
Digitale Versorgung, System der Zukunft
Health Tech Venture Capital: Prof. Dr. Reinhard Meier, Teleclinic-Mitgründer und Gründer von YZR Capital
Prof. Dr. Reinhard Meier, Mitgründer von Teleclinic und YZR Capital, ist Radiologe und begleitete Teleclinic vom Fernbehandlungsverbot bis zum Verkauf. In Folge 99 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie ein Gründer als Investor Gesundheitstechnologie bewertet. Meier erklärt, warum DiGA als Einzelinvestment zu nischig sind und eher Aggregatoren oder Anbieter von Infrastruktur dafür infrage kommen. Meier sieht in hybriden Konzepten, die digitale und analoge Versorgung verbinden, die logische Fortentwicklung von Teleclinic. Zudem erwartet Meier für jede Fachrichtung KI-Kompagnons. Das Gespräch zeigt am 100 Millionen Euro schweren Fonds mit zwölf Beteiligungen, nach welchen Kriterien ein Frühphaseninvestor in Europa auswählt.
Warum das Thema wichtig ist
Ich bin mir ganz sicher, dass das nicht mehr aufzuhalten ist, weil es das Leben einfach sehr viel einfacher macht, wenn man eine gut funktionierende AI im Hintergrund hat.
Das deutsche Gesundheitswesen läuft vielerorts weiter über Fax und Telefon, während Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte fehlen und der Druck auf die verbliebenen Teams wächst. Damit stellt sich die Frage, welche Digital-Health-Modelle genug Kapital anziehen, um dieses Problem zu entlasten, und woran Frühphaseninvestoren das erkennen: DiGA als Einzelanwendung gelten ihnen als zu nischig, während hybride Versorgungsmodelle, Infrastrukturanbieter und KI-Kompagnons als tragfähiger gelten. Relevant ist das für HealthTech-Gründerinnen und Gründer, Investorinnen und Investoren, Praxisinhaber und Klinikleitungen, Kostenträger sowie Regulierer, die über Erstattung, Zertifizierung und die Zulässigkeit investorengeführter Praxen entscheiden. Offen bleibt, ob Regulatorik und Erstattung mit KI-Anwendungen Schritt halten, die Patienten bei langen Wartezeiten bereits heute auffangen könnten. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, ordnet in „Visionäre der Gesundheit“ im Gespräch mit dem Gast ein, wo Risikokapital Innovation ermöglicht, die das Gesundheitssystem aus eigener Kraft nicht finanziert.
key take aways
Zentrale Erkenntnisse
Der YZR Capital Health-Tech-Fonds hat ein Zielvolumen von 100 Millionen Euro.
Der Fonds hat fünf Jahre Investmentperiode und maximal zehn Jahre Halteperiode.
Zum Ankerinvestor zählt der Europäische Investment Fund, weitere Geldgeber sind Bertelsmann, Beiersdorf und KfW Capital.
Zwei Drittel des Fondskapitals sind für Follow-on-Investments reserviert.
Die Teleklinik-Pilotstudie in Baden-Württemberg wurde von der Universität Tübingen wissenschaftlich begleitet.
Die Gastgeberin
Inga Bergen
Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor
"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheitswesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.
Der Podcast
Visionäre der Gesundheit
VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.
Episoden BESCHREIBUNG
Vom Teleclinic-Gründer zum Health-Tech-Investor: Reinhard Meier über seinen 100-Millionen-Euro-Fonds und die Zukunft der Gesundheitstechnologie
Inga Bergen, Expertin für KI und digitale Gesundheit und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, begrüßt in "Visionäre der Gesundheit" einen Gast, der in der Branche viel bewegt hat, aber selten im Rampenlicht stand. Reinhard Meier ist Radiologe, Mitgründer der Teleclinic und heute Managing Partner von YZR Capital. Inga Bergen wählt ihn, weil er beide Seiten kennt: Er hat als Gründer gegen regulatorische Widerstände gekämpft und bewertet nun als Investor, welche Startups im Gesundheitssystem eine Chance haben. Diese Doppelperspektive aus medizinischer Praxis, Unternehmertum und Kapitalgeberrolle macht das Gespräch besonders aufschlussreich.
Wie entstand die Teleclinic und wie wurde das Fernbehandlungsverbot überwunden?
Die Teleclinic entstand aus einem Projekt am CDTM in München, in dem Reinhard Meier mit seinem Bruder zunächst über Zweitmeinungen nachdachte und dabei die spätere Mitgründerin Katharina Jünger traf. Aus der ursprünglichen Idee wurde eine App für ärztliche Beratung per Chat, Telefon und Video. Überraschenderweise ging es bei den meisten Anfragen nicht um hochspezialisierte Fachfragen, sondern um klassische Hausarztthemen wie Kopfschmerzen oder Hautausschlag beim Kind.
Das Fernbehandlungsverbot machte den Start mühsam. Das Team führte unzählige Gespräche mit Ärztekammern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen und schloss zunächst Selektivverträge ab. Der Durchbruch kam mit einem Pilotprojekt in Baden-Württemberg, das die Universität Tübingen wissenschaftlich begleitete und das zeigte, dass Patienten dabei nicht gefährdet werden. Danach lockerten die Bundesländer das Verbot nach und nach. Zur Corona-Pandemie war Telemedizin dann überall erlaubt und erlebte einen echten Boom.
Warum wechselt ein erfolgreicher Gründer nach dem Exit ins Investorenlager?
Reinhard Meier wollte seine Erfahrungen und sein Netzwerk nach dem Verkauf der Teleclinic an andere Gründer weitergeben, und als Business Angel stieß er dabei an Grenzen. Schon als Unternehmer hatte er sich Geldgeber gewünscht, die den Gesundheitsmarkt wirklich verstehen und nicht nur Kapital bereitstellen.
Gemeinsam mit Markus Feueregger, den er aus einem Private-Equity-Umfeld kannte, gründete er deshalb einen sektorfokussierten Fonds. Das Team ergänzen Venture Partner aus der Gründerszene sowie Senior Advisors, darunter ein ehemaliger Chef einer großen europäischen Klinikkette, ein Versicherungsgründer aus dem Nahen Osten und ein KI-Professor.
Wie funktioniert das Fundraising für einen Health-Tech-Fonds mit 100 Millionen Euro?
Ein Fonds sammelt sein Kapital in mehreren Schritten ein, den sogenannten Closings, und kann schon investieren, bevor die Zielsumme erreicht ist. Der erste Close lag bei über 50 Millionen Euro, der zweite bei 70 und der dritte bei etwa 80 Millionen. Als Ankerinvestor stieg der Europäische Investitionsfonds ein, dazu kamen Unternehmen wie Bertelsmann und Beiersdorf sowie später die KfW Capital und ein renommierter Dachfonds.
Die Investmentphase dauert fünf Jahre, die maximale Haltedauer liegt bei zehn Jahren. Gut ein Jahr nach dem ersten Close hatte das Team bereits zwölf Beteiligungen aufgebaut und in mehreren Fällen zu höheren Bewertungen nachinvestiert. Zwei Drittel des Kapitals sind für Folgefinanzierungen reserviert. Inga Bergen betont, wie selten ein solcher Erfolg im aktuell schwierigen Marktumfeld ist.
In welche Startups investiert der Fonds und worauf achtet er bei der Auswahl?
