
Patient & Consumer, Daten & Prävention
Prävention bei Jugendlichen: Roman Malessa, Chief Growth Officer FAQ Health, über Gen Z und sexuelle Gesundheit
Roman Malessa ist Chief Growth Officer von F/A/Q Health, einer gemeinnützigen GmbH, die 2009 aus der Schülergruppe Jugend gegen AIDS entstand und mit Fuck You einen Silbernen Löwen in Cannes gewann. In Folge 96 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie sich junge Menschen mit Gesundheitsthemen erreichen lassen. Malessa erklärt, warum Scham zum Präventionsproblem wird, da sich mehr als ein Drittel der Jugendlichen aus emotionalen Gründen schon nicht zum Arzt getraut hat. Malessa betont, dass Verfügbarkeit noch keinen Zugang bedeutet und Zielgruppen ernst zu nehmen sind. Das Gespräch zeigt an TikTok und Netflix, wie Aufklärung in der Lebensrealität der Gen Z ankommt.
Warum das Thema wichtig ist
Ich habe von meinen Eltern immer gelernt, wenn du komplexe Sachverhalte nicht einfach darstellen kannst, hast du sie nicht richtig verstanden, sonst würdest du es können.
Wenn mehr als ein Drittel der Jugendlichen aus emotionalen Gründen schon einmal nicht zum Arzt gegangen ist, entscheidet sich Prävention nicht erst in der Praxis, sondern schon davor: bei Scham, fehlender Sprachfähigkeit und Angeboten, die zwar existieren, aber in der Lebensrealität junger Menschen nicht ankommen. Die Folge macht an sexueller Gesundheit, mentaler Gesundheit und Krebsprävention wie HPV-Impfung, Hodenkrebs und Brustkrebs bei jungen Frauen sichtbar, dass formale Verfügbarkeit etwa von Kondomen oder Beratung noch keinen tatsächlichen Zugang schafft, und welche Rolle Plattformen wie TikTok, Marken, Pharmaunternehmen und anonyme Fragemöglichkeiten dabei spielen. Relevant ist das für Ärztinnen und Ärzte sowie Praxisteams, Krankenkassen und Versicherer, Pharma- und Kommunikationsverantwortliche, Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitiker, Schulen und Gründerinnen und Gründer im Bereich Digital Health, die junge Zielgruppen erreichen wollen. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, geht in dieser Ausgabe von Visionäre der Gesundheit im Gespräch mit Roman Malessa der Frage nach, wie Aufklärung gestaltet sein muss, damit die Gen Z sie nutzt, und was ein patriarchal geprägtes System dafür ändern müsste.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
FAQhelp entstand 2009 aus einer Schülergruppe, die beim Welt-Aids-Tag über 20.000 Euro sammelte.
Die Prävention von FAQhelp umfasst sexuelle Gesundheit, mentale Gesundheit und Krebsprävention bei Jugendlichen.
34 Prozent der Jugendlichen gingen laut Umfrage mit APINIO schon einmal aus Scham nicht zum Arzt.
Die TikTok-Zielgruppe von FAQhelp ist 15 bis 26 Jahre alt und fast vollständig in DACH.
FAQhelp ist in DACH, im südlichen Afrika und in den USA aktiv und gewann in Cannes einen Silbernen Löwen.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
Wie erreicht man junge Menschen mit Gesundheitsthemen? Roman Malessa von FAQ Health über Prävention, Scham und Partnerschaften mit Netflix und Meta
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, spricht im Podcast "Visionäre der Gesundheit" mit Roman Malessa, Chief Growth Officer von FAQ Health, besser bekannt unter dem Namen Fuck You. Sie hat ihn eingeladen, weil die Organisation etwas schafft, woran das klassische Gesundheitswesen oft scheitert: Sie erreicht Teenager und junge Erwachsene mit schwierigen Themen, ohne sie zu belehren. Malessa bringt dafür eine Perspektive mit, die kaum jemand sonst hat. Er verbindet Erfahrungen aus Social-Media-Reichweite, internationalem Aufbau und Konzernpartnerschaften mit dem konkreten Wissen darüber, was junge Menschen wirklich beschäftigt.
Wie ist aus einer Schülergruppe eine internationale Gesundheits-NGO geworden?
Die Organisation entstand 2009 aus einer Schülergruppe, die zum Welt-Aids-Tag rote Schleifen verkaufte und dabei über 20.000 Euro sammelte. Der frühere Tennisprofi Michael Stich, dem die Gruppe das Geld überreichen wollte, überließ den Jugendlichen die Entscheidung über die Verwendung. So begannen sie, mit angelesenem Wissen in Schulklassen über HIV und Prävention zu sprechen.
Schnell merkten sie, dass das Thema bei Gleichaltrigen auf Desinteresse und Vorurteile stieß, obwohl es durchaus relevant war. Daraus entstand die Leitfrage, wie sich sexuelle Gesundheit in die Lebenswelt von Jugendlichen holen lässt. Malessa selbst stieß vor rund siebeneinhalb Jahren dazu und ist heute für das Wachstum der gemeinnützigen GmbH verantwortlich.
Warum sind Prävention und Gesundheitsaufklärung für Jugendliche so schwer zu vermitteln?
Prävention ist unattraktiv, weil man sie nicht als Belohnung empfindet und sich aktiv damit beschäftigen muss. Malessa nennt drei große Felder: sexuelle Gesundheit, mentale Gesundheit und Krebsvorsorge. Bei Letzterer geht es etwa um die HPV-Impfung, Hodenkrebs bei jungen Männern und aggressive Formen von Brustkrebs bei jungen Frauen.
Hinzu kommen Angst, Stigma und Scham. Eine gemeinsam mit Netflix zur neuen Staffel von Sex Education erhobene Umfrage zeigt, dass sich mehr als jeder dritte Jugendliche für die eigene Sexualität schämt. Eine weitere Erhebung ergab, dass etwa ein Drittel der jungen Menschen aus emotionalen Gründen schon einmal nicht zum Arzt gegangen ist. Für Malessa ist das ein handfestes Präventionsproblem.
Wie schafft FAQ Health es, die Gen Z auf TikTok und Instagram zu erreichen?
Der Schlüssel liegt in Inhalten, die die Sprache der Zielgruppe aufgreifen, ohne obszön zu werden, und die Wissen dennoch klar und richtig vermitteln. Die Organisation beantwortet die Fragen, die junge Leute wirklich haben, etwa zu erstem Kuss, Liebe, Dating, Trennung oder Eifersucht. Die Zielgruppe auf den Kanälen ist zwischen 15 und 26 Jahren alt und kommt fast vollständig aus dem DACH-Raum. Auf TikTok gilt der Account laut Malessa als erfolgreichster seiner Art in Deutschland.
Dass Erwachsene manches als Klamauk empfinden, nimmt er gelassen. Sie seien schlicht nicht die Zielgruppe. Entscheidend sei die Qualität der Inhalte, die stets fachlich korrekt sein müsse. Auch Beziehungsthemen und sexuelle Lust zählt er zur Gesundheit, weil sie Wohlbefinden, Selbstbewusstsein und die Fähigkeit betreffen, eigene Grenzen zu benennen.
Was läuft im deutschen Gesundheitssystem bei der Kommunikation mit jungen Menschen schief?
Malessa beschreibt das System als patriarchal geprägt, weil Ärztinnen und Ärzte mit großem Wissensvorsprung nur das mitteilen, was gerade nötig erscheint. Er plädiert dafür, die Gesundheitskompetenz junger Menschen zu stärken, damit sie Abläufe besser einschätzen und mitdenken können. Ärztliche Expertise sei dabei nicht ersetzbar, zumal Zeitmangel in der Praxis ein reales Problem bleibe.
Inga Bergen ergänzt, dass Deutsche europaweit besonders viel zu Gesundheit googeln, weil ihnen Arztgespräche und Briefe oft zu wenig Orientierung geben. Beide sehen anonyme Angebote deshalb als sinnvolle Ergänzung. Besser sei eine anonym gestellte Frage als gar keine, und medizinisches Personal solle Offenheit seinerseits wertschätzen.
Wie kommt eine NGO zu Partnern wie Meta, Netflix und MSD?
Der Anfang war ein Preis: Die Gruppe gewann als eine der ersten Organisationen den von Facebook gesponserten Smart Hero Award. Auf der Bühne fragten die Jugendlichen die damalige Facebook-Managerin Sheryl Sandberg direkt nach einer Partnerschaft, und tatsächlich meldete sie sich später zurück. Aus dieser Verbindung entwickelte sich eine bis heute enge Zusammenarbeit mit Meta, die auch den Weg zu weiteren internationalen Partnern ebnete.
Malessa betont, dass schwierige Präventionsprobleme viele Verbündete brauchen: Pharmaunternehmen, Versicherungen und Lifestyle-Marken, die ohnehin im Alltag junger Menschen stattfinden. Kampagnen im öffentlichen Raum konkurrieren mit Marken wie Adidas oder Nike und müssen daher mithalten können. Die Auszeichnung mit einem Silbernen Löwen in Cannes und über 40 Kreativpreise seit 2020 belegen aus seiner Sicht diesen Anspruch.
Warum ist Zugang zu Verhütung mehr als reine Verfügbarkeit?
Verfügbarkeit bedeutet nicht automatisch Zugang, wie Malessa am Beispiel Kondome zeigt. In Deutschland trauen sich viele Jugendliche nicht, sie zu kaufen, aus Angst vor Blicken in der Kleinstadt oder Fragen an der Kasse. Online fehlen oft Kreditkarte oder Bezahldienst. Im südlichen Afrika spielt dagegen häufig Geld die Hauptrolle, weil der Kauf mit lebensnotwendigen Ausgaben konkurriert.
