27.01.2022

27.01.2022

Episode

51

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51

42 Min.
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Daten & Prävention, Digitale Versorgung

DiGA: Dr. Hanne Horvath, HelloBetter, über digitale Psychotherapie und Pharma-Partnerschaften

Dr. Hanne Horvath ist Gründerin von hellobetter und hat das Unternehmen vor 14 Jahren aus einem europäischen Forschungsprojekt heraus als GetOn Institut mitgegründet, das heute drei zugelassene DiGAs anbietet. In Folge 51 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie eine Forschungsidee zum skalierten Unternehmen wird und wie digitale Psychotherapie bei Patient:innen und Behandler:innen ankommt. Horvath erklärt, warum die geringen DiGA-Verschreibungszahlen bei fehlenden Informationen und fehlender Vergütung für Ärzt:innen kaum überraschen, warum sie digitale Anwendungen in Stepped-Care-Ansätzen der Psychotherapie verankern will und warum die Partnerschaft mit Ratiopharm Reichweite bei chronischem Schmerz schafft. Das Gespräch zeigt auch, wie Horvath 2019 die Geschäftsführung abgab.

Warum das Thema wichtig ist

Es bringt nichts, dass wir im Elfenbeinturm das beste Produkt mit der besten Evidenz haben, wenn niemand davon weiß.

Psychische Erkrankungen gehören zu den größten Versorgungslücken in Deutschland: Betroffene warten im Schnitt Jahre, bevor sie Hilfe suchen, und danach noch Monate auf einen Therapieplatz, während DiGA-Verschreibungen bislang kaum ins Gewicht fallen. Das Gespräch zwischen Inga Bergen und Hanne Horvath fragt, ob digitale Psychotherapie ihren Platz im Versorgungssystem findet, wenn Ärztinnen und Ärzte weder ausreichend informiert noch vergütet werden und Anwendungen bisher parallel zur Regelversorgung laufen statt in Behandlungspfaden verankert zu sein. Relevant ist das für Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Krankenkassen, Pharmaunternehmen, Regulierer sowie HealthTech-Gründerinnen und Gründer, die vor der Frage stehen, wie ein wirksames Produkt tatsächlich bei Patientinnen und Patienten ankommt. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, ordnet in dieser Folge der Reihe Visionäre der Gesundheit ein, warum Evidenz allein nicht genügt und wie Stepped Care, Partnerschaften mit der Pharmaindustrie und datenbasierte Auswertung die Verbreitung von DiGA beeinflussen könnten.

key take aways

Laut Dr. Hanne Horvath scheitern wirksame Digital-Health-Produkte im Elfenbeinturm, weil gute Evidenz allein niemanden erreicht, wenn niemand davon weiß. Deshalb setzt HelloBetter bei chronischem Schmerz auf eine Partnerschaft mit Ratiopharm, die Reichweite zu Patienten und Behandelnden mitbringt, und teilt die Umsätze.

Horvath erklärt, dass DiGAs nur langsam verschrieben werden, weil sie erklärungsbedürftig sind und Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten finanziell nicht dafür incentiviert sind. Am häufigsten fehlen laut ihr schlicht Informationen, nicht Misstrauen, weshalb sie Fortbildung, Ausbildung und gemeinsam mit Behandelnden entwickelte Leitlinien fordert.

Im Gespräch mit Inga Bergen bei Visionäre der Gesundheit betont Horvath, dass DiGAs Psychotherapie nicht ersetzen dürfen, sondern in Step-Care-Ansätze eingebettet gehören. Der Grund: Menschen warten im Schnitt 7 Jahre, bis sie Hilfe suchen, und wollen ihre Probleme oft zuerst selbst lösen, was digitale Angebote früher abholen können.

Horvath weist darauf hin, dass eine DiGA bei Diabetes und Depression eine echte Versorgungslücke schließt, weil jeder vierte Diabetiker in Deutschland depressiv ist und Diabetologen bisher kaum Optionen haben. Zudem hofft sie, dass Daten und KI klären, für wen kognitive Verhaltenstherapie digital wirkt.

Zentrale Erkenntnisse

  • HelloBetter, bis 2019 GetOn Institut genannt, wurde vor 14 Jahren aus einem europäischen Forschungsprojekt gegründet.

  • HelloBetter hat drei zugelassene DiGAs für Burnout (Z73), Diabetes mit Depression und chronischen Schmerz.

  • Bis Ende 2022 plant HelloBetter sechs gelistete DiGAs und wächst auf fast 100 Mitarbeitende.

  • Jeder vierte Diabetiker in Deutschland hat eine Depression.

  • Menschen mit psychischen Erkrankungen warten im Schnitt sieben Jahre, bis sie Hilfe suchen.

Die Gastgeberin

Host Image

Inga Bergen

Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor

"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheits­wesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.

Der Podcast

Visionäre der Gesundheit

VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.

Episoden BESCHREIBUNG

Digitale Psychotherapie im Aufbruch: Wie HelloBetter-Gründerin Dr. Hanne Horvath wirksame Online-Angebote aus der Forschung in die Versorgung bringt

Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, spricht in ihrem Podcast „Visionäre der Gesundheit“ mit Dr. Hanne Horvath. Die Psychologin hat vor 14 Jahren das spätere HelloBetter mitgegründet, als es einen Markt für digitale Gesundheitsangebote noch kaum gab. Inga Bergen hat sie gewählt, weil sie den gesamten Weg kennt: von der Uni-Forschung über das organisch wachsende Startup bis zum Unternehmen mit Risikokapital, mehreren zugelassenen DiGAs und fast 100 Mitarbeitenden. Horvath bringt die Sicht der Wissenschaftlerin, der Unternehmerin und der Vertriebsverantwortlichen zusammen und zeigt ehrlich, woran gute Produkte scheitern können, wenn niemand von ihnen erfährt.

 

Wie kommt man als Psychologin zur digitalen Psychotherapie?

Bei Hanne Horvath begann alles im Studium in Trier, wo ein Seminar über Online-Interventionen ihre Begeisterung für das Thema weckte. Dort entwarf sie gemeinsam mit anderen Studierenden ein Online-Training zur Stressbewältigung. Das Seminar gab ihr die Richtung für ihre Laufbahn vor.

Nach dem Abschluss suchte sie gezielt nach einem Weg, daraus einen Beruf zu machen, und stieß auf ein großes europäisches Forschungsprojekt. Dort entstanden mehrere Online-Gesundheitstrainings, die man heute als Medizinprodukte bezeichnen würde. Horvath entwickelte ein Training gegen Schlafstörungen und schrieb darüber ihre Doktorarbeit. Die Ergebnisse überraschten sie selbst, denn die Beschwerden der Teilnehmenden gingen deutlich zurück.

 

Wie wird aus einem Forschungsprojekt ein erfolgreiches Unternehmen?

Der Schritt gelang, weil das Team verhindern wollte, dass die Ergebnisse nach dem Ende der Drittmittel in der Schublade verschwinden. Zunächst wuchs das Unternehmen bewusst organisch. Zeitweise bestand es nur aus drei Personen, und Horvath übernahm als Geschäftsführerin nahezu jede Aufgabe. Ein erster großer Kunde war die Barmer, die das Team über eine Ausschreibung gewann.

Als sich durch das Digitale-Versorgung-Gesetz abzeichnete, dass sich der Markt neu ordnen würde, entschieden die Gründerinnen und Gründer, das Tempo zu erhöhen. Es folgten eine Seed-Runde, eine neue Struktur und ein Rebranding vom wissenschaftlich klingenden GetOn Institut zur Marke HelloBetter. Aus 20 Beschäftigten wurden in kurzer Zeit fast 100. Horvath beschreibt, dass gute Forschung allein nicht genügt, solange Reichweite und Sichtbarkeit fehlen.

 

Welche DiGAs bietet HelloBetter an und wer nutzt sie?

HelloBetter hat drei zugelassene DiGAs, die sich thematisch stark unterscheiden, darunter ein Angebot bei Burnout und Erschöpfung sowie eines für Menschen mit Diabetes und Depression. Bis Ende des Jahres sollen es sechs gelistete Anwendungen sein, langfristig will das Team alle seine Medizinprodukte in die Regelversorgung bringen.

Beim Diabetes-Angebot verweist Horvath auf eine große Lücke: Etwa jede vierte Person mit Diabetes in Deutschland ist depressiv, und passende Hilfe ist kaum verfügbar. Zugleich räumt sie mit einem Klischee auf. Die typischen Nutzenden sind nicht junge Digital Natives, sondern häufig Frauen Mitte bis Ende 40 mit hohem Leidensdruck. Viele wollen ihre Probleme zunächst selbst lösen, was digitale Angebote besonders gut bedienen können.

