also ihr startet jetzt, wir reden jetzt hier die ganze Zeit so kryptisch über einen Discounter. Ihr habt da schon eine Zusammenarbeit vor, das ist konkret, das wird starten und das berichte ich dann auch. Also ich halte euch auf dem Laufenden, müsst ihr mir nur auf LinkedIn folgen und Tobias natürlich auch. Auf jeden Fall würde ich gerne noch mal von dir wissen, wenn das jetzt alles fliegt, Was können wir denn erwarten jetzt so in den nächsten Jahren davon?
37:14
Tobias Leipold
Tatsächlich sind die Anfragen sehr, sehr hoch. Ja, und das eine ist, dass wir dort tatsächlich Versorgung einfach gut unterstützen können und ermöglichen können. Wir müssen es ja immer für den Patienten denken am Ende des Tages. Das ist der wichtigste Bereich. Aber dass wir eben helfen, effizient dem Arzt, Ärztin, Apotheker, wer auch immer alles beteiligt ist, den Menschen zu versorgen, also von beiden Seiten. Und die Plattform von Mediwise ist so aufgebaut, wir bauen jetzt keinen eigenen Telemedizindienst oder wir bauen keine eigene Diagnostik, sondern wir setzen alles, was neu ist, setzen wir entsprechend dort ein, haben dort Schnittstellen, können aufrufen, es können unterschiedliche sein. Insofern verfolgen wir Podcasts wie deine oder eben auch Entwicklungen aus auch über die Grenzen von Europa hinaus. Was gibt es an Technologien heutzutage, die du dort sinnvoll einsetzt? Und das wird, glaube ich, immer mehr werden. Auch in meinen früheren Tätigkeiten durfte ich relativ viel in Europa und auch im Ausland mir an Projekten anschauen. Es ist ja zum Teil einfach toll, was es da gibt. Und diese Dienste, sofern sie eben nutzen, können wir einsetzen, um Ärztinnen und Ärzte zu unterstützen in der Versorgung. Um mehr Informationen gebündelt eben ranzubringen. Auch das Thema AI spielt eine Rolle. Wie kann ich Dinge eben zusammenfassen und eben das möglichst schnell und easy zu machen für beide Seiten? Und dann schaffen wir es eben, in eine bessere Versorgung zu gehen. Und wir werden sicherlich, andere Länder haben es ja gezeigt, wenn es regulatorisch passt, kannst du Hunderte von solchen Boxen in Deutschland im Zweifel haben.
38:52
Inga Bergen
Ja, ich bin wirklich total gespannt, wie sich das Thema entwickelt. Es gibt ja nicht nur euch, es gibt auch andere Anbieter. Also wie gesagt, auch die französischen Anbieter habe ich auf der ExpoPharm gesehen. Die wollen auch auf den deutschen Markt und da wird sich einiges tun. Ich finde das sehr, sehr gut, weil ich glaube, auch gerade hinsichtlich Apotheken, die müssen eine neue Rolle finden für sich, die auch in den erweiterten Primärversorgungsbereich reingeht. Und ansonsten macht es halt keinen Sinn, so viele Apotheken zu unterhalten. Das ist leider einfach so, denn auch Versandhandel kann da einfach eine Menge abnehmen. Und wenn man rein auf Kosten guckt, dann ist natürlich alles, was irgendwie zentralisiert ist, auch immer ein bisschen effizienter. Deswegen, ich finde es total spannend. Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir für dieses Gespräch, lieber Tobias, und ja, bin total gespannt, wie es bei euch weitergeht.
39:43
Tobias Leipold
Wir werden dich auf dem Laufenden halten und freuen uns. Viel Spaß!
39:47
Inga Bergen
Danke dir! Danke!





