27.02.2025

27.02.2025

Episode

130

Episode

130

37 Min.
37 Min.

Digitale Versorgung, KI in der Medizin

KI-Dokumentation in der Arztpraxis: Constanze Stypula, CEO Jameda, über NOAH Notes, Cloud und ePA

Constanze Stypula ist CEO von Jameda und verantwortete zuvor bei Amazon weltweit die Entwicklung der Text-to-Speech-Technologie für Alexa, nachdem sie dort Audible Deutschland mit aufgebaut hatte. In Folge 130 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie aus einem Bewertungsportal eine digitale Gesundheitsplattform wurde und was KI und Cloud für Praxen leisten. Stypula erklärt, warum NOAH Notes Gespräche in Dokumentation überführt und Hausärzte bei rund zehn Wochenstunden Schreibarbeit entlastet, warum cloudbasierte Systeme Updates und Schnittstellen gegenüber lokalen Servern weniger fehleranfällig machen und wie Patienten über ePA und Wearables zu Akteuren ihrer Gesundheitsdaten werden. Das Gespräch zeigt an konkreten Anwendungen, wie Entlastung für Praxen und mehr Aufmerksamkeit für Patienten zusammenhängen.

Warum das Thema wichtig ist

Während des Gespräches kann der Arzt oder die Ärztin sich 100%ig auf ihre Patienten konzentrieren und das wird als extrem wertvoll erfunden.

Niedergelassene Praxen in Deutschland tragen die Last der Digitalisierung weitgehend allein, mit eigenen Servern, eigener Netzwerkkonfiguration und manuell eingespielten Updates, während zugleich die ePA ausgerollt wird und Dokumentationspflichten Arztzeit binden, die in den Gesprächen mit Patienten fehlt. Die Folge macht an der Gegenüberstellung von On-Premise und Cloud sowie an KI-gestützter Dokumentation und Terminvergabe greifbar, wo sich Personalengpässe und Fehleranfälligkeit konkret verringern lassen und welche Altstrukturen dafür zurückgebaut werden müssten. Relevant ist das für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber, MFA, Anbieter von Praxisverwaltungssystemen, HealthTech-Gründerinnen und Gründer sowie für Gematik und politische Entscheider, die über Schnittstellen und Datenräume bestimmen. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, fragt im Gespräch für "Visionäre der Gesundheit", ob die Entlastung der Praxen am Ende das ist, was Patienten wieder mehr Aufmerksamkeit in der Sprechstunde verschafft.

key take aways

Laut Constanze Stypula, CEO von Jameda, entlastet der KI-Assistent NOAH Notes Ärztinnen und Ärzte spürbar, weil er das Gespräch mitschreibt und in eine vorab definierte Vorlage sortiert. Medizinische Dokumentation kostet Allgemeinmediziner laut ihr rund 10 Stunden pro Woche, und die volle Aufmerksamkeit gehört so wieder den Patientinnen und Patienten.

Stypula erklärt, dass die Cloud die Digitalisierung der Praxen beschleunigt, weil On-Premise-Lösungen mit eigener Hardware, Netzwerkkonfiguration und Sicherheitseinstellung pro Praxis fehleranfällig und nicht skalierbar sind. In der Cloud entfallen manuelle Updates, lokale Servicetermine für Schnittstellen und Ausfälle am Morgen, weil die Anbindung rein online geschieht.

Im Gespräch mit Inga Bergen bei Visionäre der Gesundheit betont Stypula, dass die Akzeptanz bei Patientinnen und Patienten kein Hindernis für KI im Sprechzimmer ist. Ärztinnen und Ärzte kündigen die Aufnahme an und ergänzen die Datenschutzhinweise, und bisher hat laut ihr kein einziger Fall von Widerspruch Jameda erreicht, wohl auch wegen des Vertrauens in die behandelnde Person.

Stypula warnt davor, Digitalisierung nur scheibchenweise zuzulassen, ohne Altes zurückzubauen, denn so bleibt das System schwerfällig und teuer. Sie plädiert dafür, von der Vision her zu denken, etwa einem europäischen Gesundheitsdatenraum mit Datenhoheit beim Patienten, und daraus die nächsten Schritte abzuleiten, auch wenn die ePA derzeit viele Ressourcen bindet.

Zentrale Erkenntnisse

  • Jameda wurde 2007 gegründet und gehört seit 2021 bis 2022 zu Docplanner.

  • Docplanner ist eine Digital-Health-Plattform mit Aktivität in 13 Ländern Europas und Lateinamerikas.

  • Jameda NOAH Notes ist ein KI-Assistent, der Arzt-Patienten-Gespräche in strukturierte medizinische Dokumentation verwandelt.

  • Medizinische Dokumentation kostet Allgemeinmediziner etwa 10 Stunden pro Woche.

  • NOAH Booking ist eine KI-Telefonassistenz für Terminbuchung und Terminverschiebung in Arztpraxen.

Die Gastgeberin

Host Image

Inga Bergen

Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor

"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheits­wesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.

Der Podcast

Visionäre der Gesundheit

VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.

Episoden BESCHREIBUNG

Von der Arztsuche zur KI-Plattform: Wie Jameda-CEO Constanze Stypula das Gesundheitswesen mit Cloud und NOAH Notes verändern will

In dieser Folge von "Visionäre der Gesundheit" spricht Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, mit Constanze Stypula, der CEO von Jameda. Inga Bergen hat sie eingeladen, weil Stypula wie sie selbst aus dem Tech-Consumer-Bereich stammt. Nach über zehn Jahren bei Amazon, unter anderem beim Aufbau von Audible Deutschland und Frankreich und bei der Text-to-Speech-Technologie von Alexa, bringt sie eine konsequente Kundenorientierung mit. Gleichzeitig führt sie eines der ältesten Digital-Health-Unternehmen Deutschlands. Diese Verbindung aus Tech-Denken und Praxiswissen liefert einen seltenen Blick auf die Frage, was KI und Cloud im Praxisalltag wirklich leisten können.

 

Wie hat sich Jameda vom Arztbewertungsportal zur digitalen Gesundheitsplattform entwickelt?

Jameda ist seit der Gründung 2007 von einem reinen Bewertungs- und Suchportal zu einer Plattform für die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten gewachsen. Zunächst ging es um Transparenz bei der Arztwahl: Patienten finden Fachgebiete, Behandlungen und Erfahrungsberichte in ihrer Umgebung. Dazu kamen Profilierungsmöglichkeiten für Mediziner, etwa Ratgeberartikel zu gefragten Themen.

Ab 2016 folgte die erste Kalenderlösung mit Online-Terminbuchung. Daran schlossen sich Terminerinnerungen, Verschiebungen, Nachrichten und Kampagnen für Vorsorgeuntersuchungen an. In den Jahren 2021 und 2022 wurde Jameda von Docplanner übernommen, einer Plattform, die in 13 Ländern in Europa und Lateinamerika aktiv ist. Die alte Plattform wurde auf die globale Docplanner-Technologie migriert.

 

Was ist NOAH Notes und wie funktioniert die KI-gestützte Dokumentation?

NOAH Notes ist ein KI-Assistent, der Arzt-Patienten-Gespräche mithört und daraus automatisch eine strukturierte medizinische Dokumentation erstellt. Ärztinnen und Ärzte legen vorab eine Vorlage mit Themenblöcken an, zum Beispiel Beschwerden, körperliche Untersuchung, Diagnose und Behandlungsplan. Die Überschriften wirken dabei wie Anweisungen an die KI, die das Gesagte filtert und passend einsortiert.

Das Tool stellt ausdrücklich keine Diagnosen, sondern verschriftlicht, was der Arzt selbst ausspricht. Als nächste Ausbaustufe sind die Übersetzung in ICD-Codes und später passende Abrechnungsziffern geplant. Gerade das Thema Abrechnung stößt bei Medizinern auf besonders großes Interesse, weil die Daten so direkt für die Buchhaltung vorbereitet wären.