 

Warum werden DiGAs bisher so selten verschrieben?

Der Hauptgrund liegt laut Horvath nicht im Misstrauen der Behandelnden, sondern in fehlenden Informationen und im großen Erklärungsbedarf. Ärztinnen und Psychotherapeuten haben einen vollen Praxisalltag, eigene Routinen und keinen finanziellen Anreiz, etwas Neues zu verordnen. Deshalb überraschen sie die moderaten Verschreibungszahlen nicht, und sie hat nie mit einem schnellen Goldrausch gerechnet.

Beschleunigen lässt sich die Verbreitung ihrer Ansicht nach durch Aufklärung in Aus- und Fortbildung und durch gemeinsam mit Behandelnden entwickelte Leitlinien. Auch Partnerschaften mit Telemedizinanbietern wie der Teleklinik oder Avi Medical gehören dazu, denn deren Patientinnen und Patienten sind digitale Angebote ohnehin gewöhnt. Gerade bei Burnout-Diagnosen spielt außerdem die hausärztliche Versorgung eine große Rolle.

 

Wie funktioniert die Kooperation mit Ratiopharm bei chronischen Schmerzen?

Ratiopharm vertreibt die digitale Schmerzanwendung von HelloBetter als eigenständiges Produkt über den eigenen Außendienst, ohne sie an ein Medikament zu koppeln. Der Kontakt entstand über Flying Health. Das Pharmaunternehmen suchte für Menschen mit chronischen Schmerzen, etwa mit Fibromyalgie, ein Angebot, weil Tabletten dort kaum helfen und eine psychotherapeutische Komponente in der multimodalen Schmerztherapie vorgesehen ist.

Für HelloBetter bietet die Zusammenarbeit den Zugang zu Ärzten und Patienten, den das Team allein nur mühsam aufbauen könnte. Die Umsätze werden anteilig geteilt, was nach Horvaths Einschätzung auch international üblich ist. Ihr war wichtig, dass die Werte des Partners zur Patientengruppe passen und die Kooperation nicht allein dem Investorenbild dient. Ob sich das Modell langfristig bewährt, will sie in Ruhe auswerten, denn niemand im DiGA-Markt kenne bisher den besten Vertriebsweg.

 

Wie könnte digitale Psychotherapie die Versorgung künftig ergänzen?

Horvath wünscht sich Stufenmodelle, in denen digitale Anwendungen fester Bestandteil der Behandlungsabfolge sind, statt wie bisher in einer Art Parallelwelt zu existieren. Sie können überbrücken, wenn Betroffene monatelang auf einen Therapieplatz warten, oder als erste Behandlungsstufe dienen. Zugleich betont sie, dass es mehr Psychotherapieplätze braucht und digitale Angebote diese nicht ersetzen dürfen.

Ein großes Potenzial sieht sie in der Datenauswertung. Dass kognitive Verhaltenstherapie wirkt, ist belegt. Offen ist, für wen sie in welcher Situation am besten funktioniert. Mit KI und maschinellem Lernen ließen sich künftig personalisierte Empfehlungen geben, etwa ein anderes Angebot oder ein Gespräch mit einer Therapeutin. Inga Bergen ergänzt, dass sich dadurch auch ergebnisorientierte Vergütung und bessere Qualitätssicherung denken lassen.

 

Warum gab die Gründerin die Geschäftsführung ab?

Horvath übergab die Geschäftsführung 2019 an Hannes, weil sie bei der Neustrukturierung ehrlich prüfte, was ihr am meisten Freude macht. Heute verantwortet sie im achtköpfigen Management-Team Business Development und Service. Sie betont, dass sie den Schritt selbstbestimmt gegangen ist und nicht, weil ihr die Führungsrolle keinen Spaß gemacht hätte.

Sorgen, wie der Wechsel von außen wirken könnte, besonders als Frau, die einen Schritt zurücktritt, legte sie bewusst ab. Inga Bergen würdigt das als modernes Verständnis von Gründerschaft, bei dem sich Rollen mit den Phasen eines Unternehmens verändern dürfen. Horvath zieht eine positive Bilanz: Der Wechsel hat dem Unternehmen genutzt und ihr persönlich ebenfalls.

Im Gespräch mit

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Dr. Hanne Horvath

Gründerin von hellobetter

Dr. Hanne Horvath

Dr. Hanne Horvath ist Psychologin und Gründerin des Digital-Mental-Health-Unternehmens hellobetter, das sie ursprünglich als get.on Institut ins Leben rief. Schon im Studium beschäftigte sie sich mit digitalen Gesundheitsanwendungen und entwickelte erste Online-Trainings zur Stressbewältigung. Heute bietet hellobetter mehrere digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) im Bereich psychische Gesundheit an, unter anderem in Partnerschaft mit der Barmer.

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Dr. Hanne Horvath

Gründerin von hellobetter

Dr. Hanne Horvath

Dr. Hanne Horvath ist Psychologin und Gründerin des Digital-Mental-Health-Unternehmens hellobetter, das sie ursprünglich als get.on Institut ins Leben rief. Schon im Studium beschäftigte sie sich mit digitalen Gesundheitsanwendungen und entwickelte erste Online-Trainings zur Stressbewältigung. Heute bietet hellobetter mehrere digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) im Bereich psychische Gesundheit an, unter anderem in Partnerschaft mit der Barmer.

KAPITEL

00:00 — Von Trier zu GetOn: Digital Health im Psychologiestudium

05:39 — Rebranding zu HelloBetter und Seed-Runde statt Drittmitteln

10:32 — Drei DiGAs, Pandemie und wachsende Nachfrage nach Online-Psychotherapie

18:04 — Diabetes und Depression: Jeder vierte Diabetiker betroffen

28:34 — Ratiopharm-Kooperation: DiGA gegen chronische Schmerzen und Fibromyalgie

36:33 — Sechs DiGAs als Ziel und der Schritt zurück als Gründerin

TRANSKRIPT

00:14

Inga Bergen

Dr. Hanne Horvath ist studierte Psychologin und Gründerin von HelloBetter. Schon im Studium hat sich Hanne mit dem Thema Digital Health und digitale Psychotherapie beschäftigt und darin ihren Berufswunsch gefunden. Um die Arbeit aus der Forschung bis zum Patienten zu bringen, hat sie vor 14 Jahren ihr Unternehmen gegründet. Heute hat sie mit ihrem Team 3 zugelassene DiGas und diverse digitale Angebote für psychische Gesundheit entwickelt. Im Podcast erzählt uns Hanne über die Anfänge von HelloBetter, zu einem Zeitpunkt, als es den Markt um Digital Health so gut wie noch nicht gab, wie Kooperationen helfen, dass wirksame Angebote ankommen und wie wichtig es ist, manchmal einen Schritt zurück zu machen. Unseren Podcast Visionäre der Gesundheit präsentieren wir euch in Kooperation mit dem Handelsblatt. Handelsblatt Inside Digital Health bietet euch das exklusive Fachbriefing zur Zukunft von Gesundheit und Pharma und unsere Podcastfolgen exklusiv vorab. Alle weiteren Informationen dazu findet ihr unter inside.handelsblatt.com oder unter visionäre-gesundheit.de. Visionäre mit AE.

01:23

Inga Bergen

Hallo liebe Hanne.

01:25

Dr. Hanne Horvath

Hallo liebe Inga.

01:26

Inga Bergen

Also du bist Hanne Horvath, Dr. Hanne Horvath, richtig?

01:30

Dr. Hanne Horvath

Das stimmt. Ich bestehe zwar nicht drauf, was korrekt ist.

01:33

Inga Bergen

Genau, du bist Gründerin des ehemals GetOn-Instituts, heute HelloBetter, und hast jede Menge DIGAs auf den Markt gebracht mit deiner Firma, deinem Team. Und du bewegst dich quasi im Bereich Online-Psycho-Gesundheit. Also ich weiß gar nicht, wie man es besser ausdrücken kann, aber da verstehen glaube ich die meisten, worum es heute geht. Und ich freue mich sehr, dass du heute zu Gast bist im Podcast, weil du auch jemand bist, der schon wirklich wahnsinnig lange in dem Digital-Health-Umfeld unterwegs ist, mit Überzeugung. Und deswegen freue ich mich, dass ich dich heute ein bisschen ausfragen kann.

02:09

Dr. Hanne Horvath

Ich freue mich auch, hier zu sein. Vielen Dank für die Einladung.

