
System der Zukunft, Patient & Consumer
KI in der GKV: Simone Schwering, stellv. Vorstandsvorsitzende der Barmer, über BarmerOne und Frauengesundheit
Simone Schwering ist Vice President bei der Barmer und seit 2021 Vorständin der Krankenkasse, wo sie das Transformationsprogramm BarmerOne angestoßen hat. In Folge 139 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie sich eine traditionelle Kasse kulturell und technologisch umbauen lässt und welche Rolle die GKV künftig einnimmt. Schwering erklärt, warum KI für die Barmer existenziell ist, weil 5.700 Beschäftigte das Unternehmen verlassen werden und Technik die Lücke teilweise schließen muss. Sie beschreibt, wie das Workload Management die Schalterlogik nach Buchstaben ablöste. Zudem plädiert sie dafür, dass Kassen Versicherte informieren statt steuern, etwa beim Thema Frauengesundheit. Das Gespräch verbindet Personalstrategie, KI-Einführung und Gesundheitskompetenz.
Warum das Thema wichtig ist
Ich versuche überall zu sagen, Arbeitswelt wird sich revolutionär verändern, da glaube ich dran. Aber es ersetzt niemals die Menschen. Im Gegenteil, es unterstützt, es hilft.
Krankenkassen stehen vor einer Doppelbelastung: Ein erheblicher Teil ihrer Belegschaft geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand, der Arbeitsmarkt kann diese Lücke nicht vollständig füllen, und gleichzeitig verändern Versicherte ihre Erwartungen an Information, Prävention und digitale Erreichbarkeit. Die Folge zeigt am Beispiel einer der größten gesetzlichen Kassen, ob sich Verwaltungsarbeit mit KI und neuen Prozessen so organisieren lässt, dass Versorgungsqualität erhalten bleibt, und ob die GKV dabei vom Erstatter zum Anbieter von Gesundheitskompetenz werden kann, ohne Versicherte durch das System zu steuern. Relevant ist das für Vorstände und Personalverantwortliche in Kostenträgern, Verantwortliche für Digitalisierung und KI in Kassen und Kliniken, Anbieter von Digital Health und KI-Lösungen, die mit Kassen kooperieren wollen, sowie Regulierer, die Rollen im Gesundheitswesen neu zuschneiden. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, ordnet in diesem Gespräch ein, welche Aufgaben Kassen, Ärzteschaft und Industrie künftig übernehmen sollten und wo die Grenzen der heutigen gesetzlichen Rahmenbedingungen liegen.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
BarmerOne ist der Name des Transformationsprogramms der Barmer für Struktur, Organisation und Kultur.
Bis zu 5.700 Beschäftigte der Barmer scheiden in den kommenden Jahren altersbedingt aus.
Die Barmer arbeitet im Workload Management und verteilt Kundenanliegen bundesweit nach Priorität statt nach Buchstaben.
Die Barmer eG wurde vor zehn Jahren gegründet und 2025 zur Einheit Barmer KI umgewidmet.
Der Women's Health Club der Barmer bündelt Expertise etwa zu Menopause@Work und zum Hitzeschutzleitfaden.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
Wie die Barmer sich mit KI und Kulturwandel neu erfindet: Simone Schwering über BarmerOne, Frauengesundheit und die Zukunft der GKV
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, spricht im Podcast Visionäre der Gesundheit mit Simone Schwering, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer. Bergen hat sie eingeladen, weil Schwering zwei Welten verbindet, die selten zusammen gedacht werden: Sie ist Juristin und Personalexpertin und verantwortet zugleich die IT einer der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands. Damit kann sie erklären, wie sich eine behördennah gewachsene Organisation mit über 15.000 Beschäftigten kulturell und technologisch verändert. Dazu kommt ein persönlicher Blick als Angehörige, die das Gesundheitssystem von der Patientenseite erlebt hat.
Was steckt hinter BarmerOne und warum braucht eine große Krankenkasse einen Kulturwandel?
BarmerOne ist kein einzelnes Projekt, sondern der Sammelbegriff für viele Bausteine, mit denen die Barmer Struktur, Organisation und Kultur verändert. Der Anlass sind mehrere Entwicklungen zugleich: der demografische Wandel bei Versicherten und Beschäftigten, die Digitalisierung, höhere Erwartungen der Kundschaft und neue Arbeitsformen seit der Corona-Zeit.
Schwering verfolgt dabei den Ansatz, dass der Vorstand Leitplanken und Werte vorgibt, die Belegschaft den Wandel aber selbst mitgestaltet. Das neue Führungsleitbild entstand deshalb nicht am Vorstandstisch, sondern wurde aus der Belegschaft und von Führungskräften entwickelt und anschließend ins Unternehmen getragen. Sie räumt ein, dass dieser offene Prozess ohne festes Ende in einer traditionellen Organisation viele irritiert, weil dort meist ein fertiger Plan erwartet wird.
Wie funktioniert das Workload Management bei der Barmer?
Beim Workload Management werden Kundenanliegen nach Priorität sortiert und bundesweit auf die verfügbaren Teams verteilt, statt sie nach dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens zuzuweisen. Die klassische Schalterlogik der gesetzlichen Krankenversicherung gehört damit in weiten Teilen der Kasse der Vergangenheit an.
Standorte sind bei der Barmer heute keine Fachsilos mehr, sondern Orte für flexibles, modernes Arbeiten. Ein IT-Experte kann an jedem Standort arbeiten. Schwering will damit alte hierarchische Muster zwischen Hauptverwaltung und Fläche aufbrechen. Alle sollen sich als eine Einheit verstehen, die auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet, nämlich die Versicherten. Inga Bergen ordnet das als wichtige Voraussetzung ein, um überhaupt KI-fähig zu werden.
Warum wurde die Barmer eG zur Barmer KI umgebaut?
Die Barmer eG wurde vor rund zehn Jahren gegründet, um die Digitalisierung voranzutreiben, und hat ihren Auftrag aus Sicht der Kasse erfüllt. Digitale Themen sind inzwischen in jeder Einheit angekommen, sodass der Innovationsarm 2025 einen neuen Schwerpunkt erhielt: künstliche Intelligenz.
Die neue Einheit ist direkt bei beiden Vorständen angesiedelt und gilt als prioritäres Thema für die gesamte Kasse. Sie soll zum einen interne Arbeit erleichtern und Kundenanliegen schneller bearbeiten. Zum anderen soll sie Ansätze für Prävention und mehr gesunde Lebensjahre entwickeln. Erste Schritte gibt es bereits, etwa einen Chatbot, der Beschäftigten Fachfragen schneller beantwortet als die Suche im Intranet.
Wie hilft KI gegen den Fachkräftemangel bei Krankenkassen?
KI soll bei der Barmer einen Teil der Arbeit übernehmen, die durch den Ruhestand vieler Beschäftigter wegfällt. Rund 40 Prozent der Belegschaft, also etwa 5.700 Menschen, scheiden in den kommenden Jahren aus. Schwering hält es für unrealistisch, diese Stellen komplett über den Arbeitsmarkt nachzubesetzen. Sie hofft auf etwa 3.000 bis 3.500 Neubesetzungen und sieht den Rest als Aufgabe für technische Innovation.