 

Wie viel Zeit können Ärztinnen und Ärzte durch KI-Dokumentation sparen?

Bei Allgemeinmedizinern fallen für Dokumentation, Patientenakte und Arztbriefe grob zehn Wochenstunden an, also mehr als ein voller Arbeitstag. Genau hier setzt NOAH Notes an und entlastet vor allem die Fachgruppen mit vielen Patientenkontakten. Hausärzte, Allgemeinmediziner und Internisten bilden die größte Nutzergruppe, rund ein Viertel bis zwei Fünftel von ihnen setzen das Tool bei Jameda ein.

Für andere Fachrichtungen verschiebt sich der Nutzen. Psychotherapeuten mit wenigen Gesprächen am Tag profitieren eher von der ungeteilten Konzentration auf den Patienten. In der Zahnmedizin kann die Software die Befunddiktate übernehmen, die sonst eine Fachangestellte neben dem Behandler notiert. Zudem versteht das System Gespräche in beliebigen Sprachen und gibt die Dokumentation auf Deutsch aus. Das hilft besonders mehrsprachigen Ärzten und kann Sprachbarrieren in der Praxis abfedern.

 

Müssen Patienten der KI-Aufzeichnung im Arztgespräch zustimmen und wie reagieren sie?

Die Praxis muss die Aufzeichnung ankündigen und ihre Datenschutzhinweise entsprechend ergänzen, Widerstand von Patienten ist bisher aber kaum bekannt. Jameda hat die Ärzte vor dem Start mit Informationsmaterial und Argumentationshilfen ausgestattet, ohne Rechtsberatung zu leisten. Nach Angaben des Unternehmens gab es bislang keinen einzigen gemeldeten Fall, in dem ein Patient abgelehnt hat.

Stypula vermutet, dass das Vertrauen in die behandelnden Ärzte eine große Rolle spielt. Allerdings räumt sie ein, dass Jameda die Daten selbst nicht einsieht und auf Rückmeldungen der Praxen angewiesen ist. Der Betastart war im Juni, der breitere Rollout begann im Oktober. NOAH Notes gilt als erstes DSGVO-konformes Tool dieser Art auf dem deutschen Markt.

 

Was ist der Unterschied zwischen Cloud und On-Premise in Arztpraxen?

Bei On-Premise läuft die Software auf Servern vor Ort in jeder einzelnen Praxis, bei der Cloud zentral über das Internet. Der lokale Betrieb bringt in jeder Praxis eigene Hardware, Netzwerkeinstellungen und Sicherheitskonfigurationen mit sich. Für Softwareanbieter ist das schwer zu skalieren: Updates und neue Schnittstellen müssen bei Hunderten Kunden mit unterschiedlichen Strukturen funktionieren, und bei Problemen muss oft vor Ort nachgesehen werden.

Eine Cloud-Lösung bietet dagegen automatische Updates und Backups, benötigt keinen eigenen Server und erlaubt den Zugriff von jedem Gerät. Ein Arzt könnte etwa am Wochenende von zu Hause aus Videosprechstunden anbieten. Auch Schnittstellen lassen sich ohne Vor-Ort-Termin verbinden. Inga Bergen und Stypula betonen zudem, dass die Cloud entgegen älterer Vorbehalte die sicherere und stabilere Option ist, weil nicht jede Praxis die Sicherheitsanforderungen allein stemmen muss.

 

Welche KI-Anwendungen gibt es noch für Praxen und Patienten?

Neben der Dokumentation entstehen KI-Lösungen für die Telefonie, die Diagnostik und die Gesundheitsdaten der Patienten. Jameda plant mit NOAH Booking einen Sprachassistenten, der Terminbuchungen und Verschiebungen am Telefon übernimmt und direkt in den Kalender einträgt. Dieser Schritt ist sinnvoll, weil die Terminvergabe laut Erhebungen etwa 30 bis 50 Prozent der Telefonzeit in Praxen bindet.

In der Diagnostik sieht Stypula großes Potenzial bei bildgebenden Verfahren, in denen KI riesige Datensätze auswertet und Hinweise zum Befund liefert. Auf Patientenseite entsteht mit der elektronischen Patientenakte, Wearables und Anbietern wie Ada Health die Möglichkeit, die eigenen Gesundheitsdaten selbst zu verstehen und aktiv zu steuern. Inga Bergen ergänzt, dass Praxen mit KI-Unterstützung künftig anderthalb Arbeitstage pro Woche gewinnen könnten, was das System grundlegend verändern würde.

 

Warum kommt die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen nur langsam voran?

Die Digitalisierung stockt, weil das System modernisiert werden muss, während es im Betrieb weiterläuft, und weil alte Strukturen nur scheibchenweise ersetzt werden. Stypula vergleicht die Lage mit der Deutschen Bahn. Verpflichtende Projekte wie die elektronische Patientenakte binden viele Ressourcen, die dann für den Weg in die Cloud fehlen. Dazu kommt die große Vielfalt an Praxisverwaltungssystemen, die Inga Bergen mit teils schwacher Zufriedenheit der Ärzte in Verbindung bringt.

Stypula hält eine Vielfalt an Anbietern für notwendig, da jede Fachrichtung eigene Anforderungen hat. Entscheidend sei vielmehr, ob die Systeme lokal oder in der Cloud laufen. Sie wünscht sich, dass Politik, Wirtschaft und Behandler stärker vom Ziel her denken, etwa mit Blick auf den europäischen Gesundheitsdatenraum, bei dem Patienten die Hoheit über ihre Daten behalten, die Daten aber Forschung und Behandlung nutzen können.

Im Gespräch mit

Guest Image

Constanze Stypula

CEO von Jameda

Constanze Stypula

Constanze Stypula ist CEO von Jameda, einer führenden digitalen Plattform im deutschen Gesundheitswesen, die seit 2021 zur Docplanner Group gehört. Zuvor arbeitete sie über zehn Jahre bei Amazon, wo sie den Aufbau von Audible Deutschland und Frankreich mitgestaltete und weltweit die Entwicklung der Text-to-Speech-Technologie für Alexa leitete. Danach war sie in Startups wie Taxfix und PayFit tätig, bevor sie zu Jameda wechselte.

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Constanze Stypula

CEO von Jameda

Constanze Stypula

Constanze Stypula ist CEO von Jameda, einer führenden digitalen Plattform im deutschen Gesundheitswesen, die seit 2021 zur Docplanner Group gehört. Zuvor arbeitete sie über zehn Jahre bei Amazon, wo sie den Aufbau von Audible Deutschland und Frankreich mitgestaltete und weltweit die Entwicklung der Text-to-Speech-Technologie für Alexa leitete. Danach war sie in Startups wie Taxfix und PayFit tätig, bevor sie zu Jameda wechselte.

KAPITEL

00:00 — Constanze Stypula: Von Amazon und Audible zu Jameda

04:34 — Jameda seit 2007: Vom Arztbewertungsportal zu Docplanner

07:50 — Wie funktioniert der KI-Assistent NOAH Notes?

19:10 — Cloud statt On-Premise: Warum lokale Server bremsen

26:29 — NOAH Booking, Diagnostik und ePA: KI im Ausblick

33:03 — Gematik, Gesundheitsdatenraum und der PVS-Wildwuchs

TRANSKRIPT

00:14

Constanze Stypula, CEO

Constanze Stipula ist CEO von Yameda. Sie begann ihre Karriere bei Amazon, wo sie über ein Jahrzehnt lang an innovativen Technologien arbeitete. Von der Entwicklung von Audible Deutschland und Frankreich bis hin zur globalen Verantwortung für die Text-to-Speech-Technologie von Alexa. Nun bringt sie ihre Tech-Expertise ins Gesundheitswesen ein. In dieser Episode sprechen wir darüber, wie Jameda sich von einem reinen Arztbewertungsportal zu einer digitalen Gesundheitsplattform entwickelt hat, warum KI-gestützte Dokumentation mit NOAH Notes Ärzten Zeit spart und Patienten mehr Aufmerksamkeit bringt und wie die Cloud die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben kann.

