
KI in der Medizin, Digitale Versorgung
KI-Telefonassistent für Arztpraxen: Richard von Schaewen, Gründer von Aron.ai, jetzt bei Doctolib
Richard von Schaewen ist Mitgründer von Aaron.ai und entwickelte mit seinem Team einen KI-basierten Telefonassistenten für Arztpraxen, den Doctolib übernommen hat. In Folge 126 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie Sprach-KI den Praxisalltag entlastet und die Kommunikation mit Patient:innen verändert. Von Schaewen erklärt, dass drei von vier Anrufen in Deutschland unbeantwortet bleiben und der Assistent Praxen nach seinen Angaben 40 bis 45 Stunden pro Monat spart. Er schildert, warum Praxisteams der KI einen Namen geben und sie als Teammitglied behandeln. Von Schaewen will angesichts des Fachkräftemangels mehr Zeit für Menschlichkeit schaffen. Das Gespräch reicht von der Gründungsgeschichte über Praxiserfahrung bis zur geplanten automatischen Terminvergabe.
Warum das Thema wichtig ist
Statt einer Warteschleife geht einfach ein Assistent ran, der einfach fragt: Hey, wie kann ich Ihnen helfen?
Wenn Arztpraxen Anrufe nicht annehmen können, geht das über einen Komfortverlust hinaus: Patientinnen und Patienten bleiben in der Warteschleife, Praxisteams am Empfang arbeiten unter Dauerbelastung, und bis 2049 fehlen nach der im Gespräch genannten Schätzung zwischen 280.000 und 690.000 Beschäftigte in der medizinischen Versorgung. Die Folge fragt, ob Sprach-KI diese Lücke so schließen kann, dass Praxispersonal wieder Zeit für die Behandlung gewinnt, und was nötig ist, damit Teams und ältere Patientinnen und Patienten die Technik annehmen, etwa durch klare Erwartungen und eine Einführungsphase, die zunächst Aufwand kostet. Zuhören sollten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, medizinische Fachangestellte, MVZ-Leitungen, Praxismanagerinnen und Praxismanager sowie HealthTech-Gründerinnen und Gründer, die Digital-Health-Lösungen in Praxen bringen wollen. Im Gespräch mit Richard von Schaewen prüft Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie sich die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten von der Terminvergabe bis zur Nachsorge neu organisieren lässt.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
Aron.ai ist ein KI-basierter Telefonassistent für Arztpraxen und wurde an Doctolib verkauft.
Mehr als 4.000 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland nutzen den Telefonassistenten Aron.
3 von 4 Anrufen in Arztpraxen in Deutschland werden nicht angenommen.
Aron.ai startete 2015 mit einem EXIST-Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Praxen sparen mit Aron pro Monat 40 bis 45 Stunden, fast 2 Arbeitstage.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
KI am Praxistelefon: Wie Richard von Schaewen mit Aron.ai den Alltag von Arztpraxen entlastet
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, spricht in dieser Zusatzfolge von Visionäre der Gesundheit mit Richard von Schaewen. Er hat Aron.ai gegründet, einen KI-Telefonassistenten für Arztpraxen, und das Unternehmen an Doctolib verkauft. Inga Bergen hat ihn eingeladen, weil er eine Perspektive mitbringt, die nur Gründer mit Praxiserfahrung haben: Er saß selbst monatelang neben dem Empfangsteam, kennt den Stress am Telefon und weiß, warum digitale Lösungen im Praxisalltag scheitern oder gelingen. Das Gespräch zeigt, wie Sprach-KI heute funktioniert und was sie für Teams und Patienten verändert.
Wie funktioniert ein KI-Telefonassistent in der Arztpraxis?
Der Assistent nimmt Anrufe an, statt Patientinnen und Patienten in die Warteschleife zu schicken, und klärt im Dialog, worum es geht. Bei akuten Anliegen leitet er direkt an das Team weiter. Rezeptwünsche oder Überweisungen verarbeitet er automatisch, andere Anliegen hinterlegt er schriftlich zur späteren Bearbeitung.
Der Gast nennt als Ausgangsproblem, dass in Deutschland drei von vier Anrufen in Praxen unbeantwortet bleiben. Mehr als 4.000 Praxen nutzen die Lösung bereits. Zusätzlich liefert sie Auswertungen darüber, wie viele Anrufe täglich eingehen und wofür. Für viele Teams ist das ein Aha-Moment, weil sichtbar wird, was am Empfang geleistet wird.
Wie ist die Gründungsgeschichte von Aron.ai?
Aron.ai entstand nicht aus einem einzelnen Geistesblitz, sondern in einem längeren Prozess, der 2015 mit einem EXIST-Gründerstipendium begann. Zunächst automatisierte das Team Kundenanrufe für Großunternehmen wie die Berliner Verkehrsbetriebe, die Deutsche Bahn und E.ON.
Weil ihnen das Projektgeschäft nicht genügte, testeten die Gründer die Technologie in der Augenarztpraxis einer Bekannten. Sie funktionierte sofort und löste ein echtes Problem, also schärften sie das Produkt konsequent auf Arztpraxen. Wichtige Meilensteine waren die Aufnahme in die KBV Zukunftspraxis und die Anfrage des Gesundheitsministeriums während der Corona-Pandemie, als überlastete Gesundheitsämter Unterstützung brauchten.
Wie viel Zeit spart ein KI-Telefonassistent einem Praxisteam?
Nach den Angaben im Gespräch spart eine Praxis derzeit rund 40 bis 45 Stunden pro Monat, also fast zwei Arbeitstage. Dabei sind weder die automatische Terminvergabe noch die tiefere Integration in Doctolib eingerechnet.
Hinzu kommen weitere Effekte: Nach den Rückmeldungen der Praxen steigt die Patientenzufriedenheit um 15 bis 20 Prozent, weil Anliegen rund um die Uhr hinterlassen werden können. Das Team arbeitet weniger unter Dauerdruck, was bei knappem Personal ein Argument für die Mitarbeiterbindung ist. Ein Vorteil gegenüber einer Neueinstellung: Die Technik muss nicht monatelang eingearbeitet werden, sondern wird an die Telefonanlage angeschlossen und an die Abläufe angepasst.
Warum bekommt die KI in der Praxis einen eigenen Namen?
Der Name macht den Assistenten zu einem vollwertigen Teammitglied und senkt so Berührungsängste bei Personal und Patienten. Die Praxis vergibt ihn selbst, und er schafft eine Identität, die sich im Alltag gut kommunizieren lässt.
