
Digitale Versorgung
Labordiagnostik digital: Dr. Daniel Fallscheer, Co-Founder und CEO dasLab, über Interoperabilität mit FHIR
Dr. Daniel Fallscheer ist Co-Founder und CEO von DasLab und baute zuvor bei Medtronic ein Geschäft auf. In Folge 76 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie eine digitale Infrastruktur Arztpraxen, Labore und Patient:innen verbindet und Doppeluntersuchungen vermeidet. Fallscheer erklärt, warum Papierverordnungen und fehlende Interoperabilität Fehler und Verzögerungen verursachen, und wie die Plattform auf FHIR und LOINC die Darmkrebsvorsorge von sechs Wochen auf eine Woche verkürzen soll. Zudem ordnet er Selbsttests als Nische mit zwei bis drei Prozent Marktanteil ein. Das Gespräch zeigt am Beispiel Deutschland, Spanien und Schweiz, wie Labordiagnostik Ende zu Ende digital laufen kann.
Warum das Thema wichtig ist
Klingt groß, wir wollen in 10 Jahren pro Tag 1 Million Tests pro Tag über unsere Plattform ermöglichen.
Labordiagnostik liegt nach Angaben aus dem Gespräch rund 70 Prozent aller medizinischen Entscheidungen zugrunde, läuft in Deutschland aber noch über Papierverordnungen, händisch übertragene Daten und Werte, die sich zwischen Praxis, Facharzt und Klinik nicht vergleichen lassen. Das führt zu Fehlern, Verzögerungen und Wiederholungsuntersuchungen, die Kostenträger und Patientinnen und Patienten gleichermaßen belasten, etwa wenn bei der Darmkrebsvorsorge Wochen vergehen oder ein Teil der Ergebnisse nie beim behandelnden Arzt ankommt. Relevant ist die Folge für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Laborbetreiber, Krankenkassen, Anbieter von Arztinformationssystemen, HealthTech-Gründerinnen und Gründer sowie alle, die über Interoperabilität und digitale Versorgungspfade entscheiden. Die zentrale Frage lautet, ob sich Diagnostik über offene Datenstandards und Konnektivität so verknüpfen lässt, dass Doppeluntersuchungen sinken und Vorsorge breiter genutzt wird, ohne dass eine einzelne Superplattform entstehen muss, und Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, ordnet diese Weichenstellung im Gespräch mit Daniel Fallscheer für Visionäre der Gesundheit ein.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
dasLab ist eine digitale Laborinfrastruktur und Interoperabilitätsplattform mit API-Anbindung für Labore und Versorger.
Die Plattform von dasLab arbeitet mit den Standards FHIR und LOINC.
Die Regelversorgung für Darmkrebsvorsorge kostet in Deutschland 14,87 Euro.
Selbsttests zu Hause decken nur etwa 2 bis 3 Prozent des Labortestmarkts ab.
dasLab will in zehn Jahren eine Million Labortests pro Tag über seine Plattform ermöglichen.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
Digitale Laborinfrastruktur: Wie dasLab-Gründer Dr. Daniel Fallscheer die medizinische Diagnostik vernetzen will
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft der Gesundheitsversorgung, begrüßt in ihrem Podcast "Visionäre der Gesundheit" diesmal Dr. Daniel Fallscheer, Co-Founder und CEO von dasLab. Sie hat ihn eingeladen, weil Labordiagnostik die Grundlage der meisten medizinischen Entscheidungen bildet und trotzdem zu den am wenigsten digitalisierten Bereichen zählt. Fallscheer bringt die Sicht eines Managers mit, der über 15 Jahre bei Konzernen wie Siemens Healthineers und Medtronic gearbeitet hat und nun als Gründer eine Infrastruktur aufbaut, die Labore, Praxen, Kassen und Patientinnen und Patienten technisch verbindet.
Was macht dasLab und wie funktioniert eine digitale Laborinfrastruktur?
dasLab ist eine zweiseitige Plattform, die im Hintergrund den kompletten Weg eines Labortests von der Bestellung bis zum Ergebnis digital abbildet. Die Lösung wird über Schnittstellen angebunden und ist für Endnutzer meist gar nicht sichtbar. Auf der einen Seite integriert sich das Unternehmen in die Systeme der Labore, auf der anderen Seite in Arztinformationssysteme oder in Angebote anderer Startups.
Fallscheer betont, dass die Anbindung der Labore der anspruchsvollste Teil des Geschäfts ist. Die Plattform arbeitet mit den Standards FHIR und LOINC und übersetzt die Daten der Labore in ein einheitliches Format. Dadurch lassen sich Werte aus verschiedenen Quellen überhaupt erst vergleichen. Aktuell zählt das Netzwerk rund 50 Partner, darunter inhabergeführte Labore, große Laborgruppen und Logistikdienstleister.
Warum läuft der Testprozess beim Arzt bisher so umständlich ab?
Der Prozess ist umständlich, weil er in vielen Ländern weiterhin auf Papier basiert und die Patientinnen und Patienten selbst als Bote zwischen Arzt, Labor und zurück fungieren. Fallscheer schildert das am Beispiel Spanien: Der Spezialist stellt eine Verordnung auf einem Formular der Versicherung aus, die weder personalisiert ist noch ein Labor nennt. Die Patientin muss selbst eine Blutentnahmestelle finden, im Labor werden die Daten von Hand erfasst, und das Ergebnis kommt per Papier oder unverschlüsselter E-Mail zurück.
Dabei entstehen Fehler, und es gehen Informationen verloren. Laut Fallscheer erreichen die Ergebnisse in etwa 60 Prozent der Fälle den Arzt überhaupt wieder. Inga Bergen ergänzt, dass solche Wege gerade für weniger gut organisierte oder kranke Menschen eine hohe Hürde sind. Mit dasLab sollen Verordnung, Laborsuche, Check-in und Ergebnis dagegen digital laufen, und die Daten landen in einer Art Wallet bei den Patientinnen und Patienten.
Wie viel Zeit spart eine digitale Darmkrebsvorsorge?
Nach den Berechnungen von dasLab lässt sich die Dauer der Darmkrebsvorsorge in Deutschland von durchschnittlich sechs Wochen auf etwa eine Woche verkürzen. Heute bekommen Versicherte beim Niedergelassenen ein Testset, bringen es zurück, warten auf das Labor und brauchen dann einen weiteren Termin für das Ergebnis.
Der digitale Ansatz setzt auf Heimtests, die direkt an das Labor gehen, und auf eine Betreuung per Telemedizin. Bei einem auffälligen Befund soll nicht einfach ein Brief eintreffen. Stattdessen erklärt ein Mediziner das Ergebnis, und Folgetermine wie eine Darmspiegelung werden über die Plattform vermittelt. Fallscheer verweist darauf, dass ein früh erkannter Fall das System um rund 55.000 Euro entlastet. Das erkläre das große Interesse der Krankenkassen. Eine Ausschreibung bei Healthy Hub hat dasLab bereits gewonnen.
Wie sinnvoll sind Labortests für zu Hause?
Selbsttests sind sinnvoll, aber sie bleiben nach Einschätzung von Fallscheer ein Nischenmarkt mit heute nur zwei bis drei Prozent Anteil. Quantitativ verlässlich lassen sich zu Hause nur etwa 50 Parameter bestimmen, und Panels wie ein kleines Blutbild sind technisch nicht machbar. Auch das Stechen in den Finger ist laut Inga Bergen eine echte Überwindung.
Gut geeignet sind dagegen Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge oder Tests auf sexuell übertragbare Infektionen, bei denen viele Menschen ohnehin ungern zur Hausärztin gehen. Für die Zukunft erwartet Fallscheer Hybridmodelle, etwa Probenahmen durch geschultes Personal zu Hause oder in der Apotheke. Dort wären Vertrauen und Unterstützung gegeben, vor allem in der Schweiz mit ihren großen Apothekenketten ist das ein spannendes Feld.
Wie verdient ein Diagnostik-Startup wie dasLab sein Geld?
dasLab verdient auf beiden Seiten der Plattform und kombiniert dafür mehrere Erlösquellen. Dazu gehören eine einmalige Gebühr für das Onboarding, deren Höhe sich nach der Komplexität der Integration richtet, und eine Software-Gebühr als festes Abonnement. Hinzu kommen der Verkauf von Self-Sampling-Paketen an Labore oder Versicherungen und eine Beteiligung am Mehrwert, den die Plattform im System erzeugt.