02:12

Inga Bergen

Wir haben gerade eben schon darüber gesprochen, dass wir uns, also zumindest ich habe euch wahrgenommen, oder dich wahrgenommen mit dem Get On Institute schon vor Jahren, als ich noch WellDo gemacht habe. Damals haben wir so einen Online-Psycho-Coach für die Techniker Krankenkasse gemacht und da habe ich mir den Markt angeschaut und da wart ihr so mit die Ersten in Deutschland mit dem Get On Institute, das du damals gegründet hast. Und du bist ja auch Psychologin. Wie kamst du dazu?

02:39

Dr. Hanne Horvath

Ja, wie kam ich dazu? Also meine Geschichte mit Digital Health begann tatsächlich schon im Studium, was glaube ich irgendwie bei nicht so vielen Leuten und vor allem nicht damals der Fall ist, weil ja im Psychologiestudium so langsam wahrscheinlich schon, aber damals digitale Gesundheitsanwendungen jetzt nicht so die Riesenrolle spielten. Aber ich hatte damals tatsächlich, würde ihn fast auch als Mentor bezeichnen, ich hatte damals im Studium so ein Seminar bei Friedemann Gerhards, heißt der, und der hat, wann war das denn, das war glaube ich schon 2008 oder so etwas, also ganz früh ein Seminar dazu angeboten an der Uni Trier, wo ich Psychologie studiert habe. Und dann war ich so, danach war ich eigentlich hooked mit diesem Thema. Wir haben dann so in einem Seminarrahmen irgendwie ein Online-Stressbewältigungstraining entwickelt in Anführungsstrichen oder konzipiert zumindest. Und das hat mir so viel Freude bereitet, dass ich nach dem Studium bewusst Ausschau gehalten habe, wie man denn jetzt so was irgendwie beruflich machen kann, ohne zu wissen, was jetzt genau. Und bin dann auf ein großes europäisches Forschungsprojekt gestoßen, aus dem wir dann später Hello Better, also damals GetOn, gegründet haben. Das heißt, mein Einstieg in diese Welt war tatsächlich über die Forschung, was spannend ist und was natürlich auch dann so auf dem Weg zur Unternehmerin auch durchaus zu Herausforderungen geführt hat, wenn man sozusagen mit Brille da reingeboren wird in diese Welt. Und wir haben in diesem Forschungsprojekt dann ganz, ganz viele unterschiedliche, ja, aus der heutigen Sicht würde man es Medizinprodukte nennen. Damals wussten wir gar nicht, ist das überhaupt Medizinprodukt, was ist das überhaupt? Also Online-Gesundheitstrainings entwickelt. Mein Thema war Schlaf, Insomnie, Schlafstörungen. Dafür habe ich ein Training entwickelt damals und darüber meine Doktorarbeit geschrieben. Und das ganze Projekt damals war so, erfolgreich im Sinne von, dass wir wirklich gesehen haben, Mensch, da tut sich ja was. Wir können irgendwie die Beschwerden von den Leuten so krass reduzieren, wie ich damals gar nicht selber gedacht hätte. Das muss sich doch irgendwie verstetigen lassen. Und ein Unternehmen zu gründen schien damals als ein Weg, also der Weg zu sein, wie das gehen kann, damit so was nicht als Uniprojekt irgendwie verstaubt. Und dann ist ein Projekt zu Ende, weißt, dann sind die Drittmittel vorbei und dann war es das so ein bisschen. Das wollten wir irgendwie alle nicht.

04:47

Inga Bergen

Ja, ja, ich finde es halt so spannend, weil das ist jetzt 14 Jahre her. Du hast jetzt auch gerade schon, also erst mal finde ich es natürlich total interessant, dass du in Trier studiert hast, weil das ist so nah Benelux. Und da weiß man ja auch, sind so eigentlich die Vorreiter in Europa in der digitalen Psychotherapie oder Psychgesundheit. Und da gab es ja schon super viel Evidenz. Also vielleicht ist es auch so ein bisschen die geografische Nähe gewesen, die dann zu Offenheit dazu geführt hat, dass man da mal über die Grenze geguckt hat. Und was ich jetzt auch total interessant fand, Was du gerade gesagt hast. Ja, du kommst halt aus der Forschung. Und wir haben eben kurz darüber gesprochen, weil ich mich gefragt habe: Get On Institute, Hello Better, was habt ihr gemacht? Ihr habt ein Rebranding gemacht. Und bei dem Get On Institute merkt man irgendwie, das ist so total aus der Forschungssicht.

05:38

Dr. Hanne Horvath

Ja, das sieht so aus. Genau.

05:39

Inga Bergen

Hello Better ist halt eine richtige Brand. Das ist relativ einfach damit zu erklären, was ihr macht. Der Name passt auch irgendwie. Damit kann man eine Fernsehwerbung machen. Das ist nicht so ein Zungenbrecher. Und das beschreibt ja auch ziemlich genau so den Weg, den du jetzt quasi in den letzten 14 Jahren beschritten hast, oder?

05:59

Dr. Hanne Horvath

Ja, absolut. Also das war damals, wie wir das gemacht haben, alles ganz, ganz logisch. Aber genauso logisch war es dann, das auch weiterzuentwickeln zu HelloBetter. Wir sind ja damals— ich habe das dann mitgegründet, war Geschäftsführerin lange. Wir sind organisch gewachsen, was damals auch eine bewusste Entscheidung war. Irgendwie Venture Capital aufzunehmen und das so richtig so aufzuziehen als so ein, in Anführungsstrichen, richtiges Unternehmen, was wir schon waren. Aber weil das damals gar nicht klar war, wohin geht die Reise? Der Markt war in Anführungsstrichen fast nicht da. Und damals war das auch die richtige Entscheidung, erst mal organisch zu wachsen, erst mal zu gucken. Und das war aber irgendwann notwendig, da eine andere Geschwindigkeit auch draufzulegen und sich anders zu entwickeln als Unternehmen. Und das haben wir halt geschafft. Aber es war natürlich total aufregend. Geht das überhaupt? Das hat ganz viele Umstände Unstrukturierung. Also es bedurfte vieler Unstrukturierungen bei den Leuten, die beteiligt waren, auch innerlich sozusagen, aber auch quasi vom CapTable bis hin zur Brand, zu allem. Und das war ganz, ganz spannend.

07:00

Inga Bergen

Ja, genau. Das heißt also, ihr habt gegründet aus einem Forschungsprojekt mit einer Drittmittelfinanzierung, mit diesem Mindset, also dieser Haltung, sich da Stellen finanzieren zu lassen, was ja irgendwie eine, also wahrscheinlich am Anfang, was ja irgendwie eine komplett andere Nummer ist als jetzt. Ein risikokapitalbasiertes Unternehmen dann weiterzuentwickeln und aufzubauen. Was ich auch total spannend finde, weil diesen Switch sozusagen, den schaffen ja in Deutschland nicht so viele. Also es gibt total viel Förderungsprogramme, es gibt wahnsinnig spannende Grundlagenforschung, aber es ist tatsächlich häufig so, dass die Sachen dann irgendwo versanden. Und du bist ja Gründerin, du warst lange Geschäftsführerin, jetzt bist du auch nicht mehr Geschäftsführerin. Hatte das auch irgendwie, also wie ist so deine persönliche Entwicklung Du hast dann irgendwann wahrscheinlich auch Leute dazu geholt und einfach auch andere Kompetenzen ins Unternehmen geholt, um das hinzukriegen.

07:56

Dr. Hanne Horvath

Also wir waren ja damals wirklich sehr, sehr kleines Team. Es gab lange Zeiten, da waren wir zu dritt, ne. Da habe ich irgendwie als Geschäftsführerin alles gemacht. Ich habe irgendwie unsere Teilnehmer im Produkt gecoacht, ich habe Verträge aufgesetzt, also ich war Juristin. Ich war so, wie das ja auch andere Startup-Gründer kennen, ne, dass man irgendwie alles macht. Das ist ja, glaube ich, nicht so ganz ungewöhnlich. Und es gab tatsächlich noch diesen Zwischenschritt. Es waren Forschungsprojekte, wo man Stellen finanziert bekommen hat, ja. Aber dann sozusagen die erste Zeit, wo wir organisch gewachsen sind, haben wir uns schon einfach ganz normal von Umsätzen ernährt, in Anführungsstrichen. Wir hatten damals das große Glück, die Barmer, mit der Barmer eine Ausschreibung, also eine Ausschreibung zu gewinnen und die als ersten großen Kunden gewinnen zu können. Und damit, davon haben wir schon auch unsere Stellen bezahlt. Aber irgendwann kam so der Moment,. Man redete schon so ein bisschen vom digitalen Versorgungsgesetz. Man merkte, hey, der Markt reguliert sich hier vielleicht anders. Und da habe ich mich damals mit David Ebert, mit Elena Heber, meinen Mitgründerinnen, zusammengesetzt und gesagt, jetzt müssen wir, jetzt müssen wir Leute dazuholen, jetzt müssen wir nicht mehr nur organisch wachsen, sondern ein bisschen dynamischer, damit es uns in ein paar Jahren noch gibt, sozusagen. Und das ist uns dann gelungen. Wir waren damals so in der Zeit, Get On und ich auch so als Geschäftsführerin viel so, hey Mensch, wir machen hier so tolle Forschung, das sind so tolle wirksame Produkte, das muss doch funktionieren. Aber es war so viel im Elfenbeinturm. Also es klopfen ja nicht alle Leute bei dir, wenn man nicht irgendwie die Reichweite hat. Und das kostet auch Geld. Und wenn man nicht auch das Innovationspotenzial irgendwie entfalten kann. Und dafür war das wirklich notwendig, das Unternehmen umzustrukturieren und dann auch überzugehen in in eine Phase, wo wir gesagt haben, jetzt wollen wir eine Seed-Runde machen. Und das hat dann funktioniert. Dann waren wir 20 Leute und jetzt sind wir fast 100. Also sind wirklich in den letzten 2 Jahren sehr, sehr stark gewachsen.