01:04

Inga Bergen

Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast und ich freue mich sehr auf meinen heutigen Gast, denn sie führt, kann man sagen, ein Urgestein in der Digital Health in Deutschland, ein Unternehmen, das es schon sehr, sehr lange gibt und das eines der ersten war, die überhaupt damit begonnen haben, den sehr analogen Gesundheitsmarkt in Deutschland zu digitalisieren. Das ist jetzt ein langer Cliffhanger und ich begrüße Constanze Stipula. Sie ist CEO von Yameda. Hallo Constanze!

01:37

Constanze Stypula, CEO

Hallo, freut mich sehr, mit dir zu sprechen, Inga.

01:39

Inga Bergen

Ja, ich freue mich auch total, denn du hast Du hast eine Gemeinsamkeit mit mir. Ich habe eine Gemeinsamkeit mit dir. Wir kommen beide originär nicht aus dem Gesundheitswesen, sondern eher aus dem Tech-Consumer-Bereich, kann man sagen. Und du warst vor Jameda noch bei Amazon und bist dann ins Gesundheitswesen gewechselt. Wie kam das dazu? Das musst du mir als Erstes erzählen.

02:01

Constanze Stypula, CEO

Genau, ich war über 10 Jahre bei Amazon, habe da Audible Deutschland mit aufgebaut und Audible Frankreich dann gelauncht, den Hörbuchanbieter zu zuletzt die Text-to-Speech-Technologie, die Entwicklung von Text-to-Speech-Technologie weltweit verantwortet für Amazon und Alexa. Dann einfach Lust, es waren 10 Jahre meines Lebens, wieder abenteuerlicher unterwegs zu sein, also den großen Konzern zu verlassen und in den Startup-Bereich zu gehen. War da zunächst bei 2 Tax-Tech-Unternehmen, also Steuer-Unternehmen, TaxFit und PayFit, und habe dann Angebot bekommen, Yameda zu übernehmen und mich super darüber gefreut. Es ist einfach ein Privileg, auch im Gesundheitswesen zu arbeiten.

02:38

Inga Bergen

Ja, total. Und da hast du ja auch schon so ein bisschen die in die Luft des regulierten Marktes geschnuppert, wenn es um Steuern geht. Und Gesundheitswesen ist ja schon noch mal so ein bisschen next level, was das angeht.

02:49

Constanze Stypula, CEO

Das stimmt. Wobei es relativ viele Parallelen zwischen Payroll, Steuer, also Lohnabrechnung, Steuer und Gesundheitswesen gibt. Es gibt Zertifizierungen, die man erlangen muss, bevor man überhaupt eine Software launcht. Ich sehe da jede Menge Parallelen.

03:03

Inga Bergen

Ich finde es so spannend, immer wenn jemand aus dem, ja, aus dem ganz anderen Segment, aus dem anderen Bereich kommt. Der ja eher so sehr kundenzentriert ist. Das ist ja, wenn du jetzt bei Amazon warst, das ist ja auch eine gewisse Denkschule. Und das finde ich sehr, sehr spannend, weil wir im Gesundheitswesen dazu neigen, Themen durch die Brille der Regulatorik zu sehen. Also als Erstes zu gucken, was ist möglich, wer ist wo Stakeholder? Und das merkt man natürlich, wenn man als Patient, Patientin oder auch als Arzt, Ärztin, medizinisches Fachpersonal irgendwie durchs Gesundheitswesen geht. Mit dieser Denke hast du ja wahrscheinlich einen total frischen Blick auch auf eure Themen, oder?

03:39

Constanze Stypula, CEO

Ja, absolut. Also ich merke schon den Unterschied auch zu anderen Anbietern, wobei Yameda da ja schon immer sehr patienten- und arztorientiert war und schon immer daran gearbeitet hat, quasi für beide den Journey im Web zu optimieren. Es ist trotzdem so, dass der Markt geprägt ist von Softwarelösungen, die im Prinzip Gesetzestexten folgen, stark vereinfacht, ne, und die sehr lokal sind, die On-Premise arbeiten, also lokale Installation auf dem lokalen Server des jeweiligen Arztes oder der jeweiligen Klinik sind. Genau, das ist ein gewaltiger Unterschied. Also einerseits sehr lokale Serverstrukturen, sehr lokal angelegte Software mit individuellen Konfigurationen, und andererseits halt diese Webumgebung, cloudbasiert, die eine viel höhere Agilität ermöglicht. Und dann on top kommt noch die User-Centricity, die in der Tat ich bei Amazon aufgesaugt und inkarniert habe. Und genau diese Dinge kann ich im Prinzip auch einbringen oder versuche sie auch im Alltag zu leben.

04:34

Inga Bergen

Du hast es jetzt gerade so erklärt, und das klingt dann so technisch, ne? Wir haben das eine, das läuft auf Servern, das andere läuft in der Cloud. Warum das aber ja dazu führt, dass sich die eine Seite permanent die Haare rauft, wenn der Computer nach Updates schreit und die andere nicht. Dazu kommen wir später auf jeden Fall noch. Jetzt kommen wir erst mal zu Jameda, denn Jameda kennt, glaube ich, fast jeder in Deutschland noch als Arzt-Ärztinnen-Bewertungsportal. So, das hat immer so die Runde gemacht. Also letztendlich war es nur wie ein Telefonbuch. Man konnte da Ärztinnen und Ärzte finden und suchen. Und dann eben auch Erfahrungsberichte schreiben. So hat Jameda begonnen. Mittlerweile ist es aber viel, viel, viel, viel mehr. Und da bist du ja die Beste, die uns da mal kurz einen Überblick geben kann. Also 2007 gegründet, ja, also wirklich schon lange am Start. Und jetzt agiert ihr ganz anders, habt ganz andere Produkte, macht andere Sachen. Wie beschreibst du Jameda heute, wenn mich wer fragt, was macht ihr denn genau?

05:32

Constanze Stypula, CEO

Also wir kommen ursprünglich aus einer Arzt-Patienten-Plattform-Logik. Unsere Mission war es, 2007 versuchen, bis 2015 in etwa Transparenz bei der Arztwahl zu verschaffen. Das heißt, Patientinnen und Patienten konnten auf Jameda nach einer Ärztin, einem Arzt suchen, nach einem Fachgebiet, einer Erkrankung, einer bestimmten Behandlung und haben dann einen Überblick bekommen, wer in ihrer Umgebung was anbietet und wie die Patientenerfahrung mit diesem Arzt ist über die Bewertung. Das machen wir nach wie vor. Diese Transparenz schaffen wir. Wir haben eine Volllistung der deutschen Ärzteschaft und ermöglichen Patientinnen und Patienten weiter, Bewertungen abzugeben und mit dem Arzt so in die Kommunikation zu kommen. Das ermöglicht Ärztinnen und Ärzten natürlich auch, bestimmte Profilierungen zu entwickeln. Wir haben verschiedene Tools, die an diese Bewertungsplattform angeschlossen sind, wie zum Beispiel, wir erlauben Experten, Ratgeberartikel zu verfassen zu bestimmten Themen. Die Ozempic, also diese Abnehmspritze, ist gerade ein Artikel, der extrem nachgefragt wird und viel angeguckt wird von Patientinnen und Patienten. Genau, also darüber kann man sich quasi profilieren und mit seinen Patientinnen und Patienten in Kontakt treten. Dann ab 2016 hat Yameda die erste Kalenderlösung auch gelauncht. Gelauncht. Da wurde dann ermöglicht, über die Plattform, wo der Arzt oder die Ärztin schon ein Profil hatte, eine Terminbuchung zu tätigen. Und daran sind dann die Features, die uns alle heute sehr vertraut sind, angedockt worden: Terminerinnerung, Terminverschiebung, dann Nachrichten, also das Messaging zwischen Arzt und Patient, Kampagnen, die Ärzte auffahren können, zum Beispiel für Vorsorgeuntersuchungen, Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen. Diese ganze Kommunikationsplattform inklusive Online-Termin- vergabe. Die ist das nächste, was gelauncht worden ist. Und dann ist Yameda übernommen worden von Docplanner und das hat sich abgespielt in den Jahren 21 bis 22. Und dann haben wir die alte Yameda-Plattform migriert auf die globale Docplanner-Plattform. Wem der Name kein Begriff ist: Docplanner ist eine Digital-Health-Plattform, in 13 Ländern aktiv, Ost-, Westeuropa und Lateinamerika vor allen Dingen. Und die Wertschöpfung oder das, was Docplanner Ärztinnen und Ärzten anbietet, ist eben genau das. Das ist eine Arzt-Patienten-Plattform mit Online-Terminvergabe und verschiedenen digitalen Tools.