Die Kunden sind ausschließlich Unternehmen, nicht Endverbraucher. Die Verträge laufen laut Fallscheer meist zwei bis vier Jahre und enthalten strenge Service-Level-Vereinbarungen, etwa feste Fristen für Ergebnisse mit Vertragsstrafen. Das Ziel ist ein Hochvolumengeschäft: In zehn Jahren soll dasLab eine Million Tests pro Tag ermöglichen. Das entspricht einem überschaubaren Anteil am Gesamtmarkt, weil allein in Deutschland rund acht Milliarden Euro jährlich für Labortests ausgegeben werden.
Welche Rolle spielen KI und Entscheidungsunterstützung bei Labortests?
Mittelfristig soll die Plattform die Grundlage für Entscheidungsunterstützung schaffen, etwa um unnötige Wiederholungstests zu vermeiden. Fallscheer nennt als einfaches Beispiel Langzeitmarker, die sich innerhalb weniger Wochen kaum verändern und deshalb nicht erneut bestimmt werden müssen. Komplexer wird es, wenn Symptome, Familienhistorie oder Genetik einbezogen werden, was nur mit separater Einwilligung der Patienten denkbar ist.
Interessant ist das auch für Kostenträger. In der Schweiz gibt die größte Versicherung rund 250 Millionen Euro jährlich für Tests aus, und es gibt die Vermutung, dass ein erheblicher Teil doppelt angefordert wird. Außerdem suchen KI-Firmen eine Infrastruktur mit einheitlich strukturierten Daten, weil sie sonst mit jedem Labor einzeln arbeiten müssten. Kurzfristig will sich dasLab aber auf den Aufbau der Infrastruktur konzentrieren.
Braucht das Gesundheitswesen eine einzige Superplattform?
Fallscheer hält eine einzige Superplattform weder für nötig noch für wahrscheinlich. Entscheidend sind für ihn offene Datenstandards, saubere Schnittstellen und die Möglichkeit für Patientinnen und Patienten, ihre Daten selbst an die Plattform ihrer Wahl weiterzugeben. Wenn die Konnektivität stimmt, können viele Plattformen und Ökosysteme nebeneinander bestehen.
Inga Bergen sieht das etwas anders und findet, dass sich erst zeigen muss, wer das Rennen macht. Einig sind sich beide bei der Bedeutung der Interoperabilität. Fallscheer ist Teil des Interop Councils und steht dazu im Austausch mit Sylvia Thun. Nach Deutschland und Spanien soll im nächsten Jahr die Schweiz als weiterer Markt folgen.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:14
Inga Bergen
Dr. Daniel Falche ist Co-Founder und CEO von dasLab, einer Plattform, die digitale Infrastruktur für medizinische Diagnostik anbietet und damit die Diagnostik revolutionieren will, dass sie in Zukunft eine Million Tests am Tag umsetzen können. Daniel Felscher ist Gesundheitsexperte mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in unterschiedlichen Positionen in Gesundheitsunternehmen. Mit The Lab bietet er eine digitale Infrastruktur für Mediziner und Labore in Deutschland, Spanien und der Schweiz. Im Podcast erzählt er, wie sich das Testen verändern muss, um den Herausforderungen unseres Gesundheitswesens gewachsen zu sein, welche Vor- und Nachteile Selbsttests gegen gegenüber Tests beim Arzt bieten und erklärt, wie bessere Interoperabilität zwischen Arzt und Labor Fehler vermeidet und Prozesse beschleunigt.
01:01
Inga Bergen
Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Ich freue mich heute sehr, endlich ein Thema zu beleuchten, was mich schon lange umtreibt. Mein heutiger Gast ist Dr. Daniel Falscher. Daniel, herzlich willkommen!
01:19
Dr. Daniel Fallscheer
Hallo, freut mich, danke, dass ich hier sein darf.
01:22
Inga Bergen
Ich freue mich sehr. Du bist ja, du bist unter die Gründer gegangen und darüber werden wir heute auch sprechen. Nach einer langen Karriere bei Medizintechnik-Größen wie Medtronic und Siemens Healthineers hast du gegründet. Und ich habe auch gerade schon im Vorgespräch gehört, ein Gast, den ich schon im Podcast hatte, Björn von Siemens, ist in eurem Board. Du bist Gründer von DasLab und du willst ja die Diagnostik eigentlich ein Stück weit revolutionieren. Hast da schon ganz viel Einblicke gewonnen und kommst aus der Strategie. Und genau über das Thema werden wir heute sprechen. Ja, ich freue mich sehr. Vielleicht magst du dich als Erstes mal selbst kurz vorstellen und kurz die Geschichte erzählen, wie du ja unter die Gründer gegangen bist.
02:08
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, danke, Inga. Also vielleicht kurz zu mir. Ich bin Daniel, bin seit über 15 Jahren im Gesundheitsbereich. Ich war aber immer auf der Industrieseite. Bei Siemens war da in dem CEO-CFO-Office und habe dann so Sachen gemacht wie Börsengang, habe Markenlaunch weltweit gemacht, habe dann bei Medtronic ein Geschäft aufgebaut und habe dann für Pharma mal so eine Patient Engagement Plattform mit aufgebaut. Also ich habe so einen Weg hinter mir von, ich sage jetzt mal, Sonderspezialthemen im Konzern, dann Intrapreneuring bei Medtronic und dann sage ich mal Corporate Venturing. Was ich offen gestanden sagen muss, war das schlechteste Erlebnis, was sozusagen den Weg gezeichnet hat, aber dann aber selber zu gründen. Also der Weg, wenn man heute zurückschaut, hat Sinn gemacht. Damals geplant war es nicht so, aber für mich war einfach der Wunsch, eine Vision umzusetzen, die mich, die mich lang umgetrieben hat. Und diese Freiheit und Geschwindigkeit kann ich einfach in einem Startup oder einem Venture ganz anders umsetzen. Super.
03:07
Inga Bergen
Und dann hast du das Lab gegründet und da wollen wir heute drüber sprechen. Ich finde es gerade total interessant, weil ich hatte Zum Beispiel gerade André Glarhorn von RoClub, der auch bei Siemens sozialisiert ist und das wirklich spannend ist, wenn man sich anschaut, so die deutschen Unternehmen, die groß sind im Medizintechnikbereich, dass da viele Leute Erfahrungen sammeln, dann rausgehen und gründen. Oder Michael Diebold zum Beispiel ist ein anderes Beispiel, mit dem ich auch schon einen Podcast hatte. Deine Vision, die du nicht umsetzen konntest im Konzernkontext, die du jetzt als Gründer umsetzt. Vielleicht lass uns da mal eintauchen. Was macht ihr bei dasLab? Ihr seid jetzt auch schon eine Weile am Markt. Ihr habt schon eigentlich so den Proof of Concept geschafft und habt schon viele Kunden, leistet einen wertvollen Beitrag. Was macht ihr genau?
03:53
Dr. Daniel Fallscheer
Das Lab ist eine digitale Laborinfrastruktur und Interoperabilitätsplattform. Das klingt jetzt sehr technisch. Ich versuch's mal zu beschreiben. Wenn wir uns heute vorstellen, wie Testen funktioniert, da können wir uns mal kurz zurückversetzen in Corona. Am Anfang von Corona.
04:09
Inga Bergen
Mit Testen meinst du alles Testen von Patienten?
04:11
Dr. Daniel Fallscheer
Alle Labortests.
04:11
Inga Bergen
Ah, wir hatten Labortests. Okay.