FAQ Health ist inzwischen im DACH-Raum, im südlichen Afrika und in den USA aktiv. Die Probleme junger Menschen unterscheiden sich je nach Region, ähneln sich aber im Kern. Für den Auftritt gibt es zwei Marken: FAQ Health als Dachmarke etwa für Gespräche mit Gesundheitsministern und Fuck You für die junge Zielgruppe.
Wie geht FAQ Health mit Hass, Polarisierung und konservativem Widerstand um?
Die Organisation bleibt parteipolitisch neutral, spricht aber mit allen demokratischen Parteien. Die junge Generation sei nicht einfach gespalten, sondern sehr divers und wachse in unterschiedlichen Lebensrealitäten auf. Besorgniserregend findet Malessa eher, dass die Fähigkeit zum Dialog verloren geht. Auch beim Gendern hält er belehrendes Auftreten für wenig überzeugend und wählt auf den Kanälen bewusst Formulierungen wie Menschen mit Penis, um niemanden auszuschließen, ohne Teile der Zielgruppe zu verlieren.
Ablehnung hat das Team in allen Abstufungen erlebt, bis hin zu strafrechtlich relevanten Fällen. Rassistische und andere Grenzüberschreitungen werden gemeldet. Bei bloßer Kritik versucht das Team zu verstehen, woher sie kommt, und antwortet höflich und klar. Bei bis zu 20 Millionen erreichten Jugendlichen in guten Monaten sieht Malessa darin eine echte Verantwortung.
Welche Tipps gibt es, um junge Menschen mit Gesundheitsthemen zu erreichen?
Malessa nennt drei Grundsätze, die sich auch auf andere Zielgruppen übertragen lassen. Erstens: die Zielgruppe genau kennen und sie ernst nehmen, ohne sie abzuwerten. Zweitens: herausfinden, wo sie sich tatsächlich aufhält, so wie junge Menschen eher auf Festivals und ältere eher in Reha-Kliniken anzutreffen sind. Drittens: Sprache und Botschaften wählen, die für diese Menschen relevant sind.
Dass andere Altersgruppen das manchmal nicht verstehen, dürfe nicht verunsichern, denn entscheidend sei allein, ob die gewünschte Zielgruppe erreicht wird. Beide Gesprächspartner plädieren zudem dafür, Digitalisierung und Datennutzung zuerst als Chance für die Gesundheit zu sehen. Wer mitwirken oder Partner werden möchte, findet FAQ Health unter fuckyou.de, auf Instagram und TikTok sowie unter faq.health.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:14
Inga Bergen
Roman Malasa ist Chief Growth Officer von FAQhelp, oder Fuck You ausgesprochen, einer gemeinnützigen GmbH, die aus der Schülergruppe Jugend gegen AIDS entstanden und heute die seriöse Quelle für erste Male aller Art ist. Roman Milasa ist seit 7,5 Jahren dabei und ein Experte darin, schwierige Inhalte einfach zu verpacken, um gesundheitliche Aufklärung junger Menschen zu fördern. Im Podcast erzählt Roman, wie sie von der AIDS-Aufklärung zu allgemeinen Gesundheitsthemen gekommen sind, wie man einer jungen und vielfältigen Zielgruppe die Themen sexuelle Gesundheit und Prävention näherbringt, wie sie es geschafft haben, große Marken wie Netflix und Facebook als Unterstützer zu gewinnen und wie wichtig es ist, deine Zielgruppe nicht nur zu verstehen, sondern auch zu respektieren.
01:04
Inga Bergen
Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Ich freue mich total über meinen heutigen Podcast-Gast Roman Malessa. Hallo lieber Roman!
01:15
Roman Malessa
Hi hi!
01:16
Inga Bergen
Du bist Chief Growth Officer von FAQ U, ehemals gestartet als Jugend gegen AIDS. Du hast das auch mitgegründet, und ähnlich wie Krisenchef Seid ihr eine Gruppe gewesen von jungen Menschen, die irgendwie schon zu Schulzeiten gedacht haben, das muss doch besser gehen hier mit der Aufklärung, das ist doch alles nicht besonders toll, wie das läuft. Und statt euch zu beschweren, habt ihr einfach gesagt, wir machen das jetzt besser, und habt damals Jugend gegen Aids gegründet. Und aus diesem Projekt ist eine international tätige NGO— kann man das so sagen?
01:52
Roman Malessa
Entstanden.
01:53
Inga Bergen
Ja, genau. Und auch dank dir, weil du für das Wachstum verantwortlich bist. Und wir beide haben uns kennengelernt auf einer Veranstaltung und ich bin dann da so ein bisschen tiefer eingetaucht und war extrem fasziniert, mit welcher Professionalität und großen Vision ihr das Thema vorantreibt. Und deswegen freue ich mich total, dass ich jetzt ja so eine Dreiviertelstunde habe, um dich ein bisschen auszuquetschen, wie es überhaupt dazu gekommen ist und Vielleicht fangen wir mal an, wie ihr das Ganze gegründet habt.
02:27
Roman Malessa
Ja, also erst mal von meiner Seite vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, heute hier bei dir im Podcast zu sein. Ich bin ja auch frequent listener, bin ja großer Fan auch des Podcasts und deswegen, ich würde sagen, schon mal eine ganz besondere Ehre. Eine Sache muss ich berichtigen. Ich bin nicht von ganz Anfang an dabei. Ich bin so vor knapp 7,5 Jahren bin ich bei uns dazugekommen. Ich kenne aber die Anfänge unserer Organisation sehr gut, weil sie uns auch heute immer noch begleiten und weil der Grundgedanke, der uns leitet, uns auch heute begleitet. Und Und zwar sind wir mal im Jahr 2009 aus einer Schülergruppe entstanden, damals ehrlicherweise auch sehr profan, im Rahmen des Welt-Aids-Tags, wo es darum ging, rote AIDS-Schleifen zu verteilen, zu verkaufen oder gegen Spende abzugeben und möglichst viel Geld zu sammeln. Und damals waren wir sehr erfolgreich, haben über 20.000 € gesammelt, wollten das Geld dann an Michael Stich übergeben und der Michael Stich hat dann damals zu uns gesagt: Ihr habt so viel für das Geld getan, ihr sollt entscheiden, was damit passiert. Auf einmal waren dann diese 20.000 € zurück bei sehr jungen Schülerinnen und Schülern, die sich überlegt haben: Was machen wir damit? Gestartet sind mit Sexualaufklärung. Das heißt, die sind vor allem auch gerade zum Thema HIV mit ihrem Wikipedia-Wissen bewaffnet in die Klassen gegangen und haben angefangen, mit Schülerinnen und Schülern über das Thema HIV und vor allem auch HIV-Prävention zu sprechen. Und ziemlich schnell gelernt: Das interessiert irgendwie keinen. Und es gibt sehr viele Vorurteile, die dabei aufkommen. Aber das Key-Learning war im Prinzip: Das Thema scheint nicht relevant zu sein für sie, obwohl es de facto relevant ist. Und wir haben uns deswegen, und das begleitet uns auch heute, sehr intensiv Gedanken darüber gemacht: Wie kann man ich sage mal, das ganze Thema sexuelle Gesundheit relevant machen für Jugendliche. Wie kann man sie dafür auch ein Stück weit begeistern, es in ihre Lebensrealität holen? Und auch heute und jetzt ein bisschen vorgespult: Wie können wir junge Leute dabei unterstützen, verantwortungsbewusste Gesundheitsentscheidungen zu treffen?
04:13
Inga Bergen
Und das ist ja mittlerweile mehr, kann man sagen, als jetzt wirklich das, was man explizit unter sexueller Gesundheit zusammenfassen würde. Das Interessante ist, und da können wir direkt eintauchen, ja, die Frage Man geht mit Wikipedia-Wissen bewaffnet in eine Klasse und erklärt, so und so sind die Fakten und erreicht die Jugendlichen nicht. Da würde ich mir immer erst mal die Frage stellen: Interessiert die das wirklich nicht? Oder ist das nur ein Thema, was die nicht abholt? Weil es vielleicht so dargestellt wird, dass es für die dann so scheint: Ach, das betrifft mich ja Eigentlich eh nicht. Und da würde ich gerne direkt einsteigen, weil das ist etwas, was ihr als Organisation extrem gut könnt mittlerweile. Und das ist, diese junge Zielgruppe wirklich in einer Art und Weise abzuholen mit Inhalten, die sie auch erreicht. Und ich erlebe sehr oft im Gesundheitswesen, dass wenn man etwas mit Humor, Spaß und einer gewissen Leichtigkeit formuliert, dass man dann schnell so Vorwürfe bekommt wie: Das sieht ja aus wie auf Instagram oder auf „TikTok, das ist ja unseriös." Und ich würde mir ein bisschen mehr schweren Inhalt wünschen. Und das ist ja genau etwas, was ihr extrem infrage stellt, weil ihr sagt, man muss eben die Leute erreichen. Und dazu muss ein Inhalt vielleicht ganz anders transportiert sein, als das so klassisch im Gesundheitswesen der Fall war bisher. Vielleicht können wir da mal einsteigen. Wie erreicht ihr Menschen? Wie erreicht ihr junge Menschen?
