In der neuen Folge von Visionäre der Gesundheit spricht Julia Neuen mit Inga Bergen über die Zukunft von Female Health, Prävention und darüber, warum Unternehmen Frauen gesundheitsbezogen viel stärker unterstützen müssen. Dabei wird schnell klar: Julia Neuen denkt Gesundheitsversorgung völlig neu – nahbar, niedrigschwellig und konsequent aus Sicht der Nutzerinnen.
Julia Neuen ist Gründerin und CEO von Peaches, einer Plattform für Female Health Benefits im Unternehmenskontext. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt sie Lösungen rund um Frauengesundheit, Familienplanung, Wechseljahre, mentale Gesundheit und Prävention. Unternehmen wie IKEA, Hyatt oder AIDA nutzen ihre Angebote bereits, um Mitarbeiterinnen besser zu unterstützen. Besonders spannend: Julia Neuen hat ihr Unternehmen ohne klassische Investorengelder aufgebaut und verfolgt einen sehr pragmatischen Ansatz, der sich stark an den tatsächlichen Bedürfnissen von Frauen orientiert.
Julia Neuen erklärt, warum Female Health im Gesundheitssystem oft durchs Raster fällt
Zu Beginn erzählt Julia Neuen, wie sie überhaupt in das Thema eingestiegen ist. Ausgangspunkt war die Erfahrung einer Freundin mit unerfülltem Kinderwunsch. Dabei bemerkte sie schnell, wie groß die Versorgungslücke zwischen regulärer gynäkologischer Betreuung und privaten Kinderwunschkliniken ist. Genau dort setzte ihre erste Gründung an: eine Plattform, die Frauen wissenschaftlich fundierte Informationen und Unterstützung rund um Fruchtbarkeit, Ernährung und Lebensstil bieten sollte.
Besonders eindrücklich beschreibt Julia Neuen, dass viele Themen wie Kinderwunsch oder Wechseljahre in der medizinischen Ausbildung noch immer zu wenig Raum einnehmen. Gleichzeitig investieren Frauen bereits heute enorme Summen privat in ihre Gesundheit – von Nahrungsergänzungsmitteln bis hin zu Selbstzahlerleistungen. Genau deshalb sieht sie großes Potenzial für niedrigschwellige digitale Angebote, die Frauen begleiten, bevor sie überhaupt tief ins Gesundheitssystem eintauchen müssen.
Peaches: Wie Julia Neuen Female Health in Unternehmen bringt
Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Plattform Peaches. Julia Neuen erklärt, dass das Unternehmen mittlerweile drei Bereiche umfasst: Unternehmensberatung, digitale Gesundheitsangebote und langfristige Begleitprogramme für Mitarbeiterinnen. Ziel ist es nicht, einzelne Benefits anzubieten, sondern eine ganzheitliche Female-Life-Cycle-Strategie für Unternehmen aufzubauen.
Dabei analysiert Peaches beispielsweise, warum Frauen Unternehmen verlassen, wie familienfreundlich Prozesse tatsächlich sind oder welche Strukturen Frauen beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit unterstützen könnten. Besonders das Thema „Top-Reboarding“ spielt dabei eine große Rolle, denn laut Julia Neuen kündigt jede dritte Frau während der Elternzeit. Genau hier wollen sie Prozesse verändern und Unternehmen langfristig frauenfreundlicher machen.
Zusätzlich bietet Peaches eine digitale Plattform mit anonymem Zugang zu Expertinnen und Experten. Mitarbeiterinnen können dort Fragen zu Kinderwunsch, Hormonen, Wechseljahren, Endometriose oder mentaler Gesundheit stellen – ohne Angst, dass Informationen beim Arbeitgeber landen. Julia Neuen betont mehrfach, wie wichtig diese Vertraulichkeit ist, damit Frauen solche Angebote überhaupt nutzen.