Richard von Schaewen berichtet von Praxen, in denen sich die KI-Kollegin schnell etabliert hat. Manche stellen sogar eine Kaffeekasse für sie auf. Entscheidend ist ihm, dass die Technologie nicht als Bedrohung für Arbeitsplätze wahrgenommen wird, sondern als Unterstützung. Deshalb investiert Aron.ai viel Zeit in die Einführung der Mitarbeitenden und in klare Erwartungen, was die KI kann und was nicht.
Kommen ältere Patientinnen und Patienten mit KI-Telefonassistenten zurecht?
Ja, nach den Erfahrungen aus den Praxen gelingt der Umgang auch älteren Menschen gut, wenn sie behutsam abgeholt werden, zum Beispiel mit kleinen Informationsflyern. Sie hören aufmerksam zu und nennen ihr Anliegen klar.
Inga Bergen ergänzt, dass ältere Menschen digitaler sind, als oft angenommen, und dass gesprochene Sprache Hürden senkt, weil keine Benutzeroberfläche erlernt werden muss. Sie stellt sich vor, dass eine Sprach-KI künftig auch erklären könnte, was beim Arztbesuch besprochen wurde. Davon würden gerade Menschen profitieren, die komplexe Texte schwer verarbeiten.
Was bringt die Zusammenarbeit von Aron.ai und Doctolib?
Die Verbindung beider Systeme soll Abläufe über mehrere Kontaktpunkte hinweg automatisieren, angefangen bei der Terminvergabe direkt am Telefon. Der Gast sieht darin erst den Anfang, denn auch E-Rezepte, Überweisungen, Anamnese und Nachsorge lassen sich mit KI neu denken.
Auch beim Vertrieb ergänzen sich die Partner. Doctolib hat viel Erfahrung darin, Praxen zu erreichen, zu schulen und beim Wandel zu begleiten. Das ist laut Inga Bergen wichtig, weil Praxen kaum Zeit haben, ihre Prozesse zu überarbeiten. Dazu gehört auch die Bereitschaft, eine anfangs mühsame Einführungsphase durchzustehen, bevor sich der Nutzen zeigt.
Kann KI den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen abfedern?
Der Gast hält das für möglich, weil bis 2049 laut den genannten Schätzungen zwischen 280.000 und 690.000 Beschäftigte in der medizinischen Versorgung fehlen könnten. Technologie soll diese Lücke schließen, ohne die Versorgung zu entmenschlichen.
Seine Vision ist, dass Routineaufgaben wie Terminplanung, Datenverarbeitung und Patientenverwaltung automatisiert werden und dadurch mehr Zeit für den direkten Kontakt bleibt. Als Beispiel dient der KI-Behandlungsassistent von Doctolib, der Gespräche dokumentiert, sodass Ärztinnen und Ärzte ihre Patienten wieder ansehen können. Auch Anrufe von der Praxis an die Patienten, etwa mit Hinweisen vor einer Behandlung, hält er für ein großes Potenzial. Inga Bergen sieht in der Patientenkommunikation das größte ungenutzte Feld.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:11
Inga Bergen
In dieser Zusatzfolge von Visionäre der Gesundheit trifft Inga Bergen Richard von Schäwen, dem Gründer von Aron.ai. Das Unternehmen hat einen KI-basierten Telefonassistenten entwickelt. Der den Alltag in Arztpraxen revolutioniert. Im Podcast gibt uns Richard Einblicke in die Gründungsgeschichte, die Integration von KI in den Gesundheitsbereich und die Zusammenarbeit mit Doctolib. Sein Ziel ist es, Praxisteams zu entlasten und so eine bessere Kommunikation mit den Patienten und mehr Zeit für Menschlichkeit zu schaffen. Warum es dabei hilfreich ist, dass die KI einen Namen hat und als Teammitglied angesehen wird, erfahrt ihr in der heutigen Folge. Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Ich freue mich sehr, sehr über meinen heutigen Gast, denn es geht um ein Thema, was uns alle bewegt: Künstliche Intelligenz, und zwar Sprachassistenz im Bereich der KI für das Gesundheitswesen. Und genau Eine solche Lösung hat mein heutiger Gast gegründet und aufgebaut und dann erfolgreich an Dr. Lib verkauft. Und mein Gast heute ist Richard von Scheven. Hallo Richard.
01:32
Richard von Schaewen
Hallo Inga.
01:34
Inga Bergen
Ja, herzlich willkommen. Du bist einer der Gründer von Aron AI und vielleicht magst du mal mit deinen eigenen Worten erzählen, was ihr macht bei Aron AI, denn es ist wirklich ein ganz, ganz Spannender Use Case, der, glaube ich, vielen Praxen heute schon das Leben erleichtert, kann man sagen, oder?
01:53
Richard von Schaewen
Ja, absolut. Also ich glaube, jeder kennt die Warteschleife, in der man hängt, wenn man gerade mal einen Schnupfen hat. Und wenn man in der Praxis ist, dieses Klingeln vorne, diesen Stress am Empfang. Um vielleicht direkt mal so einen Fakt in den Raum zu werfen: 3 von 4 Anrufen in Deutschland werden einfach nicht angenommen. Und genau dieses Problem lösen wir mit einem KI-basierten Telefonassistenten. Ja, mehr als 4.000 Ärztinnen nutzen das heute schon in Deutschland. Und wenn man sich das konkret vorstellt, was heißt das? Statt einer Warteschleife geht einfach ein Assistent ran, der einfach fragt: Hey, wie kann ich Ihnen helfen? Und dann wird einfach intelligent geschaut: Was braucht der Patient? Was muss in dem Moment passieren? Wenn es was Akutes ist, wird es weitergeleitet. Wenn es ein Rezept oder eine Überweisung ist, wird das automatisch verarbeitet. So sparen wir einfach der Praxis richtig viel Zeit und geben vor allen Dingen auch Kontrolle und mehr Handhabe der Praxis in den Kanal, wo am meisten heute passiert, und das ist Telefon.
02:50
Inga Bergen
Ja, ich finde das total spannend, weil ich habe viele Freunde, die Ärzte sind, die haben dann meistens eine Nummer für Privatpatienten und eine für GKV-Versicherte. Und da geht in dem Regelfall, also 3 von 4 werden nicht angenommen. Das trifft da glaube ich ganz gut zu. Jetzt ist es so bei Telefonassistenz, ich finde das Thema so spannend, auch gerade bei euch, weil ihr euch wirklich einen Use Case rausgegriffen habt. Der ist sehr Witz. speziell. Und da habt ihr gesagt, da bauen wir eine Lösung für. Und wir alle kennen ja irgendwie noch diese Zeiten, wo man bei einer Airline versucht hat anzurufen und dann, oder bei einer Bank, ja, und dann sagt man ja und dann versteht die das nicht und dann sagt man 10 Mal ja und dann hat man vielleicht noch einen Akzent und dann funktioniert das alles nicht. Das ist ja heute ein bisschen anders. Also bevor wir in das Produkt eintauchen, würde ich gerne wissen, wie seid ihr darauf gekommen, dass zu gründen? Also wie kam diese Idee?
