14.05.2026

14.05.2026

Episode

157

Episode

157

43 Min.
43 Min.

Patient & Consumer

Julia Neuen über Female Health, moderne Prävention und den Wandel der Arbeitswelt

Julia Neuen ist Unternehmerin und Gründerin sowie CEO der Female-Health-Plattform Peaches, die Arbeitgebern Gesundheitsangebote für alle weiblichen Lebensphasen bietet. Zuvor gründete sie Storchgeflüster, das Onlinekurse zum Thema Kinderwunsch auf Basis einer Studie der Harvard Medical School entwickelte. In Folge 157 von Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, wie sich Frauengesundheit strategisch in Unternehmen verankern lässt und wie ein Health-Tech-Modell ohne klassische Investoren trägt. Neuen erklärt, warum sie mit ihrem Konzept Female Lifecycle Management alle weiblichen Gesundheitsphasen abdeckt, warum Prävention nur über kontinuierliche Begleitung funktioniert und warum Nutzerzentrierung wichtiger ist als komplizierte Strukturen. Das Gespräch verbindet Versorgungslücken, Arbeitsmarktargumente und Markenaufbau auf LinkedIn.

Warum das Thema wichtig ist

Prävention kann nur funktionieren, wenn du die Leute begleitest und nicht denen einfach nur erzählst, ernähre dich mal gesünder, sondern da musst du halt auch dranbleiben und zeigen, wie es geht.

Frauengesundheit gilt in Deutschland weiterhin als Versorgungslücke, während Unternehmen im Fachkräftemangel darauf angewiesen sind, Frauen in allen Lebensphasen im Arbeitsmarkt zu halten. Diese Folge macht konkret, wie Themen wie Kinderwunsch, Wechseljahre und Rückkehr aus der Elternzeit zu einem messbaren Faktor für Personalstrategien werden und warum ein Health-Tech-Modell auch ohne klassische Investoren tragfähig sein kann. Relevant ist das für HR- und Personalverantwortliche, Arbeitgeber, HealthTech-Gründerinnen und Gründer, Krankenkassen sowie Frauen, die im Versorgungssystem bislang keine passenden Angebote finden. Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, rückt mit diesem Gespräch die betriebliche Verankerung von Prävention und Female Health in den Mittelpunkt.

key take aways

Laut Julia Neuen muss Frauengesundheit strategisch statt als reines Diversity-Thema gedacht werden, da der Fachkräftemangel es Unternehmen nicht erlaubt, Frauen zu verlieren, die etwa ab 37 in die Perimenopause kommen und für den Arbeitsmarkt hochrelevant sind.

Neuen erklärt, dass Prävention nur über kontinuierliche Begleitung von sechs bis zwölf Monaten funktioniert, weil reine Ratschläge verpuffen und Menschen sonst schnell in alte Muster zurückfallen.

Im Gespräch mit Inga Bergen bei Visionäre der Gesundheit betont Neuen, dass sie den regulatorischen Weg über die Krankenkassen bewusst mied, weil eine Prüfstelle ihr ganzheitliches Konzept auf ein einzelnes Thema beschränken wollte und genau die Kombination mehrerer Bereiche den Erfolg ausmacht.

Neuen rät Gründerinnen und Gründern, weniger kompliziert zu denken und schneller ins Handeln zu kommen, da viele Startups sich in langwierigen Zertifizierungen verlieren, bevor sie ihren ersten Euro verdient haben.

Zentrale Erkenntnisse

  • Peaches ist eine B2B-Plattform für Female Health Benefits für Arbeitgeber.

  • Female Lifecycle Management deckt alle weiblichen Gesundheits- und Lebensphasen ab.

  • Die Perimenopause beginnt bei vielen Frauen bereits mit etwa 37 Jahren.

  • Jede dritte Frau kündigt während der Elternzeit.

  • Peaches ist Kooperationspartner der Techniker Krankenkasse und beschäftigt rund 20 Mitarbeitende.

Die Gastgeberin

Host Image

Inga Bergen

Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor

"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheits­wesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.

Der Podcast

Visionäre der Gesundheit

VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.

Episoden BESCHREIBUNG

Julia Neuen über Female Health, moderne Prävention und den Wandel der Arbeitswelt

In dieser Folge von Visionäre der Gesundheit spricht Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, mit der Unternehmerin und Female-Health-Pionierin Julia Neuen. Bergen hat ihren Gast bewusst ausgewählt, weil Neuen einen Bereich erschlossen hat, an dem viele Startups bislang scheitern: ein wirtschaftlich tragfähiges Modell für Frauengesundheit, das ohne klassische Investoren auskommt und trotzdem große Arbeitgeber überzeugt. Kennengelernt haben sich beide in der Jury eines Health-Awards, und im Gespräch wird deutlich, dass Neuen eine seltene Perspektive einbringt. Sie kommt nicht aus der klassischen Medizin, sondern aus der therapeutischen Praxis, denkt radikal von den Nutzerinnen her und übersetzt ein häufig schambehaftetes Thema in ein Angebot, das Unternehmen als strategisch messbaren Faktor verstehen. Genau diese Verbindung aus Versorgung, Wirtschaftlichkeit und Haltung macht die Folge aus.

 

Was macht die Plattform Peaches und für wen ist sie gedacht?

Peaches ist eine B2B-Plattform, die sich an Arbeitgeber richtet und deren Belegschaften Angebote rund um Frauengesundheit und Familie zur Verfügung stellt. Im Gespräch beschreibt Neuen, dass ihr Unternehmen auf drei Säulen ruht, die ineinandergreifen und gemeinsam ein tragfähiges Geschäftsmodell bilden.

Die erste und stärkste Säule ist die Unternehmensberatung. Als externe Partnerin darf Peaches Fragen stellen, die im normalen Arbeitsalltag tabu wären, etwa zu Fehlgeburten, zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit oder zu Aufstiegschancen in Teilzeit. Die Antworten werden anonymisiert ausgewertet und zeigen den Firmen ihre blinden Flecken. Auf dieser Datenbasis entsteht eine passgenaue Strategie statt vieler Einzelmaßnahmen.

Die zweite Säule ist die skalierbare Benefits-Plattform, über die sich Mitarbeiterinnen anonym einwählen. Die dritte Säule bilden begleitende Onlinekurse. Neuen erläutert, dass Kundinnen sich zunächst mit dem Firmenkonto registrieren, danach aber alles über eine private Adresse läuft, damit der Arbeitgeber keinerlei Einblick in die persönliche Nutzung erhält.

 

Wie kam Julia Neuen überhaupt zum Thema Frauengesundheit?

Ursprünglich war Neuen als Therapeutin und Tierpsychologin tätig und damit eine für die Health-Tech-Szene untypische Gründerin. Den Einstieg in das Thema fand sie über ihre erste Firma Storchgeflüster, mit der sie sich Mitte der 2010er Jahre dem unerfüllten Kinderwunsch widmete.

Im Gespräch schildert Neuen, dass sie im Umfeld einer Freundin eine große Lücke im Versorgungssystem erkannte. Zwischen der gynäkologischen Praxis, die beim Thema Kinderwunsch oft nicht tief genug beraten kann, und den privaten Kinderwunschkliniken klaffte eine Leerstelle. Diese füllte sie mit Onlinekursen, die auf einer renommierten Studie der Harvard Medical School aufbauten und Ernährung, Bewegung und Psyche verbanden.

Mit der Corona-Zeit wuchs die Nachfrage sprunghaft, weil viele Menschen die Familienplanung neu bewerteten. Aus dem Kinderwunschangebot entwickelten sich Schwangerschaftskurse und Vergleichsportale, bis schließlich der Schritt in die Arbeitswelt folgte und daraus das Konzept Female Lifecycle Management entstand.