Der Fonds investiert paneuropäisch in Frühphasenunternehmen mit einem Schwerpunkt auf der DACH-Region, wobei jedes Startup eine Softwarekomponente im Gesundheitswesen mitbringen muss. Das erste Investment war die Londoner Buchungsplattform Scan.com für MRT- und CT-Termine, die einen intransparenten Markt öffnet und Wartezeiten spürbar verkürzen kann. Das Unternehmen expandiert inzwischen in die USA.
Weitere Beteiligungen reichen von einem sprechenden KI-Chatbot für Menschen mit Angststörungen über eine HR-Plattform für Kliniken und Praxen bis zu einem hybriden Anbieter für Haar- und Hautbehandlungen in der Schweiz und einer digital geprägten Tierarztpraxis in München. Bei der Auswahl zählen laut Meier ein echter Nutzen, ein ausreichend großer Markt für einen lohnenden Exit und vor allem ein exzellentes, erfahrenes und vielfältig aufgestelltes Team.
Warum investiert der Fonds nicht in DiGA, also Apps auf Rezept?
Der Fonds meidet DiGA, weil sie als einzelne Anwendung für eine Indikation ein sehr nischiges Investment darstellen und von politisch festgelegten Erstattungsregeln abhängen. Meier sieht die Initiative zwar als wichtigen Impuls für den gesamten Markt, verweist aber auf die Unsicherheit durch Nachverhandlungen der Preise. Spannender findet er Plattformen, die viele DiGA bündeln, oder Anbieter, die als Infrastruktur dienen und den Vertrieb an Ärzte erleichtern.
Inga Bergen nennt das Beispiel Cantus Health, das mit einem DiGA-Start eine digitale Urologie-Plattform aufbauen will und so Investoren überzeugt. Meier hatte das Unternehmen selbst geprüft, es kam jedoch nicht zum Investment. Heute wäre es für einen Frühphasenfonds ohnehin zu spät.
Welche Chancen und Risiken haben hybride Klinikmodelle wie Avi Medical?
Hybride Modelle verbinden digitale Erstkontakte mit der Behandlung vor Ort und gelten Meier als logische Weiterentwicklung der Telemedizin. Weil eine eigene Klinik neue digitale Produkte direkt einbauen kann, umgeht sie die Zurückhaltung vieler Hausarztpraxen. Als Business Angel war er bei Avi Medical früh dabei, noch vor dem Fonds. Die Debatte um Investoren als Betreiber von Arztpraxen hat die Branche allerdings verunsichert, besonders internationale Geldgeber.
Meier räumt ein, dass hybride Ansätze langsamer wachsen als reine Softwarelösungen, weil jeder Standort einzeln aufgebaut werden muss. Im Tiermedizinbereich sei die Regulatorik deutlich einfacher. Wenn er heute noch einmal gründen würde, wäre es dennoch ein hybrides Konzept.
Welche Rolle spielt KI im Gesundheitswesen und welche Trends erwartet Reinhard Meier für 2024?
Künstliche Intelligenz wird nach Einschätzung von Meier in nahezu jeder Fachrichtung zum Begleiter für Ärzte und Patienten. In der Radiologie unterstützen solche Systeme schon länger bei der Bildanalyse. Der Erfolg von ChatGPT habe die Akzeptanz für sprechende Assistenten zusätzlich erhöht. Ein Voicebot kann etwa Menschen mit akuter Angst sofort auffangen, ersetzt aber keine Psychotherapeuten, sondern überbrückt Wartezeiten.
Für 2024 erwartet er mehr KI bei Diagnose und Anamnese, mehr hybride Konzepte sowie Effizienzsoftware für Abläufe von der Personalplanung bis zum Onboarding. Inga Bergen verweist auf ein israelisches Klinikbeispiel, in dem KI die Operationszeit stark verkürzt. Beide sind sich einig, dass der Fachkräftemangel solche Lösungen unverzichtbar macht und dass Risikokapital für Innovationen außerhalb des Systems nötig ist. Meier sieht Europa mit Programmen der KfW Capital und des Europäischen Investitionsfonds auf einem guten Weg.
Im Gespräch mit
TRANSKRIPT
00:14
Inga Bergen
Professor Dr. Meyer ist Mitgründer der Teleklinik und Gründer und Managing Partner von YZR Capital. Der gelernte Radiologe hat nach Stationen in San Francisco und München Startup-Luft geschnuppert. Und schnell das Konzept für die Teleklinik entwickelt. Nach seinem Exit baut er nun gemeinsam mit seinem Geschäftspartner und seinem Team einen 100 Millionen Euro schweren Fonds für Gesundheitstechnologien auf. Wie ihn das Gelernte und Erlebte zu seinem eigenen Fonds inspiriert hat, verrät uns, wer bisher investiert hat und in welche Unternehmen er seinerseits bereits investiert hat, und gibt einen Ausblick auf die spannenden Zukunftstechnologien und Lösungen.
00:53
Inga Bergen
Ja, ich freue mich ganz besonders auf die heutige Folge Visionäre der Gesundheit, denn ich habe einen ganz besonderen Gast, der schon sehr viel gemacht hat im Bereich Digitalisierung und Gesundheit, aber den man gar nicht so unbedingt kennt und der sich jetzt erst in das Rampenlicht wagt, so richtig kann man sagen, in seiner neuen Rolle. Ich freue mich total auf Professor Dr. Reinhard Meyer, ein einer der Mitgründer von Teleclinic und mittlerweile Investor mit einem eigenen Fonds, 100 Millionen stark. Ist es richtig?
01:28
Prof. Dr. Reinhard Meier
Ja, richtig.
01:29
Inga Bergen
Und ist richtig. Also ein wirklich erfolgreicher First-Time-Fundraiser, kann man sagen. Das gelingt ja wenigen so aus dem Stand. Und ich freue mich total, dass wir die nächste Dreiviertelstunde zusammen verbringen, lieber Reinhard.
01:47
Prof. Dr. Reinhard Meier
Ja, freue mich auch total. Vielen Dank für die Einladung. Freue mich, heute etwas erzählen zu dürfen aus meiner Vergangenheit, aber auch vor allem jetzt zu dem 100 Millionen Health Tech Fund, den ihr aufgesetzt habt.
01:58
Inga Bergen
Genau. Du bist ja schon längere Zeit im Bereich Digitalisierung und Gesundheit unterwegs als Arzt. Also du kommst aus dem medizinischen Kontext und hast Teleklinik mal mitgegründet. Vielleicht steigen wir da mal ein. Warum hast du damals Teleklinik gegründet? Ihr habt das ja gegründet, da gab es noch das Fernbehandlungsverbot, so hieß das, oder?