03:42
Richard von Schaewen
Ich würde jetzt fast sagen, wir saßen in einer Garage und die Glühbirne ging an und dann kam die Idee. So war es nicht. De facto war es wirklich ein längerer Iterationsprozess. Also wir sind gestartet 2015 mit einem EXIST-Stipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und haben den Glauben gehabt, dass künstliche Intelligenz wirklich den Kontakt in Kundengesprächen signifikant verändern wird. Und haben dann vor allen Dingen erst mal Lösungen für Großunternehmen gebaut. Also haben Kunden gewonnen wie die Berliner Verkehrsbetriebe hier aus Berlin, Deutsche Bahn, E.ON und haben da einfach erst mal Kundenanrufe automatisiert, weil wir genau das, was du sagst, daran geglaubt haben, dass diese 90er-Erfahrung, das Drücken Sie die 1, drücken Sie die 2 oder sagen Sie ja oder nein oder nehmen Sie jetzt hier eine von diesen 10 Optionen und ich nenne Ihnen die alle, dass das einfach viel, viel, viel besser geht. Und über diese Interaktion mit den Großunternehmen haben wir für uns festgestellt, dass dieses Projektgeschäft uns als Gründer, die wirklich was bewegen wollen, nicht genug reizt. Und gesagt, uns umgeschaut und gesagt, wir haben einfach so eine Enterprise-Ready-Technologie gehabt. In welchem Bereich kann man die einsetzen, wo wir wirklich etwas bewegen können? Und von meinem Mitgründer Tobias eine bekannte hat eine Augenarztpraxis und der haben wir einfach diese Enterprise-Software in die Praxis gestellt und gemerkt: Boah, das ist noch nicht mal darauf ausgelegt, dass wir wirklich ein Produkt für Ärztinnen haben. Aber das funktioniert und es löst wirklich tagtäglich ein riesengroßes Problem. Und von da an haben wir einfach kontinuierlich dann dieses Produkt, was sehr groß und weit war, für den Use Case Arztpraxis eingeschränkt und dann ging es gut weiter. Also wir haben vielleicht 1, 2 Momente, die glaube ich für die Geschichte super wichtig sind, herauszugreifen. Wir sind dann im zweiten Jahr mit dem Produkt in die KBV Zukunftspraxis gekommen. Also die KBV hat ein Digitalisierungsprogramm aufgesetzt, wo wir die meist nachgefragte Lösung waren, was uns natürlich total viel am Markt gebracht hat. Und das war, glaube ich, das ist wirklich so eine kleine Gründeranekdote. Mich hat das Gesundheitsministerium irgendwann angerufen während der Corona-Pandemie und meinte so: „Herr von Schäben, Sie sind ja hier in Deutschland mit KI im Gesundheitsbereich führend. Wir haben ein Problem, nämlich wir werden überrannt durch Anrufe in den Gesundheitsämtern. Können wir da irgendwas gemeinsam machen?" Und dann standen wir plötzlich in einer der Bekanntgaben von den Ministerpräsidentenbeschlüssen. Alle Gesundheitsämter in Deutschland sollten Aron nutzen. Und das war während der Corona-Pandemie, alle sind eingeschlossen, auf jeden Fall eine schöne Sache, dass Frau Merkel auch Aron kennt.
06:35
Inga Bergen
Also ihr hattet einen Lauf. Ich finde es übrigens total spannend. KIV Zukunftspraxis habe ich mal auch mal den ersten Preis gewonnen mit Maginot School. Aber unsere Lösung war jetzt nicht so wie eure, dass die jede Praxis gebraucht hätte. Das ist ja, sagen wir mal, Ein Thema im erweiterten Kontext zu sehen, geht es ja um Prozesse. Also es geht um Prozesse in Arztpraxen. Und das ist ja, würde ich mal sagen, kein Selbstläufer. Also die meisten Ärztinnen und Ärzte, die sich niederlassen, sind medizinisch ausgebildet. Klar, wir haben MVZs, da gibt es dann auch Leute, die können vielleicht Prozesse gestalten, haben davon schon mal was gehört, haben das schon mal gelernt. Aber das ist ja etwas, das fällt vielen gar nicht so leicht. Und die Frage, wie manage ich Termine, wie manage ich Anrufe, wie übergebe ich Informationen an Patientinnen, Patienten, wie kommt es dann in meine Praxissoftware rein? Also ganz praktische Fragen, die kann man irgendwie gut machen und schnell machen oder irgendwie so nebenbei. Und im Großen und Ganzen ist es aber, glaube ich, ein Thema, wo Praxen und Kliniken total viel Unterstützung brauchen. Und ich finde es so spannend, von dir mal zu erfahren, was so die Besonderheiten waren, wenn das, als ihr gesagt habt, ihr geht wirklich straight auf diesen Use Case Arztpraxis. Was war irgendwie das Besondere, was ihr noch integrieren musstet in das Produkt, damit es auch wirklich funktioniert?
08:11
Richard von Schaewen
Ja, super spannende Frage. Am Anfang war es auf jeden Fall erst mal sehr viel Zeit in der Praxis. Ja, also wir drei Gründer sind beides, also alle keine Mediziner. Wir haben noch nie in einer Arztpraxis gearbeitet. Das heißt, ich saß erstmal am Anfang, als mit dem Produkt am Start ging, sehr viel in Arztpraxen und saß neben den Telefonistinnen, neben den Mitarbeitenden vorne am Empfang, um einfach erstmal zu verstehen, was ist der Ablauf heute. Und ich habe gelernt, das ist richtig harte Arbeit. Also das Stresslevel 5 Tage die Woche, also das ist großen Respekt zu zollen. Also wenn man diesen Moment einfach, und den erlebt man immer als Patient, aber man ist irgendwie daran gewöhnt. Aber wenn man auf der anderen Seite sitzt, ist das ziemlich außergewöhnlich. Das Telefon klingelt, da ist jemand, der wahrscheinlich echt dringend Hilfe braucht, gegebenenfalls. Und eine andere Person steht mir gegenüber, möchte auch meine Hilfe. Ich muss entscheiden, was ich jetzt da mache. Und das hat enorm große Motivation auch bei mir erzeugt, dass das etwas ist, was auch wirklich im Kleinen, in der Praxis, aber auch im Großen, im System wirklich etwas verändern kann. Und auf dem Weg, als wir das Produkt dann so zugespitzt haben, ging es uns sehr, sehr viel darum, genau was du meinst, als Lösungsprovider eine Guidance der Praxis zu geben. Wie funktioniert es eigentlich am besten? Und das sieht aber in einer Zahnarztpraxis de facto ganz anders aus als bei einem Allgemeinmediziner. Aber der Praxis erst mal einmal zum Beispiel eine Transparenz darüber zu geben, wie viele Anrufe denn da tagtäglich überhaupt ankommen und wie viel davon Termine, wie viel davon Rezepte sind, das ist erst mal eine kleine Funktion. Aber das ist schon ein riesengroßer Aha-Moment für viele Praxen, um einfach erst mal zu verstehen, was die Mitarbeiterinnen da vorne eigentlich tagtäglich leisten. Ja, und genau das. Und da einfach eine Standardisierung und innerhalb der Standardisierung dann bestimmte Einstellungsmöglichkeiten mitzugeben, war super wichtig, um den Praxen, die ja funktionierende Abläufe haben, diese Abläufe in das Zeitalter von KI zu migrieren.