07:50

Inga Bergen

Es ist total spannend. Jetzt seid ihr alle up to date, was Yameda angeht. Ich glaube, das wissen einige auch einfach noch nicht. Was ich total spannend finde, ist, dass ich in der Vorbereitung für unseren Podcast ein Tool gesehen habe, was ihr anbietet. Und ich habe neulich ein Video gesehen, das kam aus den USA. Da, das Video spielte während einer Operation im OP-Saal. Und in diesem OP-Saal lief eine Kamera und ein Tongerät, Tonaufnahmegerät mit. Und eine Zusammenfassung der Operation wurde hinterher mit einer KI ganz automatisch erstellt aus den Aufnahmen. Die hat alles auch rausgefiltert, was irgendwie an Privatem gesprochen wurde. Und dann habe ich gesehen, ihr habt so was auch gelauncht. Das heißt Noah Notes und Das fand ich total spannend, weil dieses Geschreibe, also ich mache ja auch gerade Praktika und das ist wirklich total interessant zu sehen. Der Unterschied, ob Arzt oder Ärztin da sitzt und schreiben muss oder irgendwie ob die Sprache übersetzt wird, ist wirklich ein krasser Unterschied im Workflow. Das ist ja auch ein wirklich spannendes Tool. Vielleicht kannst du da noch mal ein paar Insights zu geben und mir das noch mal erklären, wie das genau funktioniert.

09:05

Constanze Stypula, CEO

Genau, das ist im Prinzip ein KI-Assistent für die medizinische Dokumentation. Wir nennen es Yameda NOAH Notes, kurz NOAH. Was leistet NOAH? NOAH hört quasi beim Arzt-Patienten-Gespräch, bei der Besprechung des Behandlungsplans im OP mit und aggregiert das Gesprochene zu einer verdichteten medizinischen Dokumentation. Das heißt, der Arzt oder die Ärztin erstellt eine Vorlage, in der bestimmte Themenblöcke definiert. Zum Beispiel, ein Patient kommt zum Allgemeinmediziner und hat eine bestimmte bestimmtes Beschwerdebild, dann wäre der erste Punkt Patientenbeschwerden. Der zweite Punkt wäre die körperliche Untersuchung. Der dritte Punkt wäre die Diagnose und der vierte Punkt der Behandlungsplan und die nächsten Schritte. NOAH erfasst das Gesprochene und sortiert die Inhalte in diese Vorlage hinein. Im Prinzip funktionieren die Überschriften dann wie Prompts, die die relevanten Inhalte rausfiltern und aggregieren. Und so wird am Ende des Patienten-Arzt-Gespräches eine perfekte medizinische Dokumentation erstellt. Während des Gespräches kann der Arzt oder die Ärztin sich 100%ig auf ihre Patienten konzentrieren und das wird als extrem wertvoll erfunden. Also es gibt zwei große Probleme, die NOAH lösen kann. Das eine ist die Konzentration und das intensive Arzt-Patienten-Gespräch. Und das zweite ist eine Entlastung. Wir wissen, dass die medizinische Dokumentation, das heißt die Einträge in die Patientenakte, Arztbriefe, das nimmt extrem viel Zeit im Praxisalltag in Anspruch. Man rechnet so was von um die 10 Stunden pro Woche, also mehr als ein voller Arbeitstag für einen Allgemeinmediziner. Und da kann NOAH Notes einfach extrem bei helfen.

10:45

Inga Bergen

Ja, total spannend finde ich das. Zumal das ja auch dazu führt, dass man sich vielleicht auch noch mal ganz anders vorstrukturiert in so einem Gespräch, also sich noch mal besser strukturiert, weil man sich ein bisschen anders wahrscheinlich auch vorbereiten muss. Du hast jetzt schon gesagt, ein Arbeitstag, das ist ja wirklich enorm. Was ist so die Resonanz von Ärztinnen und Ärzten, die das einsetzen?

11:08

Constanze Stypula, CEO

Die ist extrem positiv. Also was wir auch sehen, ist, dass die Ärztegruppe, die wirklich auch am belastetsten ist, was das angeht, nämlich die niedergelassenen Hausärzte, die Allgemeinmediziner, die Internisten, sind die, die momentan in unserer Kundengruppe am meisten das Tool nutzen. Das heißt, wir haben so was zwischen 25 und 40% an diesen Fachgebieten, die NOAH nutzen. Und das erklärt sich, denke ich so, dass wir dort wirklich großen Wert abstöpfen. Andere Fachgebiete setzen das Tool ein bisschen anders ein. Es ist natürlich ein großer Unterschied, ob ich als Allgemeinmediziner 30, 35 Patienten am Tag habe oder als psychologischer Psychotherapeut 6 Behandlungsgespräche. Dort schafft das Tool einen anderen Wert. Dort ist wieder diese Konzentration auf die Patientin und den Patienten, was im Vordergrund steht. In der Allgemeinmedizin ist es das auch, aber es ist auch einfach eine Zeitentlastung.

12:00

Inga Bergen

Ja, total spannend, weil ich habe mal aus Spaß bei ChatGPT eingegeben: Ärztin nutzt Was heißt KI im Patientengespräch? Und dann kommt wirklich immer ein Bild mit Arzt oder Ärztin, Patient, Patientin und ein Screen dazwischen.

12:18

Constanze Stypula, CEO

Ja, das ist ja auch so, das kennen wir als Patienten ja auch, dass man im Prinzip, man sitzt dort, der Arzt sitzt hier und tippt.

12:25

Inga Bergen

Genau. Und das ist natürlich so spannend, finde ich, weil wir haben ja die meisten Arztbesuche in Europa, kann man sagen, Ich weiß gar nicht, ob weltweit sogar auch, das weiß ich nicht, aber tatsächlich auch die kürzesten Kontaktzeiten. Und mein Gefühl ist ganz oft, dass die Leute wirklich von Arzt zu Arzt teilweise gehen, bis ihnen mal jemand in die Augen guckt. Weil diese menschliche Komponente, die ist ja durch solche Tools dann auch wieder etwas, was total gestärkt wird. Du sagst also, die Kommunikation wird verbessert, man kann die Leute ganz anders wahrnehmen. Und wenn man es vielleicht mal nicht möchte, kann man sich ja trotzdem hinter seinem Rechner verstecken. Vielleicht will das der eine oder andere dann auch. Aber das ist ja schon eine tolle Chance. War das am Anfang, als ihr angefangen habt, das vorzustellen, auch manchmal die Frage: Oh, das ist mir unangenehm, wenn da was zuhört?