09:48

Inga Bergen

Ja, ich finde es total spannend, dass du das so sagst, im Elfenbeinturm, weil es ist ja die eine Sache zu sehen, dass irgendwie was gut funktioniert, also dass es auch den Leuten hilft. Aber du hast natürlich jetzt in so einem Setting, wenn du so was entwickelst, dann recrutest du Leute, die wissen, das ist ein Test, ne? Das ist irgendwie ja eine komplett andere Umgebung, als jetzt so ein Produkt quasi mit Marketing auch in die Breite zu bringen. Und das ist ja jetzt quasi das Thema, vor dem ihr steht. Ich hatte ja auch schon, also wirklich einer der ersten Podcasts war mal mit, mit Nora von Selfapy. Ihr seid ja eigentlich Wettbewerber, kann man sagen. Wie viel DIGAs habt ihr? Wie viel haben die? Also digitale, also Apps auf Rezept.

10:32

Dr. Hanne Horvath

Ihr habt 3 Apps auf Rezept, digital Gesundheitsanwendungen, die verschrieben werden können. Wir haben jetzt 3. Ich glaube, die haben auch Ich glaube, wir sind da beide irgendwie ganz, ganz happy und erfolgreich unterwegs. Nora mit ihrem Team und wir auch. Aber ja klar, das sind, wir sind da schon, schon direkte Konkurrenten.

10:47

Inga Bergen

Auf jeden Fall. Weil es ist ja auch so, also wenn man sich heute, also ihr seid jetzt 100 Leute, das hat jetzt angezogen, das Thema, insbesondere in den letzten paar Jahren tatsächlich einmal natürlich durch die ganze Gesetzgebung, die Jens Spahn auch forciert hat, aber natürlich auch jetzt durch die Pandemiesituation, weil ja, ich weiß gar nicht, stimmt stimmt es so? Manchmal lese ich, dass psychische Erkrankungen so stark zugenommen haben. Also seht ihr da eine Evidenz oder seht ihr irgendwie in der Nachfrage, dass das durch die Pandemie getriggert wird gerade?

11:21

Dr. Hanne Horvath

Also ja, die Nachfrage ist schon extrem gestiegen. Es ist immer so ein bisschen schwierig zu sagen, wo haben psychische Erkrankungen jetzt wirklich messbar zugenommen und wo ist irgendwie einfach nur mehr Sichtbarkeit da für das, was auch vorher schon da war. Aber ich glaube, wir können mittlerweile ganz gut sagen, und es gibt auch eine Datengrundlage dafür, dass man sagt, Gerade zum Beispiel junge Frauen oder junge Mütter, da hat das wirklich messbar auch zugenommen. Da gibt es mehr psychische Erkrankungen und die sind messbar durch die Pandemie anders belastet, als sie es vorher waren. Das ist so. Aber ich glaube, dass die Zunahme der Nachfrage ist nicht ganz gleichzusetzen mit Zunahme von psychischen Erkrankungen, sondern einfach ja mehr Sichtbarkeit, mehr Zugriff und Zugang zu solchen digitalen Medizinprodukten, wie wir die machen. Und das ist natürlich super, aber auch erst der Anfang, muss man ja auch ganz klar sagen. Also bei dem, was los ist in Deutschland und auf der Welt, müsste es eigentlich— also da gibt es noch einiges zu tun, sozusagen.

12:17

Inga Bergen

Ja, absolut. Und was ich halt auch interessant finde, ist, es ist ja immer so die Frage, wie bricht man eigentlich so ein gewöhntes Verhalten auf? Und das, was ihr jetzt anbietet, ist ja grundsätzlich was total Neues. Also sagen wir mal, es ist jetzt nicht so neu, dass Leute mit ihren Problemen ins Internet gehen und in irgendwelchen Foren Sachen reinschreiben, die sie vielleicht noch nicht mal ihrem Ehepartner oder ihrer besten Freundin erzählen würden. Also das weiß man ja schon lange, aber eben dieses zu einer Nutzung von einer DIGA zu kommen. Ja, und ihr habt jetzt 3 Stück. Ihr habt was gegen Stress, Burnout, glaube ich, dann Diabetes und Depression. Und was war das Dritte? Was?

12:56

Dr. Hanne Horvath

Also 3 sehr, sehr unterschiedliche.

12:59

Inga Bergen

Da habt ihr auch mit einem Pharmaunternehmen gepartnert. Genau, mit Ratiopharm. Wir können ja erstmal ganz generell mit den, mit den DIGAs, also mit den Apps auf Rezept, da wissen wir ja, das sind irgendwie erst wenige Zehntausend, die da verschrieben wurden. Und ihr habt auch eine Partnerschaft direkt, also ihr sprecht auch direkt Patientinnen und Patienten an und habt eine Partnerschaft mit Teleklinik und Avi Medical, also mit Online-, also mit Telemedizinanbietern oder digitalisierten niedergelassenen Systemen, um halt die Nachfrage auch bedienen zu können, die entsteht? Oder warum habt ihr das gemacht?

13:34

Dr. Hanne Horvath

Na ja, für uns ist ja ein Riesenthema: Wie kriegen wir so etwas, was so neu ist, also nicht nur zu den Patienten, sondern auch oder in die Köpfe der Patienten, die betroffen sind, sondern auch in die Köpfe derer, wo Behandlung oder Versorgung stattfindet, also Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen und solche, die sich ohnehin schon zum Beispiel Klinik, Teleklinik, Avimedical, ZAVA, was auch immer sich in einer digitalen Welt bewegen, die sind natürlich für uns auch interessant, die zu erreichen, weil die zumindest schon mal ein bisschen Berührungspunkte haben mit Telemedizin oder mit digitalen Gesundheitsanwendungen, mit anderen, vielleicht nicht mit unseren. Und deswegen sind das für uns logisch notwendige Partnerschaften, die wir da eingehen. Und gerade mit der Burnout Diga, also für Menschen, bei denen die Z73-Diagnose gecodiert werden kann, also Erschöpfung, Burnout-Patienten, die kommen ganz oft auch in der hausärztlichen Versorgung, ploppen die auf oder finden die statt oder teilen sich mit. Und das ist natürlich auch interessant dann einfach, oder ein interessanter telemedizinischer Case, wenn man so möchte.

14:42

Inga Bergen

Ja, ja. Und letztendlich kann man ja auch sagen, ist es wahrscheinlich in dem Fall sogar einfacher, Patientinnen und Patienten zu erreichen als jetzt die breite Masse der Ärztinnen und Ärzte. Zu erreichen, weil die bekommen 2 € für die Verschreibung von ADIGA. Also das ist jetzt auch businessseitig nicht so ein mega interessanter Case für die und die müssen sich da einarbeiten, die müssen das irgendwie erklären. Ja, wenn da jetzt jemand zum Beispiel das nutzen würde, der technisch nicht so versiert ist, dann muss vielleicht die Arzthelferin noch die App runterladen. So nach dem Motto.