02:19
Prof. Dr. Reinhard Meier
Fernbehandlungsverbot, absolut korrekt. Das Fernbehandlungsverbot gab es da. Ja, also die Idee hat sich natürlich entwickelt, die war am Anfang wahrscheinlich auch etwas eine andere, aber ich bin ja vom Hintergrund Arzt, hatte mich auf Radiologie spezialisiert, war zum Studium und dann zur Ausbildung in San Francisco und dann in München. Und als ich dann zurück nach München gekommen bin, bin ich in die Startup-Szene eingetaucht, weil einer meiner zwei Brüder eine Modeplattform gegründet hatte und ich da ja viel mitbekommen habe, wie das läuft, und auch bei den Veranstaltungen mit dabei war und dann quasi wirklich sehr fasziniert war von der Energie und von dem Enthusiasmus, der Gründer und der Unternehmer. Und ja, wollte in dem Rahmen natürlich auch irgendwas machen, aber im Bereich Gesundheit, nachdem ich ja Arzt bin. Und so hatte ich mir da längere Zeit überlegt, was könnte man da machen, und bin aber auch gleichzeitig nicht bereit gewesen zu springen. Und deswegen habe ich dann mit meinem Bruder ein CDTM-Projekt gemacht. Und in dem CDTM-Projekt haben wir ganz grob die Vision gegeben, Wir wollen irgendwas machen mit Gesundheit und Digitalisierung und Plattform und ärztliche Beratung, vielleicht Zweitmeinung. Und bei diesem CDTM-Projekt haben wir dann die Katharina Jünger getroffen, die sehr begeisterungsfähig war und auch voller Unternehmenslust auf genau dieses Thema. Sie kommt ja auch aus einem Ärztehaushalt und so hat man uns dann zusammengetan und dann quasi zu dritt die Vision für Teleclinic entwickelt. Und die ist dann natürlich nicht bei der Zweitmeinung geblieben, sondern hat sich dann relativ schnell auch durch das, vor allem durch das Vorantreiben von der Katharina, dann dahingehend entwickelt, dass wir gesagt haben, wir wollen eine App, da kann man telefonieren, schreiben, aber auch Videotelefonie von Ärzten direkt zu Patienten. Und auch wenn ich als Facharzt immer geglaubt habe, da kommen dann vor allem die fachspezifischen Fragen, die mal schnell ganz hochspezialisierten Professor für Augenheilkunde beispielsweise sprechen würden. Die hatten wir alle mit auf der Plattform, aber natürlich waren 90% die einfachen Fragen, die Hausarztfragen. So, ich habe jetzt Kopfschmerzen, was soll ich tun? Oder ich habe, mein Kind hat jetzt einen Ausschlag, muss ich damit in die Notaufnahme oder reicht's, wenn ich dann morgen zum Arzt gehe? Oder was kann ich jetzt direkt tun? Und dahingegen hat sich dann Teleclinic entwickelt in diese Richtung. Häufige Fragestellungen.
05:00
Inga Bergen
Und jetzt ist so Teleklinik so ein bisschen Last Man Standing von— es gab ja ganz viele Telemedizinanbieter, und dann ist die Regulatorik aber so langsam vorangekommen und auch immer noch nicht da, wo sie sein könnte bei Telemedizin, dass es ja doch sehr finanzstarke Investoren braucht. Die hat Teleklinik— ich hatte auch mit Katharina vor dem Verkauf an zur Rose eine Podcastfolge mal aufgenommen und hat sich erzählt, wie sie sich in die ganzen rechtlichen Fragestellungen so reingekniet hat. Du bist ja nicht mehr bei Teleclinic, hast aber natürlich jetzt dieses ganze Unternehmerische mitbekommen, mitentwickelt und einmal diesen Ride eigentlich durchgemacht als Gründer, Geld zu suchen, dann das Ganze aus dem Nichts quasi aufzubauen in diesem regulatorisch schwierigen Umfeld, kann man sagen, bis zum Exit. Und wann bist du dann raus eigentlich bei Teleclinic?
05:54
Prof. Dr. Reinhard Meier
Ich bin dann raus zum Verkauf. Wir durften quasi dann alle raus, weil ich jetzt auch nicht mehr operativ tätig war, sondern nur noch im Board beratend. Und die Katharina natürlich als CEO musste noch 3 Jahre lang weitermachen oder durfte auch weitermachen. Und ist inzwischen jetzt aber auch raus. Ja, wie war das? Wir haben gegründet und hatten eigentlich nur eine Wand nach der anderen einzurennen, weil natürlich keiner gesagt hat: Hurra, darauf haben wir gewartet, das bringt uns jetzt total nach vorne, lasst uns das fördern. Sondern wir mussten in vielen, vielen Gesprächen Menschen überzeugen, von Ärztekammern über kassenärztliche Vereinigungen. Da haben wir wirklich alle Bundesländer, jede einzelne Ärztekammer und kassenärztliche Vereinigung abgeklappert. Am Anfang einfach um dieses Fernbehandlungsverbot im Rahmen von Pilotprojekten aufzuheben oder auch für Selektivverträge mit jeder einzelnen Krankenkasse und mit jeder einzelnen Krankenversicherung gesprochen. Also es war einfach sehr, sehr viel sprechen und so konnten wir uns ganz langsam einen Namen machen und über Selektivverträge Umsätze auch generieren und dann über das allererste Pilotprojekt mit der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung in Baden-Württemberg. Die wirklich visionär waren und gesagt haben, komm, mit euch probieren wir das, euch vertrauen wir die Qualität auch zu. Und da konnte man eben in der ersten Pilotschule in Deutschland dann zeigen, dass es keine Patientengefährdung ist. Wie viele Ärzte kann man auch gemutmaßt haben und dass man den Patienten wirklich effektiv damit helfen kann, indem man dem online digital eine ärztliche Meinung mitgibt. Und dazu muss man den Patienten nicht unbedingt in jeder Fragestellung anfassen oder schon vorher gekannt haben. Und das konnte man eben mit dieser ersten Studie, die wissenschaftlich auch begleitet war von der Uni Tübingen, konnte man das schön aufweisen. Und dann hat das die Kassenärztliche Vereinigung und die Ärztekammer auf den Bundestag mitgenommen. Und da konnte man dann die anderen überzeugen, sodass es dann wahrscheinlich 2016 war es dann, wurde es dann aufgehoben. Ja, so nach und nach. Also die Es musste dann wirklich jedes Bundesland auch selber zustimmen für ihre Ärzte. Und so nach und nach hat es dann jedes Bundesland übernommen, sodass es dann pünktlich zur Corona-Pandemie auch erlaubt war. Und da, glaube ich, da hat es natürlich geboomt. Da war dann auf einmal jedem klar, dass es total viel Sinn macht, dass wenn man krank ist mit Covid, jetzt nicht für eine Krankschreibung oder für ein Rezept noch in die Sprechstunde gehen muss und da alle anderen Patienten auch noch ansteckt. Und da hat es dann, glaube ich, wirklich jeder verstanden, dass es Sinn macht und dass es auch einen großen Nutzen hat. Und natürlich haben es auch einfach viele Patienten da zum ersten Mal verwendet und genutzt. Und deswegen war dann ein deutlicher Boom für alle.
08:54
Inga Bergen
Ja, was ich immer so spannend finde, ist, dass ihr eine eigene Studie gemacht habt und dass das den Nachweis bringen musste. Wir haben ja Telemedizin in anderen Märkten schon seit gefühlt Jahrzehnten. Das ist wieder so ein bisschen typisch deutsch. Aber das fand ich damals total spannend, dass ihr das disruptiert habt. Und das ist ja jetzt auch was, was dir wahrscheinlich total hilft, damit in deiner neuen Rolle als Investor auch Startups zu bewerten, auch zu schauen, wo hat jemand vielleicht das Potenzial, auch so eine Phase zu durchlaufen, wo es eine Innovation gibt, die aus der Versorgungssicht total viel Sinn macht, die aber regulatorisch noch schwierig ist oder auch vielleicht von der Reimbursement-Seite, also von der Erstattungsthematik, noch schwierig ist. Was hat dich jetzt dazu bewogen, also nach diesem Exit dann unter die Investoren zu gehen? Das war ja jetzt auch ein Schritt noch mal in eine ganz andere Richtung.