Julia Neuen über Prävention statt komplizierter Versorgung
Ein besonders spannender Teil der Folge dreht sich um Prävention. Julia Neuen beschreibt, dass sie bewusst keinen klassischen Telemedizin-Ansatz verfolgt. Stattdessen setzt sie auf Wissensvermittlung, Gesundheitskompetenz und langfristige Begleitung. Frauen sollen verstehen, welche Faktoren ihre Gesundheit beeinflussen und wie sie ihren Alltag konkret verändern können.
Dafür entwickelt Peaches beispielsweise umfangreiche Onlinekurse zur mediterranen Ernährung oder zur Reduktion stiller Entzündungen. Statt abstrakter Empfehlungen zeigt das Team ganz konkret, wie gesunde Routinen im Alltag funktionieren können – inklusive Rezepten, Meal Prep und praktischer Unterstützung über mehrere Monate hinweg. Julia Neuen macht deutlich, dass Prävention nur funktioniert, wenn Menschen dauerhaft begleitet werden und nicht nach einem kurzen Kurs wieder allein dastehen.
Warum Unternehmen laut Julia Neuen endlich umdenken müssen
Im weiteren Verlauf erklärt Julia Neuen, warum Female Health längst kein reines Diversity-Thema mehr ist. Für sie geht es vor allem um wirtschaftliche Realität und Fachkräftemangel. Unternehmen könnten es sich schlicht nicht mehr leisten, Frauen aufgrund fehlender Unterstützung zu verlieren. Besonders die Wechseljahre würden häufig unterschätzt – sowohl in ihrer gesundheitlichen als auch in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung.
Julia Neuen argumentiert sehr datenbasiert: Female Health sei messbar, wirtschaftlich relevant und direkt mit Unternehmenserfolg verbunden. Genau deshalb sei das Interesse vieler Firmen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Während klassische Diversity-Initiativen teilweise an Bedeutung verlieren, werde das Thema Frauengesundheit zunehmend als strategischer Faktor erkannt.
Julia Neuen über Unternehmertum, Skalierung und Health-Tech-Gründungen
Auch über Unternehmertum spricht Julia Neuen sehr offen. Sie erklärt, dass viele Start-ups im Gesundheitsbereich ihrer Meinung nach zu kompliziert denken und sich zu früh auf regulatorische Prozesse fokussieren. Stattdessen empfiehlt sie Gründerinnen und Gründern, zunächst echte Nutzerprobleme zu lösen und schnell erste Kundenkontakte aufzubauen.
Besonders interessant ist ihre Kombination aus skalierbarer Plattform und persönlicher Beratung. Die digitale Plattform ermöglicht Wachstum, während die Beratungsleistungen den engen Austausch mit Unternehmen und Nutzerinnen sicherstellen. Genau dieser direkte Kontakt hilft dem Team dabei, Bedürfnisse früh zu erkennen und Angebote schnell weiterzuentwickeln.
LinkedIn, Sichtbarkeit und Julias ungewöhnlicher Kommunikationsstil
Zum Ende der Folge sprechen Inga Bergen und Julia Neuen noch über Social Media und Sichtbarkeit. Julia Neuen hat sich auf LinkedIn eine enorme Reichweite aufgebaut – vor allem durch sehr persönliche, bildhafte und direkte Beiträge. Sie erzählt, dass daraus inzwischen sogar ein Buch entstanden ist, nachdem ihre Community sie immer wieder dazu aufgefordert hatte.
Dabei spricht sie auch offen über die Schattenseiten von Reichweite und darüber, wie emotional und kontrovers Diskussionen im Netz manchmal werden können. Trotzdem bleibt sie ihrer klaren Sprache treu und nutzt LinkedIn bewusst, um gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen und Diskussionen anzustoßen.
Die Folge mit Julia Neuen zeigt eindrucksvoll, wie sich Gesundheitsversorgung verändern kann, wenn man konsequent aus Sicht der Nutzerinnen denkt. Gleichzeitig macht das Gespräch deutlich, dass Female Health längst nicht mehr nur ein Nischenthema ist, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Arbeitswelt und Prävention werden könnte. Wer verstehen möchte, warum Frauengesundheit wirtschaftlich, gesellschaftlich und medizinisch so relevant ist, sollte sich diese Episode unbedingt anhören.


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