05:54
Roman Malessa
Ja, jetzt hast du sehr viele verschiedene Punkte angesprochen und ich bahne mir mal meinen Weg da so durch. Also erstmal ist es völlig richtig, wir beschäftigen uns heutzutage vor allem mit dem Thema Prävention bei jungen Leuten. Und das Thema Prävention bei jungen Menschen, also gerade im Gesundheitsbereich, ist vor allem in 3 Kernbereichen relevant. Im Bereich der sexuellen Gesundheit, da passiert natürlich viel, sei das Schwangerschaften im jungen Alter, seien das Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Wir haben auf der anderen Seite aber auch sehr viele Themen, wo es um Prävention geht im Bereich der mentalen Gesundheit. Die sind häufig sehr eng verknüpft auch mit dem Bereich der sexuellen Gesundheit. Fühle ich mich richtig in meinem Körper? Habe ich die richtige Identität? Habe ich eine schlechte Erfahrung gemacht in meiner ersten Beziehung? Fragen wie: Werde ich jemals eine Beziehung haben? Wird es jemals jemanden geben, der mich liebt? Die häufig auch, wie gesagt, sehr eng miteinander verknüpfen, diese beiden Themen. Und wir haben ein weiteres Thema, was man vielleicht auch gerade bei jungen Leuten gar nicht so erwartet, und das ist auch das Thema Krebsprävention. Und zwar gibt es da vor allem drei Themenbereiche. Einmal den Bereich HPV, also das Humane Papillomavirus. Dagegen gibt es eine Impfung, die einzige Impfung gegen Krebs, die wir haben, wo wir auch sehr stark mit MSD beispielsweise zusammenarbeiten, wo es darum geht, junge Leute aufzuklären, dass sie sich auch impfen lassen. Wir haben auf der anderen Seite das Thema Hodenkrebs, das betrifft auch gerade junge Männer, und das Thema Brustkrebs bei jungen Frauen. Und ich glaube, wenn man jetzt so diese drei Themenbereiche anschaut, dann sieht man, dass das, ich sage jetzt mal, bedingt attraktive Bereiche sind für Jugendliche, um sich damit auseinanderzusetzen. Weil erstens ist Prävention wenig etwas, was man kauft und was man gerne macht. Man belohnt sich nicht mit Prävention. Man sagt nicht: Heute habe ich eine tolle Note geschrieben, jetzt gönne ich mir mal Prävention. Sondern das ist immer etwas, womit man sich aktiv beschäftigen muss. Man muss da einen aktiven Willen zu haben. Und vor allem müssen die Themen so aufbereitet sein, dass man in der Lebensrealität von jungen Leuten stattfindet. Und ich denke, ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist, und die Erfahrung haben wir auch gerade am Anfang gemacht, es sind Themen, mit denen man sich ungerne beschäftigt. Also sich als Frau beispielsweise mit dem Thema Brustkrebs zu beschäftigen. Ich sage mal, das ist natürlich auch ein Thema, was häufig dann auch für Angst sorgt bei Jugendlichen. Das Thema HIV war und ist auch heute stigmatisiert. Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen ist natürlich jetzt auch nicht das, was ich in meiner Freizeit am liebsten mache. Aber trotzdem haben wir es geschafft und da komme ich jetzt auch, glaube ich, genau zum Kern, durch vor allem auch Kommunikation im digitalen Raum, die nicht obszön ist, aber die Sprache der jungen Leute aufgreift und die Wissen sehr klar vermittelt. Damit Jugendliche zu erreichen und beispielsweise auch mit den Helden der Kindheit zusammenzuarbeiten, also mit Creatorinnen und Creatorn, mit bekannten Marken zusammenzuarbeiten und auch da stattzufinden in Räumen, wo man uns vielleicht gar nicht erwartet.
08:41
Inga Bergen
Also ja, genau, ihr habt ja, ihr seid zum Beispiel recht groß auf TikTok, ne, da macht ihr viel und auch super unterhaltsam und jetzt auch gar nicht immer nur irgendwie, wie verhinderst du eine HIV-Erkrankung oder eine Geschlechtskrankheit, sondern es sind viel, viel weitere Themen. Und wenn ich mich noch daran erinnere, irgendwie an meine Teenagerzeiten, dann war immer das Thema Sexualität total mit ganz viel Unsicherheit auch verbunden und ist so ein Thema, was glaube ich vielen Jugendlichen gar nicht so, ja, einfach fällt und die dann eher vielleicht gar nicht darüber sprechen. Also ich weiß nur, ich bin so mit Dr. Sommer in der Bravo aufgewachsen, was es ja immer noch gibt, interessanterweise, und da geht ihr ja so ein bisschen in diese Richtung rein. Und das Themenfeld ist viel breiter. Also ihr, wie erreicht ihr im Moment junge Leute? Über welche Kanäle? Wie macht ihr das genau?
09:37
Roman Malessa
Genau. Also auf TikTok sind wir sehr erfolgreich. Wir arbeiten da auch eng mit TikTok zusammen. Auch unter der Initiative Lernen mit TikTok sind da in unserem Bereich der erfolgreichste Account, auch in Deutschland, muss man dazu sagen. Und wir, ich glaube, das besteht aus verschiedenen, oder unser Erfolgsrezept besteht aus verschiedenen Komponenten. Auf der einen Seite nehmen wir Themen, die potenziell für junge Leute relevant sind. Also wir schauen natürlich schon, welche Themen zu welcher Zeit, was sind gerade auch Trending Topics?
10:03
Inga Bergen
Gib mal ein Beispiel, was sind denn so Themen?
10:05
Roman Malessa
Es variiert. Also ich sage mal, Liebe und Dating sind immer große Themen. Und da geht es vor allem, geht es bei uns sehr viel um erste Male. Man muss dazu sagen, unsere Zielgruppe auf den Channels ist auch verhältnismäßig jung. Wir sind voll in der Gen Z. Also wir haben, wenn man sich bei TikToks auch gerade zum Beispiel unsere Insights anguckt, wir sind nicht nur fast zu 100% von der Zielgruppe in DACH, sondern auf der anderen Seite ist es auch so, dass wir eine sehr junge Zielgruppe haben. Die liegt dann zwischen, ich sag jetzt mal, 15 und 26. Und da passieren sehr viele erste Male. Da passiert die erste Liebe, der erste Kuss, die erste Trennung, die erste Eifersucht. So könnte ich jetzt sehr lange weitermachen. Und da beantworten wir, und das ist ja auch das, ich sag jetzt mal, Konzept von Fuck U, wo wir sagen, wir beantworten die Frequently Asked Questions von jungen Leuten. Also das, was sich junge Leute wirklich brennend als Frage stellen. Und machen wir mal ein kurzes Gedankenspiel zusammen. Stellen wir uns vor, wir sind Ich sag jetzt mal die 15-jährige Jennifer. Und wir fragen uns: Wie funktioniert eigentlich der erste Kuss? Oder ich habe eine Frage, auf die ich jetzt einfach mal so spontan keine Antwort weiß. Und wenn ich jetzt Dr. Google frage, hat der vielleicht nicht immer die beste Antwort. Wenn ich meine Eltern frage, das würde ich nicht machen, weil das ist ja unangenehm. Kann ich meinen Lehrer fragen? Auch nicht der richtige Ansprechpartner. Und wenn ich jetzt darüber nachdenke, meine Freundinnen oder Freunde zu fragen, dann sollte man sich mal die Frage stellen: Woher wissen die im Zweifel eigentlich die Antwort und wo haben die sich informiert? Und da bieten wir einfach, ich glaube, eine sehr seriöse Quelle an, wo junge Leute sich informieren können und wo wir, ich sag mal, ein sehr breites Themenspektrum abgreifen.
11:34
Inga Bergen
Das heißt, ihr versteht wirklich, wie man so den Einstiegspunkt findet. Also wie findet man einen thematischen Einstiegspunkt bei jungen Menschen, um dann auch solche eher ernsteren Themen zu platzieren, die vielleicht auch irrelevant sind und die man auch gerne verdrängt? Also Sagst du jetzt, nehmen wir mal das Beispiel HIV, da seid ihr entstanden. Da war lange irgendwie das Narrativ, das betrifft nur homosexuelle Männer und irgendjemand, der mit 100 Geschlechtspartnern jeden Monat irgendwie Geschlechtskontakt hat. Mich betrifft das aber nicht. Und das ist natürlich ein Trugschluss. Das ist gar nicht richtig, sondern das betrifft mich nur nicht, wenn ich mich wirklich auch schütze, aktiv. Dann kann ich das Risiko total minimieren. Und das finde ich so interessant bei euch, weil es geht ja darum, das auch vielleicht in seichte Themen zu verpacken. Ja, wie mache ich Online-Dating, wie gehe ich zu einem ersten Date oder so, wo man jetzt denken würde, ja, muss, ist das gesundheitliche Aufklärung, das ist doch gar nicht seriös oder so. Aber es ist eben euer Weg, damit junge Menschen dann auch zu erreichen. Und wenn die euch zuhören, dann auch die Themen zu verpacken, wo es wirklich hardcore dann eigentlich an die Gesundheitsthemen geht. Kann man das so Vielleicht übersetzen?