10:28
Inga Bergen
Ja, ich finde es total spannend, weil du sagst jetzt, die Praxen haben Abläufe. Da hat ja auch das ganze Thema Messaging schon total viel verändert. Heute, ich mache gerade Praktika in Arztpraxen, um mir das auch alles mal anzuschauen, wie das prozessual funktioniert. Und es ist ja in vielen Fällen nicht mehr so, dass man jetzt aus dem Behandlungszimmer nach vorne gehen muss und sagen muss, ich brauche mal dies und das, weil man das eben über einen Messenger macht. Und dieses Überführen von Informationen in Messaging, du hast das eingangs gesagt, also bei euch ist es ja so, der Anruf kommt und dann kann man entweder mit jemandem sprechen oder Das Anliegen wird quasi in einen Text übertragen und kann dann gelöst werden, etwas zeitversetzt. Und es reißt jetzt die Mitarbeitenden nicht so raus aus dem, also aus dem, was sie dann in der Praxis praktisch zu tun haben. Da sind ja auch noch ganz viel andere Sachen, die gemacht werden müssen. Das erleichtert ja wahrscheinlich auch schon einiges, dass man ja so ein bisschen filtern kann eigentlich. Was muss durchgestellt werden, was nicht?
11:33
Richard von Schaewen
Absolut. Also am Ende ist es vor allen Dingen unser Ziel, die Mitarbeitenden dort in die Lage zu versetzen, ihre Zeit— und sie sind ja über Jahre ausgebildet, wirklich medizinische Fachkräfte häufig— wirklich auch mehr dem medizinischen Doing zuzuwenden. Und am Ende ist das, was das Produkt schafft, so eine Win-win-win-Situation, nämlich einmal bei den Patientinnen, die häufig, hatten wir am Anfang schon drüber gesprochen, in so einer Warteschleife-Situation sind, tatsächlich rund um die Uhr ihre Anliegen hinterlassen zu können. Also die Rezeptanliegen, Terminabsage, aber auch halt in dringenden Fällen tatsächlich Gehör zu finden. Und da haben wir einfach in der Erfahrung jetzt auch mit im Austausch mit den Praxen so, also die Patientenzufriedenheit geht einfach hoch, ja, 15, 20%. Und das ist auch in Zeiten, wo zum Beispiel ja ja auch in bestimmten Industrien Wettbewerb um Patientinnen sind. Privatpatientinnen, einfach ein wirklich wichtiger Punkt in der Dentalmedizin etc. Für Mitarbeitende ist es ein Riesenwind. Ich habe gerade beschrieben, der Alltag einer Mitarbeitenden dort vorne am Empfang. Das ist auch psychische Belastung, die man dort hat. Das ständig klingelnde Telefon. Und in Zeiten, wo einfach wir Fachkräftemangel haben, ist super, super wichtig, dass der Arbeitsalltag von den Mitarbeitenden gut ist, gut organisiert ist und mit guten digitalen Tools erleichtert wird. Das heißt, Mitarbeitende, die haben einfach mehr Spaß wieder bei ihrem Job, weil sie sich fokussieren können und nicht Mails, Anrufbeantworter, Telefon, Fax, sondern mit dem Assistenten, auch integriert zukünftig bei DocClip, eine Übersicht haben, eine Übersicht für alle Anfragen. Und für den Arzt ist es absolut ein Win, weil zufriedene Mitarbeitende heißt guter Patientenservice, zufriedene Patienten kommen wieder und die Mitarbeitenden bleiben. Das heißt, das ist das, was wir jeden Tag bewegen.
13:34
Inga Bergen
Ja, ich finde, das ist total interessant, weil gerade wenn wir jetzt über KI sprechen und über Voice-to-Text-Lösungen, was ja eures auch ist, mit einer wandelt Sprache dann in Text um, gibt aber auch ein konkretes Feedback. Und das finde ich so faszinierend, weil das ja so eine natürliche Interaktion ist. Und ich finde es immer spannend, gerade im Gesundheitswesen zu sehen, wie skeptisch auf digitale Innovation geblickt wird. Das ist übrigens ganz interessant. Meine eine Ärztin von mir, also ich unterhalte mich immer mit allen über digitale Transformation, und da habe ich mal gehört, ja, uns hat eigentlich alles immer nur mehr Arbeit gebracht tatsächlich, außer Doctolib, das spart uns Zeit. Was ja ein tolles Feedback ist für ein Produkt, wenn es wirklich messbar auch Zeit spart. Glaubst du, dass so ein Tool, wie ihr das habt, vor 10 Jahren schon möglich gewesen wäre oder vor 15 Jahren? Oder ist das jetzt wirklich erst mit den Möglichkeiten, die wir mit moderner KI haben, überhaupt so, dass es sich wirklich so einfach nutzen lässt, dass dann ja auch selbst Menschen, die nicht so technikaffin sind, das ganz schnell in ihren Arbeitsalltag integrieren können?