04:12
Dr. Daniel Fallscheer
Genau, also alle Labortests, Genau, also ganz klassische In-vitro-Diagnostik mit allen unterschiedlichen Probenträgern. Wir machen alles, sag ich mal, außer der Pathologie, weil das einfach andere Probenträger sind, aber alles andere tun wir. Und wenn wir uns mal zurückerinnern vielleicht alle an Corona, wie ging es am Anfang los und wie konnte man überhaupt einen Test, sag ich mal, überhaupt buchen, überhaupt finden, durchführen? Plötzlich hatte man ein digitales Ergebnis in der Hand, mit dem man auch plötzlich Zutritt erhalten konnte, wo zertifiziert war.. Und das hat uns in der Gründung viel früher umgetrieben eigentlich. Das Corona war nur der erste Use Case für uns. Aber wenn man ein bisschen zurücktritt, dann muss man sich eine große Zahl mal vor Augen nehmen, und das ist, dass 70% aller medizinischen Entscheidungen auf Labortests berufen. Das ist eine unfassbar große Zahl. Und wenn man dann aber schaut, wie, sag ich mal, nicht digital heute Testen ist, man bekommt beim Hausarzt immer noch Papier in die Hand gedrückt. Das ist nicht miteinander verbunden, wenn ich zum nächsten Spezialisten gehe, ins Krankenhaus gehe. Die Ärzte können, wenn es nicht vom gleichen Labor kommt, nicht Werte miteinander vergleichen im Zeitablauf. Das alles hat uns motiviert, ich sage jetzt mal, so eine digitale Autobahn zu bauen. Erst mal, weil ganz viele Startups oder Firmen sind ja auch im Bereich AI unterwegs bei Labortests. Da gibt es ein paar spannende. Aber wir bauen erst mal wirklich eine Infrastruktur dahinter, um wirklich diese Transaktion von Buchung eines Tests oder Bestellung, meistens ärztlich indiziert bei uns, bis zum Ergebnis komplett Ende-zu-Ende digital zu haben. Und das mit einer API-Lösung. Das heißt, wir sind wirklich stark im Hintergrund. Man sieht uns oft gar nicht. Und ganz wichtig ist für uns Konnektivität.
05:53
Inga Bergen
Ja, jetzt hast du eben diese Themen beschrieben. Also wir sind ja, glaube ich, in Deutschland auch dadurch, dass das Gesundheitswesen im Moment noch so wenig digitalisiert ist, Weltmeister in Doppel- und Dreifachuntersuchungen. Das heißt, jeder Bluttest, muss wieder gemacht werden, wenn man jetzt zum Beispiel von einem, von einer Arztpraxis in eine Klinik geht, als Beispiel. Auch für Patientinnen und Patienten ist es total schwierig, so einen Verlauf zu verstehen. Und ein Bluttest ist ja immer nur eine, zum Beispiel nehmen wir Bluttest als Beispiel, ist ja immer nur eine Momentaufnahme. Und gerade jetzt bei einigen Erkrankungen ist es total notwendig, eigentlich so ein vollständiges Bild über den Verlauf dann auch zu haben. Also was löst ihr genau jetzt für die Seite der ja, der Versorgung, der Leistungserbringung, aber auch der Patientinnen und Patienten.
06:39
Dr. Daniel Fallscheer
Also nehmen wir uns mal gerade den Fall, den du beschrieben hast, wo du sagst, wo die langfristige Entwicklung vor allem sehr wichtig ist. Nehmen wir HbA1c wie Diabetes Monitoring. So, das solltest du eigentlich im Quartal einmal machen, dann, ein Diabetiker. Häufig wird es heute nicht getan und du erkennst einfach eine gewisse Entwicklung nur über die Zeit hinweg. So, du musst aber, dass diese Werte, nehmen wir mal folgenden Fall an, nehmen wir mal an, Inga hat gesagt, ich mache mir selber sogar mal einen Test zu Hause. Ich bestelle mir einen, weil mich das einfach persönlich interessiert, messen HbA1c, und dann gehst du zum niedergelassenen Arzt, der macht ein HbA1c, und dann gehst du vielleicht zum, sage ich mal, zum Kardiologen, da ist in dem großen Blutbild auch noch mal HbA1c mit drin. Jetzt kannst du technisch diese Werte nicht miteinander vergleichen, du kannst die auch nicht nebeneinander legen, du kannst diese Entwicklung nicht sehen. Also wir wollen wirklich dem Arzt am Ende des Tages eine bessere Versorgung dadurch ermöglichen, dass er von den Patienten oder sie, ja natürlich, genau, Patientinnen und Patienten, die Daten langfristig sehen kann. Das heißt, was ist unser Ziel? Auf der einen Seite, wir sind eine zweiseitige Plattform, wir stecken uns erstmal bei den Laboren ein, integrieren uns dort in die Systeme. Das ist übrigens der Kernpunkt, das Schwierigste, und integrieren dann aber nach vorne, zum Beispiel auch in Arztinformationssysteme, in, sage ich mal, integrieren dann aber auch in direkte Lösungen, wo Startups oder jüngere Companies, zum Beispiel direkt Direct Consumer, die Themen machen, um am Ende des Tages aber im Hintergrund überhaupt die technische Infrastruktur zu haben, um diese Werte miteinander zu vergleichen. Ich weiß, es klingt ein bisschen hakelig, aber das ist sozusagen die Technik dahinter, ist das Spannende, dass es überhaupt funktioniert.
08:15
Inga Bergen
Ihr seid im Hintergrund. Jetzt schauen wir mal da drauf. Ihr seid ja ein Startup, das heißt, ihr habt Risikokapitalgeber, die in irgendeiner Art und Weise erwarten, dass ihr ein großes Geschäft aufbaut. Das ist ja immer so, man nennt das immer den berühmten Hockeystick. Also irgendwann muss man sozusagen skalieren und zeigen, dass man wirklich eigentlich fast exponentiell wächst. Ja, jetzt schauen wir mal den Markt an, an dem ihr zu Hause seid, Deutschland. Wie funktioniert das denn in Deutschland? Ich habe auf eurer Webseite gesehen, ihr habt im Moment, glaube ich, 50 Labore. Sind das dann einzelne Labore oder Laborketten? Also ihr habt 50 Laborpartner?
08:49
Dr. Daniel Fallscheer
Ist eine Mischung. Also es sind 50 Partner, davon sind auch Logistikpartner. Wir haben aber von Laboren, von, ich sage jetzt mal mittelständischen, ich sage jetzt mal inhabergeführten Laboren, die finden wir sehr spannend, die innovativ sind, bis hin zur sehr großen Laborgruppe, aber auch integriert. Und haben dann, arbeiten jetzt in Deutschland. In Deutschland muss man leider sagen, ist da bisschen innovationsscheuer. Aber in Deutschland sind wir zum Beispiel gerade dran, mit spannenden Unternehmen, die auch Infrastruktur aufbauen, die neue Arztinformationssysteme aufbauen und Co. dort zu integrieren. Und was wir in Deutschland machen werden, was ein großes skalierbares Thema ist, das ist eine sehr fokussierte Lösung, zum Beispiel auf Darmkrebsvorsorge oder Krebsvorsorge. Tests zu Hause, was wir Krankenkassen anbieten. Da haben wir eine Ausschreibung gewonnen bei Healthy Hub jüngst und merken dann sehr große Resonanz von anderen Kassen. Das ist Deutschland, kann man leider das, was ich vorher beschrieben habe, nicht ganz so einfach umsetzen. Sehr fragmentiertes Feld. Aber wir können auch mal nach Spanien gucken und die Schweiz. Da gibt es und in andere europäische Länder, wo wir aktiv sind. In Spanien sind wir aktiv, in der Schweiz werden wir aktiv werden. Und dann können wir mal ein bisschen drüber reden, vielleicht was wir uns aus Deutschland, auch aus anderen Ländern abgucken können. Da funktioniert manches bisschen einfacher in der Hinsicht.
10:05
Inga Bergen
Du hast jetzt zwei Themen angesprochen. Das eine ist sozusagen diese internationale Perspektive, da können wir reingucken. Das zweite ist, ihr seid ja ein Angebot, das Labore vernetzt mit der Versorgung, sowohl klinisch als auch ambulant, stationär als auch ambulant. Jetzt hast du aber gerade diesen wachsenden Markt angesprochen, der At-Home-Test-Kits. Finde es total interessant, weil mich auch so ein bisschen die Frage umtreibt, wenn wir zukünftig als Patientinnen und Patienten mehr zu Hause machen, welche zusätzlichen Fähigkeiten müssen wir dann ausbilden? Ich habe versucht, mir selbst in einen Finger zu stechen, um so einen Vitamin-D-Test zu machen. Das habe ich fast nicht hinbekommen. Also das war eine extreme Überwindung. Da dachte ich auch, das ist eigentlich so Next Level Self Service.