 

Warum sollten Unternehmen in Frauengesundheit investieren?

Neuen argumentiert im Kern nicht moralisch, sondern betriebswirtschaftlich. Angesichts des Fachkräftemangels könnten Unternehmen es sich nicht leisten, gut ausgebildete Frauen zu verlieren, nur weil deren gesundheitliche Bedürfnisse ignoriert werden.

Sie verweist darauf, dass die hormonelle Umstellung deutlich früher beginnt, als viele annehmen, und bereits Frauen um die 40 betrifft, die für den Arbeitsmarkt hochrelevant sind. Wer diese Beschäftigten in ihrer Leistungsfähigkeit nicht unterstützt, riskiert Ausfälle und Kündigungen. Besonders die Elternzeit nennt Neuen als kritischen Punkt, weil ein erheblicher Teil der Frauen in dieser Phase das Unternehmen verlässt.

Im Gespräch grenzt sie ihren Ansatz bewusst vom oft folgenlosen Diversity-Diskurs ab. Peaches versteht sich als datenbasiert, messbar und schnell wirksam. Neuen macht deutlich, dass sich die Wirkung auf den Unternehmenserfolg konkret vorrechnen lässt, was ihr den Markteintritt erleichtert hat.

 

Wie funktioniert Prävention, die Menschen wirklich erreicht?

Für Neuen gelingt Prävention nur, wenn Menschen über einen längeren Zeitraum begleitet werden, statt ihnen lediglich gute Ratschläge mitzugeben. Reine Information verpuffe, weil Betroffene schnell in alte Muster zurückfielen.

Als Beispiel nennt sie einen Kurs zur mediterranen Ernährung, der stille Entzündungen reduzieren, die Fruchtbarkeit fördern und Hormone regulieren soll. Statt abstrakter Empfehlungen erhalten die Nutzerinnen zahlreiche konkrete Videotutorials für Frühstück, Meal Prep und Alltagsgerichte. So werde der Einstieg bewusst einfach gehalten.

In der Folge wird deutlich, dass Peaches sich weniger als Beratungs- und mehr als Begleitungsangebot begreift. Über sechs bis zwölf Monate sollen Menschen dabei unterstützt werden, dauerhaft neue Gewohnheiten aufzubauen. Diese kontinuierliche Betreuung sieht Neuen als eigentliche Stärke ihres Modells.

 

Warum hat Julia Neuen den klassischen Weg über die Krankenkassen bewusst vermieden?

Neuen entschied sich früh gegen den regulatorischen Weg durch das etablierte Gesundheitssystem, weil dieser ihr ganzheitliches Konzept zerschnitten hätte. Eine Prüfstelle habe damals verlangt, dass sie sich auf ein einzelnes Thema beschränkt, obwohl gerade die Verbindung mehrerer Bereiche den Erfolg ausmachte.

Im Gespräch erklärt sie, dass viele Frauen ohnehin bereit sind, privat in ihre Gesundheit zu investieren, etwa in Kinderwunschkliniken oder Nahrungsergänzung. Ein bezahlbarer Onlinekurs scheitere daher nicht am Preis. Bergen ergänzt, dass die verbreitete Annahme, Menschen gäben nichts für Gesundheit aus, so pauschal nicht stimmt.

Interessant ist die Wendung, dass Peaches heute dennoch eng mit der Techniker Krankenkasse kooperiert. Neuen zieht daraus den Schluss, dass es nicht zwingend den harten Weg durch das System braucht, um relevant und anschlussfähig zu werden.

 

Was können Gründerinnen und Gründer im Gesundheitsbereich von diesem Ansatz lernen?

Neuens wichtigster Rat lautet, weniger kompliziert zu denken und schneller ins Handeln zu kommen. Sie beobachtet, dass viele Startups sich in langwierigen Zertifizierungen verlieren, bevor sie den ersten Euro verdient haben.

Statt zuerst die systemischen Strukturen zu denken und sich darin einzuordnen, plädiert sie dafür, Angebote radikal von den Nutzerinnen her zu entwickeln und Dinge zu vereinfachen. Ihre Partnerschaft mit der Techniker sei nicht durch Antragswege entstanden, sondern dadurch, dass sie zunächst erfolgreich war und dann angefragt wurde. Zugleich betont sie, dass ein Modell auch skalierbar sein muss und reine Beratung für sie nie infrage käme.

Zur Sprache kommt schließlich ihre außergewöhnliche Reichweite auf LinkedIn, die sie binnen eines Jahres von wenigen Tausend auf über dreißigtausend Follower ausbaute. Mit sehr persönlichen, bildhaften Alltagsgeschichten und klarer Haltung schuf sie Sichtbarkeit, die auch ihrem Geschäft nützt, und kündigt mit einem Buch bereits das nächste Projekt an.

Im Gespräch mit

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Julia Neuen

Gründerin und CEO von Peaches

Julia Neuen

Julia Neuen ist Gründerin und CEO von Peaches, einer Plattform für Female Health Benefits im Unternehmenskontext. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt sie Lösungen rund um Frauengesundheit, Familienplanung, Wechseljahre, mentale Gesundheit und Prävention, die bereits von Unternehmen wie IKEA, Hyatt und AIDA genutzt werden. Sie hat ihr Unternehmen ohne klassische Investorengelder aufgebaut und gilt als eine der führenden Expertinnen für Female Health in Deutschland.

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Julia Neuen

Gründerin und CEO von Peaches

Julia Neuen

Julia Neuen ist Gründerin und CEO von Peaches, einer Plattform für Female Health Benefits im Unternehmenskontext. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt sie Lösungen rund um Frauengesundheit, Familienplanung, Wechseljahre, mentale Gesundheit und Prävention, die bereits von Unternehmen wie IKEA, Hyatt und AIDA genutzt werden. Sie hat ihr Unternehmen ohne klassische Investorengelder aufgebaut und gilt als eine der führenden Expertinnen für Female Health in Deutschland.

KAPITEL

00:00 — Begrüßung und Peaches als B2B-Plattform für Female Health

03:22 — Von Storchgeflüster zum Female Lifecycle Management

07:40 — Anonyme Beratung und drei Säulen von Peaches

17:24 — Warum Peaches den Weg über die Krankenkassen mied

23:07 — Frauengesundheit, Fachkräftemangel und die Andropause

31:39 — Tipps für Gründer und Reichweite auf LinkedIn

TRANSKRIPT

00:15

Inga Bergen

Julia Neun ist Unternehmerin, Female Health Pionierin und Gründerin der Plattform Peaches. Gemeinsam mit Inga Bergen spricht sie darüber, warum Frauengesundheit endlich strategisch gedacht werden muss. Weshalb Unternehmen das Thema nicht länger ignorieren können und wie moderne Prävention wirklich funktionieren kann. Es geht um Kinderwunsch, Wechseljahre, mentale Gesundheit, die Versorgungslücken im Gesundheitssystem und darum, wie man Health Tech auch ohne klassische Investoren erfolgreich aufbaut. Außerdem verrät Julia Neuhen, warum Nutzerzentrierung für sie wichtiger ist als komplizierte Strukturen und wie sie sich mit klaren Worten und viel Haltung eine enorme Reichweite auf LinkedIn aufgebaut hat. Eine spannende Folge über Female Health, Unternehmertum und die Zukunft moderner Gesundheitsversorgung.