Aus ihrer Sicht läuft die Zeit gegen die Kasse, weshalb das Thema keine Kür, sondern existenziell ist. Gleichzeitig nimmt sie die Sorgen der Belegschaft ernst, KI könne Arbeitsplätze verdrängen. Ihre Botschaft lautet, dass die Technik Menschen unterstützt und nicht ersetzt. Beim Vorgehen plädiert sie für Pragmatismus: Nicht jeder Prozess eignet sich für KI, und es lohnt sich, mit dem Machbaren zu starten, statt Perfektion anzustreben.
Was unternimmt die Barmer für Frauengesundheit?
Die Barmer hat internes Fachwissen zu Frauengesundheit gebündelt und dazu einen Women's Health Club gegründet. Schwering stellte fest, dass viel Expertise im Haus vorhanden war, aber über viele Fachbereiche verstreut. Durch die Bündelung wird das Thema greifbarer und kampagnenfähig.
Bisherige Ergebnisse sind ein Hitzeschutzleitfaden für Frauen zum Aktionstag Hitze und das Konzept Menopause@Work, ein Angebot für betriebliches Gesundheitsmanagement, das Unternehmen im Umgang mit den Wechseljahren ihrer Beschäftigten unterstützt. Ziel ist verlässliche Aufklärung, die auch Männer erreicht, da sie als Partner oder Kollegen ebenfalls betroffen sind. Inga Bergen sieht in dem Feld ein naheliegendes Einstiegsthema, weil Frauen sich im Schnitt stärker um Gesundheit kümmern und der Trend zu Prävention hier besonders sichtbar wird.
Welche Rolle sollen Krankenkassen bei Patientensteuerung und Gesundheitskompetenz spielen?
Krankenkassen sollen Versicherte vor allem informieren und befähigen, statt sie durch das System zu lenken. Schwering lehnt das Bild des passiv gesteuerten Patienten ab. Sie wünscht sich niedrigschwellige, möglichst digitale Angebote, die auch abends oder am Wochenende nutzbar sind, damit Menschen mündig entscheiden können.
Ihre eigene Erfahrung bestärkt sie darin: Als ihr Mann schwer erkrankte, erlebte sie trotz Insiderwissen, wie wenig Orientierung ein Krankenhausaufenthalt bietet. Sie fragt sich, wie es Menschen ohne Angehörige ergeht. Auch das alte Alltagswissen über Hausmittel und Selbsthilfe geht zunehmend verloren, weshalb Gesundheitskompetenz gezielt gefördert werden muss. Bei spezialisierten Erkrankungen kann die Kasse Vor- und Nachteile einzelner Versorgungsorte aufzeigen, entscheiden sollen Patientinnen und Patienten aber gemeinsam mit ihren Ärzten. Die Idee einer zentralen Lotsenrolle über das Primärarztmodell hinaus würde nach ihrer Einschätzung Gesetzesänderungen erfordern.
Warum setzt die Barmer auf Partnerschaften und Wettbewerb statt auf Eigenentwicklung?
Die Barmer will bei ihrer Kernkompetenz bleiben und Technologie gemeinsam mit Partnern umsetzen, weil KI und Digitalisierung bei anderen Unternehmen stärker verankert sind. Alles selbst zu entwickeln, hält Schwering für nicht tragfähig. Inga Bergen teilt diese Sicht und verweist auf den Blick nach Frankreich, wo öffentlich-private Partnerschaften enger gedacht werden, sowie auf die Gefahr teurer Neuentwicklungen ohne tragfähiges Geschäftsmodell.
Zugleich plädiert Schwering für den Erhalt des Wettbewerbs zwischen den Kassen. Versicherte sollen vergleichen können, wo sie sich am besten aufgehoben fühlen und welche Unterstützung für ihre Gesundheit sie bekommen. Das Gespräch macht deutlich, dass die Rollen im Gesundheitswesen neu verhandelt werden und dass Kassen dabei mehr sein wollen als reine Kostenerstatter.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:00
Inga Bergen
In dieser Folge spricht Inga Bergen mit Simone Schwering, Vice President der Barmer, einer der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands. Gemeinsam blicken sie auf die tiefgreifende Transformation der Barmer. Es geht um digitale Tools, künstliche Intelligenz, kulturellen Wandel und die neue Rolle der GKV im Gesundheitssystem. Simone Schwering gibt spannende Einblicke in das Innovationsprogramm BarmerOne, den Einsatz von KI und warum Frauengesundheit und Patient Empowerment dabei eine zentrale Rolle spielen.
00:50
Inga Bergen
Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Ich freue mich sehr, auf meinen heutigen Gast Simone Schwering. Simone ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer. Die Barmer ist eine, wisst ihr alle, eine der größten gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. Und Simone ist schon lange im Krankenversicherungsbereich unterwegs. Ganz am Anfang nur bei der Barmer, dann lange in anderen Positionen. Und jetzt seit, ich glaube, 2017 Sie da bei der BARMER seit 2021 Vorständin. Und liebe Simone, ich freue mich total, dass du heute mein Gast bist.
01:31
Inga Bergen
Ja, ich freue mich auch, da zu sein. Schön, dass du mich eingeladen hast, Inga.
01:35
Inga Bergen
Ja, ich wollte dich schon früher einladen, tatsächlich. Aber jetzt, ich glaube, 2022 wollte ich dich schon einladen. Jetzt bin ich aber froh, dass es sich etwas verschoben hat, weil wir haben ein paar Jahre später und deine Wirkungskraft entfacht sich gerade richtig bei der BARMER. Also du hast sehr, sehr viele Themen angestoßen, über die wir heute sprechen wollen. Ich habe eine ganze Liste, weil ihr euch gerade in einer Transformation befindet, wie alle. Ja, also das ist erst mal der Fakt, kann man sagen.
02:02
Inga Bergen
Absolut, hast du recht. Also wir befinden uns in der Transformation und man weiß gar nicht, womit und mit welchen Themen man anfangen soll. Es ist natürlich, wir sind in unserem eigenen demografischen Wandel, was sowohl unsere Versicherten, aber auch unsere Mitarbeiter- und Beschäftigtenstruktur angeht. Das ganze Thema Digitalisierung, KI kommt dazu. Dann gibt es auch eine kulturelle Transformation. Also das ist irgendwie überall Veränderung und macht wahnsinnig spannend gerade. Und wenn man so ein bisschen Krankenkassen kennt, dann kommen die ja eher aus so einer Behördenstruktur. Und dann weiß man, da ist Veränderung nicht das Allergeliebteste, was man so durchläuft in der Organisation, und weiß auch, vor welchen Herausforderungen man dann steht.
02:46
Inga Bergen
Das ist ganz gut, dass du das sagst, weil wir können direkt anfangen mit dem großen Transformationsthema. Das zweite Thema, was dann kommt, ist, ihr habt die Barmer e, also euren Innovationsarm gerade in Barmer KI umstrukturiert, umbenannt und auch den Fokus neu gesetzt. Aber wie du sagst, ist der Startpunkt eigentlich diese ganze kulturelle Transformation. Also wie kriegt man die Organisation dahin? Und jetzt seid ihr bei der Barmer eine relativ, in Anführungsstrichen, alte Kasse, auch mit Mitarbeiter-Altersdurchschnitt 47 Jahre, habe ich tatsächlich gerade eben noch mal recherchiert. Und da ist das Thema auch kulturelle Transformation ja eigentlich vorgelagert, weil ohne die kriegst du auch diese ganze digitale Transformation nicht hin. Und da arbeitet ihr schon seit einigen Jahren dran mit einem Programm, das heißt BARMER ONE. Und da können wir einsteigen, weil das ist auch so ein bisschen dein Baby, kann man sagen, etwas, was du gestartet hast. Warum hast du damals so den Fokus auf dieses Thema gesetzt und wie verankert ihr das denn genau?