09:48
Prof. Dr. Reinhard Meier
Wir hatten natürlich im Laufe der Teleklinik ein großes Netzwerk aufgebaut, nicht nur mit Ärztekammern und Versicherungen, sondern auch mit anderen Investoren und anderen Unternehmen und mit den Erlösen aus dem Verkauf natürlich auch selber investiert als Business Angel. Irgendwie war mir das ein Bedürfnis, die Learnings und das Netzwerk, das wir aufgebaut haben, auch an andere Startups weiterzugeben. Und als Business Engineer hat das sehr viel Spaß gemacht und war auch recht erfolgreich. Aber so richtig das große Rad kannst du natürlich nicht drehen. Da war schon, dann früh der Gedanke eigentlich schon während Teleclinic-Zeiten, als auch wir als Unternehmer frustriert waren von den Investoren teilweise, die ja auch nicht immer so sind, wie man sich das als Gründer wünscht. Und da war mir immer ein Bedürfnis, dass ich einen Investor gerne hätte, der auch wirklich Ahnung hat vom Gesundheitstechnologiemarkt, der das vielleicht selber schon mal mitgemacht hat und mir auch mit dieser Erfahrung helfen kann und nicht nur Kapital gibt und sagt: So, jetzt los geht's, ohne wirklich Detailwissen mitzubringen in dem Markt. Und genau mit der Idee bin ich bin ich losgezogen, habe mir einen Mitgründer gesucht, der auch Ahnung hat, wie man einen Fund betreibt. Ich meine, es ist ja jetzt nicht unbedingt meine Expertise als Arzt und Gründer. Habe den, das in dem Markus Feueregger gefunden. Den hatte ich während der Teleklinik-Zeit schon kennengelernt, da er für einen Private-Equity-Fund tätig war, der auch im Gesundheitswesen investiert hat. Und da hatten wir uns überlegt, wie könnte der jetzt in ein Startup investieren? Hat er nicht geklappt, weil deren Ticketgrößen, deren Investmenthöhe deutlich größer ist als was ein Startup braucht. Aber wir hatten uns da sehr gut verstanden und gesagt, Mensch, so ein sektorfokussierter Fund wäre eine echt gute Idee. Und so habe ich ihn wieder kontaktiert und gesagt, okay, das ist prima, das machen wir. Und wir haben uns neben uns zwei natürlich noch ein dediziertes Team gesucht aus Venture Partnern, bestehen aus Serienunternehmern wie Martina Samver von 21TX oder Vlad Lata von Avimedical und noch viele andere. Und eben auch aus Senior Advisors, so der ehemalige Geschäftsführer von einer der größten Krankenhausketten in Europa und ein Gründer und CEO von der größten Krankenversicherung im Nahen Osten. Noch ein AI-Professor. Und mit dem Team sind wir losgestartet, schönen Pitch-Deck, und haben Investoren abgeklappert, die doch in unseren 100-Millionen-Fund investieren sollen.
12:26
Inga Bergen
Und das habt ihr geclosed?
12:27
Prof. Dr. Reinhard Meier
Wir sind mit dem Fundraising noch nicht ganz durch, aber wir konnten früh institutionelle Investoren überzeugen, in uns investieren. Wir haben zum Beispiel den Europäische Investment Fund dabei, der direkt zu Anfang ein großes Ankerinvestment gelegt hat bei uns. Wir haben Coprets dabei wie Bertelsmann und Beiersdorf, die beide auch eine signifikante Summe gelegt haben. Im Second Closing jetzt im Juli ist noch die KfW Capital dazugekommen und jetzt Ende des Jahres in 2 Wochen machen wir unser drittes Closing, wo ein sehr renommierter Fund of Fund, der unter anderem auch von KfW Capital Finanzierung bekommen hat, aber auch von anderen großen Unternehmen in Europa. Das genau, die werden auch bei uns investieren, sodass wir jetzt dann quasi fast schon voll sind und noch weitere Investments bis Ende Q1 annehmen können.
13:24
Inga Bergen
Ja, herzlichen Glückwunsch schon mal. Das ist ja, also vielleicht können wir da ein bisschen eintauchen, weil ich glaube, nicht alle Hörerinnen und Hörer von unserem Podcast wissen, wie dieses Spiel läuft, wie man so ein Fund raised. Das ist tatsächlich so, man tut sich zusammen mit Expertinnen und Experten, die sich sowohl fachlich auskennen als auch in diesem ganzen Investmentmarkt und spricht dann Investoren an, wie du es gerade beschrieben hast, die eben da Geld reingeben. Und dann könnt ihr, sobald das Geld da ist, schon ja investieren. Also ihr müsst ja nicht warten, bis die volle Summe da ist, bis die 100 Millionen da sind, sondern wenn ihr jetzt 80 Millionen schon habt, könnt ihr Investments machen. Und wie lange ist eure Laufzeit, über die ihr investiert? Wahrscheinlich 7 Jahre. Das ist ja so der gängige Zyklus. Manchmal ein bisschen länger im Gesundheitswesen. Wie lange läuft euer Fonds?
14:14
Prof. Dr. Reinhard Meier
Also wir haben Laufzeit von 5 Jahren Investmentperiode und dann 10 Jahre maximale Halteperiode. Und wie du sagst, man sammelt Schritt für Schritt die Gelder ein. Unser erstes Closing war bei über 50 Millionen, das zweite dann bei 70 und jetzt das dritte eben bei 80. Und so kommen wir auf die ganze Summe von den 100. Und investieren aber jetzt auch schon seit über einem Jahr, haben schon vor dem First Close auch schon investiert mit eigenen Mitteln und haben deswegen jetzt auch schon ein Jahr nach dem First Closing schon 12 Investments machen können und mehrere Follow-on-Investments. Das heißt, wir hatten schon investiert und haben dann zu einer höheren Bewertung schon mit anderen Investoren nachinvestieren können.
15:00
Inga Bergen
Ja, ja, lass uns da mal einsteigen. Also erstmal ist das wirklich eine ziemlich tolle Erfolgsgeschichte wieder, weil es versuchen gerade viele Leute, ein Fund zu raisen, gerade im Healthcare-Bereich. Nicht allen gelingt das. Also man, ich sehe das immer wieder, dass jemand das wirklich über Jahre versucht, aber diese Summen einfach dann nicht zusammenkommen. Und es ist ja auch nicht so einfach geworden im Marktumfeld. Wir hatten ziemlichen Run auf Healthcare, das stabilisiert sich und ist auch ziemlich gesunken. Die Investments in Europa sind um die Hälfte gesunken im letzten Ja, aber Healthcare ist jetzt nicht ganz so stark betroffen, genauso wie Climate Tech, andere Bereiche sehr, sehr viel stärker. Aber da haben wir ja eine gute Prognose, weil wir ja alle wissen, dass im Gesundheitswesen noch wirklich sehr, sehr viel zu tun ist, damit wir die Versorgung überhaupt aufrechterhalten können in der Zukunft und sich sehr viel verändert. Vielleicht können wir da mal so ein bisschen einsteigen, weil ihr habt ja sicherlich eine Vision der Zukunft, wo ihr sagt, so wird das Gesundheitswesen aussehen. Und das sind die Themen, die besonders relevant sind und die sich auch als Geschäftsmodelle und neue Konzepte im Gesundheitswesen durchsetzen können. Und wenn ihr schon mehrere Investments getätigt habt, dann wird sich ja diese Vision auch ein Stück weit manifestieren darin. Deswegen lass uns da gerne mal einsteigen, in was ihr investiert und wie ihr die Zukunft betrachtet.