13:15

Constanze Stypula, CEO

Also wir haben uns eigentlich genau— wir haben es gelauncht im letzten— wir haben im Juni das Beta gestartet, also den Beta-Test. Da ist so eine kleine Auswahl an Ärzten drin, wo man erst mal guckt, ob das Tool reibungslos läuft. Und dann ab Oktober angefangen, das Tool auszurollen, also richtig in den verkauft zu gehen. Und wir haben uns ab Mai quasi sehr darauf vorbereitet, auf die Patientenkommunikation, ne, den Ärztinnen und Ärzten Beschreibungen an die Hand zu geben, Datenschutzhinweise und so weiter. Wir dürfen keine Rechtsberatung machen, weil wir haben sie grob informiert, was nötig ist, und auch wie sie Argumenten vorschlagsweise begegnen können. Es kam nichts. Also die Ärztinnen und Ärzte berichten uns, dass sie das müssen, das immer ankündigen, dass das aufgenommen wird, Und wir haben bis jetzt von keinem einzigen Fall gehört, wo ein Patient Nein gesagt hat. Wir kennen natürlich auch die Daten nicht. Das heißt, wir sind darauf angewiesen, dass die Ärztinnen und Ärzte uns Bescheid sagen. Aber es hat sich kein einziger deshalb gemeldet. Also offensichtlich, ich nehme an, dass da ganz banal auch die Autorität in Weiß eine Rolle spielt. Das Vertrauen, was der Patient zu seinen behandelnden Ärztinnen und Ärzten hat. Aber auf jeden Fall stellt das kein Problem dar. Die Datenschutzhinweise müssen entsprechend ergänzt werden. Der Patient muss aufmerksam gemacht werden. Aber bisher wenig Probleme an der Stelle.

14:31

Inga Bergen

Ich finde es auch total spannend, weil ich habe zum Beispiel, ich habe einen Orthopäden, sitzt immer die Arzthelferin daneben und tippt halt immer mit, damit das einfach schneller geht. Und das ist ja so gar nicht mehr notwendig. Also weil da dachte ich immer, das ist schon ziemlich High End, sich das zu leisten, dass man eine Fulltime MFA hat, die das macht, oder einen MFA, das gibt es ja auch. Das kann ja nicht jede Praxis vorhalten. Die Leute gibt es auch gar nicht. Und ich fand es aber immer extrem gut, weil aus meiner Patientenerfahrung ist das total optimal, weil ich kann mit dem sprechen, der ist nicht abgelenkt, der muss nichts dokumentieren. Wie ist denn das mit der ganzen Abrechnung? Macht das das? Schlägt das Tool das auch vor, wie das abgerechnet wird? Oder macht das Arzt oder Ärztin dann eigenständig?

15:19

Constanze Stypula, CEO

Inga, an der Frage merkt man, wie tief du im System drin bist. Das ist immer. Also wir werden nach zwei Dingen gefragt, wobei das eine jetzt in Kürze kommt. Es werden ja, der Arzt erstellt Diagnosen, das Tool ist kein Diagnosetool, ne. Der Arzt verbalisiert die Diagnose, die wird verschriftlicht und dann liegt sie vor. Das werden wir jetzt noch in ICD-Codes übersetzen. Der nächste Schritt ist dann, also die internationalen Codes für bestimmte Krankheitsbilder, der nächste Schritt ist dann in der Tat die Abrechnungsziffern ranzubauen, ja. Das ist die Lieblingsfrage von Ärztinnen und Ärzten.

15:49

Inga Bergen

Ja, total spannend, weil das ist ja der Prozess. Yes. Und ich habe mir das angeschaut. Ich mache ja gerade Praktika. Also ihr könnt mir auch gerne schreiben, wenn ihr denkt, ich muss unbedingt mal bei euch Praktikum machen. Kann natürlich nicht alles zeitlich unterbringen, aber für mich ist es wirklich total erhellend, weil ich früher auch Produkte gebaut habe. Da war ich viel mehr vor Ort, auch in Arztpraxen oder in Kliniken, habe mir das angeschaut und das vermisse ich natürlich, seitdem ich eher frei arbeite. Und das ist wirklich erhellend, weil diese Abrechnungsthematik geht super schnell. Aber die Ärzte, die ich jetzt besucht habe, oder die Ärztin, die sind einfach auch super skilled, die sind schon ganz lange dabei und die machen das schon ewig. Und das ist natürlich auch eine tolle Chance, ja, vielleicht jungen Ärztinnen und Ärzten in der Niederlassung da so ein bisschen an die Hand zu gehen, weil das ist schon ganz schön komplex, wenn man sich niederlässt, das dann alles bewältigen muss.

16:42

Constanze Stypula, CEO

Also ich glaube, wenn dem Behandlungsvorgang schon automatisiert die Abrechnungsziffer zugeordnet ist, ist das im Prinzip vorbereitende Buchhaltung. Also die Daten können dann gezogen werden und entsprechend verarbeitet werden. Da muss keine manuelle Zuordnung mehr passieren. Das hat natürlich einen Vorteil. Es gibt aber, es gibt natürlich viel Potenzial, was diese Lösung angeht. Du hattest eine Nutzungssituation gerade schon angesprochen beim Orthopäden. Es gibt, wo sozusagen die medizinische Schreibkraft sonst daneben sitzt oder der oder die MFA. Was wir auch sehen, ist, dass die ZFA ja in der Regel die Notierung der Zahnbefunde macht. Die steht eigentlich immer neben dem Zahnarzt. Das wird selten asynchron gemacht. Macht. Und da stiften wir auch genau den gleichen Wert. Das wird auch mit protokolliert und kann extrem entlasten.

17:28

Inga Bergen

Ja, und es ist halt spannend, weil wenn ich jetzt überlege, meine Zahnärztin, ja, ich habe eine ganz wunderbare Zahnärztin, die sagt dann immer links auf und geht dann immer quasi jedes Mal das noch mal durch. Und das muss man ja auch ganz ehrlich sagen, wenn es automatisiert erfasst wird, kann sich auch niemand verschreiben.

17:46

Constanze Stypula, CEO

Das ist richtig. Ja, das ist richtig. Genau, die sind ja nummeriert, die Zähne.

17:50

Inga Bergen

Genau.

17:50

Constanze Stypula, CEO

Eine Sache, die ich vielleicht auch noch erwähnen möchte, die wir aus der Praxis viel hören, ist, das Tool, also NOAH, ist sprachagnostisch. Das heißt, die Ausgabe, das Ausgabeformat ist auf dem deutschen und auf dem österreichischen Markt, wo wir gerade operieren, auf Deutsch konfiguriert. Das heißt, die Ausgabe erfolgt immer in Deutsch, aber unterhalten kann man sich in jeder Sprache. Und das ist natürlich insbesondere für Ärzte, die zweisprachig oder dreisprachig sind und ihren Patientinnen das auch entsprechend anbieten, eine ganz große Entlastung, wenn sie dann nicht noch mal rückübersetzen müssen, sondern das Tool mithört, aggregiert und in Deutsch ausgibt. Das wird als sehr wertstiftend empfunden.

18:23

Inga Bergen

Jetzt denke ich Was ich gerade kann, das Tool dann auch, wenn der Arzt, die Ärztin Deutsch spricht oder Englisch, Patient, Patientin spricht nur Türkisch, Ukrainisch, Arabisch, you name it, Italienisch oder Spanisch, dann könnte das Tool davon auch eine Zusammenfassung machen.

18:42

Constanze Stypula, CEO

Ja, kann es. Ja, ist verrückt. Das war uns am Anfang gar nicht, auch wieder ein Learning aus dem Markt direkt, gar nicht so bewusst. Aber die LLMs sind sprachagnostisch und die Textprogramme, die da vorlaufen, mittlerweile auch. Das heißt, die Übersetzung funktioniert automatisiert und dementsprechend ist die Ausgabe dann auf Deutsch, weil wir das so eingestellt haben. Aber wie die Sprachaufnahme ist, ist für den Arzt entscheidend. Wir kriegen also insbesondere für dieses Tool ganz oder für dieses Feature ganz tolles Feedback.