03:46
Inga Bergen
Also, BARMER ONE ist so unser Begriff für diese Transformation. Was hat das bedeutet und warum haben wir das gemacht? Also, ich glaube, wir stehen als Krankenkassen insgesamt vor vielen Herausforderungen. Ein paar habe ich gerade schon genannt: demografischer Wandel, Digitalisierung, veränderte Ansprüche von Versicherten, also von Kundenanliegen. Wir hatten die Corona-Krise, daraus einhergehend dieses ganze Thema New Work. Wie arbeiten wir jetzt? Arbeiten wir zu Hause? Arbeiten wir im Büro? Wie sind wir organisiert? Und aus diesen ganzen Herausforderungen habe ich gesagt, na ja, da gibt es kein One-fits-all, sondern man muss überlegen, wie verändert man so eine große Kasse? Wir haben über 15.000 Beschäftigte. Und wie verändern wir das? Und mein Ansatz war da immer, wir geben Rahmen, Leitplanken vor. Was ist unsere Haltung? Wie wollen wir in unseren Werten agieren? Und gleichzeitig glaube ich, dass die beste Veränderung dadurch gelingt, dass Mitarbeiter mitgestalten können. Und so haben wir ganz viele Themen angefasst. Also, BarmerOne ist nicht ein Konzept, das ist nicht ein Thema, was wir genommen haben, sondern wir haben ganz viele, viele Bausteine, die unsere, ja, unsere Struktur, unsere Organisation, unsere Kultur verändern, zusammengenommen. Ein paar Beispiele sind zum Beispiel, dass wir, wir haben gesagt, wir machen ein neues Führungsleitbild. Das haben aber nicht wir als Vorstände hingegangen und gesagt, das ist jetzt das neue Führungsleitbild und haben irgendwie Plakate geklebt und haben gesagt, das ist es jetzt. Sondern wir haben es aus der Belegschaft und aus Führungskräften heraus entwickeln lassen und getragen ins Unternehmen gebracht. Und wir haben zum Beispiel auch unsere komplette Arbeitsweise umgestellt. Also wir arbeiten heute in ganz weiten Teilen der Barmer im sogenannten Workload Management. Bedeutet, sind weggegangen von der Schalterlogik, die man so in der gesetzlichen Krankenkasse kennt. Also ich habe Buchstabe A bis B, ja, sondern wir filtern quasi, sagen, es sind die Kundenanliegen und wir priorisieren nach Kundenanliegen und verteilen dann Arbeit bundesweit. Wir sind weggegangen davon, dass wir gesagt haben, es gibt einzelne Standorte in der BARMER, die bestimmte Fachthemen bearbeiten. Bei uns sind Standorte Standorte, an denen modern flexibel gearbeitet wird. Und wir sind unabhängig. Also ein ITler kann heute an jedem Standort der BARMER arbeiten. Und das haben wir versucht aufzubrechen. Also diese alten hierarchischen Muster in einer Organisation, Hauptverwaltung, Flächenorganisationen, zusagen, wir sind eins, wir sind Barmer One, wir alle haben unsere Fachthemen und wir arbeiten auf ein Ziel hin, nämlich den Versicherten.
06:23
Inga Bergen
Total spannend, weil wenn du jetzt gerade diese prozessuale Kette beschreibst, also früher, man hat eine Sachbearbeitung, alles passiert eigentlich auf Papier, wird doppelt noch mal ausgedruckt und dann wieder in den Computer eingegeben. Und man hat diese Buchstabenlogik, jeder bekommt etwas zugeordnet, wenn es dann in irgendeiner Form dort falsch landet, dann fängt es irgendwie wieder vorne beim System an. Und ihr habt jetzt ein Funnel-System, wo ihr priorisiert und dann eigentlich bundesweit zuteilt, Leute befähigt und einen anderen Workflow habt. Und jetzt kommen wir zu Barmer E. Ihr habt ja sehr, sehr viel gemacht. Ihr müsst euch auch natürlich in eurer Versichertenstruktur, das hatte ich eingangs schon gesagt, etwas verjüngen, weil ihr habt eine relativ alte Kundenschaft sozusagen und habt sehr viel gemacht im Innovationsbereich. Also ihr seid bei ganz vielen Themen federführend. Man kann bei euch Telemedizin in Anspruch nehmen, Teledermatologie, man kann einen Darmkrebstest zu Hause machen. Also da gibt es wirklich ganz, ganz viele Vorstöße. Und wenn du jetzt beschreibst, diese prozessuale Veränderung, dann macht euch das ja auch KI-ready, wenn ihr sagt, ihr müsst in der Organisation jetzt auch mit KI arbeiten, sowohl nach außen als auch nach innen, um Arbeit auch neu zu organisieren, dann war das ja der erste Schritt. Also klingt dann für mich total logisch und aufbauend, oder?
07:51
Inga Bergen
Ja, so ist es. Also wir haben ja vor 10 Jahren die BARMER eG gegründet, genau mit dem Ansatz, also Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben. Und dann haben wir daran geglaubt, dass, wenn wir so einen Hub gründen, eine Stelle gründen, wo wir glasklar sagen, wir haben eine digitale Agenda, wir machen das jetzt, wir sind innovativ, wir haben ein Grundverständnis. In jeder Einheit in der Barmer versteht jeder, was bedeutet Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dann war das dieser Auftrag an die Barmer e. Und im Jahr '25 haben wir gesagt, hey, das haben wir jetzt gut verstanden als Unternehmen. Also wir haben 10 Jahre investiert und das ist angekommen. Und jetzt gibt es das Neue, jetzt gibt es die Weiterentwicklung, und das ist halt die künstliche Intelligenz. Und ja, das ist natürlich der neue Auftrag und deshalb auch die Umwidmung in KI zu sagen, jetzt ist der neue Auftrag, auch KI einzubringen. Und das hat ja auch viele Facetten. Das wirkt in einer Organisation auf der Ebene, wie können wir Arbeit erleichtern, wie können wir schneller Kundenanliegen bedienen, wie sind wir noch besser und noch schneller? Und dann gibt es aber auch noch, ich sage mal, innovative Ansätze. Wie können wir noch besser Gesundheitsthemen bedienen, also in die Prävention gehen, in Themen gehen? Wie können wir mehr gesündere Jahre ermöglichen für Versicherte? Also auch da bietet die KI ja durchaus Optionen. Und das ist jetzt einfach das nächste spannende Thema. Und wir haben gute Erfahrungen gemacht, das wirklich ein bisschen so rauszunehmen und zu sagen, es ist unternehmerisch extrem wichtig und deshalb haben wir eine eigene Einheit dafür und wir Die ist auch bei beiden Vorständen angedockt und wir sagen einfach, das ist ein ganz wichtiges Prio-Thema für die ganze Kasse.