01:17

Inga Bergen

Ja, herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Ich freue mich total auf meinen heutigen Gast. Denn sie ist eine wahrhafte Visionärin der Gesundheit. Sie hat das Thema Frauengesundheit wirklich gehackt, kann man sagen, auf eine ganz faszinierende Art und Weise. Und ich freue mich total auf dich, liebe Julia Neun. Herzlich willkommen in unserem Podcast.

01:39

Julia Neuen

Liebe Inga, vielen, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, heute mit dir hier über die spannenden Themen zu diskutieren.

01:48

Inga Bergen

Ja, ich mich auch. Ich erzähl mal kurz, wie wir uns kennengelernt haben, und zwar im Jury- vom TK Health eAward. Da saßt du und ich kannte dich gar nicht. Du kanntest mich auch nicht. Also wir kannten uns nicht. Und dann haben wir uns gegenseitig erzählt, was wir so machen und fanden uns gleich super cool. Und ich steige direkt mal mit dem ein, was mich an dir so fasziniert hat. Du bist CEO und Gründerin von Peaches. Peaches ist eine B2B-Plattform. Also du richtest dich an Arbeitgeber. Und du bietest Female Health Benefits an und alles so rund um Familie, Aufbau von Familie. Das ist auch der Hintergrund. Das ist jetzt nicht deine erste Gründung. Ja, du hast tatsächlich schon mal zum Thema Kinderwunsch, Schwangerschaft gegründet. Und was ich so interessant finde, ist, dass du eigentlich alle Frauengesundheitsthemen abdeckst, aber gar kein so klassisches Startup hast. Also du hast das von Anfang an so gebaut. Dass es sich selber trägt und dass du keine Investoren reinnehmen musst. Und das fand ich total faszinierend, denn Frauengesundheit, ja, da sind wir also wirklich Entwicklungsland, war irgendwie vorgestern wieder Artikel im Spiegel, Frauengesundheitsentwicklungsland Deutschland. Und ich finde das so spannend. Wie bist du überhaupt zu diesem Thema gekommen? Das war ja, ist ja jetzt nicht, damit bist du nicht schon mit 12, hast du noch nicht gedacht, dass Das ist das Thema, was ich unbedingt machen will in meinem Leben, oder?

03:22

Julia Neuen

Nee, da wollte ich glaube ich noch Polizistin oder irgendwas anderes werden. Wie bin ich dazu gekommen? Also es ist ja sowieso, ich bin ja wahrscheinlich eine sehr untypische Gründerin, weil ich ja eigentlich von Haus aus Therapeutin und Tierpsychologin bin. So, also jetzt war es allerdings so, meine erste Gründung habe ich mit, oh Gott, wann war das denn? Krieg ich schon gar nicht mehr hin. Auf jeden Fall ist es schon ein bisschen her. Storchgeflüster war ja die erste Gründung und ich habe damals sozusagen relativ schnell gesehen, als eine Freundin von mir nicht schwanger geworden ist. Das muss um 2012 gewesen sein, weil 2013 kam meine Tochter. Ja, die Gründung war glaube ich 2015, meine ich. Und 2012, 2013 ist mir dann immer mehr aufgefallen, Für Frauen, wo es nicht klappt, oder Paare, wo es nicht klappt. Infertilität liegt ja zu 50% auch beim Mann, mittlerweile zu 60% tatsächlich. Aber da ist mir eben aufgefallen, dass wir eine Riesenlücke im Gesundheitssystem hatten, dass du quasi die klassische Gynäkologin hast, die im Zweifel oder in großer Wahrscheinlichkeit gerade von diesem ganzen Thema Kinderwunsch haben die gar keine tiefe Ahnung und da können die auch gar nichts dafür. Das ist einfach nicht Teil des Studiums, nicht Teil der Ausbildung. Genauso wie das Thema Wechseljahre, was das eben, was auch sozusagen dann viele Dinge selbsterklärend lässt. Aber es gibt quasi den Gynäkologen, den man automatisch ansteuert, oder die Gynäkologin. Dann kommt ganz lange nichts und dann kommen die privaten Kinderwunschkliniken, die ja wie Pilze aus dem Boden sprießen. So, und diese Lücke dazwischen konnte ich mit meinem ersten Startup füllen, indem wir sozusagen Das war kurz vor Corona, weiß ich noch, haben wir sozusagen angefangen, Onlinekurse zu entwickeln auf Basis einer der renommiertesten Kinderwunschstudien von der Harvard Medical School, von der Dr. Alice Domer, die eben gezeigt hat, dass wenn du XY machst, dass du deine Chance, schwanger zu werden, von 20 auf 55% in 6 Monaten steigern kannst. Und das habe ich versucht, sozusagen mit den renommiertesten Experten und Expertinnen aus Deutschland sozusagen in Videos zu bringen. Und dann geht es ja Psyche, Ernährung, Bewegung, also all die Themen, die sozusagen natürlich, dass dein Lifestyle besser werden machen, die aber auch dafür sorgen, dass du stille Entzündungen abbaust, damit du eben fruchtbarer wirst und damit gewisse Detox-Programme dann auch angestoßen werden. So, und dann kam Corona, dann sind die Leute ja über, ich sage mal, von jetzt auf gleich zu Hause gewesen, haben sich überlegt, ob sie jetzt einen Hund sich anschaffen oder eventuell Kinder kriegen. Bei vielen ist scheinbar die Wahl auf Kinder kriegen gefallen. Und so bin ich sozusagen über Nacht in diese Female Health Tech Welt wirklich rein katapultiert worden, möchte ich mal behaupten, und habe mich da so wohlgefühlt. Also das ging dann immer weiter, dass die Frauen damit reihenweise schwanger wurden. Auch wirklich Fälle, wo man gesagt hat, die probieren das seit 6 Jahren, seit 10 Jahren Und dann war es wirklich so, dass ich immer mehr gemerkt habe, okay, wir brauchen noch ein bisschen mehr. Dann haben wir noch Kinderwunschklinik-Vergleichsportal gemacht. Dann haben die Leute, dann haben die Frauen sich gewünscht, dass wir auch Schwangerschaftskurse machen. So ist es immer gewachsen. Und dann kam irgendwann der Schritt in diese B2B-Welt, die du angesprochen hast, wo ich einfach gesehen habe, okay, das ist ja jetzt alles schön, aber wir brauchen Veränderung vor allen Dingen in der Arbeitswelt. Und für mich war klar, Frauengesundheit ist ja auch in vielen Ländern, beispielsweise skandinavischen Ländern, ist das ja schon Teil auch von Personalstrategien. Und ich habe mir immer mehr abgeguckt da und habe gesagt, okay, ich entwickle jetzt ein eigenes Konzept für Unternehmen und das habe ich gemacht. Das heißt Female Lifecycle Management, so habe ich es getauft, und es deckt, wie du eben sagst, quasi alle weiblichen Lebensphasen, alle weiblichen Gesundheitsphasen in der Tiefe ab, sodass du sozusagen wirklich chancengleich Karriere im Unternehmen machen kannst.