15:18

Dr. Hanne Horvath

Ja, es ist anders als jetzt ein Medikament, absolut erklärungsbedürftiges Produkt, wie man so schön, glaube ich, auch in der Pharma-Sprache sagt. Es braucht unheimlich viel Zeit, bis da Gewohnheiten geändert werden. Kann ich auch verstehen. Also ich habe irgendwie den ganzen Tag Patienten. Ich kenne die Sachen, die ich kenne. Ich bin finanziell null incentiviert, da irgendwie eine DIGA zu verschreiben. Ich weiß gar nicht, was das ist und was das soll. Und wir sehen ja auch in den Daten, viele Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen hätten theoretisch auch Lust, so was zu verschreiben, aber ihnen fehlen Informationen. Das ist ja das, was am häufigsten kommt. Nicht so, ich misstraue dem grundsätzlich, das ist irgendwie Quatsch. Sondern mir fehlen Informationen, ich möchte da gerne mehr informiert werden. Und deswegen müssen wir erst mal Geduld mitbringen. Also mich wundern auch diese Verschreibungszahlen nicht. Ich hätte da jetzt auch gar nicht so— ich hatte nie diese unheimliche Goldgräberstimmung im Sinne von: Ah ja, und dann werden wir da irgendwie direkt 50.000 Mal verschrieben. Das wird einfach dauern und das ist auch dann so. Und man kann ja gucken, womit kann man es ein bisschen beschleunigen? Wie kann man in der Fortbildung, in der Ausbildung von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen stattfinden? Wie können wir gemeinsam mit diesen Leuten Leitlinien gestalten. Wir müssen in die Leitlinien rein, aber gemeinsam mit denen, wo jetzt Versorgung stattfindet, und nicht also, ich bin jetzt hier ein DIGA-Hersteller und jetzt mach mal, sondern das geht halt nur gemeinsam mit den Behandlerinnen.

16:40

Inga Bergen

Ja klar, und das ist natürlich ein, ein langer Weg. Und jetzt, wenn man sich jetzt anguckt, ihr habt jetzt Burnout, das Thema Burnout, Stress, dann das Thema Diabetes und Depression, was ich auch total spannend finde, weil das finde ich halt an den DIGAs so interessant, weil die ja letztendlich das Patientinnenverhalten eigentlich in Medizin umwandeln, so in Anführungsstrichen, ja, weil es ja immer verhaltenstherapeutische, oder bei den meisten sind es verhaltenstherapeutische Ansätze, ob es jetzt nun um Begleitung von chronischen Erkrankungen geht oder um irgendwelche Sachen, die zum Beispiel durch Stress ausgelöst werden. Da geht es immer um verhaltenstherapeutische Interventionen, und man bekommt als Patientin oder Patient im Prinzip so ein Pocket Coach, also so ein Coach für die Hosentasche, Und das finde ich total spannend, weil es ja auch, ja, würde ich sagen, so eine ganz bestimmte Klientel von Patientinnen und Patienten anspricht. Ich hatte neulich so eine interessante Übersicht gesehen, wie Menschen auf Krankheit reagieren. Da gibt's die einen, die gehen so komplett in die Selbstwirksamkeit, wollen unbedingt etwas tun, auch wenn der Effekt vielleicht gar nicht so groß ist, ja, aber einfach um ein besseres Gefühl zu haben. Und dann gibt es welche, die wollen gerne irgendwie leiden und richten sich dann in diesem Leiden ein. Und, und das ist eben deren Umgang. Und wenn man jetzt aber auf dieses Segment schaut von Leuten, die wirklich, ja, die eine Diagnose oder die irgendein Problem haben und dann was tun wollen, ja, für die ist es ja total ideal.

18:04

Dr. Hanne Horvath

Ja, ich meine, das ist, ich finde das total spannend, was du ansprichst. Wir sehen ja im Bereich psychische Erkrankung tatsächlich, dass Leute im Schnitt 7 Jahre warten, bis die was machen. Die Wartezeiten auf dem Therapieplatz sind ja die eine Sache, die Monate, die ich da warten muss, aber Jahre wartet man, bis man was macht. Und es gibt eine gute Studie, die mal geguckt hat, woran liegt das? Liegt das daran, dass sie sich schämen? Oder liegt es am Stigma? Liegt es irgendwie an den Wartezeiten? Und das Häufigste, was genannt ist, ist: Ich möchte einfach meine Probleme selbst lösen. Ich habe so lange probiert, meine Probleme selbst zu lösen. Und ich glaube, diesem urmenschlichen Bedürfnis, würde ich es mal nennen, können natürlich digitale Anwendungen auch ein Stück weit total entgegenkommen und deswegen vielleicht schon dazu führen, dass ich auch früher was tue. Und insofern, ja, die 3 DIGAs, die wir jetzt haben, da hoffe ich mir schon, dass sie tatsächlich echte Versorgungslücken schließen. Bei Diabetes und Depression ist es einfach, das ist so eine klassische Sache, da gibt es auch in der analogen Welt, also in der, meinetwegen jetzt Face-to-Face-Psychotherapie, nicht unbedingt so viel diabetes-spezifische, sofort verfügbare Maßnahmen.

19:06

Inga Bergen

Ja, was halt interessant ist, weil letztendlich startet ihr jetzt mit Diabetes, aber es gibt ja eigentlich auch für jede andere Erkrankung ne psychische Komponente. Es gibt Psycho-Onkologen, es gibt Psycho-Kardiologen, ich weiß gar nicht, gibt's Psycho-Diabetologen?

19:22

Dr. Hanne Horvath

Ja, gibt's tatsächlich. Also ich bin mir nicht ganz sicher, ob die so genannt werden, aber ich kann als Diabetologe auch so eine Weiterbildung machen und so. Also es gibt tatsächlich da auch ausgebildete Fachkräfte, was natürlich ganz, ganz wenig verfügbar für die Betroffenen, die Diabetespatienten.

19:37

Inga Bergen

Ja, das heißt, das ist so euer Einfallstor sozusagen jetzt um in diese Indikationsbereiche zu gehen, weil da ist es ja auch so, wenn die Patientinnen und Patienten nicht noch in eine Depression rutschen, dann sind die natürlich auch adhärenter, verursachen dann weniger Komplikationen oder es ist eine geringere Hospitalisierungsquote und da kann man ja sicherlich eine ganze Menge Verbesserung erzielen.

20:02

Dr. Hanne Horvath

Ja, und vor allem halt auch ein Schmerzpunkt bei den behandelnden Diabetologinnen und lösen. Und ich glaube, das ist halt auch das, wie wir das Thema so ein bisschen— wir wollen nicht nur Patienten empowern, wir wollen auch Behandler:innen empowern. Gerade wenn, weil die ja nicht finanziell motiviert sind, muss ich irgendwie ja ein anderes Problem auch lösen mit so einer DIGA. Und wir haben 25% der Diabetiker:innen, die depressiv sind in Deutschland. Also unheimlich, ja. Und das wissen ganz viele Leute nicht. Also jeder vierte Diabetiker hat eine Depression. Das sind unheimlich viele Leute.

20:37

Inga Bergen

Und wie du sagtest, da gibt es ein Problem Probleme mit der Compliance zu der Therapie, ne.

20:41

Dr. Hanne Horvath

Die fallen irgendwie auch auf in der diabetologischen Praxis. Und da ist bisher ja, was macht ein Diabetologe? Der verschreibt denen vielleicht ein Antidepressivum manchmal, das ist ja, wäre ja zu begrüßen, versucht da vielleicht in eine Psychotherapie zu leiten, aber das klappt oft nicht. Und ja, ja, also da ist einfach eine Lücke da.

20:58

Inga Bergen

Ja, ja, klar. Deswegen ist es an sich total smart, ja, mit sowas da einzusteigen, weil ja eh nichts angeboten werden kann, ne, tatsächlich. Also ich finde so ganz interessant, weil ich mich halt auch immer frage, wie bringt man das Leuten Leuten nah. Und ich glaube, also in dem Moment, wo zum Beispiel dich die Krankenkasse anruft und sagt, ja, wir haben hier gesehen, Sie haben eine Diagnose und Sie kommen in Frage für eine DIGA, dann fühlen sich Leute wahrscheinlich so, warum soll ich jetzt irgendwie das Zweitbeste? Was ist das überhaupt? Genau, aber ja, also man kann es halt ja auch von zu Hause machen und man muss irgendwie nicht lange warten, man muss keine Termine so krass abstimmen, wie wenn man zu einem Psychotherapeuten geht. Also es hat ja auch viele Vorteile. Merkt ihr, dass das so eine ganz bestimmte Gruppe anzieht von Menschen, die jetzt eure Services gerade nutzen?