10:52
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, also die Experience ist nicht— also da gibt es einen großen Hype drum. Da gibt es auch Firmen drum, die wirklich nur damit gegründet haben und das ja auch pushen, auch international. Also wenn man da mal auch ein paar Schritte zurücktreten, dann guck mal da so auf dem Marktsegment, was vielleicht heute 2, 3% des Marktes ausmacht. Wieso nur so klein? Weil du mit einfach, sage ich mal, von der Analytik her, das ist quantitativ wirklich aussagekräftig, ist nur ungefähr 50 Parameter testen kannst. Mit dieser Methodik, da gibt es, ich sage jetzt mal, unterschiedliche Probenträger. Du, Finger stechen hast du gesagt, ist nicht so optimal. Da gibt es Technologien mittlerweile, da gibt es andere Partner, die machen Oberarm- und Co.-Sachen mit so Mikronadeln. Das gibt es, bisschen bessere Erfahrungen als Finger stechen. Finger stechen ist aber einfach, wenn du wieder die Versorgung ansprichst, eine Kasse möchte nicht ein Device bezahlen, was im Oberarm piekst für $20 oder €20. Also das heißt, musst du leider Finger stechen. Es gibt aber andere Probenträger, nimm mal Urin. Nimm dir mal zum Beispiel einen Stuhltest, nimm dir jegliche Abstriche, die wir in Corona, glaube ich, gut geprobt haben. Da gibt es welche, die sind von der Erfahrung des Probennehmens besser, die auch gut quantitativ auswertbar sind. Aber es ist und bleibt ein kleiner Markt. Und der Teil, der wirklich gut funktioniert—
12:01
Inga Bergen
Und das schätzt du ein für die Zukunft? Also du sagst—
12:05
Dr. Daniel Fallscheer
Der wird wachsen, glaube ich. Aber man muss, glaube ich, immer stark unterscheiden, für was tritt man an als Firma. Und wir als das Lab treten an für medizinische Diagnostik. Du musst eine qualitativ extrem hochwertige Diagnostik abliefern und da kommt einfach dieser Probenträger stark an seine Grenzen. So einer, der jetzt extrem gut funktioniert, ist zum Beispiel bei Darmkrebs, ist der iFOP-Test, der ist leitliniengemäß vorgeschrieben und vorgegeben, der funktioniert wunderbar. Du kannst den Stuhltest zu Hause machen, das ist ein schambasierter Test, sag ich mal. Du kannst einen, sag ich mal, STI, sag ich mal, also alles rund um Geschlechtskrankheiten und Co., das sind so Sachen, da willst du vielleicht nicht zum Hausarzt gehen, das funktioniert technologisch auch gut, auch quantitativ gut. Und dann gibt es ein paar andere noch, die gut qualifizieren. Dann wird's schon schwieriger. Und du kannst auch keine Panels machen. Ein Arzt interessiert meist nicht ein einziger Vitamin-D-Marker, sondern der sagt, ich hätte gern ein kleines, ein kleines Blutpanel von dir, kleines Blutbild. Und das geht technologisch nicht. Also ja, das ist spannend, der Markt wird glaube ich auch wachsen, aber du musst überlegen, wenn du 100% Wachstum auf 3% Marktanteil hast, dann hast du halt leider immer noch keine 50% am Schluss. Also Mhm.
13:10
Inga Bergen
Und das liegt daran, weil es, weil es so viele verschiedene Komponenten hat. Einmal so die Abrechnung, du musst natürlich relativ informiert sein als Patientin, zu wissen, was interessiert mich eigentlich überhaupt. Ich find es sehr spannend, weil ich kriege im Moment auf, glaube ich, Instagram, also auf Social Media kriege ich tatsächlich Werbung angezeigt für die Darmkrebsvorsorge, 199 €. Also könnte ich mir natürlich leisten.
13:35
Dr. Daniel Fallscheer
Und siehst du, Inga, das machen wir ganz kurz, das mal Ja, die Regelversorgung in Deutschland für Darmkrebsvorsorge sind 14,87 €. Wir bieten der Kasse jetzt das zu einem Preis an. Und so verstehe ich, so dafür brenne ich auch, und wir als Firma auch. Ich mache das halt nicht für 199 € für die Kasse, weil da brauche ich gar nicht kommen. Weil wenn du das als Geld für die Kasse machst, werden die es nicht tun, sondern du musst zur Kasse kommen und sagen, ich schaffe höheres Engagement, aber übrigens, es kostet nicht mehr, als was es sie heute kostet. So, also das heißt, du merkst mal, wie viel da Leute Geld verdienen. Zwischen 14.780 und 199.000. Nur die Frage ist, kriege ich da jetzt 500 Tests drauf oder kriege ich vielleicht am Ende des Tages 200.000 Tests drauf? So, und wir wollen einen Impact, weil du auch vorhin gesagt hast, Risikokapital finanziert. Das sind genau die Cases, die uns interessieren, wo wir einen großen Beitrag leisten können. Und da spielt, glaube ich, die Diagnostik zu Hause eine interessante Rolle. Ich glaube, es wird so hybride Modelle übrigens geben. Kommt jemand zu dir nach Hause, wenn du sagst, ich bin bereit, einige, sag ich mal, 50, 60 Euro selber zu bezahlen, dann kommt jemand zu dir nach Hause. Das Thema Apotheken haben wir im Vorgespräch auch gesprochen, ist spannend. Ich glaube, ist leider das Ausland auch wieder ein bisschen einfacher regulatorisch wie in Deutschland, aber ich glaube, da wird sich was tun, weil es einfach eine sehr bekannte, anerkannte Marke ist, vertrauenswürdig, erster Anlauf für Gesundheit. Ich glaube, das wäre ein spannendes Feld, wo man testen könnte, wo dir die Angst auch genommen wird, wo assistiert wird, dich zu pieksen. Und ich glaube, dann geht auch ein bisschen mehr, dann kann man auch mehr kühlen und Co. Also ja, das wird sich entwickeln. Auch verstehst du, du wirst immer noch, glaube ich, nicht plötzlich 30% des Marktes darüber abdecken können. Das wird immer eine Nische sein.
15:13
Inga Bergen
Ja, das ist sozusagen deine These im Moment. Genau. Und wenn wir jetzt auf euer, sagen wir, internationales Geschäft gucken, weil wir haben jetzt darüber gesprochen, was ihr anbietet. Ihr seid die Plattform, der interoperable Mittler zwischen Versorgung und Labor. Ja, ihr bietet jetzt Modelle, die eigentlich für den B2C-Markt gemacht sind im Moment, wie neuartige Diagnostik oder Vorsorge im Bereich Darmkrebs, bietet Kassen an mit dem Ziel, das zu skalieren, also diese Modelle, die jetzt im Selbstzahlermarkt angeboten werden, in die Breite zu tragen, sie allen GKV-Versicherten dann auch zur Verfügung zu stellen. Da geht ihr so ein bisschen in einen etwas anderen Bereich rein, ja, aber ihr seid Die Plattform. Wenn du jetzt sagst, ihr seid in Spanien aktiv, um überhaupt Spanien, also ich habe das jetzt schon öfter gehört, dass Spanien wirklich in Europa so ein Testmarkt für Digital Health ist und die Schweiz, die natürlich auch spannend ist mit Telemedizin, mit den großen Ketten im Bereich der Apotheken und so. Was seht ihr in internationalen Märkten, was wir vielleicht in Deutschland so erwarten können in diesem Bereich Diagnostik, Verbindung, Labor? Versorgung und so weiter.