12:50
Roman Malessa
Ich glaube, es kommt immer auf die Perspektive an. Und was manche Leute bei unseren Channels vergessen, ist, dass sie häufig nicht die Zielgruppe sind, die wir mit den Inhalten erreichen wollen. Das heißt, wir sind sehr spitz. Wir kümmern uns um die Themen, die relevant sind für Jugendliche. Und nehmen wir beispielsweise mal Beziehungsfragen, die junge Leute haben. Jetzt mag jemand sagen: Ja gut, aber was hat das mit Gesundheit zu tun? Es hat sehr viel zu tun. Weil es sich dabei um das Wohlbefinden von Jugendlichen dreht, weil es dabei um Selbstbewusstseinsfragen geht, weil es dabei darum geht: Bin ich in der Lage, meine Grenzen klar zu artikulieren einem Partner oder einer Partnerin gegenüber, die vielleicht auch älter sind als ich? Und das hat im Zweifel gerade auf die mentale Gesundheit von jungen Leuten sehr große Auswirkungen. Und auch wenn wir beispielsweise, ich sage jetzt mal, gewisse sexuelle Praktiken auf unseren Channels auch erklären. Natürlich ist das gut für die Zahlen, das ist gar keine Frage, das kann sich jeder vorstellen. Auf der anderen Seite gehört es aber auch dazu. Weil ich sag mal, dass sexuelle Lust verpönt ist und dass auch der Spaß dabei in Deutschland verpönt ist. Und dabei jede Statistik, die belegt, dass auch das Ausleben von sexueller Lust eine positive Auswirkung auf die Gesundheit eines Menschen hat, die werden dabei meistens einfach vernachlässigt. Und ich finde, du hast auch einen sehr wichtigen Punkt angesprochen, der gerade auch im Bereich HIV immer wieder auftritt, und das ist auch das ganze Thema Scham. Aber das Thema Scham, das sehen wir im gesamten Bereich der sexuellen Aufklärung, das sehen wir auch im Bereich der mentalen Gesundheit und wir sehen es auch Auch im Bereich der Krebsprävention. Menschen schämen sich. Wir haben dazu Zahlen erhoben und wir haben jetzt auch im Rahmen des Launches der neuen Staffel von Sex Education mit Netflix zusammengearbeitet und haben uns auch gerade das Thema Scham angeschaut. Und dabei haben wir dann zum Beispiel rausgefunden, dass sich mehr als jeder dritte Jugendliche für seine Sexualität für etwas Schambehaftetes hält und darüber sich nicht richtig traut zu kommunizieren. Und jetzt könnte man sich auch an der Stelle bei Scham denken: Ja gut, aber hat das wirklich einen Einfluss auf die Gesundheit? Hat das wirklich einen Einfluss im Prinzip auch auf die Prävention. Und wir haben schon Anfang des Jahres Zahlen entsprechend erhoben und haben gemeinsam mit APINIO gesehen, dass knapp 33%, also insgesamt 34% mehr als jeder Dritte Jugendliche sich schon mal nicht getraut hat, zum Arzt zu gehen wegen seines emotionalen Gemütszustandes. Und genau dann haben wir ein riesengroßes Problem, wenn junge Leute nicht sprachfähig sind über ihre eigene Sexualität, über über die Symptome, die bei ihnen stattgefunden haben, dann haben wir natürlich ein Präventionsproblem und am Ende des Tages auch ein Gesundheitsproblem.
15:24
Inga Bergen
Ich finde das total interessant, weil ich hatte, also ich habe mich ja gerade mit dem Thema Gen Z intensiv beschäftigt, weil ich mit 3 anderen Leuten aus der Gen Z ja so ein Buch herausgebe zum Thema Gen Z und Gesundheitswesen, weil ich gerade beobachte, dass wir irgendwie einen großen Culture Clash haben zwischen älteren und jüngeren Menschen. Das siehst du einfach in dieser ganzen Arbeitsdiskussion, junge Leute wollen nicht arbeiten, oder in den ganzen Boomer Witzen auf TikTok, wenn man auf TikTok unterwegs ist, immer diese Boomer-Witze. Es gibt jetzt sogar irgendwie so ein Nail Design, so ein Fingernageldesign, was Boomer heißt, also völlig absurd. Und da sehen wir ein Culture Clash. Und ich hatte in dem Zuge ein bisschen recherchiert und habe von der, ich glaube, Pronova BKK, wo auch jemand einen Artikel für dieses Buch verfasst hat, so eine Umfrage gefunden. Und da sagen junge Menschen aus der Gen Z Also zu, glaube ich, einem Drittel, dass sie anonyme gesundheitliche Beratung wünschen. Und das finde ich total krass. Ich meine, die Gemengelage ist auch komplex, weil wir leben ja alle in Zeiten von Social Media und das wissen wir selber. Wenn wir mal einen schwachen Tag haben und dann irgendwie uns mit anderen Leuten vergleichen, dann ist es immer damit verbunden, dass man irgendwie denkt, scheiße, bei mir läuft es jetzt gerade nicht so, warum läuft es bei allen anderen so? Und das kann man ja auch auf Gesundheitsthemen übertragen und eben auch auf das Thema, dass es vielleicht in dieser Gemengelage dann auch schwieriger ist, irgendwie Schwäche zu zeigen und auch mal Dinge zu fragen. Und das gerade für so eine bestimmte Klientel. Ja, und da unser Angebot aus dem Gesundheitswesen gar nicht so das richtige ist vielleicht.
16:56
Roman Malessa
Ja, ich glaube, dass man die Gen Z, und darüber wird ja auch viel berichtet und es wird immer gesagt, die Gen Z, die ist aber sehr divers. Und ich meine, es gibt Leute, die verdienen sehr viel Geld damit, den ganzen Tag die Gen Z zu erklären. Da gehören wir nicht dazu. Aber wir gucken uns natürlich schon die Gen Z sehr genau an. Weil sie auch unsere Zielgruppe ist. Und ich sage mal, Gesundheit ist ein sehr sensibles Thema und Gesundheit ist auch hoch emotional. Und man muss da auch besonders credible sein. Man muss besonders seriös sein, auch in den Aussagen, die man trifft. Deswegen achten wir sehr stark auf die Qualität unseres Contents. Es mag sein, dass manch einer Ü50 sich den Content anguckt und sagt, das ist Klamauk. Er ist aber auf jeden Fall immer qualitativ hochwertig. Er ist immer richtig. Und wir haben da auch immer sehr viel Arbeit reingesteckt. Er ist vielleicht dann nur nicht die richtige Zielgruppe für den Content. Um jetzt aber Auch auf deine Frage zurückzukommen: Wenn ich mir solche Statistiken angucke, dann denke ich mir dabei, oder wir uns auch als Organisation, denken wir uns genau zwei Sachen. Auf der einen Seite müssen wir junge Menschen dabei unterstützen, sprechfähig zu sein und sich zu trauen, offen über Gesundheitsthemen zu sprechen. Da gehört natürlich aber auch dazu, dass der Arzt oder die Ärztin, die Krankenschwester oder das entsprechende männliche Pendant dazu natürlich auch mit Verständnis darauf reagiert und die Offenheit auch wertschätzt. Also auch da gibt es auch viel Misscommunication und viele Probleme. Also wenn man sich die Zahlen anguckt, die es gibt, dass es berichtet wird darüber, dass Jugendliche auch schlechte Erfahrungen machen mit medizinischem Personal, dann ist das per se keine Anklage gegenüber medizinischem Personal, aber auch da gibt es natürlich Probleme. Auf der anderen Seite würde ich aber auch das Bedürfnis ernst nehmen. Also auch auf der anderen Seite würde ich auch darüber nachdenken, es ist immer besser, wenn ein junger Mensch informiert wird oder die Möglichkeit hat, auch eine anonyme Frage zu stellen, als wenn er die Frage gar nicht stellt. Und ich finde, da muss man einfach einen pragmatischen Weg gehen und auf der einen Seite empowern, auf der anderen Seite eben da auch die entsprechenden Services anbieten.
18:47
Inga Bergen
Ja, ja, ich finde es ja auf jeden Fall. Und ich finde es auch super, dass du das Wort Klamauk benutzt hast, ja, weil ich glaube, das ist so ein— das steckt total viel drin in diesem Wort, was die Schieflage eigentlich ist, insbesondere in Deutschland im Gesundheitssystem. Dass aus der, sagen wir, professionellen, aus der Fachwelt oft der Vibe kommt, es muss kompliziert sein und man darf irgendwie Leuten das gar nicht so transparent machen und sollte lieber Fachbegrifflichkeiten nutzen in der Kommunikation. Und ich habe auch gerade vorgestern für einen Vortrag mal wieder Statistiken gewälzt und die Deutschen googeln am meisten zum Thema Gesundheitsinformationen in ganz Europa im Vergleich. Und ich glaube, das liegt auch daran, weil das, was was wir mitbekommen aus dem Gesundheitswesen, an Informationen über ein Gespräch oder einen kryptischen Arztbrief nicht hinausgeht. Und das setzt sich natürlich auch fort bei dem ganzen Thema Aufklärung von Jugendlichen und Health Literacy, weil das ist ja ein Thema. Du sagst jetzt, ihr wollt, also ihr seid ja, du bist jetzt Chief Growth Officer, dazu kommen wir gleich auch noch. Du hast jetzt erzählt, ihr macht mit MSD eine Partnerschaft, ihr arbeitet mit Netflix. Ja, Sex Education ist eine der beliebtesten Serien auf Netflix. Also ihr seid richtig big, ihr habt eine fette Relevanz. Und habe richtig fette große Partner. Das heißt, ihr trefft da wirklich den Ton und erreicht eben diese Zielgruppe. Und wir laufen ja auch in eine Situation rein, eigentlich, in der Health Literacy und vor allen Dingen Digital Health Literacy ein immer wichtigeres Thema werden, weil wir sehen eigentlich eine Zweiteilung der Gesellschaft. Einen Teil sehen wir, der extrem gut informiert ist, in der Lage ist, Informationen auszuwerten, das zu verstehen. Und wir sehen einen anderen Teil der Gesellschaft, der selbst rudimentärste Informationen nicht wirklich begreifen kann. Wobei ich da auch mich fragen würde, wenn ihr das als TikTok funktioniert, stimmt positioniert, stimmt das dann wirklich? Können das dann Leute wirklich nicht verstehen oder kann das dann wirklich jeder verstehen? Was ja toll wäre. Und deswegen habt ihr euch ja auch weiterentwickelt von rein HIV-Aufklärung und geht jetzt immer mehr in diesen Bereich, junge Menschen zu unterstützen, Gesundheitsentscheidungen zu treffen, einfach weil ihr es könnt.