21:51

Dr. Hanne Horvath

Ja, also früher dachte ich immer, das zieht doch bestimmt die Leute an, die da irgendwie auch was mit anfangen kann. Oder das ist so ein bisschen so ein Mythos, ja, das sind dann irgendwie die digital Affinen oder die jüngeren Leute. Wenn wir unsere Nutzer:innen uns ganz genau angucken, dann sind das einfach vor allem Leute mit Leidensdruck. Das ist eigentlich die Gemeinsamkeit. Es sind auch Leute, Die, ich glaube, die unterscheiden sich gar nicht so stark von den typischen Besucher:innen von einer psychotherapeutischen Praxis, sondern das sind einfach Leute mit enormem Leidensdruck, die jetzt Hilfe brauchen und die, wo diese digitale Behandlung denen auch entgegenkommt. Klar gibt es da auch Leute drunter, die wollen keine Psychotherapie und haben sich deswegen ganz bewusst das gesucht. Das gibt es auch. Aber ich glaube, das, was den Menschen bei uns gemeinsam ist, dass sie einfach einen hohen Leidensdruck haben. Also unsere typische Nutzerin ist irgendwie Mitte, fast Ende 40 und weiblich. Also nicht irgendwie die 25-jährigen, digitalen Leuten, digital natives, ganz genau. Und ja, also ich bin ja, ich glaube, das sieht Nora ähnlich von CWP, große Verfechterin davon, dass es auch natürlich mehr Psychotherapieplätze geben muss, ne. Also es kann nicht sein, dass jetzt irgendwie digitale Gesundheitsanwendungen jetzt auch Psychotherapie ersetzen oder von Krankenkassen bewusst so gespielt werden gegen den Patientenwunsch, zum Beispiel. Aber ich hoffe, dass dass die Zukunft eher wirklich in Richtung geht, wo es Step-Care-Ansätze gibt, ja, wo es irgendwie, wo digitale Anwendungen logisch in irgendeiner Behandlungsreihenfolge eingebettet sind und nicht irgendwie in so einem Paralleluniversum, wie jetzt gerade die DIGAs ja auch so ein bisschen stattfinden, sondern benutzt werden auch vom Psychotherapeuten. Was geht jetzt auch gerade gar nicht so genau. Benutzt werden von denen oder als First-Line-Treatment auch am Anfang stattfinden, ohne dass da überhaupt eine Psychotherapie stattfinden muss und so weiter und so fort. Tausend Ansätze, und da sind wir noch gar nicht.

23:43

Inga Bergen

Ja, also dass du zum Beispiel, also die Psychotherapieplätze, die es gibt, dass man die verwendet für Menschen, die eine besondere Intervention wirklich notwendig haben, oder wo eine besondere Intervention wirklich notwendig ist, wo vielleicht eine digitale Psychotherapie nicht so ausreichen würde. Weil das ist ja auch ein Vorwurf, den man heute hat, das habe ich schon oft gehört, ich weiß nicht, ob das stimmt, aber dass ich so Niedergelassene, wenn sie so die Wahl haben zwischen jemand mit einer schweren Schizophrenie oder einer schweren Persönlichkeitsstörung, dass sie lieber jemand nehmen, der vielleicht eine Burnout-Situation hat, weil da das Erfolgserlebnis viel größer ist als bei jemand, der wirklich ja einfach nicht so eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit von einer Therapie hat.

24:29

Dr. Hanne Horvath

Ich glaube, es gibt schon viele Psychotherapeuten, die auch sehr, sehr komplexe Fälle behandeln. Ich weiß nicht genau, inwieweit das stimmt. Aber wahrscheinlich suche ich mir natürlich als Psychotherapeut, wenn ich es kann— und die Nachfrage ist ja höher als das Angebot— irgendwie so ein Mix an Patienten, mit dem ich mich wohlfühle. Das kann schon sein. Aber zu dem, was du vorhin sagtest, ich glaube, es ist auch wichtig, den Patienten in die Wahl auch zu lassen. Wenn jemand sagt, ich möchte eine Face-to-Face-Psychotherapie, dann soll er bitte auch nicht 5 Monate warten, wie das jetzt aktuell der Fall ist, sondern dann quasi direkt eingesteuert werden in ein digitales Angebot. Ja, direkt eingesteuert werden, aber dann sitzt da vielleicht ein Psychotherapeut, die sagt, okay, und jetzt machst du aber erstmal 4 Wochen digital das und das, und dann machen wir weiter da und da. Und das sind alles Dinge, die ja jetzt noch überhaupt nicht stattfinden.

25:16

Inga Bergen

Das heißt, es muss in die Lehre, es muss integriert werden in die Behandlungspfade. Das heißt also, wenn man das Thema jetzt weiterdenkt, stehen wir vor einer ganz grundsätzlichen Neuorganisation der Psychotherapie, die wirklich auch digitale Lösungen komplett mit integriert.

25:33

Dr. Hanne Horvath

Komplett mit integriert. Und auch wir stehen auch vor Herausforderungen für die digitalen Gesundheitsanwendungen selbst, weil natürlich bei uns ist ein Riesenthema, und das geht aber regulatorisch dann auch nicht immer so einfach, für uns ist ein Riesenthema, wir wissen mittlerweile, kognitive Verhaltenstherapie wirkt und digital wirkt sie irgendwie auch, wenn ich das in einer vernünftigen Studie irgendwie nachgewiesen habe. Aber für wen wirkt sie, wann, das ist das, da bietet das halt eine Riesenchance, diese digitalen Anwendungen, weil ich da über künstliche Intelligenz, über Machine über vernünftige Auswertung der Daten sowas überhaupt jetzt mal erforschen kann. Und da arbeiten wir ganz stark dran, dass wir auch aus der digitalen Gesundheitsänderung heraus sagen können, so, du musst aber, was heißt du musst, aber du könntest jetzt vielleicht mal das und das machen, oder wir bieten dir jetzt bewusst das hier an, oder du gehst jetzt vielleicht mal zu deiner Psychotherapeutin für ein Gespräch und so weiter und so fort. Da sind wir schon ganz doll dabei, irgendwie in diese Richtung zu leben und zu denken. Aber im Versorgungssystem ist es natürlich, kann das jetzt noch nicht so richtig stattfinden.

26:36

Inga Bergen

Also das kann man aber auch tatsächlich weiter fassen, weil im Versorgungssystem findet sozusagen ein Patient gar nicht so statt. Also das, was man so aus dem E-Commerce kennt, dass man Kundengruppen segmentiert, dass man sehr genau weiß, okay, es gibt diese und jene Kundengruppe, die verhält sich so und so, ja, die informiert sich meinetwegen online, kauft dann aber stationär oder umgekehrt, und die hat dieses und jenes Interesse, die kann man so und so erreichen. So segmentiert man ja im Gesundheitswesen wissen noch gar nicht. Aber das ist ja auch interessant, insbesondere wenn es irgendwann vielleicht darum geht, dass man eher outcome-basiert auch vergütet, also dass es eher darum gehen wird, dass man Leute vielleicht in ihrem Krankheitsverlauf stabilisiert. Oder jetzt im Fall von Diabetes, da ist es ja auch so, da kann man mit Verhalten wahrscheinlich total viel machen, auch wenn man die Leute aus einer Depression rausholt, die dazu bringt, sich mehr zu bewegen, vielleicht sich gesünder zu ernähren. Das hängt ja alles total zusammen. Und man kann halt ganz neue Ansätze fahren. Und das ist natürlich total spannend in eurem Fall, weil es ja wirklich komplett über das hinausgeht, was man jetzt vielleicht sieht, wenn man HelloBetter anguckt, also Online-Psychotherapie. Und jetzt würde ich gerne zu dem nächsten Punkt kommen, der mich auch noch total interessiert, und das ist die Kooperation, also die Partnerschaft, die ihr habt mit RatioPharm zum Thema chronischer Schmerz. Also ihr sagt ja auch, ihr seid ein Anbieter von Digital Therapeutics. Ihr habt irgendwie 32 Studien gemacht zur Wirksamkeit und Digital Therapeutics ist ja etwas, was jetzt eigentlich klassisch, würde man sagen, Therapeutika stellt die Pharmaindustrie her. Jetzt stellen wir uns vor, wir haben in der Zukunft vielleicht kein Pharma-Produkt mehr, kein Medikament, ohne dass es irgendwie eine digitale Begleitung dafür gibt. Für Sachen, die vielleicht das Medikament nicht kann, die aber helfen, damit sich irgendwie die Situation der Patientin, des Patienten verbessert. Ja, wie funktioniert die Partnerschaft denn heute mit Ratiopharm und wie kam es Kannst du da ein bisschen was zu erzählen?