14:56
Richard von Schaewen
Also ich glaube, dass die Lösung vor 10 Jahren auch möglich gewesen wäre, nur zu einem anderen Reifegrad. Und wir einfach jetzt in in diesem Jahr und dann, wenn wir in 5 Jahren in Zukunft schauen, einfach das, was dann noch möglich ist, viel stärker beschleunigen werden. Also einfach mal in 10 Jahren zurückgeblickt, als wir vor 5, 6 Jahren mit der technologischen, mit der Reise im Arztbereich gestartet sind. Das Telefon, an das wir uns anschließen, ist ein Medium aus dem letzten Jahrtausend. Das geht auch erst mal nicht weg. Das ist einfach da. Das Faxgerät geht vielleicht mal weg, aber das Telefon bleibt, denke ich. Und die Technologie, die dort eingesetzt wird, an die muss man sich anschließen. Das ist jetzt so, das ist in 5 Jahren so, das war auch vor 10 Jahren so. Diese Hürde haben wir am Anfang gemeistert, indem wir sehr, sehr viel uns mit diesem Medium beschäftigt haben. Das heißt, diese Hürde gibt es jetzt und auch vor 10 Jahren. Das, was jetzt sich stark verändern wird, ist: Das, was KI-seitig möglich ist, also der Dialog. Wie funktioniert das? Wie wenig erscheint das dir so wie bei der Lufthansa damals oder bei einem anderen Flugkonzern, sondern wirklich wie ein natürlicher Dialog? Wie menschlich hört sich auch die Stimme an? Wir haben am Anfang sehr viel darüber getestet: Okay, macht es Sinn, vielleicht auch Tonaufnahmen aus der Praxis einzusetzen? Das hat grandios nicht gut funktioniert, weil dann teilweise Patient:innen dachten, dass sie tatsächlich mit einem Menschen sprechen. Der Dialog schaut dann einfach anders aus. Die Erwartungshaltung auch ist dann eine andere. Und der dritte Teil ist auch: Was ist mit der KI tatsächlich möglich? Weil es ist schön, einen guten Dialog zu haben. Es ist schön, eine menschliche Stimme zu haben. Aber das, was tatsächlich es bewegt, das ist doch das Wichtige. Und das heißt, in Zukunft werden wir gemeinsam mit DocClip die automatische Terminvergabe am Telefon möglich machen. Aber da ist ja so viel mehr. Stichwort E-Rezept, meine Überweisung. Die brauchen Nachsorge. Das heißt, wenn man sich wirklich den Prozess von Anamnese über dann die Annahme zu Nachsorge anschaut, KI wird all das verändern und massiv Entlastung dort reinbringen. Und wir gemeinsam mit DocClip sehen uns da einfach als Pioniere, die da auch wirklich positiven Impact schaffen wollen.
17:14
Inga Bergen
Ja, und vor allen Dingen, also im Moment ist es ja so, das finde ich so spannend. Im Moment ist es ja so, Patient, Patientin ruft an, möchte etwas. Ihr steuert das so ein bisschen, übersetzt das und stellt es im Prinzip der Praxis, den Mitarbeitenden in der Praxis dann auf dem Kanal zur Verfügung oder in der Form, die die schnellste Lösung unterstützt. Zukünftig kann man sich ja vorstellen, dass das System auch Output generiert, weil ich glaube, wir kommen ja auch in der Gesundheitskommunikation oder in der Kommunikation im Gesundheitswesen auf ganz neue Erkenntnisse gerade. Weil, glaube ich, jetzt auch der Letzte gemerkt hat, dass wir eigentlich gar keine Kommunikation in Richtung Patientinnen und Patienten machen. Und das fand ich so spannend, weil Dr. Lippe, wo wir gerade über Dr. Lippe sprechen, macht ja auch so einen Report. Und da wurde in dem letzten Reporting mal von Ärztinnen und Ärzten abgefragt, hat eigentlich Skepsis gegenüber Diagnosen, wie hat sich das entwickelt? Und da ist wirklich eindeutig zu erkennen, dass Ärztinnen und Ärzte sagen, die Skepsis gegenüber Diagnosen nimmt deutlich zu. Und für mich ist das immer so ein Indikator, dass wir eigentlich Kommunikation ganz anders gestalten müssen. Ich habe— kennst du Character AI?
18:28
Richard von Schaewen
Ja, habe ich schon mal gehört.
18:29
Inga Bergen
Ja, das ist so ein Tool, da kannst du irgendwie mit so AI-Chatbots chatten, also zu allen möglichen Themen. Du kannst einen Einrichtungsberater haben, du kannst aber auch mit irgendeinem Character aus irgendeinem Anime chatten. Und ich habe das gestern einfach mal so durchgespielt und du kannst wirklich alle möglichen Stimmen dir da aussuchen, von einer African Lady über einen Sophisticated UK Gentleman oder so. Na ja, lange Rede, kurzer Sinn, da ist total viel Potenzial. Was ist denn eure Vision? Also weil ihr könnt da ja auch total viel unterstützen oder Kommunikation ganz neu zu denken.
19:07
Richard von Schaewen
Ja, absolut. Also vielleicht da von Character AI, top Vorbereitung von dem Podcast. Also vielleicht da einen Schritt zurück. Weil wenn man sich einfach anschaut, was passiert in Deutschland, was passiert in Europa, was passiert in der Welt, ist es so, dass wir 2049 einfach zwischen 280.000 und 690.000 Mitarbeitende im Bereich Medizin, medizinische Versorgung, dass die fehlen werden. Die Aufgabe für uns als Technologieunternehmer, als Gründer, als Personen, die einfach da etwas bewegen wollen, ist das gut technologisch zu schließen. Und wenn ich sage gut, ist es nicht, dass wir durch KI die Gesundheitsversorgung entmenschlichen wollen, Mitarbeitenden, dass sie ihren Job verlieren, sondern genau das Gegenteil. Genau das Gegenteil. Nämlich mehr Zeit für Menschlichkeit zu lassen, für das, wo die Mitarbeitenden für ausgebildet sind. Ja, und ich glaube, die Vision, die dahinter steckt, ist, das genau zuzulassen, diese Lücke zu schließen. Aber das System, was wir danach haben, dass das besser ist als vorher. Und da sind die Mittel zum Zweck genau das, was ich auch vorher schon genannt habe, mit Abläufe automatisieren, Terminplanung, Patientenverwaltung, Datenverarbeitung, damit das, was wir ja auch gerade tun, nämlich uns unterhalten, sozial interagieren, dass das wieder mehr in den Vordergrund steht und auch die Aufmerksamkeit dem gerecht wird, was auch am wichtigsten, dringenden gerade da ist. Und für mich ist quasi diese KI so ein bisschen das, was das wieder verstärkt, wieder mehr möglich macht. In Zeiten, wo wir heute leben, wo sehr viel einfach auch Stress im System ist, wo Patienten eher so wie so Nummern nacheinander gesehen werden, weil es auch einfach in Teilen nicht anders geht. Und da technologisch etwas gut hinzustellen, das ist die Vision für eine Gesundheitsversorgung, die besser ist als jetzt.