21:06
Roman Malessa
Oder auch noch mehr. Ja, das wäre eine sehr starke Abkürzung der ganzen Geschichte. Ja, vielleicht einmal, um auf das einzugehen, was du auch beschrieben hast. Also ich habe von meinen Eltern immer gelernt, wenn du komplexe Sachverhalte nicht einfach darstellen kannst, hast du sie nicht richtig verstanden, sonst würdest du es können. Und ich habe nie erlebt, dass das nicht wahr ist. Man kann alles relativ einfach erklären. Manchmal braucht man ein bisschen länger, Aber wenn man das nicht einfach erklären kann, dann muss man vielleicht daran noch ein bisschen arbeiten. Auf der anderen Seite, wenn wir uns unser Gesundheitssystem angucken, und ich bin da wirklich in der Aussage auch sehr vorsichtig, aber treffe sie bewusst. Wir haben ein sehr patriarchales Gesundheitssystem. Das heißt, wir haben eine Person, einen Arzt oder eine Ärztin, mit einem extremen Wissensvorsprung, der oder die häufig dem Patienten oder auch einem jungen Menschen, der noch gar kein richtiger Patient ist, der erstmal sich erkundigt, immer nur das Wissen zur Verfügung stellt, was gerade notwendig ist für ihn oder sie. Das heißt, es wäre vielleicht aber auch eine denkbare Möglichkeit, auch die Gesundheitskompetenz, und das ist auch ein Weg, den wir verfolgen, bei jungen Menschen zu stärken, sodass sie in der Lage sind, auch Dinge schon für sich selbst abzuklären, selber mitzudenken und auch Prozesse besser einschätzen zu können. Und nicht nur bis zum nächsten Termin und mal gucken, was danach kommt, sondern da auch einen größeren Überblick zu haben. Ich unterschätze dabei überhaupt nicht die Kompetenz von Ärzten. Ich glaube auch nicht, dass jeder Jugendliche selber die besten Entscheidungen für sich treffen kann. Ich denke, dass der Arzt oder die Ärztin überhaupt nicht ersetzbar ist an der Stelle. Aber ich glaube, da kann man zum Teil auch mehr Wissen teilen. Mir ist natürlich klar, dass sofort das Argument kommen würde, aber Ärztinnen und Ärzte haben auch sehr wenig Zeit. Solche Gespräche erfordern viel Zeit. Man muss es kontextualisieren. Deswegen gar kein Vorwurf. Mir geht es nur darum zu beschreiben, wie ich die Situation selber auch als junger Mensch als junger Mensch einfach wahrnehme. Wenn wir uns die Entwicklung von uns als Organisation angucken, dann ist die sehr evolutionär gewesen. Also ich sag mal, wir sind von dem Thema HIV, mit dem wir gestartet sind, sind wir in den Themenbereich der sexuellen Gesundheit gekommen, und zwar sehr schnell. Da waren wir schon 2011/2012 zu einer Zeit, wo erstens keiner über sexuelle Gesundheit geredet hat und zweitens HIV da einzuordnen, ich würde mal sagen, auch ein bisschen verpönt war. Und wir damit schon damals, ich sag mal, sehr weit an die Grenze dessen gegangen sind, was man so machen kann, und haben aber immer, und das hast du auch beschrieben, sehr lebensbejahende Botschaften gesendet. Der Claim unserer Organisation für sehr lange Zeit war: Du kannst machen, was du möchtest, also do what you want, aber mach es mit Liebe, Respekt und Kondom, also do it with love, respect and condoms, weil das sehr viele verschiedene Aspekte der Gegenseitigkeit und der Prävention miteinander vereint. Für uns war es dann irgendwann klar, dass natürlich Themen der mentalen Gesundheit in Wechselwirkung auch mit sexueller Gesundheit eine Rolle spielen. Auf der anderen Seite aber auch, dass Krebsprävention ein riesengroßes Thema eigentlich bei jungen Leuten ist und wir das deutlich stärker platzieren sollten. Weil sind wir mal ganz ehrlich, wenn wir an Brustkrebs denken, dann denken wir eher an Personen, gerade auch an Frauen, die über 50 sind. Das ist per se kein falscher Gedanke. Per se ist das erstmal richtig, weil der Großteil der betroffenen Personen eher im höheren Alter ist. Aber es ist auch relevant für junge Frauen. Es betrifft auch junge Frauen und gerade da sehen wir Formen von Brustkrebs, die hochaggressiv sind und auch dazu führen, dass junge Frauen dann doch leider daran versterben. Und das ist, ich sage jetzt mal, durch Prävention auch ein Stück weit auch verhinderbar. Und auf der anderen Seite geht es aber auch um den Anspruch zu sagen, Ich beschäftige mich aktiv mit mir und meiner Gesundheit und wie ich sie langfristig erhalten kann. Und wenn die junge Frau keinen Brustkrebs bekommt, trotzdem Bescheid wusste, ist das ja ideal. Und vielleicht wird sie dann aber auch zukünftig sich immer weiter informieren und irgendwann in die Situation kommen, dass sie sehr früh eine Erkrankung erkennt und die besten Chancen hat zu überleben.
25:04
Inga Bergen
Wir möchten euch unseren Werbepartner Dr. Lib vorstellen, der mit seinen Lösungen dafür sorgt, dass Gesundheitsfachkräfte mehr Zeit für eine optimale Patientenversorgung haben. Und der Arztberuf wieder attraktiver wird. Terminbuchungs- und Verwaltungssoftware bietet benutzerfreundliche und nützliche Angebote aus einer Hand, die für Ärzte und Ärztinnen sowie Patienten und Patientinnen mobil und auf dem Desktop verfügbar sind. Dabei ist die Digitalisierung für Dr. Lib kein Selbstzweck, sondern schafft durch technologische Expertise und tiefe Kenntnisse des Gesundheitswesens ein Angebot, das wirklich hilft, wie mehr als 14 Millionen Patientenseite-Genutzer und -Nutzerinnen beweisen.
25:43
Inga Bergen
Super Punkt, weil das sind ja Themen, ich, also ich wüsste jetzt niemand anderen, der sich jetzt explizit darum kümmert. Ich meine, ich hatte auch schon einen Podcast, du hast mentale Gesundheit angesprochen mit Krisenchat, die ich auch großartig finde, die auch komplett spendenfinanziert sind und eine gemeinnützige GmbH und ja niedrigschwellige psychische, psychologische Hilfe anbieten. Und du hast jetzt ja eben schon auch auf Englisch euren Slogan gesagt, weil ihr habt ja relativ schnell dann auch entschieden, dass ihr internationalisiert, weil dieser Bedarf ja nicht nur in Deutschland da ist, sondern auch in anderen Ländern. Und dadurch, dass ihr globale Sponsoren habt, könnt ihr auch international agieren. Und das finde ich auch total interessant, dass ihr euch so früh dazu entschieden habt. Wie lief das? Vielleicht kannst du da auch noch mal kurz was zu erzählen. Und ist das da so anders oder ist das eigentlich ähnlich wie in Deutschland? So, zwei Fragen wieder.
26:38
Roman Malessa
Also vielleicht, um auf die beiden auch einzugehen. Auch die Partnerschaften, wie sie sich bei uns entwickelt haben, war für uns auch eine Evolution. Und das ist alles mit einem, ich würde mal sagen, sehr witzigen Umstand eigentlich gestartet. Wir haben damals als eine der ersten Organisationen den Smart Hero Award gewonnen. Das ist ein Award, der auch von Facebook gesponsert wird für, ich sag mal, Wandel, den man über soziale Medien erreicht. Und wir haben damals sehr große Aktionen gemacht. Wurden dafür ausgezeichnet und standen dann auch mit Sheryl Sandberg, der ehemaligen rechten Hand von Mark Zuckerberg, auf der Bühne und haben dann etwas sehr Unamerikanisches getan. Und zwar haben wir sie gefragt, ob wir offizieller Partner werden dürfen und ob wir mit Facebook zukünftig zusammenarbeiten können, weil man sieht ja, wir sind sehr erfolgreich in dem, was wir tun. Und sie hat dann ganz Amerika-like das natürlich als sehr gute Idee befunden und gesagt, sie nimmt das mit und sie kommt definitiv auf uns zurück. Und sie kam zurück auf uns und wir wurden einer Ein Partner von Facebook. Und auf einmal hatten wir neben auch sehr viele, sage ich mal, kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Deutschland einen Riesenplayer und jemanden, der uns auch noch mal ganz anders in das Feld eingeführt hat. Allein schon deswegen haben wir bis heute eine sehr enge Beziehung zu Meta und arbeiten auch eng mit ihnen zusammen, um junge Leute eben auch auf Augenhöhe zu erreichen. Und natürlich haben uns gerade auch internationale Partner, also international agierende Unternehmen, dabei unterstützt, auch in anderen Regionen Fuß zu fassen. Und heute sind wir in Zentraleuropa, vor allem im Dachraum aktiv. Wir sind im südlichen Afrika aktiv und wir sind auch in den USA mittlerweile aktiv. Und ich sag mal, junge Leute auf der Welt haben nicht überall die gleichen Probleme. Das würde ich niemals so sagen. Aber junge Leute auf der Welt haben an vielen Stellen ähnliche Probleme, die sich anders äußern oder unterschiedlich intensiv sind. Wenn ich jetzt zum Beispiel an das Thema Kondomnutzung denke, haben wir definitiv ein Problem in Deutschland, weil sich viele junge Leute nicht trauen, Kondome zu kaufen, weil sie Sorge davor haben, dann von der Kassiererin gefragt zu werden. Oder sie werden gesehen in ihrer kleinen Stadt. Oder sie wissen einfach nicht, wo sie die herkriegen sollen. Wenn man die im Internet kaufen möchte, das ist nicht so einfach. Dafür braucht man eine Kreditkarte oder PayPal. Das haben viele Jugendliche nicht. Das ist manchmal gar nicht so einfach, was man so aus erwachsener Sicht manchmal vergisst.
28:54
Inga Bergen
Ja klar.
28:54
Roman Malessa
Weißt du? Im südlichen Afrika.
28:56
Inga Bergen
Ich dachte gerade, warum bestellen die denn nicht im Internet? Aber stell ich mir jetzt da so einen 14-Jährigen oder eine 14-Jährige vor, ja schwierig. Genau.