28:34

Dr. Hanne Horvath

Ja, total gerne. Also die Partnerschaften RAZEFARM, wir haben die zum ersten Mal vor 2 Jahren getroffen. Also da habe ich und mein Team sehr, sehr lange dran gearbeitet tatsächlich, dass das jetzt so zum Leben erweckt wird. Der Kontakt damals kam über Flying Health zustande, die RAZEFARM oder TEVA und HelloBetter quasi trenn voneinander irgendwie schon länger begleitet. Und dann haben wir uns einander vorgestellt und so ein bisschen sind wir so zusammengefunden. Ratzevams Motivation damals, vielleicht kann ich so starten, war, dass sie vor allem, also für chronische Schmerzpatienten ist ja leitlinienmäßig das, was man machen sollte, multimodale Schmerztherapie, also auch psychotherapeutische Inhalte. Und es gibt einige chronische Schmerzpatienten, zum Beispiel Fibromyalgie-Patienten, mit denen Ratzevam sich viel beschäftigt hatte. Da hilft tatsächlich kein Medikament. Also die haben ja, Ratiopharm hat jetzt auch kein Medikament in petto, was da hilft, und wollen das jetzt ergänzen um eine DiGA, sondern da hilft im Prinzip nur eine psychotherapeutische Unterstützung, wie unsere DiGA die bietet. Und deswegen sind sie auf der Suche gewesen nach so einer DiGA. Wir hatten Medizinprodukte im Bereich chronische Schmerzen, haben gesagt, wir können uns das vorstellen, euch da zusammenzuarbeiten, weil wir gesehen haben, Die haben eine Reichweite zu Patienten, aber auch Behandler:innen im Bereich Schmerz. Eine Reichweite, die es für uns sehr, sehr schwierig wäre herzustellen. Die sind da auch geschätzt in dem Bereich. Und so ein bisschen das, was ich am Anfang meinte: Es bringt nichts, dass wir im Elfenbeinturm das beste Produkt mit der besten Evidenz haben, wenn niemand davon weiß. Und für uns bietet die Partnerschaft mit Ratspharm wirklich eine einmalige Möglichkeit, schnell ganz, ganz vielen Menschen Zugang zu multimodaler, leitliniengerechter Schmerztherapie zu, ja, möglich zu machen, wie das unsere DIGA bietet. Also eine wirkliche Versorgungslücke zu schließen. Und das wird da auch nicht gekoppelt an irgendwie ein Medikament, sondern tatsächlich ganz eigenständig von Ratiopharm über deren Außendienst und so weiter.

30:40

Inga Bergen

Also das heißt, Sie nehmen das mit in die Praxen, oder seid ihr auf irgendeinem Beipackzettel drauf, oder wie stellt man sich das jetzt ganz konkret vor?

30:50

Dr. Hanne Horvath

Ja, also die nehmen das als eigenständiges, in Anführungsstrichen, Medikament, ne. Es ist ja dann wie ein digitales Medikament, also als DIGA eigenständig mit zu den Ärzten, wo sie ja eh schon, wo sie eh schon die besuchen und da stattfinden. Aber es wird nicht gekoppelt an, hey, wir haben jetzt hier ein neues Medikament und jetzt machen wir noch eine DIGA, damit wir, weiß was ich, damit wir das irgendwie koppeln. Das ist da tatsächlich nicht das Modell.

31:13

Inga Bergen

Und wie kann ich dich fragen, wie funktioniert Wie läuft das finanziell? Also gebt ihr denen dann irgendwie ein Share ab oder wie macht ihr das?

31:19

Dr. Hanne Horvath

Ja, genau. Also es ist natürlich so, dass wir gucken müssen, dass es sich sowohl für die als auch für uns lohnt. Das, was wir mit reinbringen, das, was die mit reinbringen, und sich da irgendwie die Umsätze auch zu einem bestimmten Teil zu teilen. Das ist dann das, wie wir es aufgebaut haben und wie es, glaube ich, auch international bei so Partnerschaften relativ üblich ist.

31:40

Inga Bergen

Das ist ja auch der Weg, Ja, finde ich total interessant, weil das ja schon lange irgendwie in der Pharma-Welt so rumschwirrt. Was kann die Pharmaindustrie? Und was die können, ist natürlich Themen in die Breite bringen und auch Innovationen erklären. Also da gibt es ja, das ist ja eigentlich deren Kernkompetenz.

31:56

Dr. Hanne Horvath

Ja, und uns war halt wichtig, also da nicht irgendwie, weiß ich nicht, Hauptsache Pharma und Hauptsache irgendwie große Reichweite, sondern tatsächlich mit dem Unternehmen zu arbeiten, was von den Werten her für diese Gruppe an Patienten durch uns völlig vertretbar ist. Und die haben wirklich, also jetzt für Fibromyalgie-Patienten zum Beispiel, wirklich schon lange versucht, da diese Versorgungssituation zu lösen und es nicht geschafft, natürlich. Und jetzt gibt es die Möglichkeit. Und das ist, das war für uns Voraussetzung, dass wir jetzt nicht einfach irgendwie Pharma einmal durchspielen, damit wir das einem Investor zeigen können und zeigen können, hier Pharma geht auch oder was auch immer, sondern dass es irgendwie Sinn macht für diesen Case oder für die, für diese Patienten in dem Fall, also für chronische Schmerzpatienten.

32:37

Inga Bergen

Ja, ja, auf jeden Fall ist das total interessant und bleibt ja auch zu beobachten. Welchen Erfolg das hat. Also wie erfolgreich das wirklich ist. Und ich finde es auch interessant, weil ich hatte auch schon eine wirklich spannende Folge mit einem der Gründer von Medical Motion, die sich auch an so chronische Schmerzpatienten richten, aber mit einem etwas anderen Ansatz. Und da habe ich auch schon gesehen, es ist so spannend, gerade bei Patientinnen und Patienten, wo ja wirklich nichts anderes hilft, also wo man jetzt nichts anderes eben anbieten kann. Dann eben so zu intervenieren, sei es mit irgendwelchen physiotherapeutisch gestützten Übungen oder halt mit psychotherapeutischer Begleitung, das ist dann ja schon, also für diese Patientengruppe irgendwie ein Riesenschritt.

33:23

Dr. Hanne Horvath

Absolut. Und ich meine, wie du sagst, der Erfolg, den muss man dann messen. Ich bin da so ganz realistisch, ich glaube, es hat jetzt noch niemand im DIGA-Markt wirklich die Weisheit in sich zu wissen, was langfristig funktioniert, so dass es möglichst viele Betroffenen irgendwie zugänglich gemacht wird. Ob das jetzt die Zusammenarbeit Pharma ist oder eine ganz krasse B2C-Kampagne oder so. Ich glaube, erstens braucht es wahrscheinlich mehrere Dinge, die zusammenspielen, und zweitens wollen wir jetzt auch bei HelloBetter ganz bewusst hingucken und auswerten in Ruhe überhaupt mal, was, was funktioniert, was funktioniert nicht, wie kommen wir irgendwie unserer Vision, unserem Ziel näher, und dann uns das vernünftig anzugucken. Also ich glaube, ich kann da so ehrlich sein zu sagen, ich weiß auch nicht, was jetzt das Alleroptimalste, das Allerbeste Aber ich möchte gern zumindest bei mir jetzt im Team, also im Sales und Business Development Team, dann eine bestimmte Ruhe und Nachhaltigkeit auch leben und mir das in Ruhe angucken.

34:19

Inga Bergen

Ja, das ist so spannend, weil ich hatte auch eine Folge aufgenommen mit der Gloria Seibert von T-Medica, und die haben ja jetzt gerade gelauncht, dass sie eigentlich so eine Analytics-Plattform machen aus ihren ganzen Apps, dass man quasi Insights für die Forschung dort generieren kann. Und das war ja auch eine Frage, die hatte sie auch im Podcast genannt, bei wem wirkt wie welche Intervention? Also ist es eine jüngere Frau, die gar keinen Sport treibt, oder der ältere Herr, der total viel Sport treibt? Bei wem hilft eigentlich ein Medikament zum Beispiel besser oder irgendwas? Und das ist ja etwas, was ihr dann auch mit den Daten, die ihr erhebt, irgendwann wirklich auch beantworten könnt. Das heißt, wir kommen dann vielleicht dahin, dass man sehr viel personalisierter auch gucken kann, was ja eigentlich auch krass ist heute in der Psychotherapie. Die ja total wenig datenbasiert läuft oder wo auch Qualitätssicherung tatsächlich ein Issue sein kann, weil man einfach nicht so sieht, was die Leute machen.

35:15

Dr. Hanne Horvath

Ja, also ich glaube, auch da werden, da gibt es ganz, ganz viel Fortschritte. Die Freundinnen von mir, die Psychotherapeutin sind, die arbeiten viel mit irgendwie Fragebögen und gucken sich ganz, ganz regelmäßig den Erfolg an, auch die Zufriedenheit bei ihren Patienten und werten das aus. Aber sicherlich teilweise müssen sie es nicht. Aber also die Leute aus meinem Netzwerk sozusagen, die machen das oft ganz, ganz, ganz, ganz toll. Aber auch die könnten auch dabei besser unterstützt werden durch digitale Möglichkeiten.