07:40

Inga Bergen

Wie läuft das konkret ab? Deine Plattform, die du dann gegründet hast, die heißt Peaches, womit du heute unterwegs bist. Und das hast du ja wirklich so aus dem Nichts aufgebaut. Du hast heute Riesenkunden wie Hyatt oder IKEA oder die AIDA, habe ich gelesen, die sich darüber dann auch als Familienfreunde öffentlich positionieren. Also es ist ein Konzept, was sich eigentlich an Human Resources, so klassisch im Unternehmenskontext Personalabteilung, die dann betriebliche Gesundheitsförderung wahrscheinlich auf eine Art damit anbietet, auf Frauen bezogen. Was ich so spannend finde, ist, dass ich ja, ich bin ja seit ganz vielen Jahren in diesem Bereich Digital Health und beim Thema Female Health waren so die ersten Startups, die so kamen, waren so, okay, wir sprechen die Krankenversicherer an, wir versuchen da irgendwie ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Und dann kam so, okay, wir sprechen jetzt die Arbeitgeber an, die sollen das machen. Aber das ist total schwer ins Fliegen zu kriegen, weil das meistens so singuläre Angebote sind. Also es geht dann um Schwangerschaft oder es geht um Wechseljahre oder es geht um dies, das. Und die Arbeitgeber sagen, ich hätte aber gerne einmal alles. Und das bietet ihr ja an. Wie läuft das konkret, wenn das jetzt jemand nutzt? Nehmen wir mal an, ich wäre Nutzerin bei euch, würde bei IKEA arbeiten. Wie könnte ich da drauf zugreifen?

09:02

Julia Neuen

Ja, also wir sind ja sozusagen, wir haben ja 3 Stränge bei Peaches, vielleicht das zum Erklären. Und zwar der Strang, der wahnsinnig, also 2 oder die laufen eigentlich alle super, aber womit wir groß geworden sind, wir sind Unternehmensberatung, wo wir eben sozusagen wirklich ins Unternehmen gehen, Analysen machen, auch sehr individuelle Analysen eben und eben genau zeigen können, Okay, so und so viele Frauen gehen wegen Wechseljahre, reduzieren ihre Arbeitszeit oder ihr habt genau die Themen. Also wir dürfen ja als Externe, dürfen wir ganz andere Fragen stellen und sehr delikate Fragen, die du im normalen Arbeitskontext niemals stellen dürftest. Da kommst du sofort ins Gefängnis und wir dürfen das und wir anonymisieren das danach und haben dann über alle, also wir reden mit Frauen dann sozusagen aus allen Altersstrukturen, wir führen dann so Interviews. Aus allen Altersstrukturen, aus allen Hierarchiestrukturen. Und wir fragen halt alles. Ich sage mal wirklich im Detail sehr intensive Fragen. Hattest du schon mal eine Fehlgeburt? Wie war dein Reboarding? Hast du das Gefühl, dass du als Frau in Teilzeit bei euch wirklich Karriere machen kannst? Also es sind sozusagen nicht nur die Lebensphasen, die Gesundheitsthemen werden in der Tiefe erfasst und in jedem Detail, sondern es werden auch so Kategorien wie Karriereentwicklung, Arbeitsplatz, aber auch so was wie Unternehmenskultur. Also was wird dann wirklich letztendlich? Wir decken alle blinden Flecken auf. So, und auf der Basis entwickeln wir quasi passgenaue Maßnahmen, sodass die Unternehmen nicht mal hier irgendwie was machen, mal da was machen, sondern dass du wirklich eine eigene Female Lifecycle Strategie auf dein Unternehmen speziell bekommst. So, und dann begleiten wir eben auch in der Umsetzung, gerade wenn es beispielsweise so Top-Jobsharing oder wenn es darum geht, Neue Strukturen, beispielsweise einen Top-Reboarding-Prozess, damit man die Frauen in der Elternzeit nicht mehr verliert. Riesenthema. Jede dritte Frau kündigt in der Elternzeit. Also solche Sachen machen wir. Das heißt, wir ändern wirklich Prozesse und Strukturen, Arbeitsmodelle. Wir bauen Unternehmen wirklich frauen- und familienfreundlich. Der zweite Strang ist das, was du ansprichst. Das ist dann sozusagen, weil wir ja sehen, dass eben ganz, ganz, also eigentlich jede Frau hat irgendein Thema. Also es gibt keine Frau bis jetzt, die ich kennengelernt habe, die kein Thema hat.

11:22

Inga Bergen

Das heißt, wir haben alle irgendwie unsere Themen.

11:24

Julia Neuen

So, und da bieten wir dann eben die Plattform, da kannst du dich dann quasi einfach einwählen. Da hast du dann Zugriff sozusagen, natürlich total anonym. Das heißt, du registrierst dich einmal mit deinem Firmenaccount, sagst Hallo, ich bin die IKEA-Mitarbeiterin beispielsweise und gibst im gleichen Zug aber deine private E-Mail-Adresse an. Und danach läuft alles über die private, damit du dir sicher sein kannst, dass alles, was du konsumierst oder wo du dich einwählst, dass das auf gar keinen Fall der Arbeitgeber sieht.

11:53

Inga Bergen

Spannend, ja. Ist das ein Erfolgsgeheimnis von euch, dass ihr das so macht? Ja, okay, total interessant.

11:59

Julia Neuen

Ja, ja, natürlich. Weil keiner würde bei uns zum Beispiel in die Kinderwunsch-Sprechstunde gehen.

12:05

Inga Bergen

Also wir haben ja betriebliche E-Mails.

12:08

Julia Neuen

Also was ist der Vorteil bei uns? Du musst dir das so vorstellen: Die Leute bekommen 24/7 quasi den direkten Zugang zu den richtigen Experten in kurzer Geschwindigkeit und müssen nicht quer durch Deutschland reisen, müssen nicht 100 falsche oder schlechte Ärzte besuchen, bis sie den richtigen finden, sondern die haben wir eher perfekt ausgewählt. Wir haben perfekte Ärztinnen, die sozusagen in den Wechseljahren begleiten, Hormonersatztherapie, Sprechstunden, whatever, egal was es ist, egal, oder ob es denn ZenSet Health ist.

12:40

Inga Bergen

Wie macht ihr denn das? Also wenn ihr so Ärztinnen habt, seid ihr dann eine Telemedizinplattform oder wie kann man, oder macht ihr das mit Partnern? Wie setzt ihr das genau um?

12:49

Julia Neuen

Also die Sprechstunden oder diese Live-Sessions ist keine Form von Telemedizin, weil es keine Diagnose gibt. Das ist quasi Session, eine Live-Session mit einer Ärztin quasi.

13:01

Inga Bergen

Aber es ist keine Online-Kurs, wo man quasi Fragen stellen kann.

13:05

Julia Neuen

Okay, also bzw. du hast dann wirklich, du siehst dann die Gynäkologin, man sieht dich nicht, damit du beispielsweise deine Kollegen dann auch nicht siehst. Also du bist quasi anonym und kannst dann deine Fragen stellen und dann beantwortet sie dir halt so. Und das führt aber dazu, dass die Leute wirklich auch begleitet werden. Also was du ja oft, was wir immer sehen, ist, Du kannst dir viel Wissen aneignen, aber es ist dann nicht individuell, dass du sagen kannst: Ja, aber meine Werte zum Beispiel, ich habe jetzt letztens testen lassen, meine Schilddrüsenwerte sind XY, und übrigens, das ist auch noch so bei mir. Und übrigens ist mein Zyklus auch noch so lang. Was sagen Sie denn dazu? Und dann sagt die natürlich wirklich speziell was zu dir. Und dann sagt die auch, und ich würde es an Inga, dann würde sie sagen: Inga, ich mache das, ich würde es an deiner Stelle so machen, ich würde die Ernährung so machen, ich würde dies so machen. Und übrigens kannst du auch noch mal das ausprobieren.

13:55

Inga Bergen

Ich finde das so spannend, weil es, also wenn man jetzt auf diesen Female Health Markt schaut, dann geht es ja oft darum, wir bauen eine komplette Klinik, wir bauen ein komplettes telemedizinisches Angebot und ihr würdet euch jetzt da verorten, wo es eben vorher, wo es vorher um Informationsweitergabe und um Einordnung, wo es um eigentlich so Health Literacy oder Gesundheitskompetenz in dem speziellen Bereich jetzt Kinderwunsch, Wechseljahre, ja, Fertility, vielleicht ist auch Verhütung. Es können ja alle möglichen Sachen sein. Endometriose, alles, also alle möglichen Themen, die Frauen betreffen. Oder vielleicht auch psychologische Themen. Habt ihr so was auch dann im Angebot?