29:05
Roman Malessa
Manchmal gar nicht so einfach. Und wenn wir jetzt gerade auf das südliche Afrika zum Beispiel schauen, da ist Verfügbarkeit natürlich eine große Frage. Und wir dürfen nicht vergessen, dass es sehr viele Menschen gibt, die so wenig Geld zum Leben haben, dass der Gang für sie in die Drogerie oder den Supermarkt, um sich ein Kondom zu kaufen, konkurriert mit dem Gang, ich sag jetzt mal, zum Bäcker, um sich ein Brot zu kaufen. Und dann ist, glaube ich, die Entscheidung für jeden von uns sehr klar. De facto haben wir aber bei beiden Themen ein Zugangsproblem, obwohl Kondome in der Theorie verfügbar sind. Und das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was uns auch als Organisation leitet, dass Verfügbarkeit in der Theorie nicht automatisch Zugang für junge Leute bedeutet.
29:50
Inga Bergen
Ja, okay, ich finde das interessant, weil ich habe vor ein paar Tagen gelesen, dass zum Beispiel Kalifornien das stoppt, auf Schulhöfen und so Kondome auszuteilen, weil es zu teuer ist. Und das bringt mich auf ein anderes Thema, weil das ist ja dieses ganze Thema sexuelle Aufklärung, ne. Und wir sind ja in einer Zeit, würde ich sagen, in der junge Generation wahnsinnig gespalten ist. Also wir haben auf der einen Seite irgendwie queere Identitäten, das Thema Genderidentitäten, so viel Vielfalt und auch Peer Groups, die sich öffentlich äußern. Ja, junge Frauen, die irgendwie Themen wie Endometriose in das Licht der Öffentlichkeit rücken oder nach alternativen Menstruationsprodukten suchen und dann selbst Unternehmen gründen und solche Themen. Und dann haben wir aber auf der anderen Seite gerade in Deutschland haben wir jetzt gesehen, in der Statistik überdurchschnittlich viele junge Menschen bis 30, die dann die AfD wählen, die sagen, wir wollen traditionelles Familienbild, ja, wir wollen traditionelle Männlichkeit und solche Sachen. All das, was dann eben damit einhergeht, wofür dann solche Parteien eben stehen. Und das sind ja Extreme, die sich auseinanderbewegen. Und ihr müsst ja, und das finde ich auch spannend, als NGO, die sich mit sexueller Gesundheit befasst, auch zu diesem ganzen Thema Verhütung. Ja, das ist schon mal ein Problem, also für viele Konservative, dass es überhaupt Aufklärung gibt, dass junge Menschen dazu ermutigt werden, sexuell aktiv zu werden vor der Ehe. Also da sind wir teilweise in der Diskussion, könnte man denken, müsste seit 50 Jahren vorbei sein. Aber und dann halt auch hatten wir jetzt gerade irgendwie mit irgendeiner Drag Queen, die irgendeine Lesung machen wollte in Bayern, und dann gab es einen Riesenaufschrei. Und das ist ein extrem emotional besetztes Feld, was auch teilweise sehr stark instrumentalisiert wird. Wie bewegt man sich da durch so eine Gemengelage?
31:52
Roman Malessa
Also ich glaube, dazu habe ich ganz, ganz diverse Gedanken, ehrlicherweise, weil auf der einen Seite sind wir als Organisation unpolitisch. Das heißt, wir sprechen mit den demokratischen Parteien, die auch unserer Wertebasis entsprechen, sprechen wir natürlich offen. Aber wir sind jetzt nicht einer Partei besonders zugeneigt oder angelagert. Das hätte bei uns auch ehrlicherweise keinen Platz und das wäre auch nicht förderlich unserem Sinn. Auf der anderen Seite, du hast gesagt, die junge Generation ist noch sehr gespalten. Ich würde sagen, sie ist einfach sehr divers an vielen Stellen. Es wird sehr viel diskutiert. Und was ich wahrnehme und was mich an manchen Stellen ehrlicherweise auch besorgt, ist, dass mit sehr viel Unverständnis zugehört wird. Und ich finde, wir müssen auch ein Stück weit in Betracht ziehen, dass junge Leute in ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten groß werden, ganz unterschiedlich geprägt sind, ganz unterschiedliches Verständnis deswegen vielleicht auch dafür haben, wenn Leute aus ihren bekannten Lebensrealitäten ausbrechen. Und ich sag mal, wenn ich jetzt einen Jugendlichen, der, ich sag mal, recht privilegiert in Berlin-Mitte wohnt, das ist jetzt ein sehr Stereotyp-Beispiel, vergleiche mit einem jungen Mann, der beispielsweise in einem kleinen Dorf wohnt, in einer ländlichen Region, die eher konservativ geprägt ist, dann erstaunt es mich, dass wir uns darüber wundern, dass die sowohl verschiedene politische Ansichten mit sich herumtragen als auch das Thema Gendern beispielsweise unterschiedlich betrachten. Das, was ich daran nur problematisch finde, ist, dass ich häufig wahrnehme, dass wir die Fähigkeit zum Dialog verloren haben und dass wir nicht gemeinsam uns an einen Tisch setzen können und sagen können: Ich acknowledge sozusagen, dass du aus einem ganz anderen Bereich kommst, dass du ganz anders sozialisiert bist. Ich möchte dir aber gerne meine Sicht auf die Dinge erklären. Und wenn ich schon häufiger auch mitbekomme, wie gerade, ich sag mal, gerade Jugendliche, die dem Thema Gender nicht so aufgeschlossen sind, wie denen gegenübergetreten wird, sobald sie nicht gendern, dann denke ich mir, das ist keine intelligente Art und Weise, andere Menschen davon zu überzeugen, dass man so reden sollte, dass sich jeder angesprochen fühlt. Weil es wird nicht dazu führen, dass die andere Person zukünftig sich mit dem Thema vielleicht nochmal intensiv auseinandersetzt. Da versuchen wir auch als Organisation, versuchen wir natürlich auch, ein gutes Mittelmaß zu finden, um möglichst viele junge Menschen in einer Sprache zu erreichen, wo sich niemand diskriminiert fühlt. Beispielsweise sagen wir auf unserem Kanal selten, dass wir von einem jungen Mann sprechen oder einer jungen Frau, sondern wir reden von einem Menschen mit einem Penis. Einfach um auch anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die sich nicht als Mann identifizieren und nicht als Junge, aber trotzdem einen Penis haben. Auf der anderen Seite haben wir aber bestimmt nicht in allen Fällen die zweite und dritte Ableitung, die man beim Gendern machen kann. Ganz einfach, weil wir damit auch einen gewissen Teil der jungen Leute verlieren würden. Und ich denke, dass es für unseren Purpose, den wir haben, möglichst viele junge Leute in die Lage zu versetzen, verantwortungsbewusst zu Gesundheitsentscheidungen zu treffen, das wäre nicht förderlich.
35:01
Inga Bergen
Ja, ich finde es total interessant, weil das ja so ein Feld ist, was so emotionalisiert in der Diskussion ist. Ich frage mich dann oft, geht es darum wirklich oder geht es eigentlich um ganz andere Themen und werden die so nach vorne geschoben, weil man damit eben auch Angst schüren kann? Ja, wir hatten, also wir haben ja ständig Diskussionen um Sexualität, auch um sexuelle Identität. Um— wir hatten das erst in der— wer weiß es noch— mit Jens Spahn und Friedrich Merz, Pädophilie mit Homosexualität in einem Satz zu sagen. Und also wir haben das ja ständig. Umso wichtiger ist es wahrscheinlich, da ganz unemotional ranzugehen und sich einfach zu fragen: Wie erreicht man es, dass Menschen wirklich faktenbasiert auch aufgeklärt werden, was wichtig ist, was nicht, um einfach eine Gesundheit zu erhalten und da auch verantwortungsvoll, vielleicht auch sexuell aktiv zu werden. Ich finde es wirklich spannend, weil also alleine wahrscheinlich 14-, 15-, 16-Jährige anzusprechen mit sexueller Gesundheit kann schon sehr konservative Kräfte zum Teil wirklich auf die Barrikaden bringen. Habt ihr so was schon mal erlebt eigentlich?
36:11
Roman Malessa
Also wir haben schon im Prinzip die volle Palette von Ablehnung bis hin zu strafrechtlich relevanter dieser Ablehnung haben wir als Organisation erlebt, in unterschiedlichen Intensitäten, denen wir auch unterschiedlich nachgegangen sind. Ich würde aber ganz gerne noch auf einen Punkt hinausgehen, der uns als Organisation natürlich auch beschäftigt. Und zwar arbeiten wir ja auch mit einer Generation zusammen, die jetzt aktuell in einer sehr schwierigen Zeit lebt. Und wir haben sehr viele multikausale Krisen, die sich auch auf sie auswirken. Sei das eine Corona-Krise, die heute vorbei scheint, vorbei ist. Wir haben Krieg sehr nah an uns dran. Wir haben Klimaveränderungen, die mehr als hochproblematisch sind, wo wir auch die Antwort darauf noch nicht richtig gefunden haben. Zu einer Zeit, und das ist, finde ich, ein wichtiger Aspekt, zu einer Zeit, die wahrscheinlich die aufregendste Zeit ist von jungen Leuten überhaupt. Da findet der erste Kuss statt, da findet die erste Liebe statt, die ersten Erfahrungen. Da gehen das erste Mal die Hormone mit einem durch. Man muss sich entscheiden, welchen Job man später haben möchte. Man hat sehr viele schon relevante Entscheidungen und ist dabei vielleicht noch nicht so ganz sattelfest, wie man das zu einem späteren Zeitpunkt im Leben ist. Dass gerade da die Gemüter zum Teil hochkochen und dass gerade da heiße Debatten geführt werden, ist ja auch richtig. Ich glaube nur, dass man vorsichtig sein sollte, immer weiter Öl ins Feuer zu gießen, sondern dann lieber, so wie wir das auch versuchen, einen Kompromiss zu finden, faktisch richtig Themen aufzuarbeiten und dann mit jungen Leuten zu teilen, aber dann noch in den Dialog zu gehen und zu sagen: Du magst das anders sehen, das ist auch okay, aber faktisch ist das, was wir sagen, schon richtig, und du kannst auch gerne andere Meinungen dazu haben. Also wer mal bei uns auf fuckyou.de in die Kommentarspalten slidet, der wird dann auch feststellen, dass wir auch nicht nur Applaus bekommen für die Aufklärung, die wir machen, sondern auch zum Teil ablehnende Haltungen.