16:22
Prof. Dr. Reinhard Meier
Sehr gerne. Also wir sehen, und da sind wir wahrscheinlich auf einer Linie, Inga HealthTech, Gesundheitstechnologie, als eine der größeren Opportunitäten in den nächsten Jahren, weil einfach das Gesundheitswesen nach wie vor unterdigitalisiert ist und weiterhin auf Faxmaschine und Telefonhörer läuft. Und eine Innovation wie Teleklinik, was eigentlich nur ein Videogespräch mit dem Arzt schon eine unglaubliche Innovation ist, und wir sind der festen Meinung, dass nächsten Jahren viele, viele Anwendungen in den Markt kommen werden, die den Arzt oder den Patienten das Leben einfacher und effizienter machen werden. Und hier wollen wir als Investoren natürlich helfen, auch dass diese Anwendungen schneller in den Markt kommen, aber natürlich auch finanziell partizipieren und Gewinne machen, die dann unseren Investoren zugutekommen.
17:14
Inga Bergen
Erzähl mal ein paar Beispiele von Startups, in die ihr jetzt investiert habt.
17:19
Prof. Dr. Reinhard Meier
Sehr gerne. Also 12 Investments insgesamt gemacht. Gesundheitstechnologie ist ja ein sehr breites Spektrum, und wir fokussieren uns auch nicht auf B2C, also ein Geschäft für Endkunden, sondern, oder, oder B2B, von Geschäft zu Unternehmen oder Firmen, sondern sind da absichtlich auch breit aufgestellt. Es muss nur die Komponente Software und Gesundheitswesen haben. Und unser erstes Investment ist Beispielsweise Scan.com. Scan.com ist eine Firma aus London in England, die eine Buchungsplattform für MRT- und CT-Dienstleistungen hat. Das heißt, für eine Bildgebung. Wenn ich Kopfschmerzen habe und ich brauche eine Kernspintomographie vom Kopf, dann kann ich aktuell auf 4, 5 verschiedenen Webseiten von Radiologen googeln, Oder ich gehe eben zu scan.com und habe dann die Übersicht und bekomme den schnellstmöglichen Termin und vielleicht auch den besten Preis. Denn es gibt da auch immer Preisunterschiede. Und da haben wir investiert, weil es natürlich ein sehr intransparenter Markt ist, der mit so einer Plattform transparenter gemacht wird. Was letztlich den Patienten hilft, wenn die eben ihren Termin nicht erst in 8 Wochen haben, sondern schon nächste Woche und dafür vielleicht eine halbe Stunde Auto fahren müssen. Da gab es auch viele schöne Berichte von Patienten, die gesagt haben, dank scan.com, haben wir unser MRT schon einer Woche bekommen. Der Tumor wurde früher entdeckt, konnte operiert werden. Und was wäre passiert, wenn ich eben da 2 Monate hätte warten müssen? Und wollen wir mal drauf schauen, dass wir natürlich irgendeine Sache effizienter, einfacher machen in dem komplexen Markt, einen Impact also haben, und einen Markt haben, der auch groß genug ist für ein Venture-Capital-Investment,, also auch einen groß genügend, genügend großen Exit ermöglicht. Und last but not least, natürlich schauen wir uns vor allem das Team an. Das Team muss exzeptionell sein, vielleicht auch schon erfahren sein in der Gründung und oder zumindest unglaublich motiviert sein und divers aufgestellt sein, möglicherweise mit verschiedenen Erfahrungen, Hintergrund-Erfahrungen. So wie bei mir. Ich war ja Arzt. Katharina war Juristin. Unser CTO war Informatiker und solche Teams suchen wir auch, die Expertise mitbringen und Erfahrung.
19:43
Inga Bergen
Und das ist ja aber ein Produkt, das gibt es gar nicht in Deutschland. Also ihr seid jetzt nicht auf Deutschland fokussiert, oder gibt es das in Deutschland?
19:51
Prof. Dr. Reinhard Meier
Unsere Strategie ist tatsächlich, wir wollen in ganz Europa investieren, haben einen Fokus in der DACH-Region in Deutschland, weil da auch unser Netzwerk einfach am stärksten ist. Aber es ist ein paneuropäischer Fund und Strategisch wollen wir möglichst früh investieren. Wir machen Pre-Seed oder Seed, manchmal auch Series-A-Investments, und zwei Drittel von dem Fund sind für Follow-on-Investments reserviert. Genau, also möglichst früh, und dann, wenn es läuft, auch weiter unterstützen bis hin zu späteren Phasen. Und Scan.com, ja, kennt man in Deutschland nicht, weil die in Deutschland eben noch nicht tätig sind. Die sind in England tätig und als nächstes Land haben wir uns entschieden, in die USA zu gehen und da zu expandieren. Und da sind die sehr, sehr erfolgreich gerade, konnten ihren Umsatz sehr, sehr schnell vervielfachen und steht relativ sehr, sehr gut da aktuell.
20:49
Inga Bergen
Wir möchten euch unseren Werbepartner Dr. Lib vorstellen, der mit seinen Lösungen dafür sorgt, dass Gesundheitsfachkräfte mehr Zeit für eine optimale Patientenversorgung Ausbildung haben und der Arztberuf wieder attraktiver wird. Terminbuchungs- und Verwaltungssoftware bietet benutzerfreundliche und nützliche Angebote aus einer Hand, die für Ärzte und Ärztinnen sowie Patienten und Patientinnen mobil und auf dem Desktop verfügbar sind. Dabei ist die Digitalisierung für Dr. Lübcken kein Selbstzweck, sondern schafft durch technologische Expertise und tiefe Kenntnisse des Gesundheitswesens ein Angebot, das wirklich hilft, wie mehr als 14 Millionen Patientenseitige Nutzer und Nutzerinnen beweisen.
21:28
Inga Bergen
Ja, ja, super spannend, weil ihr habt ja jetzt neben Scan.com, habt ihr auch sowas wie ein AI-based Mental Health Voicebot, Bear and Me. Ich glaube, die kommen auch aus Berlin. Ihr habt ganz viel im Bereich eher Wellbeing, wo es um Hair- und Skin-Analyse geht, Themen wie Laboratory Tests und Preventive Health Care Treatment Support Systeme. Ihr habt aber auch eine B2B-Plattform, in die ihr investiert habt, auch was im Bereich der Tiergesundheit oder eine digitale Klinik für Metabolic Health. Also total breites Feld. Was ist so der gemeinsame Nenner? Wie würdest du das beschreiben thematisch? Oder gibt es den gar nicht? Ist das gar nicht notwendig?
22:15
Prof. Dr. Reinhard Meier
Doch, doch, doch. Also das ist ja, glaube ich, genau unser Ziel, dass wir kein Generalist VC sind, die überall investieren, sondern unser Fokus ist wirklich die Gesundheitstechnologien im Bereich Gesundheit, und dazu braucht's, damit wir investieren, die Komponente Software und Gesundheitswesen, und dann sind wir wirklich breit aufgestellt, wie du auch jetzt sehr schön von unserem Portfolio schon erzählt hast, von dem Chatbot, der Patienten bei Angststörungen helfen soll, klären.me aus Berlin, bis hin zu einer HR-Plattform, die es Krankenhäusern und Praxen, aber auch anderen Unternehmen ermöglicht, die Personalressource besser zu planen und Urlaub einzutragen, so Art Personio, bis hin zu einem unserer letzten Investments, einer Tiermedizinpraxis in München, die jetzt nicht eine reine Tiermedizinpraxis ist, sondern sehr, sehr viele digitale Komponenten wie eben auch eine Videosprechstunde für die Tierbesitzer anbietet.