19:10

Inga Bergen

Ja, total lustig, weil manchmal kommt man dann ja erst im Betrieb darauf, wie relevant so was dann wirklich sein kann für die Praxis. Weil das haben wir ja total oft, dass Menschen bei einem Arzt oder einer Ärztin sitzen und da gibt es dann eben Sprachbarrieren. Und jetzt, ich denke auch gerade auf der ärztlichen Seite, wenn man jetzt an einen angestellten Arzt denkt, der vielleicht nicht deutscher Muttersprachler ist oder Muttersprachlerin, und dann unterstützt das wirklich noch mal dabei, auch das Richtige zu verstehen, dann muss man auch sagen, bei den ganz realen Gegebenheiten, die wir einfach im Gesundheitswesen haben, sind solche Tools natürlich eine tolle Unterstützung, da auch für Sicherheit zu sorgen. Das kann man wahrscheinlich so sagen. Ja, ich will noch auf ein weiteres Thema hinaus. Du hast eben zwei Worte in den Raum geworfen. Ich hatte auch schon dieses Thema unter anderem in einem Podcast mal für meine englischsprachige Ausgabe mit Amazon Web Services. Da ging es um die Cloud. Cloud ist ein großes Thema. Wir sprechen von Cloud und On-Premise. Also On-Premise bedeutet, läuft lokal auf dem Rechner in irgendeiner Praxis oder in einer Klinik. Und Cloud bedeutet halt, es läuft in der Cloud. Und da können wir mal ein bisschen reingehen, weil ich glaube, das ist vielen sicher bewusst, aber vielen auch nicht, was das macht mit der Arbeit, mit Technologie in Arztpraxen und Kliniken in ganz Deutschland, wenn man auf lokalen Servern arbeitet. Also gib uns mal deine Erklärung, Constanze.

20:40

Constanze Stypula, CEO

Für uns, wir hatten es im Vorgespräch schon mal diskutiert, für uns als Cloud-Anbieter ist es halt eine zentrale Aufgabe im Prinzip, wenn wir über die Digitalisierung des Gesundheitswesens reden, dabei auch über eine Cloudifizierung zu reden. Was wir vorfinden, ist im Prinzip lokale Strukturen. Das heißt, jeder Arzt, jede Praxis arbeitet mit einer eigenen Hardware, mit einer eigenen Netzwerkkonfiguration, mit bestimmten Einstellungen für die lokale Datensicherheit und Firewall, mit bestimmten— ja, das war es vielleicht erstmal. Lassen wir die 3 Komponenten: Hardware, Netzwerkkonfiguration, Sicherheitseinstellung. Das bringt eine Komplexität. Unsere Developer, wenn wir eine neue API bauen mit einem Software- Anbieter legen immer die Stirn in Falten und sagen dann: Oh, On-Premise, das wird komplex. Warum wird das komplex? Weil diese lokalen diversen Einstellungen, da hat auch jede Praxis, wenn wir im ambulanten Bereich bleiben, ihre eigene Aufstellung. Die machen das ganze System fehleranfällig.

21:37

Inga Bergen

Wenn ich da kurz einhaken darf. Du hast gerade beschrieben, eigentlich die Wurzel des in Anführungsstrichen Übels. Warum kommen wir mit Digitalisierung in Deutschland nicht so schnell voran? Das ist es letztendlich. Mehr muss man dazu nicht sagen. Aber das ist es. Und es ist auch super nervig. Für jede Praxis, das alles so vorzuhalten, das alles am Laufen zu halten, das einzustellen, die ganze Sicherheit, Angriffe, die man vielleicht hat und so. Also das nervt.

22:02

Constanze Stypula, CEO

Das nervt. Sie müssen sich vorstellen, wenn wir zum Beispiel ein Software-Update machen, dann redet das, wenn da 500 Kunden dahinter hängen, mit ganz unterschiedlichen Strukturen. Und wenn dann bei einem einzelnen Kunden ein Problem auftaucht, dann muss man sich lokal angucken, was da jetzt genau schiefgegangen ist. Das ist natürlich nicht skalierbar und das macht auch das große Thema Interoperabilität fehleranfällig. Weil eben die Schnittstellen zwar standardisiert sind, aber die Ausspielung lokal nicht. In unserer Vorstellung, das ist eine Vision für die Gesundheitswirtschaft, ihr seid ja die Visionäre, ist es im Prinzip so, dass alles cloudbasiert ist. Der Vorteil bei einer Cloud-Lösung ist, dass man nicht mit lokalen Strukturen, Einzelstrukturen redet, sondern mit der Cloud als Instanz und die das über ihre Cloud-Clients ausspielt an jeden Nutzer. Das sind automatisierte Updates, automatisierte Backups, also Datensicherungsvorgänge. Dann gibt es andere Vorteile bei einer Cloud. Man braucht keine spezielle Hardware, man braucht keinen lokalen Server und man kann jederzeit von jedem Device auf drauf zugreifen. Das heißt, Ärztin oder Arzt, der am Wochenende vielleicht 3 Videosprechstunden anbieten möchte, kann das gut auch von zu Hause machen, muss dafür nicht in die Praxis fahren. Also das System ist stabiler, es ist sicherer, es ist interoperabler und ich glaube, da für die Zukunft—

23:19

Inga Bergen

ja, und es kann zentral gewartet werden, werden. Und das ist ja, dass du jetzt gerade sagst, es ist sicherer. Aber das war lange ja so ein bisschen der Mythos fast, der sich um Cloud-Lösungen ja so gebaut hatte. Da sind Daten, die gehen irgendwohin in eine Wolke. Das klingt ja auch erst mal so sehr transparent und durchlässig und als schwebte die irgendwo rum, für jedermann, jederfrau einsehbar. Das ist ja natürlich nicht so. Ich glaube, vielleicht hat das Wort, das hat nicht so die nötige Schwere. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran. Das ist aber gar nicht so, weil dieses Thema Datensicherheit, das finde ich so spannend, weil ich mich schon oft frage, wie soll das eigentlich dieses System von Niedergelassenen in Deutschland, wie sollen diese ganzen Niedergelassenen die Anforderungen der Digitalisierung, was auch Sicherheitsthemen angeht, geht und so fortlaufend managt. Das ist ja wahnsinnig teuer und wahnsinnig ineffizient. Und eine Antwort ist wirklich die Cloud.

24:24

Constanze Stypula, CEO

Genau. Also ganz einfaches Beispiel: Der PVS, also Praxisverwaltungssystem-Anbieter, macht ein Update der Software. Das wird momentan in der Großteil der Praxen, die On-Premise laufen, manuell von den MFAs gemacht. Das ist ein Arbeitsvorgang, daran muss gedacht werden. Dann muss an die Konsequenzen gedacht werden. Gibt es vielleicht Schnittstellen, die neu reloadet werden müssen, wo der Login wiederholt werden muss und so weiter. In der Cloud entfällt dieser Arbeitsschritt. Niemand muss sich darum kümmern. Also eine weitere Entlastung. Und ja, genau dann alles, was da dranhängt. Weniger Fehleranfälligkeit insbesondere. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es gibt nichts Schlimmeres, als morgens den Computer anzumachen und das System funktioniert nicht.

25:04

Inga Bergen

Ja, kann mich da noch dran erinnern, in den Anfangszeiten meiner PC-Usage, dass das ständig so war. Also man hat ständig irgendwie so, jetzt muss ein Update gemacht werden und dann hat man aus Versehen auf den Knopf gedrückt und dann lief erst mal gar nichts mehr. Und das ist natürlich ja, ist einfach eine andere Art, mit digitalen Lösungen zu arbeiten. Und du hast das Thema Schnittstellen angesprochen. Das ist ja auch, glaube ich, eine Vision von euch, Schnittstellen zu befähigen und da ja einfach viele dieser Lösungen, also wie du jetzt eben von Noah Notes erzählt hast, das ist ja eine mögliche Lösung, die ja über so eine Cloud dann auch ganz einfach integriert werden.