09:32
Inga Bergen
Ja, das finde ich ganz interessant, weil ich habe bei der Barmer i das so wahrgenommen, dass ihr ja auch Hospitanzen ermöglicht, also dass Leute aus der breiten Organisation in die Barmer i, jetzt in die Barmer KI kommen können, um dort auch an Projekten, an Themen dann mitzuarbeiten, aber dass ihr bewusst sagt, und das hat sich ja bewährt in den letzten Jahren, also eigentlich seitdem wir über digitale Transformation sprechen, man nimmt es so ein bisschen raus aus der Organisation. Und jetzt ist es bei dir so spannend, weil du ja aus dem Bereich Human Resources kommst oder Personal, das ist so dein Steckenpferd, bist Juristin. Jetzt hast du aber auch das ganze IT-Thema, und du hast mir neulich mal bei einem Abendessen erzählt, dein Sohn hat sich kaputtgelacht, er ist nämlich ITler und Und hat dann gesagt: Wie kannst du denn das leiten? Und dann hast du aber erklärt, es ist total logisch, dass diese beiden Themen zusammengedacht werden.
10:26
Inga Bergen
Ja, der hat das sogar als unternehmerisches Risiko beschrieben und meinte, dann weiß der Verwaltungsrat der BARMER eigentlich, was er hier tut. Aber ja, also ich maße mir ja nicht ein, ein Techie zu sein. Also natürlich muss da die Kompetenz bleiben, wo sie ist, nämlich bei Informatikern und Menschen, die das können. Aber auf einer Managementebene ist halt IT ganz, ganz viel People Management. Also es geht viel um Menschen, es geht viel um Veränderung, es geht viel darum, Kompetenzen zusammenzubringen, Mut zu entwickeln, dafür Innovationen zu ermöglichen, zu stärken. Auch gerade in diesen Themen, die man neu denken muss, gibt es ja immer so Leuchtturmprojekte und da muss man auch mal Scheitern akzeptieren. Und da kann man sehr viel unterstützen auf einer Managementebene, nämlich das zu zulassen und das immer reflektieren und einfach auch ermutigen. Und dann geht es, und das ist dann meine Profession, dann geht es auch ehrlich gesagt in dem IT-Bereich immer um viel Verträge, um viel, was ausgehandelt werden will, weil wir sind eine Krankenkasse, wir haben natürlich nicht selber ein Rechenzentrum oder Sonstiges, sondern da gibt es Verträge und dann kommt mein juristisches Herz durch und ich bin dann auch gerne jemand, der Verträge liest und sich drum kümmert. Ja.
11:37
Inga Bergen
Ich finde das übrigens spannend, weil Ich habe gerade jetzt einen der letzten Podcasts mit der Leiterin der Mayo Clinic, das ist eine der größten Klinikketten in den USA, die wirklich auch bei KI, bei Daten total vorne dran sind, gemacht. Die leitet dort die ganze KI-Thematik, KI-Integration und das sogenannte Center of Belonging. Also wo es darum geht, dass sich Menschen zugehörig fühlen, wo jetzt im Prinzip das Ziel schon in den Titel auch reinformuliert ist. Und das ist bei dir fast so ein bisschen ähnlich von der Kombination. Wenn wir jetzt auf KI gucken, Und noch mal auf die ganzen, den strategischen Impact, den KI hat. Dann haben wir, hast du eben schon formuliert, und vielleicht gehen wir in diese zwei Bereiche mal so ein bisschen rein. Das eine ist, wie arbeitet ihr intern? Ihr habt über 40% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Ruhestand irgendwann gehen in den nächsten Jahren. Das heißt, das müsst ihr irgendwie auffangen. Und das Zweite ist dieser ganze Shift, den ihr auch mit vorantreibt. Da kommen wir gleich noch zu, weil du hast dich begonnen, auf das Thema auch Frauengesundheit im Speziellen zu positionieren. Shift zu Prävention, zu mehr Eigenverantwortung, Steuerung auch, wo sich die Kassen sehr stark positionieren. Auch da können wir KI einsetzen. Mit welchem Thema wollen wir jetzt anfangen?
12:54
Inga Bergen
Du sagst das, du machst hier den Vorsitz.
12:55
Inga Bergen
Das ist doch gut, wenn wir jetzt einmal mit den ganzen internen Sachen anfangen, dann können wir nämlich auf das Thema Frauengesundheit auch rübergehen, weil da macht ihr auch viel. Also KI im Einsatz. Für die ganze interne Organisation, für die Prozesse Kundenmanagement. Wie geht ihr da aktuell vor?
13:11
Inga Bergen
Also wir haben ja seit 1. Mai diesen Hub gegründet und natürlich ist deren Auftrag jetzt hinzugehen und zu sagen, also wir brauchen einen I-Milestone-Plan, wir müssen gucken, was könnt ihr bewerkstelligen? Wir haben ja heute auch schon KI in Teilen im Einsatz. Ist ja nicht so, als wenn wir irgendwie im luftleeren Raum anfangen, sondern da gibt es ja schon Dinge. Und jetzt geht es darum, das noch zu verbessern. Wir sind gerade in der Entwicklung eines Chatbots, Zunächst einmal für die Unterstützung von unseren Mitarbeitern, dass sie einfach Fachfragen leichter beantwortet bekommen als über Nachschlagewerke in irgendwelchen Intranet-Geschichten. Also das läuft schon. Und so werden wir jetzt Schritt für Schritt vorgehen. Und du hast recht, das hört sich an so 40%, um das mal ganz konkret zu sagen, es sind 5700 Beschäftigte, die uns verlassen werden. Das ist eine Riesenhausnummer. Und so als Personalvorständin ist das, was einem wirklich dann auch ein bisschen Schweiß auf die Stirn zaubert, weil wir kennen ja den Arbeitsmarkt, wir wissen, wie schwierig es ist, Mitarbeitende zu finden und auch zu halten. Und insofern brauchen wir auch ein Stück weit die KI und dass sie einfach auch Arbeit, die ersetzt werden kann oder die erleichtert werden kann, ersetzt. Weil ich habe nicht die Vorstellung, 5700 wirklich ersetzen zu können. Ich glaube, das gibt der deutsche Arbeitsmarkt nicht her. Und insofern wäre ich froh, wenn wir so bei 3.000, 3.500 liegen würden, die wir ersetzt bekommen. Und den Rest brauchen wir über technische Innovation. Und das wird schon ein ambitionierter Weg, weil die Zeit läuft ja gegen uns, ne? Also wir haben jetzt nicht ewig Zeit, um erstmal 2 Jahre zu planen und dann zu gucken, was macht die KI, sondern wir müssen das jetzt ziemlich forcieren und deshalb müssen wir das auch ganz oben als prioritäres Thema hinterlassen. Es ist kein Nice-to-have, es ist für uns existenziell. Das muss man einfach auch noch mal in die Köpfe reinbekommen, weil natürlich Beschäftigte und gerade bei unserem Durchschnittsalter immer so ein bisschen Sorge haben. Ersetzt mich die KI und braucht es mich dann nicht mehr und so. Und ich versuche überall zu sagen, Arbeitswelt wird sich revolutionär verändern, da glaube ich dran. Aber es ersetzt niemals die Menschen. Im Gegenteil, es unterstützt, es hilft. Und wir brauchen sie, um überhaupt unsere Arbeit erledigen zu können. Und das ist ein ganz großer Unterschied. Aber es gibt diese Sorge und die muss man auch ernst nehmen. Und das muss man auch in so einem Unternehmen bearbeiten und immer wieder Beschäftigten sagen: Macht euch keine Sorgen, es bedeutet nicht Verlust von Arbeitsplätzen, sondern es ist die Hilfe, die wir auch brauchen.