14:37

Julia Neuen

Kommt ja mit den Themen, also Depressionen kommen mit den Wechseljahren beispielsweise oder auch mit Kinderwunsch. Also du hast ja viele hormonelle Themen, die beispielsweise Depressionen auslösen. Dann ist ja immer die Frage: Hast du Depressionen oder hast du nicht wirklich was anderes? Also ist da nicht. Und das ist eben dann diese Transferleistung, die wir natürlich viel besser können, weil du eben siehst, unsere Expertinnen, die wissen schon sehr genau einzuordnen, sind das psychische Depressionen, die aus anderen Themen kommen, oder ist es jetzt hormonell?

15:08

Inga Bergen

Ihr könnt das ja nicht individuell machen. Also ihr könnt jetzt nicht, ihr könntet mir jetzt nicht sagen, Inga Bergen, Sie haben das und das, sondern es wäre immer allgemein und die Personen, die ihr beratet, die Frauen, die würden dann hinterher zu ihrem Gynäkologen, zu ihrer Gynäkologin gehen und sich dort dann irgendwie alles Weitere holen oder weiter beraten lassen. So läuft es, oder? Verstehe ich das richtig?

15:31

Julia Neuen

Ähnlich, ja. Meistens ist es so, dass die Gynäkologin gar nicht helfen kann. Meist ist es so, dass die, dass du quasi von uns beraten wirst und wir dann auch sagen, hey, angenommen, du hast jetzt einen unerfüllten Kinderwunsch, jetzt hast du gemerkt, also wir brauchen jetzt eine Diagnostik XY, dann schicken wir die zum Beispiel in Partnerklinik. Kliniken oder so was. Also dann haben wir zum Beispiel in Berlin oder in anderen Städten haben wir natürlich Partnerkliniken und dann wissen wir und dann können wir die Leute einfach sagen, hey, da ist der Chefarzt XY, schöne Grüße, los geht's. Und dann kriegen wir auch nichts. Also das hat auch nichts irgendwie mit, sondern wir wissen einfach, dass das gute Ärzte sind und das ist halt so.

16:10

Inga Bergen

Ihr empfehlt weiter sozusagen.

16:12

Julia Neuen

Genau.

16:13

Inga Bergen

Ich finde das total spannend, weil ihr ja damit eher so ein allgemeines Angebot schafft, was relativ niedrigschwellig dieses Thema aufgreift. Und das ist ja auch wahrscheinlich deine Pionierarbeit, dass du diese Themen mit so einer— und da kommen wir gleich auch noch zu, du bist ja auch super stark auf LinkedIn, also du hast auf jeden Fall eine kommunikative Fähigkeit und die Fähigkeit, so was in so eine Brand zu verwandeln, die nicht so irgendwie negativ wirkt, weil das sind ja oft Themen, die mit irgendeinem Defizit oder schambehaftet oder man spricht nicht drüber. Das ändert sich ja gerade auch beim Thema Wechseljahre. Das wird ja Popkultur sozusagen. Aber das ist ja in Teilen immer noch ein bisschen so und ich finde das so spannend, weil ich glaube, die größte Hürde ist ja oft zu denken, ich gehe jetzt in das Gesundheitssystem wirklich rein und das ist aber so, das macht es dann so extrem kompliziert, dass eigentlich dann ganz wenig ankommt oder dass es ganz, ganz lange dauert. Habt ihr euch das jemals angeguckt, da wirklich richtig reinzugehen und wirklich medizinisch zu sein im Versorgungspfad von den Kassen bezahlt, solche Sachen? Habt ihr das mal strategisch überlegt?

17:24

Julia Neuen

Ja, also ich hatte mal bei Storchgeflüster so eine Zeit, wo ich überlegt habe, Mensch, lass uns das doch mal von denen, dass die Kassen sozusagen das übernehmen. Ich habe mir diesen— also und dann war interessante Story, eigentlich mega Story. So, dann kommt ja, wie heißen diese Prüfstelle? ZZ irgendwas, ZP, nee, wie heißen die noch mal? Ich vergesse. Auf jeden Fall, die haben— Gibt eine Prüfstelle, die dich dann sozusagen, die ja deine Inhalte und so dann prüft. Und dann ging es bei uns los. Wir sind ja ganzheitlich. So, das war damals, hieß es: Nee, Sie können nur eine Sache machen. Also entweder machen Sie nur Ernährung oder nur dies oder nur das. Aber in der Gesamtheit geht es nicht zusammen. Wo ich halt gesagt habe: Ja, aber das ist ja genau das Ding, warum es funktioniert bei uns. Also es wäre ja jetzt Quatsch, kaputt zu machen.

18:12

Inga Bergen

Ich verstehe. So wo es um Präventionskurse geht, so wie die gestaltet sein müssen für die Kassen, da ist das alles einzeln und du hast ja auch dieses Zeitversetzte. Das muss ein Kurs sein, der muss jede Woche, muss neue Inhalte und das ist eigentlich nicht digital gedacht und auch nicht so wie— Ja, okay, ich verstehe, was du meinst.

18:27

Julia Neuen

Und dann war das irgendwann so, dass ich gesagt habe, nee, also ich lass mir das jetzt hier auch nicht zerrupfen, nur weil die irgendwie noch im Mittelalter hängen. Und ganz ehrlich, wenn man überlegt, wie viele Frauen auch bereit sind, privat dann in Kinderwunschkliniken zu bezahlen, zahlen, für Supplements zu bezahlen, dann wird es nicht an 100 € für einen Onlinekurs, den man dann ein halbes Jahr nutzen kann, sozusagen scheitern. Und genauso war es. Also ich habe dann auch gedacht, dann lassen wir das halt. Und ich meine, Inga, das ist eben das Witzige. Heute haben wir eine Riesenkooperation mit der Techniker, mit Peaches, wo man eben sieht, es muss vielleicht auch nicht immer dieser Weg durch dieses hammerharte Gesundheitssystem sein. Also heute sind wir großer Kooperationspartner von der Techniker Krankenkasse. Und arbeiten ja sehr eng mit der Techniker zusammen.

19:17

Inga Bergen

Ich finde das so spannend, weil es ist halt oft so, wenn man mit all diesen neuen Erkenntnissen und auch Bedürfnissen, die Leute ja haben, wie du ja sagst, die Menschen kommunizieren ja auf Social Media mit der KI unendlich viel zum Thema Gesundheit, zu ihrer persönlichen Gesundheit. Wir haben aber immer noch das Narrativ: Ah, Leute geben nichts für Gesundheit aus. Mag vielleicht bei Männern stimmen, aber Frauen geben auf jeden Fall super viel aus. Und insgesamt, die Deutschen geben Milliarden aus für Igelleistungen, Heilpraktikerleistungen und für alles, was so Gesundheit und Beauty-Schnittstelle ist und für das Thema— Oder den Oma-Ring. Ja, genau. Oder Wearables etc. Das ist sozusagen eine Wahrheit, die ich immer wieder hinterfrage. Und dann die zweite finde ich auch spannend. Die ist so: Niemand will Prävention, die Leute wollen nichts tun, weil die Leute sich nicht gesünder ernähren, wenn Arzt, Ärztin sagt, ernähren Sie sich bitte gesünder und da passiert nichts. Und daraus ist dann die Ableitung, okay, die Leute wollen das nicht. Ganz oft. Aber so einfach kann man sich das ja auch nicht machen. Ich finde das total spannend, weil das, was ich raushöre, ist, ihr habt einfach total radikal nutzerinzentrisch gedacht bei der Konzeption. Genau.