21:13
Inga Bergen
Wesentlich besser. Ja, total. Also das muss ja die Vision sein, oder die überhaupt noch Menschen versorgt. Also ich denke, man kann die harte Realität so auch formulieren, also dass wir überhaupt noch eine Versorgung bekommen in der Zukunft, wird auch von unserem technologischen Fortschritt abhängen. Da gehe ich ganz stark von aus. Und dann im besten Falle wird es dann noch menschlicher. Aber ich glaube, das ist ja, muss man leider so sagen, der erste Schritt, was wir überhaupt ermöglichen wollen. Ich finde gerade total spannend, weil mir gerade aufgeht. Ich hatte einen Podcast, Jan Beger von GE Healthcare, und da haben wir auch über KI gesprochen. Die machen ja auch sehr viel im KI, wie Siemens Healthineers auch, also Medizintechnikhersteller machen mittlerweile sehr viel mit KI. Die denken auch irgendwie Kommunikation mit. Und ja, da kommt immer so das Beispiel, dass KI Voice-to-Text, also die Sprache in Text umwandelt und dann die Daten verwertet, dass das so der unverzichtbare Assistent im Gesundheitswesen wird in der Zukunft. Und zwar nicht nur beim Terminmanagement, sondern auch bei allen Abläufen, die danach kommen. Und in den USA geht das so weit, dass da irgendwie im Surgery Room, also im Operationssaal, eine KI mitläuft, die dann am Ende das Gespräch in einen Bericht strukturiert und damit einfach total viel Arbeit abnimmt und auch die Möglichkeit hat, schon Daten so zu strukturieren, dass sie zu Erkenntnissen führt. Also wie du es eben gesagt hast, dass man versteht, wie viele Leute rufen hier eigentlich überhaupt an? Was wollen die überhaupt? Was haben die für Fragen? Und wie siehst du da euren Beitrag? Also das kann sich ja in alle möglichen Richtungen weiterentwickeln, was ihr macht.
22:52
Richard von Schaewen
Absolut. Also der Beitrag von uns ist zunächst einmal wirklich, die Patientenkommunikation in dieses KI-Zeitalter zu heben. Also dass wirklich im Austausch sowohl in der Erstanahme, dann innerhalb der Versorgung, aber auch in der Nachsorge da tatsächlich etwas positiv zu verändern. Die Technologie, die wir einsetzen, hat natürlich total große Schnittmengen zu Punkten, die du jetzt auch gerade genannt hast. Also Dr. Lepat hat ja schon einen KI-Behandlungsassistenten, der auch in Frankreich an den Start gegangen ist. Das Feedback ist enorm positiv. Also diese Erfahrung, die die Ärzt:innen schildern, dass man plötzlich den Patienten wieder in die Augen schauen kann und sich nicht auf seinen Screen konzentriert. Das ist genau das, was ich vorher meinte mit Menschlichkeit bringen. Also KI, das, was einfach wir dadurch, dass wir jetzt tippen müssten, um bestimmte Sachen zu dokumentieren, das fällt dann wieder weg. Und das heißt, als KI-Pionier sich zu sehen, ist es nicht: „Ah, wir haben jetzt die Scheuklappen auf und wir sehen nur diesen Teil", sondern eher: „Ah, die Technologie, die wir einsetzen, zum Beispiel zur Transkription, Transkription wird dadurch sehr, sehr viel besser, dass wir das gemeinsam denken, weil wie bestimmte Patientinnen im Behandlungszimmer interagieren, hat natürlich auch etwas damit zu tun, wie die am Telefon interagieren. Und da einfach eine Basis zu schaffen, Transkription auf eine andere Ebene zu heben, dass natürlich durch das, dass Dr. Lib dort großflächig wirklich Lösungen baut, nach vorne bringt. Enorm großer Basis bildet, um dort Fortschritte zu schaffen.
24:32
Inga Bergen
Ja, total spannend. Also weil ich denke das gerade in meinem Kopf weiter und stelle mir halt vor, man könnte zukünftig, wenn Patient, Patientin anruft, auch direkt helfen, vielleicht einen Besuch mit vorzubereiten. Weil das ist ja heute auch klar, wir haben eine elektronische Patientenakte, aber es gibt vielleicht irgendwie Fragen, die vorbereitet werden müssen. Also man kann das sehr viel weiter denken, wenn wir davon ausgehen, dass wir zukünftig wirklich eine vollumfängliche Gesundheitsassistenz anbieten, die Patient:innen auch dabei hilft, vielleicht aus so einem Besuch beim Arzt, bei Ärztin dann auch das Beste rauszuholen.
25:08
Richard von Schaewen
Absolut. Und ich glaube, das, was du gerade sagst, geht ja erst mal um den ersten Kontakt. Aber das kann man ja in der Weise auch weiterdenken, wenn man sich wenn man sich den amerikanischen Markt anschaut, da geht es auch sehr, sehr viel um Kommunikation, die dann im Nachgang auch noch mal an den Patienten getragen wird. Heute ist das häufig so, man bekommt eine E-Mail oder man bekommt eine SMS. Warum wird man nicht in Teilen auch heute angerufen und sagt: Hey, bitte, wir haben gesehen, das Dokument fehlt, bitte das noch mal mitbringen und stellen Sie das und das sicher für die Behandlung, dass Sie nüchtern sind etc. pp. Das heißt also, dass wirklich weit gedacht heißt, nicht nur das Eingehende, sondern auch das Ausgehende wirklich in den Dialog zu setzen, der der Situation entsprechend ist, in der der Patient gerade ist.
25:55
Inga Bergen
Ja, weil das kommt total häufig, was ich übrigens interessant finde. In Deutschland kommt total häufig, wenn man über Digitalisierung spricht: Ja, wir müssen doch auch ältere Menschen mitnehmen. Also ältere Menschen sind total digital. Der größte Wachstumstreiber von Digitalisierung sind gerade ältere Menschen. Sieht man an so Zahlen wie Onlinebanking-Adaption. Und selbst von den Ü65 will irgendwie die Hälfte die EPA auf dem Handy nutzen. Also die sind schon digital. Aber es ist natürlich immer was anderes, weil nicht jeder ist Akademiker oder ist irgendwie geübt, wirklich komplexe Texte auch zu lesen oder sich durch so was durchzuwühlen. Und das, was eine Sprache so Software natürlich kann oder eine Sprach-KI ist, in menschlicher Sprache Dinge erklären. Und ich habe mir gerade irgendwie Oma Erna oder Onkel Horst vorgestellt, wie er, sie mit irgendeinem Digitalgerät in der Küche steht und sagt: Was habe ich noch mal? Aaron, was hatte ich noch mal? Was hat der Arzt gesagt? Und so eigentlich ein viel natürlicherer Dialog stattfindet, weil das, machen wir uns nichts vor, viele Menschen gehen heute aus der Praxis und sagen: Ich muss grüne Pillen nehmen, aber ich habe vergessen, was mir da eigentlich erzählt wurde. Und die brauchen Hilfestellung, die lassen wir ja im Moment komplett alleine. Also das ist ja auch total spannend, wenn man das so in der Prozesskette weiterdenkt.