35:40

Inga Bergen

Ja, ich habe jetzt noch ein Thema, was mich auch noch interessiert. Jetzt haben wir so ein bisschen darüber gesprochen, auch wo ihr herkommt, wohin die Reise auch jetzt geht, ja, was jetzt noch so kommt. Also jetzt kann ich dich vielleicht noch fragen, wie viel DIGAs plant ihr noch?

35:55

Dr. Hanne Horvath

Ja, also im Grunde wollen wir alle Medizinprodukte, die die wir entwickelt haben, auch als Diga in den Markt bringen. Das wird nach und nach sein. Ende diesen Jahres haben wir, glaube ich, so als Ziel, 6 verschiedene Digas auch gelistet zu haben. Und dann folgen sicherlich auch darüber hinaus noch weitere. Wir wollen schon jetzt nicht bei den 3 bleiben, die wir da haben. Das an sich ist eine Herausforderung, das überhaupt in den Markt zu bringen. Das ist auch was, worauf wir, wenn es dann geschafft ist, unheimlich stolz sind. Aber natürlich, bei mir geht es dann erst los. Also also das Thema Adoption ist eigentlich natürlich das wirklich Entscheidende dann, dass es Leute auch nutzen.

36:33

Inga Bergen

Und das ist jetzt auch noch so meine Abschlussfrage, weil was ich jetzt an deinem Case auch so total spannend finde, ist, dass du jetzt ja eigentlich alles durchlaufen hast. Also von dieser Nummer im Studium, sich irgendwie ein Thema anzugucken, zu sehen, irgendwie wird das so unbefriedigend gerade umgesetzt, da gibt es ein Problem, was man lösen könnte, dann damit anzufangen, eine Lösung zu entwickeln, dann zu merken, Ja, okay, eigentlich muss man professionelles Unternehmen draus machen, dann das Unternehmen draus zu machen, dann zu merken, okay, entweder wir wachsen jetzt und skalieren oder wir spielen keine Rolle mehr. Und jetzt im Prinzip wirklich so dieses, also zu skalieren, den Markt zu bereiten, halt auch einer der Player jetzt zu sein, die wirklich sagen, okay, wir knacken jetzt auch das Thema Go-to-Market, das Thema Vertrieb, was jetzt nicht so easy ist. Und deine Rolle hat sich ja auch verändert, also im Prinzip von der quasi Einzelkämpferin im Dreierteam. Ja, jetzt bist du noch Geschäftsführung?

37:31

Dr. Hanne Horvath

Nee, ich bin innerhalb, also ich bin nicht mehr Geschäftsführerin, ich habe das abgegeben 2019 an Hannes und bin innerhalb unseres Managements. Wir haben ja so ein achtköpfiges Management-Team eigentlich, auch relativ ungewöhnlich vielleicht, und treffen viele Entscheidungen auch zu acht. Und innerhalb dieses Teams bin ich für den Bereich Business Development, aber auch Service sein?

37:50

Inga Bergen

Das ist jetzt eine total spannende Frage, weil ich habe das schon oft beobachtet bei Gründerinnen und Gründern, eher bei Gründern, dass es total schwierig ist, irgendwann auch diesen Schritt zurückzumachen. Also das ist, glaube ich, eine Sache, die vielen passiert, dass man irgendwie denkt, man will alles machen und nicht so richtig abgibt. Und dann kann es, also ist eigentlich immer so ein bisschen ein Rohrkrepierer, dass das irgendwann geht es dann halt einfach nicht mehr. Also entweder man geht in den Burnout Oder man dümpelt halt so vor sich hin, man kann dann einfach nicht so richtig an Fahrt gewinnen. Wie ist das jetzt auch für dich persönlich gewesen, so von der Journey?

38:26

Dr. Hanne Horvath

Ja, also das war total die Reise. Erstmal muss ich zugeben, dass ich aus der Wissenschaft kommend tatsächlich auch in so eine Unternehmerinnenrolle total reinwachsen musste und ganz dankbar bin, was da alles so die letzten Jahre passiert ist. Aber ich war da am Anfang noch wirklich sehr, ja, wie sagt man, stand da einfach sehr am Anfang auch mit mir selbst. Ich habe das total genossen, auch Geschäftsführerin zu sein. Es ist gar nicht so, dass ich das aufgegeben habe, weil es mir keinen Spaß gemacht hat. Aber in der Situation, dass wir gesagt haben, wir strukturieren jetzt neu, wir machen Rebranding, das gab mir natürlich auch die Chance, mal zu überlegen, frisch zu überlegen. Hat man ja sonst vielleicht auch gar nicht so eine Chance. Hey, Moment, wenn sich das hier jetzt neu strukturiert, was will ich eigentlich und was macht mir eigentlich am allermeisten Spaß? Und da bin ich ganz froh, dass ich da so ehrlich zu mir war, zu sagen, Hey, mach du bitte die Geschäftsführung. Ich möchte gerne Business Development machen und dafür verantwortlich sein und das treiben. Und dafür auch keine Angst zu haben, diesen Schritt zu machen. Weil ich dachte, ich habe oft mich gefragt, wie sieht das von außen aus? Jetzt irgendwie gerade ich als Frau jetzt nicht mehr Geschäftsführung, sondern irgendwie einen Schritt zurück und wie VP Business Development und ersetzt durch einen Mann. Sieht das irgendwie blöd aus, ja, von außen. Und davon habe ich mich eigentlich dann einfach frei gemacht, weil das, das ist, was ich ja selbstbestimmt sozusagen so angeleiert habe und gewollt habe. Und da bin ich ganz froh, dass ich da nicht zu viel drüber nachgedacht habe, wie wirkt das jetzt und kann ich das überhaupt machen.

39:56

Inga Bergen

Ja, ja, ja, ich finde das total spannend, weil ich hatte wahrscheinlich, weil ich war ja auch jahrelang irgendwie CEO von Startups und von einem mittelständischen Unternehmen Und jetzt bin ich freie Beraterin und habe aber auch in den letzten 2 Jahren mir noch 2 Startups angeguckt und bin aber schlussendlich nirgends eingestiegen, weil ich mir auch eingestehen musste, dass es gerade einfach nicht so passt. Und ich finde es deswegen total modern, weil ich glaube, das ist auch so ein bisschen die Zukunft, dass man ganz unterschiedliche Phasen hat, so wie man das in einem Unternehmen auch hat. Also das ist ja genauso. Du hast irgendwie einen super loyalen Mitarbeiter, mit dem du alles zusammen aufbaust, und dann hast du halt irgendwann die Situation, da passt es nicht mehr. Und dann musst du irgendwie diese Entscheidung treffen und das Gleiche auch für dich selber. Und das finde ich, ist schon, also das gebührt schon einer ordentlichen Portion Respekt, weil es ist ja auch total schade, wenn man irgendwann nur sein Ego sozusagen surft. Ja, und dann eigentlich nicht mehr aus unternehmerischer Sicht denkt, wo es dann eigentlich besser wäre. Deswegen, das finde ich auch total spannend, dass du halt diesen Schritt gewagt hast. Und bist du zufrieden damit?

41:04

Dr. Hanne Horvath

Ja, also ich muss sagen, ich bin aus Unternehmensperspektive super zufrieden. Ich glaube, für HelloBetter haben die letzten 2 Jahre einfach viele Erfolge gebracht und die Umstrukturierung, die wir gemacht haben, war einfach richtig so. Aber auch persönlich war es genau das Richtige. Also aus beiden Perspektiven war das genau das. Ich habe eigentlich das gemacht, was ich wollte, und ganz selbstbestimmt das auch gemacht. Und das fühlt sich natürlich total gut an.

41:31

Inga Bergen

Ja, super. Ja, Hanne, vielen, vielen herzlichen Dank für diese Einblicke. Und ja, ich kann nur sagen, ich bin total gespannt, was ihr alles noch auf den Markt bringt in den nächsten, im nächsten Jahr dann, ja, oder diesem Jahr, diesem Jahr ja schon. Und also 2022, haben wir gerade Januar, wird den Podcast aufnehmen. Die Folgen sind sehr langlebig und werden immer wieder gehört, deswegen muss man das dazu sagen. Ja, genau. Also vielen, vielen Dank Vielen Dank und ich wünsche dir und deinem Team natürlich weiterhin super viel Erfolg und ja, dass alle eure Pläne auch aufgehen.

42:07

Dr. Hanne Horvath

Vielen Dank, liebe Inga.

42:08

Inga Bergen

Wenn ihr mehr wissen wollt, findet ihr alle Links und Informationen auf www.visionäre-gesundheit.de. Visionäre mit AE. Wenn euch diese Folge gefallen hat, erzählt es gern allen Freunden und Bekannten. Und um nichts zu verpassen, abonniert unseren Podcast auf Spotify, Apple Podcast und Stitcher.

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