20:28

Julia Neuen

Und auch bei den Onlinekursen ist genau das, was du sagst. Es ist also beispielsweise, wir haben einen Onlinekurs, der geht nur um das Thema mediterrane Diät, also mediterrane Ernährung, weil es ja eben stille Entzündungen reduziert, weil es deutlich die Fruchtbarkeit erhöht, weil es auch das Thema Hormone harmonisiert. Also sprich auch in den Wechseljahren extrem gut. So, wir haben einen Onlinekurs gedreht mit einer Spanierin, die sozusagen einen, wie sagt man denn, einen Kochladen in Hamburg hat. Wie sagt man? Kochstudio sagt man, die so ein richtiges Kochstudio hat und haben wirklich, ich weiß nicht, wie viele Videotutorials, wie du dir dein Frühstück zubereiten kannst, wie du dir Meal Prep machen kannst, 1000 Mittagsgerichte, damit die Leute dann wirklich sagen, okay, es wird mir auch sau einfach gemacht. Also mit Was brauche ich an Zutaten? Alles schnelle Gerichte, mal vielleicht auch für den Sonntag ein bisschen was Aufwendigeres. Aber ne, und das haben wir einfach sehr, sehr vereinfacht. Wir sehen uns immer nicht in Form von nur Beratung, sondern wir sehen uns vor allen Dingen in Form der Begleitung, weil ich glaube, Prävention kann nur funktionieren, wenn du die Leute begleitest und nicht denen einfach nur erzählst, ernähre dich mal gesünder, sondern da musst du halt auch Ja, dranbleiben und zeigen, wie es geht. Also dann heißt es halt, okay, ja, wie kann ich denn jetzt frühstücken, wenn ich eben nicht mehr jeden Morgen meinen Toast mit Nutella essen soll? Was sind es denn jetzt wirklich? Und dann weißt du so, und dann wirklich zu, also, und da glaube ich, brauchst du halt eine Form der Begleitung, damit du dich dann nicht alleine fühlst und schnell in alte Muster fällst. Und deswegen sind wir extrem stark in dieser Begleitung über Monate. Das ist das, was uns quasi stark macht. Dass wir die Leute über 6, über 12 Monate wirklich begleiten, in dieses neue Ich zu wachsen.

22:14

Inga Bergen

Ja, total spannend. Und es ist natürlich vom Geschäftsmodell auch ziemlich genial, weil ihr eine Servicekomponente habt, die ja immer Geld bringt. Das ist ja so, Onlinekurse, klar, da muss man gut im Marketing sein. Das weiß ich auch. Ich habe ja auch einen Onlinekurs zu so Themen wie KI im Gesundheitswesen, Future Health Academy. Aber das finde ich auch sehr, sehr spannend, weil Es muss ja auch ein Geschäftsmodell haben, was sich trägt. Das ist übrigens auch im Gesundheitswesen oft interessant, dass alles, wo es ums Geldverdienen geht, oft so negiert wird. Aber im Grunde geht es auch im Gesundheitswesen im Kern darum, dass sich Sachen tragen und dass man damit Geld verdienen kann. Denn so funktioniert natürlich einfach unser System. Das muss man auch einfach sagen. Und wie ist das bei euch? Also ihr habt wahrscheinlich, habt ihr dann irgendwie so 20% Beratung und der Rest Sind dann diese Kooperationen, die ihr schließt, oder wie gliedert sich das auf? Wie hat sich das entwickelt?

23:07

Julia Neuen

Ich würde sagen, Beratung ist deutlich mehr. Also da sind wir über 50%, glaube ich. Also es ist wahnsinnig stark. Also der Beratungskontext ist explodiert, weil die Unternehmen ja ganz am Anfang sind und sich, auf Deutsch gesagt, sich ja wirklich sehnen, dass ihnen jemand mal zeigt, wie es geht und dann auch noch datenbasiert, eben nicht immer nur so, wir reden soft mal über das Thema, Sondern wirklich so, dass es am Ende messbar einen Unterschied für den Unternehmenserfolg hat.

23:33

Inga Bergen

Darf ich da noch mal kurz einhaken, weil ich gerade überlege, wir hatten ja einen Riesentrend, was so Diversity angeht. Das ist wieder abgeflaut, wissen wir alle. Und würdest du sagen, dass das, wenn man das auf Gesundheit bezieht, es ist letztendlich, ist es auch ein, also man könnte es unter Diversity auch verorten? Total, ja, unbedingt. Aber es hat natürlich noch mal einen krasseren Impact, weil Krankheitstage und Ausfälle haben natürlich noch mal einen stärkeren Impact. Ist es einfach eine Zuspitzung, vielleicht auch dieses Diversity-Thema so?

24:07

Julia Neuen

Na ja, das Problem an Diversity ist ja, es ist immer viel Gelaber, nichts dahinter. So, also, und das ist ja was, was ich von Haus aus nicht mag. So, und du kannst uns definitiv, also Entschuldigung, wenn ich das so ehrlich sag, aber du kannst uns definitiv unter Diversity verbuchen, aber eben sehr auf Female zugespitzt. Also ich sag mal, Diversity wird ja im Normalfall noch größer gezogen und ich glaube eben, wir sind jetzt nicht Regenbogen. Also nicht, dass ich das ausschließe, aber ich habe mich halt spitz auf die Female Themen gesetzt. Ja, das ist für die meisten Unternehmen natürlich auch der große Batzen. Sind wir also, wenn wir mal ehrlich sind. Also ich merke, das Thema Diversity wird runtergeschraubt, aber Frauen, dass man sagt, okay, hey, wir haben einen Fachkräftemangel, wir haben bis 2035 x Millionen Menschen weniger auf dem Arbeitsmarkt.

24:59

Inga Bergen

Arbeitsmarkt.

25:00

Julia Neuen

Das ist ja kein Geheimnis. So, das heißt, wir brauchen die Frauen im Arbeitsmarkt. Wenn wir jetzt auf die Wechseljahre gucken, wissen wir, dass die Frauen nicht 60 sind, sondern 37, wenn die in die Perimenopause gehen. So, und dann geht's ab. Das sind ja die Frauen, die wir brauchen. Das sind ja wir beide. Und weißt du, das sind ja Frauen, die eigentlich, die wirklich hochrelevant sind für den Arbeitsmarkt. Wenn die alle rausfallen aufgrund von, dass sie nicht in ihrer Potenzialentfaltung sind, dass sie nicht in ihrer Leistungsfähigkeit sind, na dann mal gute Nacht, Marie. So, Das heißt also, das ist ja eine ganz einfache Rechnung, warum wir Frauen in der Leistungsfähigkeit brauchen. Und das rechne ich denen ruckizucki vor und dann brauchen wir auch nicht weiterreden. Also das ist halt so, ich würde sagen, ja, wir sind Diversity und ja, wir sind natürlich weiterhin auf diesem Track, aber wir sind datenbasiert, wir sind messbar, wir sind schnell und wir sind effektiv. Und das ist das, was uns, glaube ich, was uns sozusagen diesen Markteintritt beschert hat. Und vor allen Dingen, ich bin jemand, ich passe mich immer ganz schnell Kundenbedürfnissen an. Also wenn ich habe, ja, ich habe, wir haben angefangen nur mit der Benefits-Plattform, nur mit der Benefits-Plattform. Da würdest du ja sagen, ist ein super Produkt. Ja, aber ganz ehrlich, hat für mich nicht schnell genug funktioniert. War ich schon ungeduldig, habe ich gedacht, ja, funktioniert, aber nicht so schnell, wie ich es will. Also habe ich sozusagen diesen Beratungskontext mit drangeschraubt. Seitdem funktioniert es. Auf Deutsch gesagt war es ein Boom.