27:19
Richard von Schaewen
Absolut. Also es geht wirklich darum, Barrieren zu senken. Und vielleicht einfach eine kleine Anekdote. Also der Assistent hat häufig Namen in der Praxis. Also das Praxisteam gibt dem Assistenten einen Namen. Diese so ein bisschen Vermenschlichung ist uns wichtig, weil der ist einfach Teil des Teams. Den lehrt man an und dann geht's los. Dann ist dann der Paul oder die Lisa oder die Nora einfach Teil des Teams. Und die Rückmeldung, die wir bekommen, ist, dass ältere Patientinnen, wenn man sie dementsprechend abholt, dann gibt es so kleine Flyer und so, enorm gut mit dem Assistenten interagieren, weil die einfach gut zuhören und dann sagen: Ah ja, ich brauche genau das und das. Und wir haben dann schon einige Rückmeldungen von Praxen bekommen, dass dann die genau Oma Erna, 90, in die Praxis marschiert und sagt: Ich bin 91 Jahre alt und ich habe mit eurer Lisa ein Rezept mir gestellt und deshalb bin ich hier. So, und oder dass dann Kaffeekassen für die Lisa aufgestellt werden. Also das, und das ist das, was ich auch vorhin meinte, dieses, das KI-Thema nicht zu platzieren als: Oh, da nimmt mir jemand meinen Job weg, sondern das ist ein toller neuer Kollege, Kollegin, die einfach da ist und mein Leben besser macht. Und zurück zu diesem Barrierefreiheitspunkt. Es gibt ja nicht nur den Telefonassistenten, der Barrieren senkt. Wenn man sich anschaut, was telemedizinische Möglichkeiten sind, die da sind, dass ich als Patient einfach zu Hause sein kann. Mein Kind ist krank, ich habe Erkältung, bin Chroniker, ich muss nicht irgendwo hinfahren. Das sind Punkte, die auch einfach Barrieren senken. Auch für den Arzt in Zeiten von Work-Life-Balance, wo das super wichtig ist, dass das da auch von Hause aus gearbeitet werden kann. Das heißt, am Ende ist das ja wirklich ein System, wo an jeder Ecke etwas bewegt ist. Das muss nur alles gut zusammen funktionieren.
29:16
Inga Bergen
Ja, total spannend. Das finde ich echt lustig, dass eine Kaffeekasse so euer Assistent ist. Ist ja dann auch so, dass man dem einen Namen geben kann. Hallo, hier ist Lisa, der KI-Assistent und Und der Assistent hat dann einen Namen, den die Praxis selbst geben kann?
29:31
Richard von Schaewen
Genau, ja. Und damit schafft auch die Praxis natürlich da so eine Identität, die sie dann in der Praxis kommunizieren können und so. Und das ist sowohl für die Patientinnen toll als auch für die Mitarbeitenden.
29:44
Inga Bergen
Ja, ist interessant. Ich glaube, das ist nicht zu unterschätzen, diese kleinen Magic Moments, die man in so Produkte einbaut, die irgendwie so einen gewissen Humor oder die zum Schmunzeln bringen, damit Leute das auch adaptieren.
29:58
Richard von Schaewen
Ja, also diese Adoption ist, glaube ich, bei jeder digitalen Lösung enorm wichtig. Und am Ende ist es so, dass ja sowohl der Patient als auch die Mitarbeitenden abgeholt werden und eigentlich mit den Mitarbeitenden häufig angefangen, weil sie sind diejenigen, die ja dann auch teilweise die Technologie den Patient:innen erklären. Das heißt, wir investieren sehr viel Zeit, um Mitarbeitende gut abzuholen und um auch einfach zu sagen: Hey, das ist möglich, aber das ist auch vielleicht nicht möglich. Also diese Erwartungshaltung sehr klar zu machen, ist super wichtig. Und dann, wie du auch schon sagtest, dann irgendwie diese kleinen Magic Moments im Patient:innen-Austausch zu haben, ist das, was dann auch die Adoption der Patient:innen treibt.
30:43
Inga Bergen
Ja, das ist übrigens so interessant, weil da geht mir auch auf, warum es für euch total viel Sinn macht, mit Dr. Lib zusammenzuarbeiten. Also natürlich macht eine Integration in die Dr. Lib Systeme total viel Sinn, weil manchmal muss man eben anrufen, da kann man es nicht über ein Portal machen. Aber so wie ich Dr. Lib immer wahrgenommen habe, war als jemand, der wirklich extrem gut im Training und im Vertrieb ist und darin Arztpraxen auch richtig abzuholen. Und das ist ja, glaube ich, etwas, was total viele Startups unterschätzen. Also zuletzt gesehen im Bereich digitale Gesundheitsanwendungen, dieses Thema Vertrieb. Wie spreche ich eigentlich mit Ärztinnen, Ärzten, MFAs? Wie trete ich an die ran? Wie integriere ich das? Wie helfe ich denen dabei? Das ist ja etwas, da muss man sich eigentlich zusammentun, weil Das ist ja enorm schwierig, da einen guten Zugang zu finden, oder?
31:40
Richard von Schaewen
Ja, also in der Vergangenheit und auch jetzt finden wir einen sehr guten Zugang zu der Ärzteschaft, weil dieses Problem so eindeutig ist. Also ich glaube, man kann in einen Raum 10 Ärztinnen setzen, 10 Ärztinnen werden die Hand heben, wenn man fragt: Ist Telefon ein Thema bei Ihnen? Also ich denke, das, was die Magic ist, die durch das durch Aron plus Doctolib kommt, ist technologisch wirklich das weiterzudenken. Also was ich vorhin auch meinte mit der Terminautomatisierung, dass es dort nicht einfach aufhört. Das, was wir gerade angesprochen haben, KI-Behandlungsassistent, dass man auch zukünftig durch das Praxisverwaltungssystem ja ganze Workflows aus verschiedenen Kontaktpunkten antriggern kann und durch KI einfach Automatisierung bringen kann. Das ist das, wo einfach zwei Systeme, die in sich separat funktioniert haben, aber zusammen halt noch viel mehr bewegen können, zusammenbringt.
32:45
Inga Bergen
Das ist die Vision. Und das dann natürlich auch den Praxen nahezubringen, weil das, was ihr dann letztendlich macht im Vertrieb, würde ich sagen, ist Prozesskompetenz auf Seiten der Praxen aufzubauen. Das ist ja etwas, für mich ist das häufig so, wenn ich das so erlebe in Kliniken, in Praxen, dann ist es das, wo am wenigsten Zeit investiert wird, weil einfach so viel zu tun ist. Und das ist so ein bisschen wie dieser Spruch hier: Warum knüpfst du dir denn kein Netz, lieber Fischer? Ich habe keine Zeit, ich muss fischen. Also das, was einem eigentlich Zeit einsparen würde, das schafft man nicht, weil dazu braucht man erst mal eine ruhige Minute. Und wenn Ärztinnen und Ärzte speziell im GKV-System arbeiten, dann ist das System so fordernd, Und ich würde sagen, in Teilen auch unmenschlich, was da abverlangt wird. Also das würde ich mich wirklich so weit aus dem Fenster lehnen, dass diese Kompetenz ja von extern eigentlich kommen muss.