15:41
Inga Bergen
Ja, ja, das ist total spannend, weil das ist ja so ein bisschen in der Diskussion ein zweischneidiges Schwert, weil es gibt erste Unternehmen, die sagen: Ja, es bedeutet den Verlust von bestimmten Arbeitsplätzen und auch jeder neue Arbeitsplatz, der geschaffen wird, da muss erst mal geguckt werden, kann das vielleicht auch eine KI übernehmen? Gleichzeitig sehen wir das aber ja in jeder technischen Revolution, die wir hatten. Es gibt immer andere Aufgaben für Menschen und das finde ich auch sehr, sehr spannend. Das können wir ja jetzt noch gar nicht so richtig absehen, was eigentlich die Aufgabe von uns sein wird dann. Yes, richtig.
16:18
Inga Bergen
Genau. Und das ist so das Ungewisse, was dann aber auch die Angst macht, weil man es nicht so konkret beschreiben kann. Und das muss man halt einfach auch kulturell wirklich eben begleiten.
16:29
Inga Bergen
Die Frage ist ja schon, wir haben, und das hast du eingangs beschrieben mit der Barmer One, habt ihr euch Prozesse genau angeschaut? Ihr habt euch angeschaut, wie könnt ihr die priorisieren? Und das ist ja diese prozessuale Denke, die wir brauchen, wenn wir KI einsetzen, weil die braucht ja irgendeine Logik. Und die brauchen auch strukturierte Daten, auf deren Basis dann die Wirkmacht entfaltet werden kann. Das heißt, das ist der erste Schritt. Und das bedeutet, dass ihr einerseits diese kulturelle Thematik habt, aber andererseits auch Prozesse ja jetzt ganz genau angehen müsst. Wenn du jetzt Chatbot sagst, das ist wahrscheinlich dann so ein erstes Thema. Hast du da schon mal so einen Sneak Peek oder seid ihr da mittendrin, wirklich zu gucken, welche Prozesse eignen sich?
17:13
Inga Bergen
Ja, also wir sind wirklich mittendrin. Also das entwickelt sich jeden Tag neu. Ich glaube, man muss schon rausfiltern, es eignen sich nicht jede Prozesse dazu. Das ist, glaube ich, auch ein erstes Lernen. Um überhaupt das Ding ans Laufen zu bringen, muss ich nicht nach Perfektion streben. Das ist vielleicht so, was wichtig ist. Also nicht jeden Prozess wird man so darstellen können, nicht jeden Prozess eignet sich dafür. Und ich bin eher dafür, dann zu sagen, damit es wirkt und damit es einfach mal auch ins Laufen kommt, nehmen wir halt das, was wir bewerkstelligen können und streben nicht nach dieser Perfektion und nach dem Allumfassenden, sondern machen einfach mal und tasten uns so ein bisschen Step by Step. Das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt. Und wenn man immer so guckt, wie funktioniert eine Organisation, dann musste man immer den Plan im Gesamten fertig haben. Das ist übrigens auch ein wahnsinniges Thema bei Warmer One gewesen. Ich habe immer gesagt, Warmer One entwickelt sich und läuft halt dann. Und das irgendwie hat keinen Anfang, kein Ende. Und das ist genauso bei KI. Es fängt an zu laufen, es rollt und mal gucken, wo wir da so hinkommen. Aber das zu akzeptieren, das ist etwas, was kulturell in einem eher traditionellen Unternehmen schwierig ist, weil da will jeder den Plan, was kommt wann, zu welchem Zeitpunkt und wo ist das Ende und wann hört es auch endlich mal auf. So, ja. Und dann muss man halt immer sagen, ja, nee, das hört gar nicht mehr auf. Das wird weiterlaufen, ne. Ja. Und das ist etwas, was nicht einfach in Köpfe reinzubekommen ist, weil halt immer dieses, wir wissen halt noch gar nicht so konkret, wohin wir gehen. Und dieses Akzeptieren von einer veränderten Arbeitswelt und von diesem Mindset, das ist etwas, glaube ich, was ganz, ganz viele fordert. Und also nicht nur die GKV und uns als Barmer.
18:58
Inga Bergen
Ja, glaube ich. Also ich glaube das auch. Ich frage mich das halt auch ganz oft. Wie komme ich zu einer lebenslangen Offenheit Themen gegenüber? Auch gerade finde ich, wenn man im Alter fortschreitet und dann auch viele Dinge gelöst hat im Leben und sich viel erarbeitet hat, da nicht— also das ist eine Frage, die ich mir stelle: Wie komme ich da nicht hin, dass ich irgendwann sage, so, jetzt hätte ich das aber gerne, dass das alles so bleibt, weil so bin ich dann zufrieden. Das ist ja eigentlich der Garant dann für den Abschwung, kann man sagen. So ist es ja.
19:33
Inga Bergen
Ja, ich glaube, es gibt so Momente, wo ich mir diesen Gedanken mal gönne und dann mich wieder aufrappel und sage, nee. Und na klar, es ist natürlich auch irgendwie schön, wenn mal alles so bleibt, wie es ist. Also wenn es gerade gut ist, dann darf es ja auch mal so bleiben.
19:46
Inga Bergen
Aber eine Woche dazwischendurch kann man dann mal machen. Eine Woche mal feiern, was man erreicht hat. Genau.
19:52
Inga Bergen
Man muss halt wirklich offen bleiben. Und das ist auch ein Generationenthema. Also wie schaffe ich es denn so im Unternehmen, dieses ewige Lernen, dieses lebenslange Arbeitsleben lernen, also das auch wirklich durchzuhalten? Offen zu sein. Und ja, da muss man immer viel bewahren von dem, was gut ist, und die Perspektive zu dem, was neu kommen kann, schaffen.
20:13
Inga Bergen
Ja. Und jetzt haben wir auf der anderen Seite also einmal die internen Themen und jetzt haben wir auf der anderen Seite aber auch die sich verändernde Rolle der GKV. Das ist einfach, wir sind gerade in dieser technologischen Revolution mittendrin. Das heißt, es wird sich ja auch für euch einiges tun. Man sieht das immer so an einigen Ecken und Enden, wenn man im Gesundheitswesen unterwegs ist. Und ein Thema, was ich gerade spannend finde, ist das ganze Thema der Patienten-, Patientinnensteuerung. Ich sage das so in Anführungsstrichen, weil ich dieses Wording „Steuerung", da habe ich auch so ein bisschen meine Herausforderung mit, weil es ja ein sehr passives Patientenbild hat oder Kundenbild, die irgendwo durchgesteuert werden. Ich finde, man sieht auch an diesen ganzen Trends Longevity, Prävention, Gesunderhaltung, auch gerade in der Generation Z oder am Thema bei Frauengesundheit Menopause, dass wirklich auch außerhalb der Bubble ganz viele Leute erreicht, weil die sagen, ich möchte selbst aktiv werden, aber das System bietet mir eigentlich nicht genug. Aber da clasht auch viel. Aber wie gehen Leute eigentlich durch das ganze Gesundheitsthema? Wie können sie auch präventiver mehr machen? Und da positioniert sich die GKV und die BARMER ja auch gerade sehr stark. Und das wird auch ein Thema sein, wo KI, wo Daten, wo Technologie, Digitalisierung total viel unterstützen kann und wird. Und auch da habt ihr eine ganz klare Vision.