25:47

Constanze Stypula, CEO

Genau, also da vielleicht ein ganz praktisches Beispiel: Wenn wir mit einer On-Premise-Lösung integrieren, wir haben da Schnittstellen, dann muss, damit diese Integration aufgesetzt wird, im Prinzip einmal ein Experte auf den lokalen Server rauf. Das heißt in der Regel entweder einen Termin mit der MFA oder mit dem jeweiligen Software-Administrator, den übrigens viele Praxen auch nebenbei haben, und bezahlen, also eine Belastung für das Gesundheitssystem. Wenn bei einem cloudbasierten Ding kann diese Konnektivität, also die Connections zwischen API 1 und API 2 wieder ohne, also offline, nee, online, also ohne Onsite-Termin hergestellt werden. Das ist ein reines Connecten auf der Web-Ebene.

26:29

Inga Bergen

Also eine Lanze für die Cloud auf jeden Fall. Absolut. Jetzt kommt KI. Ich finde, Noah Notes ist so ein schönes Beispiel wirklich für einen sinnvollen Einsatz von KI. KI im Gesundheitswesen. Ich hatte auch schon tolle andere KI-Sachen, wie zum Beispiel Aron AI, das ist ja so ein Telefonassistent für die Praxis. Also es gibt wirklich super viel spannende Entwicklungen und mich würde deine Sicht darauf auch interessieren, weil du hast ja diesen ganzen, ja, letztendlich mit Audible den ganzen Markt, wo es darum geht, wie konsumieren wir eigentlich Inhalte, mit beobachtet. Und ich finde, man sieht eigentlich immer erst in der Retrospektive, was verschiedene Technologien auch mit Abläufen machen und was die ermöglichen, verändern und was vielleicht für Sachen sich ergeben, die wir einfach so ertragen haben, die aber viel besser laufen könnten. Und da habt ihr sicherlich auch eine große Vision jetzt mit Jameda und dann auch noch mit Docplanner im Hintergrund, die auch noch mal viel mehr Erfahrung haben. Vielleicht können wir da mal reingehen. Was sind so deine Zukunftsausblicke?

27:38

Constanze Stypula, CEO

Genau, also vielleicht fangen wir auf der Ärztinnen- und Arztseite an. Also das KI-Tool NOAH ist, glaube ich, sehr repräsentativ dafür, was die KI dort bringen kann. Es ist vor allen Dingen ein Unterstützungs- und Entlastungstool. Das heißt, ich unterstütze bei der medizinischen Dokumentation und entlaste den Arzt von dieser Aufgabe und gebe ihm dann Möglichkeiten, seine Energien an anderer Stelle zu investieren, zum Beispiel im Arzt-Patienten-Gespräch. Das können andere Tools auch. Dann kommt die diagnostische App. Aron AI ist ein Beispiel. Jetzt muss ich als CEO von Yameda an der Stelle erwähnen, dass wir auch eine KI-basierte Telefonassistenz launchen. Zu dem Jahr werden wir das rausbringen. Die heißt Noah Booking. Das heißt, da kann der Patient, dann ist quasi vor die, vor der Hotline in der Praxis diese KI geschaltet, und der Patient ruft an und kann automatisiert mit einem Voice Assistant eine Terminbuchung, eine Terminverschiebung vornehmen oder sich eben durchstellen lassen in die Praxis. Das bucht direkt in den Kalender rein. Das heißt, heißt überhaupt nichts mehr zu tun für die MFA oder den MFA. Es gibt Erhebungen oder Untersuchungen dazu oder Umfragen dazu, wie viel Zeit eigentlich die Terminierung am Telefon in Anspruch nimmt. Und das ist extrem viel, ne, so 30 bis 50% der Telefonzeit in der Praxis gehen dafür drauf. Also da auch wieder Entlastung, Automatisierung, Digitalisierung eines Prozesses, der nicht unbedingt menschlich sein muss, ne. Dann kommen wir natürlich in den diagnostischen Bereich. Da gibt's ja ganz tolle neue Lösungen, insbesondere bildgebenden Verfahren, wo einfach riesige Datensätze Sätze ausgewertet werden und Hinweise darauf geben, um welchen Befund es geht. Da hat auch Herr Lauterbach neulich erst eine sehr interessante Sache veröffentlicht, dass sogar die KI dann Mensch und KI schlägt. Weiß ich nicht, ob das auf Dauer so kommt, aber auf jeden Fall ist es eine Riesenunterstützung und bringt wieder Effizienz in einen sonst sehr langwierigen Prozess. Also die Recherche von Informationen, die Aufbereitung von Informationen und eine Erstinterpretation, das ist, glaube ich, was das Tool sehr gut leisten kann. Jetzt würde ich als Arzt-Patienten-Portal gerne rüberkommen zum Patienten. Auch für den Patienten gilt ja das Gleiche. Wir schaffen jetzt gerade Strukturen, auch mit der ePA zum Beispiel, wo der Patient oder die Patientin wirklich Zugang zu seinen Gesundheitsdaten bekommt und damit auch der Verwalter und der Akteur dieser Daten wird. Und da werden sich, und das haben schon, Ada Health ist so ein Beispiel, verschiedene Anbieter natürlich draufsetzen und sagen, ich interpretiere mal, was du da siehst. Liest und schlagt dir was vor. Wie kannst du dich besser ernähren? Wie kannst du dich mehr bewegen? Oder vielleicht gehst du mal zum Arzt. Wir haben alle die Smartwatches schon, die da auch Hinweise geben. Und da sind wir, glaube ich, ganz am Anfang. Also diese einerseits Daten wirklich aus medizinischen Befunden rauszunehmen und dann via Wearables dem Patienten zu ermöglichen, die zu ergänzen, ihn damit wirklich in den Driver's Seat seiner eigenen Gesundheit zu setzen. Das ist eine ganz neue Entwicklung, die ohne Digitalisierung, aber ohne KI auch nicht denkbar wäre.

30:26

Inga Bergen

Ich finde es so spannend, weil da steckt so viel drin, auch für die Ärztinnen und Ärzte, für das ganze medizinische Fachpersonal. Weil es ist ja eigentlich unumgänglich, da jetzt auch KI-Kompetenz aufzubauen. Man muss jetzt nicht unbedingt im Detail komplett verstehen, wie eine KI funktioniert und wie ein Algorithmus funktioniert, aber einfach, glaube ich, in die Nutzung kommen und sehen, was das ermöglichen kann, was das unterstützen kann. Weil machen wir uns nichts vor, wenn wir zukünftig Praxen haben, die anderthalb Tage Arbeitskraft einsparen in der Woche durch KI und die eben andere Dinge dann tun kann, dann ist das schon ein ziemlicher Gamechanger fürs gesamte System.

31:10

Constanze Stypula, CEO

Ja, also da liegt auf jeden Fall, liegen da Kostenreduktion, Effizienzsteigerung drin und Qualitätssteigerung damit. Ich muss da aber an der Stelle auch noch mal zurückkommen auf die Cloudifizierung. Was wir uns im Gesundheitssystem mit diesen alten Strukturen leisten und mit der Schwerfälligkeit und Fehlern, Fehleranfälligkeit dieser Struktur, das hat auch Kosten. Und diese Kosten, ich glaube, wenn wir diese beiden Visionspunkte setzen, zu sagen, wir müssen alle in die Cloud und wir setzen KI da ein, wo sie sinnvoll ist, wo sie entlastet und unterstützt, dann haben wir in der Tat eine sehr gute Prognose für das deutsche Gesundheitswesen.