16:30
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, lass uns mal wirklich, glaube ich, auf Spanien gucken und lass uns dann mal in die Schweiz gucken. Wenn man auch wieder ein bisschen zurücktritt, wie funktioniert in vielen Ländern, vor allem auch, sage ich mal, Europas, aber auch Osteuropas, Nordamerikas und Co., testen heute, dann hast du Phlebotomists, wo du hingehen kannst, wo, sage ich mal, die nehmen dir Blut professionell, sehr einfach, accessible für dich, die sind in der Stadt, die sind, sage ich mal, öffentlich zugänglich, brauchst du auch keinen Termin. So ist heute der Standard in vielen Ländern, so ist es auch in Spanien. In Spanien hast du einfach sozusagen diese entweder Minilabore oder hast eben, sag ich mal, Phlebotomist, die dahinter dann wieder die Probe an Labore zum Auswerten geben. Selbiges findest du in Frankreich, selbiges findest du in Italien, selbiges findest du in Portugal, also das heißt, selbiges findest du in USA. Wenn du dir das jetzt mal vorstellst und jetzt können wir mal durchspielen, wie dort heute eine Testjourney funktioniert in Spanien, und zwar eine arztgeleitete beim Spezialisten, Dann geht die Inga dort, hat eine private Versicherung, weil, sag ich mal, die haben zwar ein NHS-mäßiges System im Grunde, aber 25% haben eine private Krankenversicherung. Wenn du zum Spezialisten gehst, gehst du in der Regel entweder über die Privatversicherung, weil du sehr schnell einen Termin bekommst, oder gehst Out-of-Pocket hin. Dann gehst du dorthin, sitzt die Inga vorm Arzt, dann sagt der Arzt: Liebe Inga, brauchst leider ein großes Blutbild, brauchst noch 5 Kardiomarker oben drauf. Dann nimmt er, dann fragt er dich, bist du bei Asisa versichert? Eine von den großen 5 privaten Versicherungen. Sagst du ja, dann nimmt er einen Block von Asisa, dann schreibt er da nicht mal deinen Namen drauf, dann kreuzt er die Werte hinten an, löscht die, drückt die dir in die Hand und sagt, Inga, geh mal testen. Der sagt dir nicht wohin. Das ganze Thema ist papierbasiert. Du bist der Kurier, du gehst raus aus dem Arzt, du musst dir ein Labor suchen, was diese Parameter kann. Also gehst du beim Phlebotomist deiner Wahl, deines Vertrauens. Wenn der Spezialist aber vielleicht in der Gegend ist, wo du vorher nicht warst, wo gehst du überhaupt hingehen, wer hat offen, wo kriege ich diesen Test. Dann gehst du dorthin mit dem Papier, dann ist es nicht auf dich personalisiert. Also du kannst es auch deiner Tochter geben oder kannst es deinem Mann geben oder wem auch immer und könntest sagen, pass auf, nimm das mal, da ist die Verschreibung des Arztes. Dann gehen die im Labor hin und sagen, okay, ich muss es übertragen händisch in mein System. Da passieren Fehler, das wissen wir, da gibt es Evidenz darüber. Da gibt es teilweise sogar, redet man nicht gern drüber, hören wir aber von Laboren auch, Die sagen auch, manche Werte mache ich nicht, weil die ein Geschäftsmodell mit der Kasse haben, wo pro Kopf einfach übers Jahr hinweg durchschnittlich was vergütet wird. Aber nehmen wir mal an, die machen das, läuft durch, dann sagen die Ergebnis fertig. Entweder muss Papier abholen, es zurück zum Arzt tragen, oder Alternative 2 ist, du kriegst eine E-Mail unverschlüsselt mit dem PDF, wo du dann irgendwie die E-Mail-Adresse dieses Spezialisten raussuchen musst, es an den schicken musst. Ist datenschutzmäßig jetzt nicht so spannend. Was werden wir tun? Wir wären vorne beim Arzt, wenn er das verschreibt, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder er hat ein Arztinformationssystem, wo wir integriert sind, wo er digital diese Order triggern kann, erstens. Alternative zwei ist, er kann es einfach auf dem Handy, auf dem iPad, wo auch immer, kann dir diese digitale Order zukommen lassen. Erinnere dich an Covid, wie es war. Dann hast du einen Lab Finder, wo du hingehen kannst. Wir könnten aber auch sagen zum Thema Selbsttest wieder, Mensch, das sind die Parameter, wissen wir als das Lab, welche in guter Qualität, medizinisch verlässlich auch zu Hause funktionieren, können wir anbieten. Pass mal auf, zahlt 25 das Päckchen ist morgen da. Wenn nicht, nimm die hier, such dir ein Labor, geh dorthin. Mit dem sind wir technologisch integriert. In dem Moment, wo du dort bist, erinnere dich wieder an Covid, du checkst ein, der hat alle Daten direkt in seinem, sag ich mal, Betriebssystem, seinem Laborinformationssystem vorliegen. Das Ergebnis kommt zurück. Jetzt kommt Interoperabilität ins Spiel. Unsere Plattform funktioniert auf FHIR und LOINC, das sind die international gängigsten, anerkanntesten Standards bei, sag ich mal, Kennst du selber für Gesundheitsdaten und Labordaten. Egal auf welchem Standard das Labor arbeitet, wir transformieren das auf unseren Standard. Der Arzt bekommt es digital zurück und der Patient hat für sich ein Wallet, mit dem er zum nächsten Arzt, ins Krankenhaus gehen kann und digital sein Ergebnis vertrauensvoll teilen kann.
20:30
Inga Bergen
Ja, jetzt beschreibst du einen Prozess. Das finde ich übrigens auch immer wieder sehr, sehr erstaunlich, wie gering ausgeprägte Prozesskompetenz im Gesundheitswesen oft ist. Weil das Gesundheitswesen ja davon lebt, dass Leute unsinnige Wege machen. Das kann man so wirklich beschreiben. Jetzt beschreibst du ja diesen Weg. Habt ihr mal gemessen, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt? Und wie viel Zeitersparnis ihr habt? Du machst den Eindruck, als hast du die Metriken alle im Kopf.
20:56
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, wir haben die auch. Also wir haben das gemessen natürlich. Also ich kann dir auch einen deutschen Darmkrebs Case sagen. In Deutschland Darmkrebs dauert im Schnitt 6 Wochen. Mit uns wird es eine Woche dauern. So spannend in Spanien.
21:07
Inga Bergen
6 Wochen für Patientin, Patient, bis die irgendwie ihr Ergebnis haben?
21:11
Dr. Daniel Fallscheer
Also Deutschland, Patientin, Patient geht zum Niedergelassenen, Niedergelassener erinnert sich, Mensch, Inga ist alt genug, braucht mal Darmkrebsvorsorge, gibt dir dieses Tütchen in die Hand, du gehst nach Hause, du gehst wieder zurück, das geht ins Labor, der ruft dich an oder bestellt dich ein, du machst einen neuen Termin, im Schnitt 6 Wochen. Testen in Spanien, in dem Fall ist so die Evidenz, die von Daten Das kann teilweise bis zu einer Woche dauern, bis der ins Labor geht. Das kann auch teilweise noch mal eine Woche dauern, bis das Ergebnis da ist und bis er es zurückträgt. Und er trägt es in 60% der Fälle übrigens nur zurück zum Arzt, was spannend ist. Also 40% Kosten fürs System verursacht, aber nicht zurück zum Arzt gegeben, dass der eine Versorgung wirklich einleiten kann.
21:51
Inga Bergen
Wobei ich auch vermute, dass viele Menschen, es sind ja nicht alle Menschen super organisiert und kommen überhaupt klar im Leben, so muss man ja leider, also es ist ja so. Das zu organisieren, das erfordert ja auch gewisse Fähigkeiten, die wahrscheinlich nicht jeder Mensch hat.
22:09
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, ja, das ist halt, wenn du das digital dem sehr einfach leiten kannst und das ist wieder die Infrastruktur dahinter. Also wenn du von der Bestellung, dass schon allein dieser Patient kein Papier mehr in der Hand hat oder Patientin, dass die sehr schnell schauen können, wo muss ich, wo kann ich überhaupt hingehen? Ab dem Moment müssen die auch nicht mehr wieder zurück zu diesem Labor, das Ergebnis abholen oder irgendwelche E-Mails weiterleiten oder Co., sondern das liegt allen Beteiligten am Ende des Tages vor. Das ist das, was eine Infrastruktur leisten kann, mit der Interoperabilität obendrauf, dass du halt auch diese Daten, sei es jetzt Ärztinnen und Ärzte, sei es Patientinnen und Patienten, vergleichen können. Und das ist halt das, die wollen es ganz einfach haben, dass sie es mitnehmen können zum nächsten Arzt, ins Krankenhaus, zu ihrem Hausarzt und Co. Und das muss so einfach sein von der Experience. Wobei wir aber auch sagen, wir sind nicht diejenigen, die immer die Experience haben müssen. Wir gehen aber auch den Weg, wir zeigen, wie es mit einer sehr einfachen Experience gehen kann. Wenn der Arzt sagt, ich möchte nicht eure Second-Screen-Lösung, ich möchte mein primäres Arztinformationssystem, dann werden wir uns dort integrieren, dann kann er das nutzen, auch wenn die Experience schlechter ist. Aber okay, also das ist Aber das muss wie bei Covid, das ist eine Entwicklung, die sich glaube ich fortsetzen wird dort, dass es ganz, ganz einfach auch über alle Altersgruppen hinweg funktionieren muss. Nicht nur Junge, die digital affin sind.