26:25

Inga Bergen

Und wie bist du da aufgestellt? Also du hast ein großes Team wahrscheinlich auch, das das macht.

26:30

Julia Neuen

Ja, wir sind so 20.

26:32

Inga Bergen

Ja, okay, das ist ja schon auf jeden Fall für dieses spitze Thema sind das schon viele, viele Leute. Und das heißt, und der Rest, also wenn du jetzt sagst, es ist ungefähr die Hälfte, ist Beratung, wo ihr wirklich guckt, wie ist diese Gesundheitsjourney? Das könnte man ja auch ausweiten. Man könnte ja auch auf das Thema Männergesundheit gucken, weil auch Männer—

26:49

Julia Neuen

machen wir schon.

26:50

Inga Bergen

Macht ihr auch?

26:52

Julia Neuen

Ja, also das ist halt genau der Punkt. Also dann gehst du in die Unternehmen, dann heißt es: Ja, Julia, das ist ja alles super. Sag mal, könnt ihr auch was zur Andruhpause machen? Dann drehe ich mich um und dann mache ich was zur Andruhpause.

27:02

Inga Bergen

Das musst du jetzt kurz erklären, was das ist, weil ich wette, das wissen die meisten nicht.

27:06

Julia Neuen

Also die Andruhpause ist sozusagen der hormonelle Gegenspieler zu den Wechseljahren. Und an dieser Stelle spannend zu sagen, es gibt ja dann Männer oder auch Frauen, die sagen: Ja, die Männer haben ja auch so was wie Wechseljahre. Und da kann ich immer nur sagen: Ja, aber hormonell ist das nicht dasselbe. Man muss sich das bildlich so vorstellen: Frauen werden quasi wumms von der Klippe geschmissen und dann hast du, ich sage mal, fliegst du von der Klippe runter, dann geht es mal wieder hoch, mal wieder runter, mal wieder hoch, mal wieder runter. Also so richtig scheiße. Und bei Männern ist es ganz anders. Da geht ab 40, sinkt der Testosteronspiegel einfach mal schlichtweg immer um ein 1%. Das heißt, das ist so ein abflachendes, langsames Hineingleiten. Das ist also auch überhaupt nicht zu vergleichen von der Schwere der Symptome, von dem Ausmaß Schlafmangel, Erschöpfungszustände, nicht zu vergleichen. Ja, okay, machen wir was Richtung Männergesundheit. Also Infertilität, Kinderwunsch haben wir schon immer Richtung Männer auch gemacht, aber Eben, wir bieten trotzdem immer mehr Themen rund auch um Männergesundheit an, bieten ja auch viele Themen rund um Vereinbarkeit an, was natürlich auch Männer betrifft. Aber ja, wenn die Nachfrage da ist, mache ich das. Ich mache alles.

28:28

Inga Bergen

Ja klar, weil ich glaube, bei Männern ist ja auch das Thema, dass Männer Gesundheitsvorsorgeleistungen nicht so gerne in Anspruch nehmen, weil das ja auch immer noch irgendwie so ein Thema ist, was ja, womit man sich nicht so befasst. Das ändert sich natürlich auch bei einer jüngeren Generation, die werden ein bisschen gesundheitsbewusster. Aber ich finde es spannend, weil die ganze Thematik, also ihr kommt jetzt ja von dem Familienthema, aber es ist ja noch der ganze Arm in Richtung Prävention, also Check-ups, all das, was jetzt ja auch mittlerweile, es wird ja immer günstiger, es wird immer niedrigschwelliger, du kannst total viel zu Hause machen. Um Risiken überhaupt mal herauszufinden und dann schon zu minimieren. Und auch da Prävention ist ja so, wie wir es heute im Gesundheitssystem denken, nicht so besonders user-friendly, würde ich sagen. Also weil es einfach so total fragmentiert ist. Du musst zum Hausarzt, dann musst du zum Dermatologen, dann musst du irgendwie zum Proktologen, dann musst du dies, das. Und man könnte das natürlich ganz anders gestalten. Und für Unternehmen ist das ja auch total spannend, oder?

29:40

Julia Neuen

Total, ja. Also wir bieten auch in einigen Unternehmen tatsächlich an, dass wir da einmal im Jahr kommen und dann eben wirklich so Beratungssession, wo alles drin ist, anbieten. Das machen wir tatsächlich, weil wir eben gesehen haben, dass das ein Use Case ist. Und du siehst ja auch, also angenommen, du arbeitest irgendwie deine 40 bis 60 Stunden in der Woche, ist ja bei manchen so, dann ist es bleibt da auch nicht so viel Zeit. Also da kannst du auch nicht 3 Stunden in jedem Wartezimmer rumsitzen.

30:11

Inga Bergen

Ja, das bin übrigens ich, weil ich depriorisiere das immer, weil ich immer so viel unterwegs bin. Und dann ist das, also Doc-to-Lip ist für mich der absolute Gamechanger gewesen. Seitdem mache ich meine Vorsorgetermine wirklich eher. Aber ohne das wäre ich total aufgeschmissen. Also echt spannend. Also ich finde das so interessant, weil du ja diesen extremen Servicegedanken formulierst, also diesen Gedanken so, okay, was braucht das Unternehmen? Und das ist so spannend, Weil wir kommen ja immer mehr eigentlich zu Möglichkeiten der personalisierten Medizin, aber auch sozusagen der personalisierteren Darreichung von Gesundheitsleistungen. Und unser System ist ja so nicht gestrickt, sondern das ist eher so one size fits all und setzt ganz anders an. Und wenn du dir das jetzt anschaust, also du bist mit Kinderwunsch gestartet, jetzt machst du Peaches. Es ist ein Modell, was eigentlich, es kann nicht skalieren. Also es hat sozusagen seine Grenzen natürlich, weil du Beratung machst und du hast jetzt nicht die eine App, App, die du mit 3 Entwicklern baust und die dann irgendwann 2 Millionen Menschen nutzen. Das ist ja nicht euer Modell, aber dafür hast du ein Modell, was sich gleich trägt. Und aus all diesem Wissen, was du aufgebaut hast, dieser Erfahrung, diesem super innovativen und auch einzigartigen Geschäftsmodell, was du entwickelt hast, wie geht das? Also was würdest du Gründerinnen empfehlen und Gründern, die so in den Gesundheitsbereich reingehen und auch in diesen ganzen Bereich sagen wir mal Prävention eher, was würdest du da empfehlen?

31:39

Julia Neuen

Na ja, also ich habe, ich habe ja beides. Also wir haben ja sozusagen die Benefits-Plattform, ist ja tatsächlich skalierbar, ist mega skalierbar und ist halt keine App, ist halt eine webbasierte App sozusagen. Aber das ist tatsächlich die Skalierung und die ist ja geil, weil du holst die, wenn du mal überlegst, du holst die halt übers Beratungsgeschäft rein und dann gehen sie sozusagen in die skalierte Variante rein. Und da bleiben sie ja. Also weißt du, das ist ja auch ein, wie soll ich sagen, ein gutes Geschäft. So, was würde ich jetzt empfehlen? Ich würde aufhören, so kompliziert zu denken. Ich glaube, viele, wenn ich so, also zum Beispiel auch beim Health Eye Award, ist ja irre, was die da alle haben. Aber ich frage mich immer, boah, bis du dann am Markt bist, bis du deine Zertifizierung hast, bis du da irgendwie mal einen Stich landest, Alter, also bis du deinen ersten Euro verdient hast.