38:11
Inga Bergen
Erreichen.
38:11
Inga Bergen
Ja, ja, das kann ich mir total vorstellen. Klar. Also wie geht ihr damit um? Ihr macht dann trotzdem weiter. Genau. Wie geht ihr damit um? Wie geht ihr mit so Hate um? Wie geht ihr damit um? Das interessiert mich auch. Das finde ich sehr spannend, die Frage.
38:26
Roman Malessa
Ich glaube, es gibt auch dabei, und das möchte ich einfach nur sagen, weil ich hoffe, dass das selbstverständlich ist. Es gibt Grenzen, es gibt rassistische Kommentare, es gibt Kommentare, die so anstößlich sind, dass wir sie melden oder anderweitig verfolgen. Die würde ich einfach mal ausklammern, weil das sind auch Sonderfälle. Das passiert auch häufig nicht in der Regel, aber es passiert. Wir haben auf der anderen Seite Kommentare, wo uns jemand eine extrem ablehnende Haltung zeigt und sagt, dass er mit dem, was wir machen und tun und was wir in Anführungsstrichen propagieren, so überhaupt nicht konform ist. Und ich finde es, und das meine ich wirklich ernst, ich finde es wichtig zu verstehen, warum sagt jemand das? Was ist der Beweggrund und woher kommt derjenige? Und sich auch damit auseinanderzusetzen. Und ich habe das große Glück, dass wir ein sehr gutes Team haben, die sehr, ich sag jetzt mal, auch analytisch da drin sind und dann natürlich dagegenhalten. Immer auf eine, wie wir uns immer bemühen, höfliche Art und Weise, aber doch sehr klar zu erklären, wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind. Weil ich sehe uns auch nicht als die höchste Moralpolizei, die durch die Lande läuft und jedem erklärt, wie er zu denken und zu fühlen und zu reden hat, sondern wir werben für etwas. Wir werben für gesundheitliche Aufklärung. Wir werben dafür, dass Menschen so leben können, wie sie sind. Und ich finde, das ist ein wichtiger Gedanke, den man auch nicht verlieren sollte. Gerade wenn man wirklich viele junge Leute erreicht. Und ich sag mal, in guten Monaten erreichen wir 20 Millionen Jugendliche. Da hat man eine gewisse Verantwortung und ich glaube, der kommen wir auch nach und investieren da auch sehr viel Zeit und Ressourcen von unserer Seite rein.
40:07
Inga Bergen
Also das finde ich, ist wirklich spannend, weil ich glaube auch, das ist sehr, sehr aufwendig. Das ist jetzt nichts, was man eben mal so mit links macht, auch diesen Umgang zu treffen. Und du hast ja selbst eben gesagt, wie wichtig es euch ist, da den richtigen Ton auch zu treffen. Und das ist eine echte Kompetenz, die ihr da entwickelt. Und deswegen macht es auch nur Sinn, dass ihr das einfach ausweitet, weil ihr einmal quasi den Kanal, den Vertriebskanal zu den jungen Menschen geschaffen habt und jetzt da einfach auch noch mehr Themen nehmen könnt, mit denen ihr aufklärt. Finde ich nur logisch. Jetzt hast du ja schon eben gesagt Netflix, Facebook, Meta, MSD. Ihr habt sehr, sehr große Partner. Das fand ich auch mega beeindruckend, weil ich wirklich dachte, krass, so ein paar junge Leute, ihr seid, ihr habt es so professionell aufgestellt und geht auch mit großen Marken einher. Und das ist ja nicht nur das Geld, was die geben, sondern eben auch immer Brand Credibility, die sich auf euch überträgt. Und das finde ich auch sehr, sehr spannend, weil es ist natürlich auch, hat auch was Cooles, wenn da irgendwie Netflix mitmacht und wenn da Meta mitmacht. Das ist ja auch irgendwie ja etwas, was ihr auch nutzen könnt, dann auch noch mal für die Kommunikation. Wie seid ihr da aufgestellt? Du bist jetzt Chief Growth Officer. Growth bedeutet Kommerzieller Growth oder Growth in Richtung Leute erreichen? Was bedeutet Growth jetzt in deiner Rolle?
41:31
Roman Malessa
Growth bei uns bedeutet alle Felder, über die wir Wachstum erschließen. Das bezieht sich sowohl auf finanzielles Wachstum als auch über Partnerschaften. Also du sprichst auch mit der richtigen Person. Ich bin bei uns für fast alle Partnerschaften zuständig, bin da auch in Kontakt mit sehr diversen Partnern. Geht aber auch darum, unsere Community möglichst weit auszubauen. Also ich verantworte bei uns auch auch mit einem sehr starken Team unsere Social-Media-Aktivitäten zum Beispiel. Es geht aber auch um neue Ländermärkte, die wir für uns erschließen. Und ich arbeite da sehr eng natürlich auch mit meinen Kollegen auch aus dem Management-Team, sowohl mit Anna als auch mit Daniel. Und Daniel hat da beispielsweise auch eine sehr strategische Sicht darauf und arbeitet bei uns sehr stark an der Strategie, wohin wir uns entwickeln. Und ich glaube, da sind wir sehr, sehr stark auch Hand in Hand. Auf der anderen Seite hast du völlig recht. Wir verfolgen, und das kann ich wirklich auch aus tiefster Überzeugung sagen, den Ansatz, dass wenn wir wirklich komplizierte Probleme lösen wollen, und gesundheitliche Prävention ist kompliziert, haben wir jetzt auch schon sehr viel drüber geredet, dann brauchen wir auf der einen Seite die klügsten Köpfe an dem Tisch und auf der anderen Seite brauchen wir möglichst viele Menschen oder auch Unternehmen, die direkt mit jungen Leuten etwas zu tun haben. Und wenn man mal so darüber nachdenkt, welche Organisationen, Unternehmen, Menschen potenziellen Einfluss auf junge Leute haben, dann kommt man automatisch auf eine große Bandbreite. Da bin ich sowohl bei Pharmakonzernen, weil die auch Produkte herstellen, die sehr relevant sind für diesen Prozess. Dann bin ich bei Versicherungen. Dann bin ich auch bei Lifestyle Brands. Weil seien wir mal ganz ehrlich, in dem Tag von einem jungen Menschen ist nicht die Zeit für Prävention reserviert. Das heißt, wenn wir eine Out-of-Home-Kampagne machen, wie wir sehr viele schon gemacht haben, Dann konkurrieren wir im Zweifel mit Brands wie Adidas, wie Nike, wie Levi's und viele andere. Das heißt, meine Kampagne muss entweder mit diesen Partnern gemeinsam stattfinden, damit sie möglichst attraktiv ist auch für junge Leute, oder sie muss von sich aus mit denen mithalten können und konkurrenzfähig sein. Und deswegen haben wir uns zum Beispiel total gefreut, dass jetzt auch unsere Brand, also auch rund um Fuck You, jetzt den ersten Silbernen Löwen in Cannes gewonnen hat. Hat und wir auch ansonsten seit 2020, glaube ich, über 40 Kreativ-Awards gewonnen haben, auch internationale, weil das einfach zeigt, dass wir in dem Bereich sehr erfolgreich sind, auch gerade wenn es darum geht, junge Leute zu erreichen.
43:57
Inga Bergen
Du hast jetzt auch gesagt, wie ihr heißt. Man kann es ja FAQ you und Fuck you sagen, je nach Zielgruppe wahrscheinlich, je nachdem, wo man sich aufhält, oder?
44:08
Roman Malessa
Ja, wir haben das im Prinzip, also wir haben das ja auch bei uns entsprechend vertestet. Und vielleicht, um das auch einmal zu erklären: Wir haben auf der einen Seite FAQ Health. Das ist im Prinzip auch das Corporate-Dach, was wir uns selbst gegeben haben. Haben auf der anderen Seite aber auch eine sozusagen Consumer Brand, mit der wir beispielsweise auf Social Media auftreten. Und das ist Fakio. Und das ist eben angepasst an die verschiedenen, ich sag jetzt mal auch, Zielgruppen, die wir mit diesen Marken erreichen wollen. Einen jungen Menschen erreiche ich besser mit Fakio. Aber wenn man einem südafrikanischen Gesundheitsminister gegenübersitzt, dann sagt man vielleicht lieber: Ich bin von FAQ Health, das wäre, ich denke, angemessener.
44:43
Inga Bergen
Ja, wahrscheinlich schon. Also definitiv. Auf jeden Fall super, dass wir das jetzt auch gelüftet haben. Vielleicht zum Schluss noch mal: Was sind denn deine 3 Tipps, wie erreicht man junge Menschen? Wenn wir es noch mal zusammenfassen, weil das ist ja, glaube ich, eine Frage. Wobei ich kriege öfter die Frage: Ja, wie erreichen wir denn ältere Menschen, dass die nicht abgehängt werden? Aber Ja, die Frage sollte auch immer sein: Wie erreiche ich junge Menschen? Also wie erreiche ich eigentlich alle Menschen? Nicht nur: Wie erreiche ich ältere Menschen, die kein Internet haben? Und deswegen jetzt die Frage an dich: Wie erreicht man junge Menschen zu Gesundheitsthemen? Vielleicht können wir das noch mal zusammenfassen.