33:43
Richard von Schaewen
Absolut. Und ich glaube, wenn jetzt vielleicht auch der eine oder andere Arzt, Ärztin, MFA zuhört, dieser Moment, wo man sich entscheidet, eine digitale Lösung in Anwendung zu bringen, da müsste es einfach klar sein, dass wenn ich das erste Mal ein iPhone in der Hand habe, dann muss ich erst mal verstehen, wie dieses Gerät funktioniert. Und das ist vielleicht für den ersten Tag ein bisschen beschwerlicher als mein Nokia 6610. Aber die Tage danach will man dieses iPhone nicht mehr missen und auch die Jahrzehnte danach. Und dieses Bewusstsein zu haben, dass es diesen Tag einfach braucht oder vielleicht auch eine Woche und gemeinsam alle abholen, sagen: Hey, vielleicht sollten wir jetzt nicht mehr SMS schreiben, sondern auf WhatsApp unterwegs sein. Dass das dann einfach in der Mittel- und Langfrist das absolut diese 1, 2, vielleicht die Woche ausbügelt. Aber das und das aber immer in diesem Bewusstsein: Hey, wir machen uns gemeinsam auf die Reise und der Start ist vielleicht ein bisschen beschwerlicher als der Rest. Aber auf die Reise sich zu machen, diesen Mut zu haben, loszulegen und dann auch diese Anfangszeit durchzumachen, das ist das Wichtige.
34:49
Inga Bergen
Ich bin da übrigens total optimistisch, weil ich bin sehr erfreut darüber, dass es solche Systeme gibt, auch vom freien Markt, weil die einen Benchmark setzen. Und man hat einfach in der Vergangenheit gesehen, dass viele IT-Lösungen, die aus dem System kamen, da natürlich nicht so, oder dass da gerade Ärztinnen, Ärzte, MFAs länger gebraucht haben, die zu adaptieren, oder die technische Fehler hatten und so. Und das ist aus meiner Sicht total wichtig, dass dieser Mehrwert so klar ist, weil wenn die Lösungen nur mehr Arbeit machen, als dass sie abnehmen, dann ist es ganz klar, dass sie sich nicht durchsetzen. Wie ist das denn bei euch? Habt ihr sicher konkrete Zahlen? Zahlen. Wenn man jetzt R&A einsetzt, ich habe jetzt irgendwie eine Praxis mit ein paar Angestellten, wie viel Zeit erspart mir das?
35:37
Richard von Schaewen
Also am Ende ist es so, dass Status quo jetzt, sparen wir pro Monat 40 bis 45 Stunden. Das sind fast 2 Tage und das ist ja der Status jetzt, ohne dass wir Termine automatisieren, ohne dass wir das integrierte Produkt haben. Und das Wichtige dabei ist einfach immer zu hinterdenken, dass Das ja dadurch kommt, dass man eine Technologie hat, die eine gewisse Guidance einem gibt, aber dann an die Praxisprozesse, die ja dann wieder rundum unterschließt sind, anpassbar ist. Und genau, also es gibt wirklich diesen Entlastungsmoment nach der Einführung.
36:17
Inga Bergen
Ja, spannend. Also 2 Tage, das ist ja, muss man jetzt durchrechnen als Unternehmerin. Das ist natürlich schon echt gut und vor allen Dingen halt auch für einen Job, wo man schwer Leute findet. Das muss man eben auch sagen, wenn man jetzt mit Praxen spricht, dann sagen die, das ist ein Riesen-Pain, wirklich Leute zu finden, die auch einfach die Arbeit machen, weil die gibt es eben kaum mehr. Und das zu automatisieren klingt natürlich like paradise.
36:47
Richard von Schaewen
Ja, aber ich glaube, was man auch wieder so Technologie im Vergleich zu einer Neuanstellung Die Neueinstellung, man lernt sie an, dauert ja auch eine Zeit, hat verschiedene Aufgaben und gegebenenfalls passt es ja auch nicht. Genauso wie mit der Technologie. Aber die Technologie muss man nicht 2, 3, 4, 5 Monate einarbeiten, sondern schaut sich an, okay, das, was für Allgemeinmediziner empfohlen wird, passt das oder muss ich an der einen oder anderen Sache das anpassen? Die ist an der Telefonanlage und los geht's. Ja, also auch dieser Investitionsgedanke, wenn ich meine Praxis neu aufbaue oder Sachen verändern will, der technologische Einsatz hat erst mal immer auf jeden Fall weniger Investitionskosten als das Problem mit Mitarbeitenden, zusätzlichen Mitarbeitenden zu lösen. Die ist de facto ja nicht da.
37:39
Inga Bergen
Überhaupt. Ja, genau. Also total spannendes Gespräch. Ich nehme das auch noch mal mit. Das habe ich schon jetzt öfter gehört und finde diesen Gedanken auch toll, dass man KI zukünftig wirklich als einen Teil des Teams begreift, weil ich glaube, das ist die Rolle, die KI übernehmen wird und auch schon übernimmt. Und wir haben sie so schnell adaptiert, sieht man ja an den Zahlen, wie keine andere Technologie und keine andere Lösung zuvor. Also allein ChatGPT hatte in 5 Tagen ja irgendwie über 1 Million User und das ist einfach ein wahnsinniges Potenzial, weil es so natürlich ist, damit zu interagieren, und weil man keine Interfaces lernen muss. Man muss keine Benutzeroberfläche lernen als Patient oder Patientin, sondern das eignet sich wirklich für jeden. Und Barrierefreiheit ist auch ein Thema. Also ich finde es total spannend. Ich hoffe natürlich, dass ihr auch in den Bereich Kommunikation mit Patientinnen und Patienten geht, denn das, also wer mich kennt, weiß, es ist ein Herzensthema. Ich glaube, Da liegt mit das größte ungenutzte Potenzial, Patientinnen und Patienten auch strukturiert zu unterstützen, auch nach einem Arztbesuch. Ja, einfach mehr Wissen auch an die Hand zu geben. Also das werde ich beobachten und freue mich sehr, wenn ihr auf dem Thema weiterdenkt. Richard, ich bedanke mich ganz, ganz herzlich für dieses wirklich spannende Gespräch und danke für die vielen Insights.
39:03
Richard von Schaewen
Danke für die Einladung.