23:33
Inga Bergen
Ja klar. So, und jetzt haben wir diesen Prozess. Das heißt, das ist ja schon ein dickes Brett. Das klingt natürlich extrem attraktiv, aber es ist natürlich ein dickes Brett, all diese Akteure dann auch an Bord zu holen, die anzubinden. Weil es ja nicht ja eine, ein Unternehmen ist, das irgendwie jetzt alle Labore hat oder so, sondern es ist sehr viel kleinteiliger Arbeit, wahrscheinlich überall hinzugehen und die Leute abzuholen. Was ist euer Geschäftsmodell? Wie finanziert ihr euch? Von wem nehmt ihr Geld? Für mich hört sich das so ein bisschen so an, als habt ihr verschiedene Erlösquellen und jetzt nicht so eine, die man quasi auf alle legt, sondern es ist so, es gibt so verschiedene Töpfe, wo ihr euch dann quasi daraus finanziert. Kannst du da mal darauf eingehen.
24:20
Dr. Daniel Fallscheer
Genau. Also im Grundsatz monetarisieren wir beide Seiten der Plattform, sowohl die Laborseite als auch die Seite der Versorgung. Erste Säule ist eine Onboarding-Fee. Die hängt davon ab, wie komplex auch Integrationen sind, ob wir zum Beispiel UIs stellen oder nicht. Dann gibt es eine klassische SaaS-Fee.
24:37
Inga Bergen
UIs stellt, Integration stellt. Wie meinst du das?
24:40
Dr. Daniel Fallscheer
UI, also User Experience, ob wir ein User Interface stellen, zum Beispiel wirklich auch etwas wir nicht nur Schnittstelle stellen. Wir haben so Fälle, ist nicht unser präferiertes Modell im Übrigen, aber haben wir, kriegen wir viele Anfragen. Aber also Onboarding ist komplexitätsgetrieben, so kannst du dir vorstellen. Wir haben eine SaaS-Fee, die, die in der Regel subscriptionbasiert ist, also die fix ist. Also Software as a Service. Genau. Wir haben dann, wenn es um Self-Sampling geht, also für diese Testen zu Hause, haben wir diese Packages, die wir monetarisieren. Das ist einfach eine IP von uns, wo viel Regulatorik drinsteckt, die verkaufen verkaufen wir an Labore.
25:17
Inga Bergen
Verkaufen das dann Patientinnen und Patienten?
25:20
Dr. Daniel Fallscheer
Korrekt, genau richtig. Ja, oder schreiben das denen, genau richtig. Oder wir verkaufen das zum Beispiel auch an Versicherungen, eben in dem beschriebenen Fall der Darmkrebsvorsorge, weil es eben heute nicht Teil der Vergütung ist. Und dann gibt es eben noch eine Komponente, die, sag ich mal, uns partizipieren lässt an dem medizinischen Mehrwert, den wir generieren, auch für das System. Das kann unterschiedliche Ausprägungen haben. Das kann einfach sein in einem Out-of-Pocket-Geschäft, also wo ein Privatzahler jetzt einen Test bucht und wir das ermöglichen technologisch, dann ist es ein Geschäft, was nicht reguliert ist. Da sind wir ganz klar wie ein Marketplace in dem Sinne, wo wir eine gewisse Fee dafür haben wollen. Aber ansonsten die vorgeschriebenen, sage ich mal, Vorsorgelösungen oder auch diese Lösungen, wie identifizieren wir später mal zu viel Volumen, das getestet wird, da wollen wir einfach einen fairen Anteil davon haben, wenn wir das technologisch ermöglichen, dass es überhaupt identifiziert und langfristig eingespart wird. Ja, aber das ist bis in die Zukunft, muss ich ja.
26:16
Inga Bergen
Das heißt, ihr bekommt dann wirklich pro Test, der gemacht wird, bekommt ihr eine Gebühr sozusagen?
26:22
Dr. Daniel Fallscheer
Genau. Also du kannst es auf eine Protestbasis runterrechnen. Wir kalkulieren das oft auch sozusagen für die Leute einfach und für die Kundinnen und Kunden auf Testbasis. Aber am Ende des Tages versuchen wir, einen fixen Betrag pro Monat zu haben. Dadurch, dass wir Enterprise-Geschäftsmodell haben, auch mit Enterprise-Kunden arbeiten, sage ich mal, von der Logik her. Das sind ja keine Konsumenten, das sind ja, das sind ja wirklich Business-to-Business. Meinst du? Wir machen wirklich B2B, Business-to-Business, und die sind es einfach auch gewöhnt, solche Modelle in einer fixen Zahlung zu haben. Vertraglich sind es meistens Verträge, die eine Laufzeit von 2 bis 4 Jahren haben, mit automatischer Verlängerung, die aber zum Beispiel sehr harte Auflagen haben bei dem Thema Schnittstellen und Co. Also wie sind Service Levels, auch wenn zum Beispiel jetzt Versorger an uns rantreten, sagen, ja, also ich hätte gerne sozusagen diesen Test, du musst mir aber zusichern, das Ergebnis wird nach Eingang im Labor binnen 3 Tagen, ansonsten Strafzahlung. Also solche Service Level Agreements haben wir dort auch in den Verträgen mit drin. Das ist, sage ich mal, sehr professionell. Business to Business, B2B, komme ich her, kommen wir als Gründerteam her, kommen wir auch, sage ich mal, als Unternehmen jetzt her. Ist ganz anders als Direct Consumer. Das wird nicht unser Thema sein. Und deswegen werden auch die Verträge komplexer sein.
27:46
Inga Bergen
Ja, genau. Und natürlich, so wie du es jetzt gerade beschreibst, darauf, dass ihr darauf fokussiert, dass ihr wirklich ein Massengeschäft macht. Weil wenn man jetzt überlegt, du kannst mir sicher sagen, wie viel Labortests gibt es am Tag in Deutschland?
28:02
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, also ist eine gute Frage. Übrigens gibt es nirgendwo Public. Kannst du alles dir irgendwo rückwärts runterrechnen. Man kann ungefähr sagen, dass in Deutschland pro Jahr 8 Milliarden für Labortests ausgegeben werden. Jetzt kannst du, jetzt können wir beide raten, wie viel der durchschnittliche, die durchschnittlichen Kosten sind. Kommst auf mehrere 100 Millionen Tests im Jahr, und dann kannst du es runterrechnen, was am Tag läuft. Also wir haben persönlich, wir haben unseren North Star definiert als Firma, was wir in 10 Jahren haben wollen. Klingt groß, wir wollen in 10 Jahren pro Tag 1 Million Tests pro Tag über unsere Plattform ermöglichen. Wenn du es rückwärts rechnest mit Ländern, dann ist es gar nicht— der Anteil vom Kuchen vom Markt ist gar nicht so groß, wie man vielleicht zunächst vermuten möchte. Aber da merkst du, das ist ein Hochvolumengeschäft, wo aber von der Vergütung— also deswegen, anfangs hast du auch gesagt, sozusagen mit André, wenn du mal guckst, wo die vorher waren, wenn du dir mal eine Bildgebung nimmst, deshalb pro, sag ich mal, dort Diagnostik sehr viel höher. Im Labortest sind es teilweise auch nur wenige Eurobeträge pro diagnostischen Panel. Da ist wirklich Hochvolumenumsatz.