23:13
Inga Bergen
Das sind auch ehemalige Teleklinik-Leute, die das gegründet haben, richtig?
23:18
Prof. Dr. Reinhard Meier
Nein, nein, dabei. Es gibt ein Telemedizin-Startup tatsächlich, Padlio, das von dem ehemaligen Teleclinic-CTO gegründet ist und was wir natürlich auch sehr genau verfolgen.
23:31
Inga Bergen
Ja, spannend. Jetzt lass uns mal auf Trends schauen, weil ich habe mir euer Portfolio angeschaut. Ihr habt jetzt keine DiGA dabei. Das finde ich spannend, dass ihr keine App auf Rezept dabei habt, weil das war ja so in den letzten 2, 3 Jahren wirklich der große Hype. Das Handelsblatt hatte mal zusammengerechnet, dass da knapp 300 Millionen Investorengelder reingeflossen sind, was jetzt aber auch sicherlich nicht so ganz stimmt, weil einiges auch für internationale Expansion genutzt wurde von diesen Unternehmen. Das ist aber ein Markt, da habt ihr jetzt gar kein Investment. Wie betrachtest du diesen Bereich? Also denkst du, das ist etwas, was zukunftsfähig ist?
24:09
Prof. Dr. Reinhard Meier
Diga hat also vor allem den deutschen Markt super vorangebracht. Von daher eine tolle politische Initiative, die den gesamten Health-Tech-Sektor vorangebracht hat. Jetzt für uns als Investoren hatten wir tatsächlich gleich zum First Closing auch im Handelsblatt öffentlich ein Statement zu DIGA Startups gemacht, in dem wir gesagt haben: Super spannend, bringt den ganzen Markt voran, aber als Investment wahrscheinlich schwierig, weil sehr nischig. Also eine Indikation in einem Markt, aufgrund einer Reimbursement-Strategie, der politischen Strategie, wo auch damals vor einem Jahr schon absehbar war, dass ja die Gelder, die initial gezahlt werden, nach einem Jahr noch mal neu verhandelt werden und dass da Nachzahlungen möglicherweise fällig sind. Und von daher hat man uns früher dahingegen eingestellt, dass wir als Investoren ja nicht in nischige Sachen investieren können. Sondern wenn, dann entweder in einen Aggregator, der ganz viele DIGAs baut oder zukauft, oder einen, der DIGAs ermöglicht und sozusagen die Schaufeln dafür verkauft. Da gibt es jetzt auch einige Startups, die in dem Bereich losstarten und dann die DIGAs schneller, besser, einfacher an den Arzt bringen wollen. Und deswegen— genau, das habe ich auch gesehen.
25:30
Inga Bergen
Ja, ich finde das spannend, weil so wie du beschreibst, es gibt ja eine Diga, die gerade wieder eine große Investmentrunde geschlossen hat, Canus Health. Die haben sich aber auch als Plattform positioniert, also die sagen, sie werden dann diesen Vertriebsweg in die Urologie nutzen, um so eine digitale Urologie-Plattform aufzubauen, und machen dann genau das, um wahrscheinlich die Investoren zu begeistern, weil sie sagen, wir haben nicht einen singulären, tatsächlich einen singulären Use Case, sondern wir bauen dann eine ganze Plattform. Und das ist ja das, wo man im Moment wahrscheinlich dann noch Investoren begeistern kann, wenn man diese große Vision auch hat. Also wenn man mit einer Sache vielleicht startet, aber dann eben diese große Vision zeigt und die nicht singulär auf jetzt ein Reverse-Reimbursement-Modell ausgeht, sondern das kombiniert mit anderen Modellen wie Selektivverträge, Selbstzahler, was auch immer.
26:27
Prof. Dr. Reinhard Meier
Ja, absolut. Sehr gutes Beispiel. Clannus Health, super Team, auch schöne Strategie. Die hatten von Anfang an nicht nur Deutschland im Blick, sondern auch direkt die USA. Hatten wir uns sehr genau angeschaut. Hat am Ende leider nicht geklappt wegen unterschiedlichen Vorstellungen. Aber seitdem verfolge ich die natürlich und bin wirklich fasziniert, was für einen tollen Erfolg die haben. Und es wäre sicherlich ein tolles Investment gewesen und ist jetzt für uns als Frühphasen-Investor schon wieder zu spät. Aber ich finde es toll, was die daraus gemacht haben, und wünsche ihnen da sehr, sehr viel Erfolg auf dem weiteren Weg.
27:03
Inga Bergen
Ja, ich finde das so spannend, weil das sind ja zwei komplett unterschiedliche Herangehensweisen. Die eine für Investoren, also diese Plattform-Gedanken, das skalierfähige, das große Geschäftsmodell aus etwas entwickeln. Können, und das Gesundheitswesen auf der anderen Seite, was dem sehr kritisch gegenübersteht. Du hattest jetzt gesagt, eben Vlad ist bei euch mit drin von Avimedical. Ich hatte mit dem Julian Klei von Avimedical auch schon eine Podcast-Folge gemacht, und Avimedical ist ja eine, kann man sagen, digitalisierte Hausarztkette, kann man, kann man sagen, die sehr optimiert eine digitale Patient Journey eigentlich eingeführt hat in die hausärztliche Versorgung in Deutschland. Und ja, man sieht an solchen Beispielen, dass das auch sehr kritisch betrachtet wird, weil Avimedical ist natürlich in dieser ganzen Lauterbach-Diskussion, dürfen Investoren Arztpraxen kaufen und betreiben, sehr kritisch betrachtet worden, obwohl das Angebot, finde ich, sehr patientenfreundlich ist. Und auch dem Zeitgeist entspricht, weil Ärztinnen und Ärzte immer mehr angestellt werden wollen. Aber da gibt es so ganz unterschiedliche Logiken. Also das, was das Gesundheitssystem toll findet, passt für Investoren nicht und umgekehrt. Wie gehst du damit um? Ist das, ist das etwas, dieses Double Messaging, ist das etwas, was du siehst bei vielen Startups, dass die in Richtung Gesundheitssystem ganz anders kommunizieren als jetzt in eure Richtung dann zum Teil?