31:46

Inga Bergen

Da kommen wir natürlich Stück für Stück hin, weil wir sehen das ja jetzt schon, dass gerade die elektronische Patientenakte, Das ist ja auch noch mal so ein ganz neues Kapitel. Und da habe ich jetzt auch gesehen, ganz praktisch, dass es wirklich darauf ankommt, welches System, welches Software-System man nutzt, ob das gut integriert ist oder eben nicht. Oder auch, wie lange das dauert, da Dokumente abzurufen, reinzuladen oder eben auch die Dokumente sich vielleicht noch mal anders auswerten oder zusammenfassen zu lassen. Also Das ist so spannend, finde ich, weil es zeigt ein Thema. Ich bin ja auch schon so lange im Bereich Digitalisierung unterwegs und dieses Thema ist so, man muss relativ früh anfangen, sich mit solchen Themen zu befassen, weil die Entwicklung wird immer, immer schneller. Und irgendwann steht man ja vor so einem riesigen Berg und hat das Gefühl, es hat sich alles verändert. Und dann scheint es so viel. Aber letztendlich sind wir ja jetzt noch in der Phase, wo man, wenn man sich mit solchen Themen befasst wie einer KI-Spracherkennung, wie KI-Buchungssystem und überhaupt KI zur Unterstützung von Anamnese und so weiter, dann ist man wirklich noch am Anfang und hat noch die Chance, all das, was jetzt noch kommt, dann auch ein bisschen detaillierter zu verstehen. Das wäre zumindest so meine These.

33:03

Constanze Stypula, CEO

Das stimmt. Also das gilt quasi in der Praxis, also für die Behandlerinnen und Behandler genauso wie für die Politik und für die Wirtschaft, denke ich. Also die, Noanodes ist das erste DSGVO-konforme Tool, was auf dem deutschen Markt war und das leistet. Und das hat mir Gelegenheit gegeben, auch mit der Gematik darüber zu reden, mit verschiedenen politischen Stakeholdern darüber zu reden. Und ich merke schon, und das muss ich jetzt auch mal prompt an die Gematik rauslassen, dass dort gibt es diese Vision, da gibt es die Vision eines europäischen Gesundheitsdatenraumes, dort gibt es die Vision von Daten, die miteinander sprechen, die zusammenlaufen. Die Hoheit über diese Daten hat der Patient, aber die Daten können genutzt werden, um Forschung und Wissenschaft voranzutreiben, um aber auch perfekt perfekte Patientenbehandlung auszuschören. Und ich glaube, von der Vision aus gedacht ist es besser zu denken und zu gucken, was sind die nächsten Schritte, als, wie wir das momentan leider noch sehr viel sehen und sehr viel auch selber machen, dass man immer so scheibchenweise wieder was zulässt, wieder was reinlässt, aber noch nicht richtig das Alte rückbaut, ne. Und ich glaube, da, also da liegt die Musik. Ich glaube, den Blick da zu heben und zu gucken, wo wollen wir eigentlich hin und was müssen wir heute machen, um dorthin zu kommen, ist ganz wichtig.

34:11

Inga Bergen

Das ist so spannend, weil Es gibt ja, da erzähle ich jetzt nichts, was irgendwie ein Geheimnis wäre. Es gibt von den KVen so Erhebungen, wie zufrieden sind Ärztinnen und Ärzte mit ihrem PVS-System? Und das ist jetzt umgangssprachlich gesagt teilweise schon recht unterirdisch, also wie da so die Zufriedenheit ist, was einfach auch daran liegt, und das muss man auch ganz klar sagen, dass es eben in dieser immer komplexer werdenden Welt einfach ein paar Anbieter gibt, die sehr klein sind, die sehr spezialisierte Anwendungsszenarien für eine lange Zeit gut abbilden konnten, die jetzt jetzt aber da natürlich Herausforderungen haben, irgendwie mitzukommen mit der ganzen Entwicklung. Und da gab es immer so einen Witz: Wenn Karl Lauterbach mal diesen PVS-Wildwuchs, hat man das genannt, verbietet, dann bricht in Deutschland wirklich alles zusammen und dann kann er sich warm anziehen. Deswegen können wir das Problem nie lösen. Das war immer so ein gängiger Witz so der letzten paar Jahre. Wie würdest du jetzt auf diesen Witz antworten?

35:08

Constanze Stypula, CEO

Na, also ich würde zum einen sagen, es braucht Pluralität an Angeboten, weil es einfach jede Fachrichtung, jeder niedergelassene Arzt oder jede niedergelassene Ärztin. Jede Fachrichtung hat besondere Fachansprüche. Jeder niedergelassene Behandler hat besondere persönliche Bedürfnisse. Um jedem zu ermöglichen, so zu arbeiten, wie das für ihn funktioniert, ist es notwendig, dass die Wirtschaft eine hohe Pluralität hat. Ich glaube, das steht gar nicht zur Frage. Die Frage ist eher: Ist das On-Premise und in der Cloud? Und da muss man auch mal sagen, die Gesundheitswirtschaft wird immer sehr viel viel kritisiert, aber ich werde bestimmt schlechte Kommentare bekommen, wenn ich das sage, aber es ist ein bisschen wie mit der Deutschen Bahn. Wir müssen dieses System ja revolutionieren oder auf ein neues Niveau bringen, während es läuft. Das ist alles andere als trivial. Ja, wir sehen das bei diesen Diskussionen, die im Hintergrund laufen, wenn so was wie die EPA ausgerollt wird. Das muss passieren. Da setzt die Gematik die Deadlines und auch zu Recht. Aber was das für ein Stress im System bedeutet, ja, also wie viele Ressourcen darauf allokiert werden, anstatt dass sie darauf allokiert werden, weiter weiter an der neuen Cloud-Lösung zu arbeiten. Das muss man auch im Prinzip, also acknowledge, heißt es auf Englisch, muss man anerkennen.

36:22

Inga Bergen

Und genau, ich habe gerade so eine spannende Parallele. Ich habe nämlich mal ein Unternehmen tatsächlich übernommen als geschäftsführende Gesellschafterin, und das hatte riesige technische Schuldenberge, und das war extrem herausfordernd. Und das war nur ein Team irgendwie mit 50 Leuten, und das war jetzt kein laufender Betrieb mit Millionen von Patientinnen und Patienten drin. Ganz viel angeschlossenen Praxen. Und das war schon, also das hat mich schon ein bisschen an die Grenzen des Nervenzusammenbruchs gebracht. Und das muss man auch sagen. Umso schöner finde ich es persönlich halt. Ich gucke ja gerne auf visionäre Themen und ich gucke gerne auf singuläre Anwendungsfälle, die dann wirklich zeigen. Und da fand ich Nora total spannend. Und deswegen habe ich dich auch gerne in den Podcast eingeladen, weil es eben so ein spannendes Beispiel ist dafür. Okay, wenn wir so was nutzen, können, dann lohnt sich doch der Weg auch irgendwie dahin. Dann immer so mein Takeaway, weil ich würde mir das natürlich wünschen, dass wenn ich das nächste Mal irgendwie ein Gespräch habe in der Arztpraxis, dass ich dann angeguckt werde und das was automatisiert mitläuft und ich einfach die Aufmerksamkeit habe als Patientin. Und ich sehe jetzt auch bei meinen Praktika, dass das Ärztinnen und Ärzten durchaus auch entgegenkommt, weil die haben ja auch diesen Beruf gelernt, gewählt, um mit Leuten zu sprechen und jetzt eher nicht, um irgendwie Felder einzufüllen. Also total spannend. Ich fand es jetzt wirklich sehr interessant und sehr erhellend. Ich werde auf jeden Fall euren Weg weiter verfolgen und bin sehr, sehr gespannt, was da noch alles kommt. Und ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, liebe Constanze, für dieses tolle Gespräch.

37:59

Constanze Stypula, CEO

Ja, vielen Dank für das schöne Gespräch und fürs Zuhören. Danke. Vielen Dank fürs Zuhören. Diese Folge wurde von Jameda unterstützt. Empfehlt uns gerne weiter und lasst einen Kommentar oder Bewertung da. Bis zum nächsten Mal!

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