29:07
Inga Bergen
Ja, können wir mal überlegen, was, was ist denn in der Zukunft? Weil wenn wir uns vorstellen, ihr seid die Plattform, das heißt, über euch laufen auch die Daten, dann wird es ja auch für euch Möglichkeiten geben, da noch zusätzliche Services draufzulegen. Das heißt, heute, ja, haben wir Blutwerte, das kann ja jeder, nehmen wir Blutwert oder Darmkrebs, ne, das kann jeder nachschauen. Du kannst letztendlich vom Labor bekommen, was eine Auswertung ist, und dann kannst du selber nachschauen: Ist das im grünen Bereich, was ich da habe, oder gibt es da irgendwelche Auffälligkeiten? Kannst du im Zweifel selbst entscheiden: Muss ich noch mal zum Arzt? Weil du ja siehst, irgendwie das ist alles gut, oder es ist vielleicht etwas auffällig. Jetzt ist es selbst für die Ärzteschaft manchmal schwierig, in einem Verlauf zu bewerten: Was ist da eigentlich gut? Was ist da schlecht? Ich glaube, es gibt ja viele Themen, die wir noch gar nicht ausreizen. Wir verstehen extrem viel nicht, gerade wenn es um zum Beispiel große Blutbilder geht, dann ist, also gibt es Ärztinnen und Ärzte, die fokussieren sich darauf oder spezialisieren sich darauf, zum Beispiel mit funktioneller Medizin zu arbeiten, und die schauen sich dann ganz andere Parameter an als jetzt so ein Standard-GKV-Arzt in einer Kassenpraxis. Also es gibt da auch, sagen wir, eine Schere der unterschiedlichsten Perspektiven auf das Thema. Wie wie sieht da die Zukunft aus und welchen Beitrag leistet ihr da? Das würde mich auch total interessieren.
30:33
Dr. Daniel Fallscheer
Also vollkommen richtig. Übrigens spannend von Gründung an weg auch mit den Investoren, haben wir da interessante Fragen über die Vision nach vorne. Ich glaube, wir teilen alle die Vision, dass wir am Ende des Tages auf Basis dieser Daten mit vermutlich dann aber separater Einwilligung des Patienten dann natürlich dann eine, sag ich mal, in den Decision Support gehen. Genau das, was du beschrieben hast, also zum Beispiel Welchen Testparameter braucht eigentlich die Inga auf Basis vielleicht ihres, ihrer Historie, auf Basis, sage ich mal, dessen, was sie bisher longitudinal an Testergebnissen hat? Das wird ein sehr spannender Bereich werden. Da denken wir aber auch so, da haben wir, glaube ich, nicht nur Glaube, da haben wir auch Hypothesen, die wir verfolgen. Das Spannende wird—
31:16
Inga Bergen
Was sind das für Hypothesen?
31:17
Dr. Daniel Fallscheer
Darf ich jetzt nicht so viel drüber reden, aber ich sage mal, das ist in der Entstehung, aber da gibt es genau Hypothesen, Die gehen in Richtung, sage ich mal, auch vor allem, und dann Schlagwort Defensive Medicine, wenn du dir anschaust, genau was du anfangs gesagt hast, ist sehr viel repetitive Tests. Welche Tests brauchst du eigentlich nicht noch mal? Also da geht es erst mal ganz einfach, welchen Test brauchst du einfach innerhalb von einem Quartal nicht wiederholen, weil da wird sich nichts verändern. Das sind Langfristmarker, zum Beispiel den nach 2 Wochen wieder zu machen ist Nonsens. Das ist sehr einfach, ein sehr einfacher Decision Support, sehr komplex nachher, wenn du nachher, sage ich mal, andere Daten noch von dir, wo du, sage ich mal, über über gewisse Symptome, über deine Gesundheitshistorie, Familienhistorie und Co. Könntest mit Genetik noch kombinieren. Also wenn du noch ganz weit nach vorne denkst, ein super spannendes Thema. Aber da sehen wir als das Lab halt auch, ich glaube, wie gesagt, wir haben eigene Hypothesen. Zum anderen merken wir auch, Firmen, die in dem Bereich selber mit AI, Machine Learning arbeiten heute, die haben nicht das Skalierbare, weil die merken, sie müssen von Labor zu Labor gehen und müssen eigentlich jeweils ihre Daten mappen auf ihre Sprache, weil sonst skaliert es nicht. Also das heißt, was die suchen, die suchen eigentlich einen Stecker in eine Infrastruktur, wo die Daten interoperabel vorliegen und darauf kann man es dann machen. Also das sehen wir schon, das wird ein Geschäftsfeld für uns sein, was wir vielleicht auch nur den Zugang zu dieser Infrastruktur lassen. Aber ich teile vollkommen die Vision, da wird viel mehr im Decision Support passieren müssen. Da wird viel mehr, glaube ich, auch passieren in dem Bereich, was sind repetitive Tests, das wird das Erste sein. Was sind sehr teure Tests, die zum Beispiel zu oft gemacht werden? Interessieren Kassen, private Kassen vor allem. Stichwort Schweiz auch, das ist der Schweiz-Case. Also ist Public Knowledge, was ich jetzt sage. Größte Versicherung der Schweiz gibt 250 Millionen pro Jahr für Testen aus. Da gibt es eine Hypothese, dass da ein größerer Anteil doppelt gemacht wird, mehr als doppelt gemacht wird, nicht miteinander verknüpft wird, was sozusagen nicht optimal ist. Das erst mal zu identifizieren, um dann, sage ich mal, dort wirklich erst mal bessere medizinische Entscheidungen zu ermöglichen, aber vor allem auch Kosten aus dem System zu nehmen. Das ist der spannende Teil.
33:19
Inga Bergen
Das würde bedeuten, dass ihr dann auch neben der ganzen Infrastruktur, die ihr bereitstellt, auch inhaltlich sozusagen—
33:27
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, aber es ist, ja, ist also, ist keine Frage. Aber es wird eine— Also wir fokussieren uns wirklich mal auf Bauinfrastruktur, schnell in vielen Ländern vertreten zu sein. Genau was du vorher beschrieben hattest. Es ist nicht einfach, das aufzubauen. Das ist übrigens für Risikokapital oft schwierig, weil die natürlich nichts— wir haben nichts in unserer Hand, was wir voll kontrollieren können, sondern wir leben über Partnerschaften, wir integrieren mit bestehenden Anbietern, wie mit bestehenden Laboren. Bei Laboren übrigens gibt es ein großes Interesse, mit uns zu arbeiten. Denkt man immer eigentlich sehr defensiv, überhaupt nicht der Fall. Und aber das ist, wenn wir das erst mal sehr gut machen wollen, exzellent machen wollen, besser machen wollen, als das andere tun werden, Und machen, dann ist das, sind wir da die nächsten 5 Jahre ausgelastet damit, meines Erachtens. Und dann werden wir einen Footprint haben über Europa hinweg, auch erst mal mit dem arbeiten kann. Und dann denken wir mal an Daten.
34:20
Inga Bergen
Ja, und dann könnt ihr natürlich auch, das habt ihr sicherlich in eurer Investorenpräsentation, wie viel Zeit ihr dem Gesundheitswesen spart, wenn man mal alle Darmkrebsvorsorge-Cases zusammenrechnet und dann also auch vor allem Spannendes Zeug.
34:36
Dr. Daniel Fallscheer
Das andere ist ja eigentlich sozusagen, wie viele Fälle gibt es denn heute, die nicht identifiziert werden, ne? Also was ist eigentlich die Quote, die nicht identifiziert wird? Wie viel kann ich mehr identifizieren? Was ist da erwiesenermaßen die Einsparung für eine Kasse mittel- bis langfristig für so einen Patienten? Bei Darmkrebs ist 55.000 € für einen identifizierten, früh identifizierten. Jetzt kannst du das mal hochmultiplizieren, wie viele machen heute das und wie hoch sozusagen ist das Potenzial dafür, Und plötzlich merkst du sozusagen, wieso so viele Krankenkassen gerade bei uns auch aktiv anrufen und sagen, finden wir spannend, wollen wir das mal weiter treiben. Weil das auch einfach auch, da hat Corona leider einen negativen Beitrag geleistet. Leute gehen, sind viel weniger zur Vorsorge gegangen, und die Patientinnen und Patienten oder die Kundinnen und Kunden bei den Versicherungen, die muss man jetzt erstmal wieder engagieren dorthin. Aber das muss halt ein Angebot sein, nicht mit, da kommt ein Brief und dann muss ich zu meinem Niedergelassenen gehen, wo ich erstmal auf einen Termin warten muss, sondern Die Vision ist da, sehr einfach, sehr digital, und aber auch nicht bei einem Ergebnis aufhören. Also lass uns dann die Patientin, Patienten an die Hand nehmen, mit einem Telemediziner denen das Ergebnis erklären. Weil jetzt kriegst du das Ergebnis, bei Darmkrebs kriegst du ein Ergebnis, was negativ wäre, was unkritisch wäre, okay, dann ist die Inga, bist du entspannt. Wenn du eins kriegst, was kritisch ist oder höher kritisch, Dann wollen wir nicht einfach, dass du einen Brief kriegst, den du aufmachst und liest, sondern dann wollen wir jemanden, der dich an die Hand nimmt und sagt: Inga, folgendes, das kann so und so sein, die nächsten Schritte wären das, Koloskopie, geh mal zum Gastroenterologen. Hierüber kannst du ja einen Termin buchen über die Plattform. Such dir schnellstmöglich bitte einen Termin und ich schicke dir die Überweisung nach Hause und dann gehst du bitte diesen Weg weiter. So glaube ich, dass übrigens auch Telemedizin in Deutschland einen spannenden Case für sich hat.