28:44
Prof. Dr. Reinhard Meier
Ja, natürlich, notgedrungen wird was intern kommuniziert, wird immer ein bisschen anders sein, als was man nach außen kommuniziert. Aber wie Medical finde ich natürlich super spannend. Es ist übrigens kein Investment von unserem Fund, sondern Platt ist wirklich als Venture Partner dabei, aber wir hatten als Business Angel investiert, weil es noch vor dem Fund war. Ich finde es deswegen spannend, weil das so die logische Fortentwicklung ist von einem Teleklinik-Konzept. Man macht also nicht nur die digitale Online-Beratung, sondern behandelt den Patienten dann auch vor Ort, nachdem man mit ihm digital kommuniziert hat. Und diese Vernetzung digital zu analoger Welt, eine sogenannte hybride Klinik, find ich halt super spannend, weil damit kann man alle digitalen Produkte und Entwicklungen einbauen, wie man möchte. Während in der normalen Hausarztpraxis der Hausarzt eh schon beschäftigt damit ist, überhaupt seine Patienten Herr zu werden und der nicht dran denkt, jeden Monat ein neues digitales Produkt einzubauen, sondern da eher sehr, sehr zurückhaltend ist, so dass man eigentlich die Chance hat, mit einer eigenen Klinik alle digitalen Möglichkeiten einzubauen und an den Patienten zu bringen und damit das Gesamtkonzept zu bauen. Und deswegen finde ich es nach wie vor spannend. Natürlich hat die Debatte von Herrn Lauterbach, ob denn das Konzept des Ausverkaufs von Arztsitzen an Start-ups und andere Investoren, ob das sinnvoll ist. Das hat natürlich nicht geholfen, weil diese Unsicherheit mögen Investoren natürlich gar nicht, vor allem auch keine internationalen Investoren. Die investieren dann einfach gar nicht mehr in solche Konzepte oder zurückhaltender oder eben nur noch in Avimedical und in keine Konkurrenten. Das hat einfach dazu geführt, dass eine sehr große Unsicherheit ist, auch wenn es bislang noch keine Konsequenz hatte. Aber sicherlich, das war eines der Fragezeichen in den letzten, im letzten Jahr, wird dieses Modell fortbestehen, dass wenn man ein Krankenhaus kauft, das dann ein Träger ist zum Kauf von Arztpraxen, was ja eigentlich nur den Ärzten vorbehalten ist. Und von daher sind wir aktuell nicht, aber finden das Modell, das hybride Modell sehr spannend und deswegen sind wir ja investiert in Hair Skin, ein Modell in der Schweiz. Das für Haar- und Hautbehandlungen digitale und analoge Welt verschmilzt, also digitales Onboarding ermöglicht, aber auch Behandlungen vor Ort in der Klinik. Und auch bei Filu jetzt, die Tiermedizin-Praxiskette. Hier bedarf es übrigens keinem Krankenhaus, sondern da ist die Regulatorik im Tiermedizinbereich noch mal ganz anders und tatsächlich einfacher für solche Modelle.
31:16
Inga Bergen
Ja, ja, spannend. Also kann man sagen, ihr versteht als Investoren wirklich so eine hybride Patient Journey, diesen ganzen Verlauf, und investiert in neue Modelle, die da Zugang auch zur Versorgung ermöglichen. So würde ich es auf den Punkt bringen.
31:30
Prof. Dr. Reinhard Meier
Ja, perfekt. Du kannst es viel schöner sagen als ich. Und wenn ich noch mal gründen würde, wurde ich auch schon mal gefragt, dann würde ich genauso was Hybrides machen, weil so hat man natürlich den Zugang zum Patienten und kann ihn von digital bis vor Ort begleiten. Und deswegen finde ich das sehr, sehr spannend. Nichtsdestotrotz, ich glaube natürlich auch an die disruptiven Software-only-Produkte, die natürlich viel schneller skalieren können. Der Unterschied zu der hybriden Klinik: Kannst natürlich jetzt nicht wie Instagram skalieren, sondern musst jede Klinik einzeln gründen und hast natürlich viel längeren Zeitbedarf als jetzt bei einer reinen Softwarelösung.
32:08
Inga Bergen
Ja klar, das ist immer der Punkt. Deswegen ist es ja eigentlich am schlauesten, wenn man nur die Software macht und alle dann andere das Brick-and-Mortar-Geschäft betreiben. Diese Ansätze gibt es ja auch. Ich will noch auf ein Thema kommen, weil ihr in CarendMe investiert habt, also in diesen Mental-Health-Chatbot. Die habe ich irgendwann mal kennengelernt, die Gründerin. Ich glaube, in einer Kunstgalerie. Das ist schon etwas länger her und das war noch vor ChatGPT. Dank ChatGPT können wir uns ja alle vorstellen, wie sich ein Chatbot anfühlt. Und wie nahtlos sich das eigentlich einfügt in so ein, ja, in so das, was man halt so tut als Mensch. Und wie viel natürlicher sich das anfühlt als ein anderes Interface, wo ich irgendwas suche. Und deswegen ist es fantastisch geeignet für Gesundheit, Interaktion, weil wir sehen das ja an ersten Studien, dass Menschen die Antworten von KI-Chatbots als sehr professionell, sehr empathisch wahrnehmen, einfach weil so ein Chatbot ja natürlich viel mehr Zeit hat, in Millisekunden etwas auszuformulieren, was sich dann für Menschen immer so anfühlt wie, da hat sich jemand Zeit genommen für eine tolle Antwort. Und Kerstin, mir ist ja so ein Chatbot— jetzt habt ihr da so ein bisschen Insights— wie betrachtest du diesen Markt? Ja, denn um noch einen Satz dazu zu sagen, DIGAs, also Apps auf Rezept, können in dieser Form im Moment nicht interagieren. Per Regulatorik ist das sehr stark begrenzt, wie so ein Interface dann eben aussehen kann. Aus meiner Sicht ist es aber die Zukunft, weil es sich viel natürlicher anfühlt und weil es auch ermöglicht, dass man auf jede Art der Person, die quasi diese Anwendung benutzt, dann auch ja Bezug nehmen kann und auch jede Sprache, jeden Komplexitätsgrad in der Sprache auch abbilden kann. Wie siehst du diesen ganzen Bereich?
34:10
Prof. Dr. Reinhard Meier
Total. Also das ist ja eigentlich schon ganz schön gesagt, aber wir hatten uns beim Investment in Emilia und Celina von CareMe genau das überlegt. Diese Lösung kann die Welt zum Teil verändern. Die kann eben Patienten, die normalerweise Wochen, Monate warten auf einen Termin beim Psychologen oder Psychotherapeuten können die direkt 24/7 immer mit einem Chatbot sprechen. Unsere These war ja, das könnte vom Patienten angenommen werden, und haben das natürlich auch versucht. Und tatsächlich klingt es so menschlich, und so wie die AI auch trainiert ist von Claire Me, ist das Gespräch auch sehr ähnlich zum Psychologengespräch und Psychotherapeutengespräch. Strukturiert und kuratiert. Von daher wird es von den aktuellen Patienten und Kunden auch sehr gerne genutzt. Und natürlich kann man damit keinen wirklichen Psychologen, Psychotherapeuten sofort ersetzen. Das sage ich immer dazu, weil sonst sagen die Ärzte, ja, wie soll das gehen? Sondern es ist halt eine, eine Ergänzung, genau für Patienten, die keinen Termin haben beim Psychologen oder erst in 2 Monaten und aber direkt Gesprächsbedarf haben wegen einer akuten Angststörung. Und dann gab es eben auch diese vielen Chatbots, auch in den USA, die sehr erfolgreich auf die Kunden und Patienten eingehen konnten. Wir dachten uns, wie viel schöner und spannender wäre es, wenn man eben nicht nur schreiben kann, sondern auch sprechen kann. Und genau das macht CareMe, ein sprechender AI-Chatbot, der dich am Telefon anruft und dann sagt: Hallo Reinhard, wie ist es heute um dich bestellt? Erzähl mal, und dann auch wirklich mit dir interagiert. Und das ist unheimlich spannend, das zu erleben.