21:44
Inga Bergen
Genau. Also ich mache es mal konkret an dem Thema Frauengesundheit. Ich finde es auch wichtig, dass— also ich nehme das auch wahr, dass Wenn ich Patient bin, wenn ich im System bin, ich brauche Information, ich brauche richtige und gute Information. Und dann will ich aber auch Herr oder Frau meines eigenen Geschehens bleiben. Und was ist dann eigentlich so die Rolle von Krankenkassen? Und ich finde, wir haben die Expertise und wir haben das Wissen aufzuklären und Informationen zur Verfügung zu stellen und Wege aufzuzeigen, was konkret jeder Einzelne dann damit macht. Das finde ich ganz wichtig, dass da nicht irgendwie durchgesteuert wird, sondern dass Optionen geboten werden. Und ich habe mir das angeguckt zum Thema Frauengesundheit, weil es natürlich mit meinem— ich bin selber Frau, ich bin selber in einem Alter, wo solche Themen wichtiger werden. Und dann habe ich mir mal angeguckt, was hatten die Barmer da eigentlich? Und ich habe festgestellt, wir haben wahnsinnig viel Expertise in unserem eigenen Unternehmen. Die sind überall verstreut, in ganz vielen Fachbereichen. Wir haben ganz tolle Menschen, die sich mit dem Thema Frauengesundheit und mit den Themen auseinandersetzen und wir machen unheimlich viel. Und ich habe gesagt, wir bündeln das jetzt mal, um halt eben es konkreter zu machen, es greifbarer zu machen, auch kampagnenfähig zu machen. Und wir haben einen Women's Health Club gegründet mit Expertise aus der BARMER und wir treiben jetzt solche Themen voran. Wir haben einen Hitzeschutzleitfaden zum Aktionstag Hitze Anfang Juni rausgegeben für Frauen. Wir haben jetzt gerade Menopause@Work, also ein Präventions-BGM-Konzept, auf den Weg gebracht und unterstützen Firmen im Umgang mit Menopause und Frauen und Beschäftigten. Was kann man da ein paar tun im Rahmen BGM? Und so gibt's viele weitere Themen. Und unser Ziel ist wirklich, das präsent zu machen, aufzuklären, Informationen, tragfähige Informationen zur Verfügung zu stellen. Und es einfach für Versicherte auch greifbarer zu machen. Das betrifft übrigens auch nicht nur die Frauen, weil es gibt ja dann immer noch auch die Männer, die daran irgendeiner Art und Weise beteiligt sind. Für die ist das nämlich auch wichtig. Und von daher ist es uns echt ein Anliegen, da mehr reinzugehen und nicht mit so einem Steuerungsansatz, sondern hinzugehen und zu sagen, das sehen wir mal so ein bisschen holistischer und wir sind eine Krankenkasse und bei uns findet ihr die Hilfe, die ihr braucht und die ihr auch einfordert und einfordern sollt.
24:07
Inga Bergen
Ja, das ist übrigens schon interessant, weil ich das ja auch wahrnehme. Also ich halte ja viele Vorträge und ich habe immer so seit ein paar Jahren das Thema: Wie gehen wir eigentlich zukünftig in das, also in die Gesundheitsversorgung oder wie beschäftigen wir uns mit Gesundheit? Und meine Theorie, und die ist ja etwas, was man auch sieht in dem, was ihr strategisch auch ausrollt, ist, wir kommen irgendwann dahin, dass wir einen telemedizinischen Einstiegspunkt in irgendeiner Form haben. Also entweder ein Symptom-Checker, wo wir selber gucken, gucken können, ist da jetzt überhaupt irgendwas? Weil wir sehen ja Erosion, sag mal, der familiären Strukturen, wo man früher noch irgendwie die Großmutter hatte, die dann noch geholfen hat. Das gibt es so in der Form nicht mehr und das muss irgendwie übernommen werden von Technologie, dieses Wissen weiterzugeben. Dann Telemedizin, eine telemedizinische Konsultation und dann aber auch viel, was ich begleitend von zu Hause machen kann. Und da geht ihr ja auch in die Richtung. Ihr wart so eine der ersten Kassen, die wirklich laut getrommelt haben. Bei uns kannst du Darmkrebsvorsorge von zu Hause machen, du kannst wirklich einen Test von zu Hause machen und solche Dinge. Und ich finde, Frauengesundheit ist eine low hanging fruit, weil Frauen kümmern sich einfach mehr um Gesundheit. Aber es zeigt diesen großen Shift, also was Gesundheit bedeutet. Das kann man ja alles aus dieser Strategie auch rauslesen.
25:28
Inga Bergen
Ja, ist richtig. Und das ist diese Förderung von Gesundheitskompetenz.
25:33
Inga Bergen
Ja, okay.
25:34
Inga Bergen
Ich habe auch zwei Kinder und wie oft ich meine Mutter angerufen habe, was macht man jetzt noch mal so? Und ich frage mich schon, kann ich das meinen Kindern so weitergeben, so diese alten Hausrezepte? Manchmal ist es was Kleines, was ich in meiner eigenen Gesundheitskompetenz weiß, wie ich agieren kann, was jetzt gerade gut ist. Und das geht schon ein bisschen verloren. Und man muss jetzt schon gucken, wie das konserviert werden kann bzw. wie wir es schaffen, diese Gesundheitskompetenz zu fördern. Und wir Frauen, und das kann man jetzt diskutieren, wie man will, wir bleiben die Gesundheitsmanagerinnen unserer Familien. Und ich selber hatte letztes Jahr so den Fall, dass ich selber zur Gesundheitsmanagerin meiner Familie wurde, weil mein Mann erkrankt ist. Und ich muss ehrlich gesagt sagen, ich komme aus dem System, ich weiß im System Bescheid. Und wenn man aber dann ganz konkret betroffener Patient im Krankenhaus ist, wie wenig dann an Unterstützung da ist und man eigentlich vor Dingen und vor Herausforderungen steht, wo geht man als Nächstes hin, wie kriegt man die entsprechende Versorgung? Das ist schon etwas, wo ich ganz persönlich sage, da gibt's noch echt einen langen Weg. Weil jetzt kann man sagen, wir sind noch nicht so alt, wir sind noch irgendwie zu zweit, ich konnte meinen Mann unterstützen. Vielleicht ein bisschen älter ist und keine Angehörigen mehr hat, was macht man denn dann in so einem System? Und da brauchen wir noch andere Wege. Man ist sonst wirklich, und ich habe es live erlebt, und das vielleicht auch ganz gut, wenn man so einen Job macht, dass man es einfach mal sehr plastisch erlebt. Wo gibt es denn eigentlich noch die Defizite im Gesundheitssystem und was können wir daran ändern und welche Rolle hat die GKV da?
27:05
Inga Bergen
Ja, ja, was auch wirklich ein sehr, sehr spannender Punkt ist, weil diese Fragmentierung, wir denken ja in den Sektoren. Ich war neulich mal bei einer großen Drogeriekette eingeladen, die in das Gesundheitswesen einsteigen mit einem Angebot und Die starteten dann erst mal mit dem Menschenbild und das fand ich total spannend, weil die dann wirklich erst mal darauf aufbauen wollten. Der Mensch ist ein, jetzt hoffe ich, dass ich es gut zusammenkriege, entscheidungsfähiges und freiheitsorientiertes Wesen, also was entscheidungsfähig ist. Und das fand ich total spannend, weil das habe ich im Gesundheitswesen noch nie so gehört. Wir neigen ja dazu, wenn wir aus der Systemlogik gucken, in diesen Sektoren zu denken, zu überlegen, wer macht da was. Und diese ganze Perspektive, die ihr ja auch eigentlich als GKV haben könnt, weil ihr seht ja die einzelnen Abrechnungen, ihr seht ja, was die Leute dann machen. Das eröffnet ja auch noch mal ein ganz neues Feld. Das würde ich jetzt einfach mal so aus dem Bauch raus wahrscheinlich für 20% der Kosten im Gesundheitswesen verantwortlich machen, dass Menschen irgendwo rumirren und irgendetwas machen, was in dem Moment vielleicht gar nicht unbedingt so sinnvoll ist und was sie Zeit kostet und was ihnen nichts bringt. Und da positioniert ihr euch ja auch gerade als Ermöglicher vielleicht einer ganz neuen Rolle. Wie kann man das so auf den Punkt bringen? Was ist da die Rolle der BARMER dann in der Zukunft?