45:20
Roman Malessa
Ich glaube, man kann das auch wirklich zusammenfassen, relativ unabhängig von der Zielgruppe. Weil ich sag mal, die Parameter, an denen man sich orientieren sollte, die verändern sich ja vielleicht zum Teil auch nicht unbedingt. Ich glaube, man hat auf der einen Seite die Frage Ich muss mich auf der einen Seite sehr genau mit meiner Zielgruppe auseinandersetzen. Ich muss verstehen: Wo sind die? Was denken die? Was wollen die? Wie fühlen die? Und dann darf ich einen Fehler nicht machen bzw. eine Sache muss ich dabei beachten: Ich muss die ernst nehmen. Ich kenne viele Leute, die über die junge Generation reden. Dann teilen die ihr Wissen und dann sagen die danach: Mein Gott, sind die bescheuert! Und wir machen wieder eine coole Printkampagne. Und ich denke mir: Du hast die Leute eigentlich verstanden, du hast die Generation verstanden, aber du machst es trotzdem falsch. Einfach auch, weil du sie nicht ernst nimmst. Also ich glaube, sich einmal mit der Zielgruppe zu beschäftigen und sie ernst zu nehmen, erste wichtige Frage. Dann ist, finde ich, eine sehr wichtige Frage, wo erreiche ich die?
46:10
Inga Bergen
Und sie vielleicht auch nicht abzuwerten. Das kann man noch hinzufügen.
46:13
Roman Malessa
Und sie auch nicht abzuwerten. Das ist immer ungünstig, wenn man Leute erreichen möchte eigentlich. Auf der anderen Seite, wo erreiche ich die Zielgruppe? Also ich sag mal, man könnte es jetzt ein bisschen spitz formulieren, was das Festival für junge Leute ist, ist vielleicht die Rehaklinik für ältere Leute. Da tummeln sich eben auch sehr unterschiedliche Zielgruppen. Und da könnte man sich dann auch drüber Gedanken machen: Wo erreiche ich die eigentlich? Und dann, und ich denke, das ist wichtig und das polarisiert natürlich bei uns zum Teil auch: Was ist die richtige Sprache? Und was sind wirklich die Botschaften, die für uns wichtig sind und die auch für die Zielgruppe wichtig sind und die auch für sie relevant sind? Und ich glaube, wenn man alleine nur diese 3 Sachen beachten würde, ich glaube, dann kommt man schon sehr weit. Und dann wird es wird es immer, und das ist, finde ich, der letzte Aspekt, anderen Zielgruppen altersmäßig immer auch Unverständnis geben für die Platzierung, für die Art und Weise der Platzierung und vielleicht auch für die Sprache. Aber das ist nicht relevant. Relevant ist, ob es die Zielgruppe erreicht, die ich erreichen möchte. Und ich glaube, da darf man sich auch nicht verunsichern lassen von anderen Menschen.
47:16
Inga Bergen
Ja, ja, total spannend. Ich finde gerade diese Diskussion so interessant im Kontext dessen, was wir gerade im Gesundheitswesen erleben. Weil ich glaube, es ist ein großer Clash auch der Generationen in Anführungsstrichen, wobei ich gar nicht so sehr eine Altersgrenze ziehen möchte, sondern eher zwischen ja eigentlich Menschen, die eher so dieses ganze neue Technologie-Ding so ein bisschen als Bedrohung erleben und die Transparenz, die da vielleicht auch einhergeht, und die Möglichkeit, dass jeder auch was sagen kann, und andere, die das eher als Chance vielleicht wahrnehmen oder als etwas, was ja irgendwie auch ermöglicht, dass Content zum Beispiel auch mal Spaß machen darf, selbst wenn er inhaltlich wertvoll ist.
47:59
Roman Malessa
Ja, und wenn ich dazu vielleicht auch noch was sagen darf, weil wir ja auch, wie gesagt, auch in den USA unsere Schüler ausgestreckt haben und auch da auf einen sehr anderen Schlag Mensch treffen und auf eine andere Sozialisierung. Und etwas, was ich auch wirklich mitgenommen habe und was wir auch als als Team leben, ist, wir sehen viele Dinge erst mal als Chance. Das bedeutet nicht, dass man die Risiken dabei vergessen darf. Das bedeutet nicht, dass man fahrlässig sein darf. Aber es bedeutet, dass ich als Erstes vielleicht nicht die Risiken bis in die fünfte Ableitung durchdeklinieren sollte, bevor ich einmal darüber nachgedacht habe, was das Ganze auch für eine Chance sein könnte. Und da denke ich mir, und da bist du die größere Expertin von uns beiden, das Thema Digitalisierung ist eine unfassbare Chance für unser Gesundheitssystem. Und die Verarbeitung von Daten, birgt natürlich Risiken, aber sie bietet vor allem unfassbare Chancen für die Gesundheit von Menschen. Und diese, ich würde mal sagen, dieses große Misstrauen, was dem gegenübersteht, ist überhaupt nicht verhältnismäßig zu der Art und Weise, wie Daten aktuell verarbeitet werden, und auf der anderen Seite zu den Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben. Und das ist aus einer jungen Perspektive fatal. Wir könnten viel weiter sein, wenn man da ich glaube, mit einem anderen Blick an die Gesetzeslage rangehen würde und auch gerade Unternehmen mehr Freiheit geben würde an manchen Stellen und auch Organisationen.
49:18
Inga Bergen
Ja, aus meiner Sicht ist das auch häufig ein Mythos. Also wenn man sich wirklich mal Befragungen anschaut, dann sind die Leute nicht so skeptisch. Oder wenn man sich anschaut, wie sich Menschen verhalten, dann sind sie noch weniger skeptisch. Also aus meiner Sicht ist das oft ein vorgeschobener Mythos, der dazu genutzt wird, damit sich Geschäftsmodelle nicht verändern. Weil seien wir ganz ehrlich, Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle, macht Geschäftsmodelle obsolet. Und da stehen wir davor, auch im Gesundheitswesen. Das Gesundheitswesen ist ein riesiger Wirtschaftsbereich. Aus meiner Sicht ist kein Euro zu wenig im Gesundheitssystem, wenn man Daten nutzen würde, Digitalisierung nutzen würde, das vielleicht anders allokieren würde. Und ich, ja, du sprichst das an, weil für mich ist es auch eine Gemengelage, wo eben vieles zusammengehört und das ja sehr komplex ist, sozusagen. Aber es ist ja unaufhaltsam. Das ist ja einfach so. Die Frage ist nur, wie tief muss die Krise sein, vor die Veränderung kommt. Vielleicht muss sie noch ein bisschen tiefer sein. Ich finde auf jeden Fall, und das ist übrigens auch spannend, weil ich merke ganz oft, dass ich mich eher an Leute halte, die da eine Chance drin sehen, weil mir das viel mehr Spaß macht. Und jetzt auch ihr. Ich meine, ihr seid ein deutsches, eine deutsche NGO, ihr internationalisiert, ihr geht in die USA mit diesem Thema. Es gibt ganz viele solcher Beispiele. Ich halte mich immer eher an so was, weil es mich einfach persönlich mehr motiviert, ja, als jetzt zu gucken, was läuft denn jetzt in Deutschland alles nicht. Und da habe ich einfach gar keine Lust drauf, weil das verdirbt mir dann die Laune und auch den Spaß. Weil ich mache gerne Sachen und verändere gerne Sachen. Und ich habe mich auch irgendwie persönlich, habe ich mir geschworen, dass ich Dinge immer als Chance sehe. Und einfach betrachte ich das so. Und ich finde Toll, dass wir gesprochen haben, weil mir das persönlich total viel Mut macht, dass es euch gibt und dass es solche Leute wie euch gibt und dass ihr solche Themen vorantreibt. Also noch mal mein Riesenkompliment an euch. Und ja, an alle, die das hören: Wie kann man bei euch mitmachen? Können wir vielleicht auch noch zum Schluss für alle, die jetzt bis zum Schluss hier drangeblieben sind. Also man kann euch Geld geben, das ist schon mal klar.
51:26
Roman Malessa
Genau, das geht natürlich immer. Also man kann uns ganz gut erreichen, entweder unter fuckyou.de, sowohl auf Instagram als auch auf den üblichen sämtlichen Channels, also auch auf TikTok beispielsweise. Wenn man sich über unsere Arbeit informieren möchte, dann kann man gut auch auf faq.health gehen. Dann kann man sich über unsere Arbeit informieren. Und wir sind natürlich immer vor allem auch auf der Suche nach spannenden Partnerschaften. Also wenn man ein Unternehmen vielleicht hat, wenn man da an entscheidender Stelle arbeitet oder einen guten Kontakt machen kann, dann sind wir an sowas immer sehr interessiert.
51:58
Inga Bergen
Ja, super. Dann hoffe ich, dass sich vielleicht jemand meldet, der diesen Podcast, der oder die, diesen Podcast gehört hat. Und ich bedanke mich total für deine Zeit, lieber Roman. Ich weiß, du bist super viel beschäftigt. Wir haben wahrscheinlich mehrere Monate gebraucht, um diesen Termin zu finden. Gut, ich bin auch viel beschäftigt. Ja, wir beide sind viel beschäftigt. Und ich wünsche dir noch einen wirklich tollen Tag. Und ja, und folgt Fuck You auf allen Kanälen und schaut euch das an, weil es macht auch viel Spaß. Vielen Dank.
52:28
Roman Malessa
Ich danke dir.
52:28
Inga Bergen
Wenn ihr mehr wissen wollt, findet ihr alle Links und Informationen auf www.visionäre-gesundheit.de. Visionäre mit AE.