36:00
Inga Bergen
Ja, total interessant, weil da ist ja oft die Wahrnehmung, nee, also eine KI, das ist ja irgendwie Zweiklassenmedizin. Aber dass das tatsächlich Menschen auch wirklich abholt, da wo sie sind, und für manche sicherlich auch sogar einfacher ist, mit einer KI zu interagieren als jetzt mit einem realen Menschen. Wird ganz oft vergessen. Also finde ich total spannend. Seht ihr das gerade auch als Thema, euch auf KI-Themen ein bisschen zu fokussieren, also da auch genau zu gucken, was entwickelt sich da gerade in dem Bereich? Chatbots, Patient Companions und so weiter. Ist das ein Feld, wo ihr auch gerade ein besonderes Augenmerk drauf habt?
36:41
Prof. Dr. Reinhard Meier
Unbedingt. Also ich bin ja von der Ausbildung Radiologe und in der Radiologie gibt es jetzt schon seit ein paar Jahren Kompagnons, die mir in unterschiedlichen Fragestellungen auch helfen können. Die sprechen jetzt nicht mit mir, okay, aber die können mir helfen, Bilder zu analysieren und schneller zu analysieren. So glaube ich, dass für jede Fachrichtung wird es einen solchen Kompagnon geben, der entweder dem Arzt oder auch den Patienten die Arbeit oder das Leben einfacher und effizienter macht. Und ich denke, das geht jetzt gerade erst los und Ich glaube, auch so ein Geschäftsmodell wie CareMe hat jetzt viel mehr Akzeptanz, nachdem ChatGPT fast schon Alltag für viele ist, hat das noch mal viel mehr Akzeptanz, dass man sich auch als Arzt oder Patient traut, mit so einer AI zu interagieren, zu sprechen und zu kommunizieren, oder auch sich von der helfen zu lassen. Und von daher glaube ich, dass es jetzt auch erst der Anfang ist von dem Markt, der sich entwickelt. Gesundheitstechnologie ist ja eh immer ein bisschen langsamer als andere Bereiche. Man Man braucht dann auch die Zertifizierungen und die Regulatorik muss hinterherkommen, die Kostenerstattung. Aber ich bin mir ganz sicher, dass das nicht mehr aufzuhalten ist, weil es das Leben einfach sehr viel einfacher macht, wenn man eine gut funktionierende AI im Hintergrund hat.
37:59
Inga Bergen
Wenn wir jetzt mal so einen Ausblick wagen auf 2024, was siehst du für Produkte und Geschäftsmodelle, die jetzt so up and coming sind und die wirklich interessant sind und die man einfach im Blick behalten sollte?
38:12
Prof. Dr. Reinhard Meier
Ja, ich lasse mich ja natürlich gerne überraschen von neuen Geschäftsmodellen. Das ist natürlich immer das, wo man jeden Tag vielleicht mal einen Pitch-Deck bekommt und sagt: Aha, das konnte ich mir noch gar nicht vorstellen. Aber ich sehe natürlich ganz viel für 2024 in den nächsten Jahren im Bereich künstliche Intelligenz kommen. Viele Modelle, die die Diagnose, Anamnese oder die tägliche Arbeit leichter machen werden. Ich sehe viele hybride Konzepte, die eben das digitale Produkt auch dann direkt an den Mann bringen in einem Shopsystem oder in ein Praxissystem. Und ich sehe aber auch viele Dienstleistungssoftwaren entstehen, von HR bis hin zu anderen Effizienzsoftware-Plattformen, die einfach die Prozesse im Alltag von Organisationen bis hin zu Onboarding, Anamnese, Diagnose auch einfach einfacher machen. Und nachdem da einfach so wenig da ist im Alltag, in der Klinik und in der Praxis, kann man in jedem Bereich unglaublich viel machen und tolle Sachen gründen. Und das ist schon was, was ich sehe. Zu Zilli Klinik-Zeiten gab es sehr wenig Gründer im Gesundheitsbereich, und das wird jetzt Gott sei Dank mehr und mehr. Und wir sehen wirklich tolle Gründerteams mit sehr spannenden Ideen und freue mich da wirklich auch auf überraschende neue Dinge, die ich jetzt vielleicht noch gar nicht mir vorstellen kann.
39:41
Inga Bergen
Ja, ich finde das auch spannend, dass du diese ganze B2B, also Business-to-Business-Welt ansprichst, also wo es darum geht, Prozesse, Abläufe, Qualität, Patientenzentrierung zu unterstützen im ambulanten oder klinischen Setting. Ich mache jetzt auch eine englische Ausgabe des Podcasts, Podcast, Visionaries of Health Care, hatte gerade mit dem Medical Director und Chief Transformational Officer des Sheba Medical Centers in Israel, ist eins der digitalsten Krankenhäuser der Welt, einen Podcast. Und der hat mir erzählt, dass sie teilweise durch KI-unterstütztes Operieren 50% weniger Zeit brauchen, weil die Operateure viel präziser operieren können. Also das fand ich wahnsinnig spannend und eine extrem tolle Zahl, wenn man überlegt, wir haben gar nicht mehr so viele Ärztinnen und Ärzte, die das können. Ja, wir müssen die Ressourcen viel besser einsetzen und eigentlich die Menschen auch schonen und nicht so ausbeuten und ausbrennen. Und da ist sowas natürlich total spannend.
40:43
Prof. Dr. Reinhard Meier
Absolut, absolut. Und das ist genau unser Ziel, das Leben und die Arbeit von Patienten und Ärzten einfach effizienter zu machen. Und Genau solche News. Mit dieser KI-Lösung kann ich schneller operieren und genauer, hoffentlich auch operieren. Oder ich kann die Patienten schneller und besser behandeln. Genau das ist ja so das Ergebnis, das wir gerne sehen und finanzieren wollen. Weil du hast völlig recht, es gibt immer weniger Ärzte, es gibt weniger Pflegekräfte. Es ist so ein immer zunehmender Druck auf dem System. Das es quasi notwendig macht, dass wir bessere Lösungen, bessere Software-Unterstützungsplattformen haben, die eben dann den verbliebenen Kräften das Leben einfacher machen.
41:31
Inga Bergen
Und um da jetzt noch mal eine Lanze zu brechen für das Risikokapital: Wir können ja nicht alle Innovationen aus dem Gesundheitswesen stemmen. Das sehen wir ja gerade. Das Gesundheitswesen verschluckt ja sehr viel Geld, um sich selbst aufrecht zu erhalten, das muss man leider so sagen, ist auch ein riesiger Wasserkopf. Das heißt, es braucht jetzt diese Investitionen außerhalb des Systems, um einfach da Innovation überhaupt möglich zu machen.
41:57
Prof. Dr. Reinhard Meier
Genau. Und da muss ich aber auch sagen, da hat die Politik auch viele Vorhaben, eben mit Finanzierungsmitteln von der KfW Capital oder EU-weit mit dem Europäischen Investment Fund oder jetzt mit einem neuen renommierten Fund of Funds, 1 Milliarde groß,, der genau diese Zukunftsinnovationen indirekt fördert, indem die wiederum in andere Venture-Capital-Funds investieren. Und ich muss schon sagen, da ist Europa gar nicht so schlecht aufgestellt. Ist natürlich immer noch ein Abstand zur USA, aber ich denke, wir sind da auf dem richtigen Weg.
42:31
Inga Bergen
Ja, super, das ist doch toll. Ein positiver Ausblick. Damit enden wir dieses Gespräch. Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich bei dir für diese wirklich tollen Einblicke. Wir werden beobachten, wie es bei euch weitergeht.
42:44
Prof. Dr. Reinhard Meier
Herzlichen Dank, Inga, hat total Spaß gemacht. Bin gespannt.