28:35
Inga Bergen
Also ich glaube, dass wir halt eben gucken können, wo sind die Informationen, wie kann ich mich schlau machen, wie kann ich das vermeiden, dass ich irgendwohin gehe und das gerade gar nicht sinnvoll ist für mich. Ich weiß auch gar nicht, ob ein Patient im System, wenn er selber erkrankt ist, noch so entscheidungsfreudig ist, sondern man verlässt sich ja viel auf „Gehen Sie dahin, gehen Sie dorthin, gehen Sie dorthin" und man macht dann etwas etwas eher mechanisch. Und da noch mal zu gucken und zu sagen, kann alles erst mal hinterfragen. Ich muss nicht ungesteuert und ohne Informationen irgendetwas annehmen oder irgendetwas nicht tun. Ist ja völlig egal. Sondern ich kann mich informieren, ich bleibe mündig und diese Informationen sind sehr niedrigschwellig für mich zu erreichen und unterstützt über natürlich am besten digitale Angebote, dass ich das auch nicht nur tun muss während irgendeiner Öffnungszeit, sondern das kann ich halt eben auch anders tun, am Wochenende oder vielleicht abends. Und das ist halt etwas, was, glaube ich, auch in der Rolle der Krankenkassen verankert sein kann, dass wir mehr zu dieser Gesamtinformation beitragen und zur Stärkung der Gesundheitskompetenz. Und eigentlich fängt es ja noch ein bisschen früher an. Im Sinne von vorher, also vor der Krankheit liegt die Phase, wo man gesund ist und vielleicht etwas für seine Gesundheit noch ein bisschen mehr tun kann.
29:54
Inga Bergen
Total spannend, weil ich hatte, ich weiß nicht, hast du bestimmt auch gesehen, es gibt so eine, in Anführungsstrichen, Studie. Da hat jemand Reddit ausgewertet, also so Internetforen, und hat geguckt, worüber berichten eigentlich Leute, was die mit ChatGPT zum Beispiel mit großen Sprachmodellen so besprechen. Und das fand ich total bemerkenswert, weil auf Platz 1 war Therapie, Companionship, also so psychische Hygiene-Themen. Und dann war aber auf 10 auch schon das ganze Thema Gesundheit jetzt neu eingestiegen. Und da dachte ich auch, also ich glaube, wenn ich jetzt in irgendeiner Form, manchmal mache ich das tatsächlich mit, Arztbriefen, die ich nicht verstehe. Die meisten verstehe ich, aber wenn ich sie nicht verstehe, dann lasse ich sie auswerten von einem LLM. Und ich bin jetzt auch dazu übergegangen, bei Angehörigen, um die ich mich kümmere, dann immer zu gucken, okay, was ist das? Was ist die Leitlinie? Was muss da gemacht werden, um das einfach so ein bisschen zu hinterfragen? Und das ist ja etwas, was man durchaus irgendwann bei einer GKV sehen kann, also dass wir wirklich ein System haben, wo ich jederzeit fragen kann, Und wo es dann vielleicht nicht so ist, wenn wir es mal positiv denken, weil im Negativen ist es, ich kämpfe bei der GKV darum, dass ich das darf, also dass die mir das erstattet, dass ich das überhaupt machen kann. Das ist ja so ein bisschen das, wo man vielleicht dann gedanklich auch landen kann. Und so zwei unterschiedliche Perspektiven. Also finde ich auch spannend, sich das mal so zu überlegen, oder?
31:30
Inga Bergen
Ja, absolut. Also natürlich, das ist das, was du als Letztes gesagt hast, immer das, wie Versicherte auf GKV gucken. Also Hauptsache, ich Ich bekomme es erstattet. So, und da noch mal so ein bisschen hinzugucken, was ist eigentlich unser Mehrwert als Krankenkasse? Natürlich erstatten wir Themen und natürlich sind wir da, dass wir gute Versorgung bieten. Manchmal muss man auch Nein sagen. Es gehört halt eben auch dazu, nicht alles kann. Und ich meine, wir haben genug finanzielle Themen in der GKV, ist bezahlbar, ist vielleicht auch manchmal in der Sphäre von Patienten. Also es gibt ja immer das sozusagen auf Themen, die man vielleicht nicht in der GKV oder in der allgemeinen Erstattung sehen kann. Das ist auch, finde ich, in Ordnung. Und da einfach noch mal hinzugucken und zu sagen, was kann denn unsere Rolle sein in Abgrenzung, aber auch mit allen anderen Playern im Gesundheitswesen? Also das muss man schon gesamthaft denken und nicht gegeneinander, sondern zu gucken, wo hat da jeder seine Rolle und wie können wir da auch, und darum wird es auch immer in der GKV gehen, wie können wir das effizient gestalten?
32:31
Inga Bergen
Ich finde das übrigens gut, dass du das sagst, weil es gibt ja manchmal so ein bisschen die Tendenz, und das finde ich in Deutschland total schade, diese Tendenz zu sagen, wir machen das alles selber, weil alles, was aus der freien Wirtschaft kommt, ist irgendwie nicht so gut. Ihr habt ja eine andere Perspektive, weil ihr sehr viel partnert. Ich fand es spannend. Ich war vorletzte Woche in Paris auf der VivaTech, das ist so eine supergroße, da sind 200.000 Leute. Ich kannte das nur vom Hören, aber ich war jetzt das erste Mal da. Und da war dann Präsident Macron auf der Bühne mit Unternehmen und da fand ich das interessant, weil Frankreich ist so ein Beispiel für mich Public-Private Partnership. Und ich denke, immer wenn in Deutschland diese Tendenz aufgemacht wird, es gibt jetzt irgendwo einen Milliardentopf, da nehmen wir noch mal 60 Milliarden und dann bauen wir das alles noch mal neu. Dann bauen wir unsere eigene KI noch mal ganz neu auf der grünen Wiese, was ja absolut unrealistisch ist, weil das wird sich nie refinanzieren lassen. Das sehen wir auch im Krankenhauszukunftsgesetz. Die dauerhafte Finanzierung geht nur, wenn es wirklich ein tragfähiges Geschäftsmodell hat. Und da sagst du schon, das macht ihr mit allen anderen Playern. Ihr müsst eigentlich für euch das klarkriegen. Wer wollt ihr sein und dann mit wem arbeitet ihr?