36:25
Inga Bergen
Einfach entlasten, da wo es geht.
36:27
Dr. Daniel Fallscheer
Einfach entlasten, ja genau.
36:28
Inga Bergen
Genau, also und dann eben, das ist ja auch meine große Vision, dass wir mit digitaler Transformation vielleicht dahin kommen können, dass sozusagen das Zwischenmenschliche, was eigentlich der Kern ist, so auch der ärztlichen Kunst, ja, das umfasst jetzt nicht nur Arzt oder Ärztin, sondern alles medizinisches Fachpersonal, was ja da auch eine Menge abfangen kann. Also man braucht nicht immer einen Arzt oder eine Ärztin, Dafür. Aber man braucht eben Menschen. Und das ist ja eben das Spannende bei so etwas. Gerade wenn man jetzt so diese Zahlen hört, die du auch nennst, also diese Zahlen, wie viel Aufwand das eigentlich aufgrund der suboptimalen Prozesse, die wir haben, auch bei dem ganzen Thema Diagnostik, Messung von Vitalwerten etc., was das eigentlich erfordert für ein Opfer aus dem System, wenn man diese Prozesse nicht digitalisiert. Ja, das ist ja Also nimm dir auch einen anderen Fall, Chemotherapie, ja.
37:22
Dr. Daniel Fallscheer
Jetzt guckst du dir Chemotherapiezyklus an, 6 Zyklen. Vor jedem Zyklus musst du einmal einen Test machen, Tag 2 davor, auf Basis dessen die Chemotherapie bestellt wird.
37:32
Inga Bergen
Einen Bluttest, um zu ermitteln, wie—
37:34
Dr. Daniel Fallscheer
Ja, genau, Leukose und Co. Und auf Basis dessen wird dann die Chemotherapie dann sozusagen speziell für dich ja gemischt. Wie ist denn das heute? Also das erste Mal, beim ersten Zyklus bist du noch gesund, einigermaßen, ja. So, dann beim nächsten brauchst du Kinder, Partner, Eltern, wen auch immer, oder Taxi oder Krankentransport, um dich zu einem Arzt zu bringen und das zu tun. Also da wird einfach auch in den Finger zu stechen, Blut abzunehmen. Ja, das ist dann schon— wenn du es— das ist, also gibt es Finger, da gibt es ein spannendes Device aus Israel, was das kann. Aber, aber ja, also wenn man beim Bestehen bleiben, einfach den Prozess, wie er heute ist. Du gehst zum Onkologen und machst diesen sozusagen, nimmst Blut für diesen Test ab. Ist einfach ein wahnsinnig großer Aufwand für einen dann wirklich kranken Patienten, inklusive Involvierung von, sag ich mal, dem familiären Umfeld oder zusätzliche Kosten für ein System. Und das kann man anders lösen heute. Und das ist, wenn man sich das mal hochmultipliziert, da gibt es genau diese Cases, die sind sehr spannend, diese Journeys, und denen nehmen wir uns an. Und da kann ich dir auch sagen, ist zum Beispiel auch das Interesse einer Industrie, auch der Diagnostikindustrie, also ich sage jetzt mal auch der der großen Anbieter von Diagnostikgeräten und so, das ist, da ist es extrem hoch, weil da glaubt man, da wird man sehr schnell wirklich einen Beitrag leisten. Auch große kardiologische Krankheiten und Co., wo man Monitoring braucht. Und so wird man sich nach vorne wagen und so wird man dann auch in diese Breite kommen, ne. Und dann, und dann, dann hast du auch, dann hast du auch nicht das Problem, sag ich mal, der Marktgröße für ein risikokapitalfinanziertes Unternehmen, weil der Markt ist irre groß. Wir haben eher die Herausforderung, müssen uns sehr brutal fokussieren auf wenige Cases wie Darmkrebs jetzt in Deutschland. In Spanien nennen wir das Professional Sampling, also da gehen wir in die 97%, nicht in die 3%. Haben wir zwar auch die 3% in der Schweiz übrigens, vielleicht dazu noch, das Thema spannend, was dort die Apotheken anbelangt, weil dort einfach andere rechtliche Voraussetzungen sind. Dort gibt es privatwirtschaftliche Unternehmen, denen gehören 500 Apotheken, mal sehr spannend, wie man da über Testen nachdenken kann. So auch Point of Care. Also das sind die Themen, die uns da treiben, sehr fokussiert. Jetzt erst mal Deutschland, Spanien, nächstes Jahr dann noch Schweiz, wie wir glauben, einen ersten Beitrag leisten zu können. Und dann kommst du sehr schnell übrigens auf die Zahlen, wo plötzlich ein Venture Capital sagt, das ist spannend.
39:56
Inga Bergen
Ja, ja, super spannend. Ich wünsche euch auf jeden Fall viel, viel, viel Erfolg dabei. Ich glaube total an Plattformen in diesem Bereich. Die Frage ist am Ende, wer macht das Rennen?
40:08
Dr. Daniel Fallscheer
Habe ich eine andere Einschätzung übrigens, eine andere Meinung dazu. Ganz kurz nur. Ich glaube nicht an die Superplattform persönlich. Ich glaube, wir müssen über Konnektivität reden. Wir müssen sehr einfach, deswegen Interoperabilität, wir müssen über Datenstandards reden, wir müssen über Schnittstellen reden. Und dann kann es mannigfaltige Plattformen geben. Aber lass uns einfach reden. Wie können wir einfach auch den Patientinnen und Patienten ermöglichen, dass die selber sagen, ich möchte meine Daten mit dieser Plattform teilen. Bitte stelle das sicher. In der Schweiz eine Wählplattform. Ich möchte diese teilen. Stelle sicher, dass das funktioniert. Und dafür werden wir stehen, dass diese Konnektivität vorherrscht. Und dann kann es Ökosysteme, Plattformen geben, so viel es will, sofern es gute Schnittstellen gibt.
40:48
Inga Bergen
Dein Wort am Ende. Ich glaube, das bleibt zu beobachten. Ich glaube, Sylvia Thun wird sich auf jeden Fall freuen, dass ihr auf FHIR-Standard arbeitet.
40:58
Dr. Daniel Fallscheer
Wir sind aktiv im Gespräch. Ich bin Teil des Interop Councils. Mit Silvia haben wir da intensive Austausche darüber, die findet das sehr spannend, was wir tun.
41:06
Inga Bergen
Genau, ja. Und ich wünsche euch wie gesagt viel Erfolg und beobachte das weiter. Vielen, vielen, vielen Dank für dieses spannende Gespräch, und wir schauen einfach, wie es bei euch weitergeht.
41:18
Dr. Daniel Fallscheer
Danke, Inga, fürs Gespräch.
41:20
Inga Bergen
Wenn ihr mehr wissen wollt, findet ihr alle Links und Informationen auf www.visionäre-gesundheit.de. Visionäre mit AE. Wenn euch diese Folge gefallen hat, erzählt es gern allen Freunden und Bekannten. Und um nichts zu verpassen, abonniert unseren Podcast auf Spotify, Apple Podcast und Stitcher.