33:46
Inga Bergen
Ich bin sehr dafür, dass jeder bei seiner Kernkompetenz bleibt. Also eine GKV hat eine Kernkompetenz und andere haben eine andere Kernkompetenz. Und gerade wenn wir im Bereich Digitalisierung uns befinden und KI, da muss man einfach sagen, da haben andere die Kernkompetenz und jetzt nicht unbedingt eine Barmer selbst. Aber das kann man zusammendenken und immer den besten Weg für Versicherte suchen. So, aber alles selber zu machen und selber entwickeln zu wollen, also das wird nicht funktionieren.
34:17
Inga Bergen
Weil wenn du sagst, eure Kernkompetenz liegt dann in etwas anderem und du sagst gleichzeitig, ihr habt super viel Wissen, was Menschen im Kontext Gesundheit machen können und auch wie sie wo eigentlich das Richtige finden. Das ist ja, im Zweifel habt ihr ja diese Mitarbeitenden vor Ort irgendwo in der Fläche sitzen, die genau wissen, ah, jetzt haben Sie das, man hat Ihnen das empfohlen, gehen Sie doch noch mal dahin am besten. Also ganz blödes Beispiel, es kommt jemand und da sagt dann das Kreiskrankenhaus XY, sagt, Ihre onkologische Erkrankung können wir hier machen. Und die Person geht zu euch in die Niederlassung und die sagen, gehen Sie auf jeden Fall in das zertifizierte Zentrum, da sind Sie besser aufgehoben. Das kann ja auch schon eine Steuerung in Anführungsstrichen sein, die Menschen dann im Zweifel total hilft.
35:08
Inga Bergen
Ja, und ich würde da mal weg von diesem Steuerungsthema, sondern hingehen zu mehr Information. Also es gibt Vor- und Nachteile für beide Varianten. Da kann man noch mal deutlich aufklären, wenn ich etwas habe, wo was sehr Spezialisiertes, wo es nicht viele Fälle zu gibt, ist es, glaube ich, immer besser, in ein Versorgungshaus zu gehen, wo ich sage, da gibt es jemanden, der das schon mehr als zweimal gemacht hat. Aber zu sagen, am Ende entscheiden Versicherte gemeinsam mit dann auch Ärzten, was sie am Ende tun. Aber wir können halt eben auf diesem Kompetenzniveau sagen, ja, was ist sinnvoll? Ja, was sind andere Optionen? Um was geht es jetzt hier genau? Und dann gibt es wieder die Entscheidung, die bei unseren Versicherten liegt. Aber das ist immer so der Punkt, wo ich denke, da muss man auch klar bleiben in Rollen. Und was können wir leisten und was können wir halt eben nicht leisten? Aber da unterstützen finde ich wichtig.
36:02
Inga Bergen
Ich war gestern auf einer Veranstaltung, da wurde mir ein Buch empfohlen von einem Oldenburger Philosophen. Das heißt, glaube ich, Der technische Arzt. Also ich muss noch mal raussuchen, wie es heißt, dann werde ich es auf jeden Fall in den Shownotes verlinken. Das hat er irgendwie in den 50er, 60er Jahren geschrieben und da hat er gesagt, hat er einen Satz zitiert, den fand ich total interessant und der passt jetzt gerade auch in den Kontext: Ein Erkrankter hat 20 oder sieht 20 Ärzte, aber keiner davon ist sein Arzt. Und das ist auch etwas, was wir in dieser Systemfragmentierung erleben. Also diese eine Person, die wirklich alle Informationen zusammenhält und die dann Informationen auch bereitstellt, Was kann ich tun, die eigentlich auf der ärztlichen Seite zu finden sein sollte? Aber das wird, ist schwierig. Die könnte ja irgendwo anders verortet sein zukünftig. Aber da haben wir dann wieder Rollenabgrenzung.
36:57
Inga Bergen
Und da braucht man auf jeden Fall Gesetzesänderungen, wenn man so etwas so tun wollen würde. Heute ist es so tatsächlich nicht möglich.
37:06
Inga Bergen
Ja, finde ich wirklich spannend, weil diese Rolle ist offen. Also ich glaube, Diese Rolle haben wir im Moment in unserem Ideal, haben wir die, da ist die der Primärarzt, der Hausarzt vielleicht.
37:18
Inga Bergen
Genau, das ist ja so das Ideal. Ja, genau. Aber es greift ja schon so ein bisschen diese Philosophie aus, einer über dieses Primärarztmodell steuert.
37:28
Inga Bergen
Ja, genau. Und ja, da sehe ich gerade, also auch in dem Gespräch mit dir geht mir gerade auf, das müssen wir alles gerade neu verhandeln. In der Gesellschaft, auch in der Gesundheitsversorgung. Wer nimmt da welche Rolle ein in der Zukunft? Und das ist ja eine spannende Frage, jetzt auch wirklich mitzugestalten.
37:45
Inga Bergen
Ja, absolut. Und ich glaube auch, dass die gesetzlichen Krankenkassen schon auch ihre Rolle da noch mal finden in dem Rahmen, in den gesetzt wurde. Und ich finde es extrem wichtig, dass auch Wettbewerb da ist, dass Versicherte sich das auch angucken können. Was macht der, was macht die Krankenkasse und was hat jene Krankenkasse? Und wo sind halt eben die Unterschiede? Und was ist eben nicht das Einheitsversorgung? Und was ist nicht nur ein Weg? Also deshalb plädiere ich immer sehr für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Krankenkassen, weil das genau wird ein Punkt sein, wo differenziert es sich, wo fühle ich mich extrem gut aufgehoben? Und was, wenn ich, wenn ich in diesem System bin, was unterstützt einfach, ob ich gesund bin und bleibe? Oder wenn ich erkrankt bin, was unterstützt meine gute Gesundheitsversorgung? Und wir haben nach wie vor eine der besten auf der Welt und von daher gilt es, die zu bewahren.
38:38
Inga Bergen
Ja, das ist ein Thema, das könnten wir dann auch noch mal ausführlich diskutieren. Aber was wir, womit, wo ich auf jeden Fall mitgehe, ist, dass unsere Gesundheitsversorgung für jeden zugänglich ist und dass jeder eine gute Versorgung erhalten kann, wenn man in der Lage ist, das selbst ein bisschen zu managen oder Leute hat, die einen dabei unterstützen. Und es freut mich zu hören, dass ihr daran arbeitet, Das also da wirklich auch in die Verantwortung zu gehen mit KI, mit was auch immer, mit neuen Rollen. Also das freut mich zu hören. Ich freue mich, das weiter zu beobachten, was ihr macht, weil wie gesagt, ich nehme euch als sehr innovative Kasse wahr und jetzt auch als eine der ersten, die bewusst wirklich sagen, wir gehen auf das Thema KI und wir widmen dem eine eigene Entity, also eine eigene Unit. Ich freue mich, das wirklich weiter zu beobachten und ich bedanke mich ganz herzlich bei dir für all diese wirklich vielen Themen, die du auch angestoßen hast und wünsche dir super, super viel Erfolg weiterhin mit deinem ganzen Team bei der BARMER, liebe Simone.
39:41
Inga Bergen
Danke, Inga, hat Spaß gemacht, mit dir zu sprechen. Wir haben wirklich echt viele Themen gestriffen, ne?
39:46
Inga Bergen
Ja, absolut. Und ich hoffe, wir haben dann die Gelegenheit, in ein paar Jahren das auch einmal zu rekapitulieren, was sich daraus ergeben hat.
39:55
Inga Bergen
Hoffentlich erfolgreich.
39:57
Inga Bergen
Danke, Simone.
39:58
Inga Bergen
Danke, Inga.