32:29

Inga Bergen

Braucht viel Zeit.

32:30

Julia Neuen

Bis du deinen ersten Euro verdient hast und dir deinen ersten, weiß ich auch nicht, was davon kaufen kannst. Das dauert aber. Und ich bin halt immer so aufgewachsen, dass Dinge vielleicht gar nicht so kompliziert sein müssen, wie es oft wirkt, und versuche viele Dinge zu vereinfachen. Und beispielsweise, wie du es gesagt hast, dieser Service-Gedanke, wie, wer sind vielleicht auch, also beispielsweise beim Thema Gesundheit, da weiß man ja vielleicht auch, wo kann es schnellere Kanäle geben, wie kann das noch user-friendly werden? Also ich meine, es gibt ja viele Wege führen nach Rom und das ist ja auch so, ne, viele, höre ich ja immer wieder, wie viele sagen zu mir, wow, wie seid ihr denn so TK-Partner geworden? Und dann denke ich mir, ja, ich habe einfach mal gemacht, dann war ich erfolgreich und dann kam die TK zu mir und hat gesagt, wollen wir mal sprechen? Also andersrum. Also deswegen, ich glaube immer, man muss erst mal ins Doing kommen. Und ich meine, wir haben ja irre Startups gesehen, da auch auf dem HealthEye Award, und ich ziehe absolut meinen Hut davor, auch vor Forschung. Und ich meine, das ist ja auch wichtig, dass natürlich nach wie vor Startups auch diesen wahnsinnig komplizierten Weg gehen. Gar keine Frage. Aber ich denke, bei einigen Themen, da dürfen wir auch ruhig noch ein bisschen— ich will nicht sagen smarter denken, aber ein bisschen auch uns es nicht so kompliziert machen wollen.

33:57

Inga Bergen

Ja klar. Oder vielleicht kann man auch, das kann man sicher nicht bei allen Themen, also bei wirklich Diagnostik und wo es in die Hardcore-Medical-Themen geht, da kann man das natürlich nicht. Aber eben bei all diesen Themen, wo es darum geht, ein unmet need, das ist ja letztendlich, zu bedienen in einem Markt, wo es eigentlich so nicht wirklich was gibt, muss man ja kreativ werden. Also wenn man da zuerst zuerst sozusagen die systemischen Strukturen denkt und sich dann darin verortet, dann schneidet man sich ja total viele Möglichkeiten ab, weil man eben nur in dem System denkt. Das ist, glaube ich, eine Herausforderung, die viele dann haben, dass die dann gar nicht mehr, also fand ich auch immer spannend beim Thema DIGA, da ging es am Anfang, als das so gelauncht wurde, okay, es gibt jetzt DIGA, da ging es natürlich darum, wie komme ich durch den regulatorischen Prozess? Das schneidet aber einen natürlich dann erst mal von der Frage ab: Wie kriege ich das ganze Ding eigentlich dann an die Leute? Wer benutzt das und wie? Weil man kann sich ja nicht auf alle Themen gleichzeitig fokussieren. Deswegen finde ich euren Weg so spannend, weil für mich das tatsächlich immer so ist, wenn ich ganz viel Nutzerfeedback bekomme von Anfang an, dann habe ich auch die Möglichkeit, direkt darauf Bezug zu nehmen. Genau.

35:11

Julia Neuen

Und du, ich habe ja sehr viel Kontakt mit unseren Kunden und auch mit unseren Usern. Und du, wir sehen ruckizucki, was muss angepasst, verbessert, was wünschen sie sich noch? Also da sind wir dann sehr schnell auch tatsächlich in der Umsetzung. Und ja, ich glaube schon, dass du was brauchst, was auch skalieren kann. Also ich würde nie auf ein Modell gehen, wo ich beispielsweise nur Beratung machen würde. Also das würde für mich gar keine würde gar nicht zur Diskussion stehen. Das heißt, ich würde immer was versuchen zu bauen, was auf jeden Fall skalierbar ist. Und am Ende, ich glaube, es ist, man muss schon ein Gespür dafür haben, was kann auch wie funktionieren. Und man muss schon, wie du sagst, wie du ja auch, man muss wie du auch diesen innovativen Gedanken, oder man muss auch verstehen, wie man eben solche Systeme innovieren kann. Also darum geht es ja eben, dass wir eben nicht mehr strukturell oder dass wir nicht mehr stumpf in diesem System bleiben, sondern dass wir eben versuchen, smartere Sachen zu bauen. Also jetzt als Beispiel, was du eben auch gesagt hast, gewisse Sachen zusammenzufassen, also dass man beispielsweise überlegt, die Hautärztin, oder man hat irgendwie irgendwann eine Plattform, wo alle typischen Frauen-Gesundheitsvorsorge-Geschichten unter einem Dach laufen, beispielsweise so, dass dass eine Frau quasi weiß, okay, ich muss immer irgendwie einmal im Jahr, brauche ich diese Vorsorgetermine und es funktioniert alles auf einer Plattform. Wie geil wäre das?

36:41

Inga Bergen

Ja, mega. I would love it. Und okay, also das ist auf jeden Fall verstanden. Jetzt haben wir noch ein anderes Thema. Das hat jetzt nicht unbedingt was mit Gesundheit zu tun, aber es ist natürlich auch ein Erfolgsgeheimnis von dir, weil, und interessanterweise teilen wir das, weil Ich kommuniziere ja auch viel auf LinkedIn, aber man muss sagen, deine Reichweite ist beyond, weil du auch wirklich sehr, ich würde sagen, sehr inspirierende, auch eher allgemeinere Themen bedienst. Und du schreibst immer so kleine Geschichten und du hast dadurch total viel Reichweite, was dir wahrscheinlich auch in deinem Business hilft, oder?

37:17

Julia Neuen

Ja, total. Also ich glaube, Sichtbarkeit schadet nur dem, der sie nicht hat. War früher mal so mit Netzwerken. Und ich glaube, so ist es genauso mit der Sichtbarkeit. Das gehört dazu. Ich finde, wenn wir, also egal ob du Freelancer bist, ob du Startup-Gründer bist, ich meine, wenn du irgendwo in einem Corporate hängst und sagst, du brauchst das nicht, dann ist das was anderes. Aber ich persönlich würde sagen, es kann nie verkehrt sein, sozusagen anderen Menschen ein Bild davon zu geben, was du tust, was du machst, wie deine Werte sind. Und wie du schon sagst, ich hatte anfangs mit LinkedIn so ein bisschen meine Schwierigkeiten. Also ich habe letztes Jahr angefangen, so bei 6000, 6000 Follower und habe mich dann ja wirklich auch dazu committed, mal ein Jahr das auch durchzuziehen und ganz regelmäßig dann auch Inhalte zu produzieren und bin dann ja jetzt auf diese 31.000 gewachsen. Und das war für mich aber ein Prozess, der gut war, weil der eben gezeigt hat, ich stehe gar nicht so da. Also ich hatte immer ein Problem zu sagen, hey, ich bin da und jetzt bin ich wieder da und mit den Leuten. Ich finde das mal gut, wenn wir zum Beispiel auf dem Health Eye Award sind, dann ist das auch total sinnvoll. Aber ansonsten fehlte mir so dieses, was kann ich zu diesem Netzwerk beitragen, dass es sich für die Leute lohnt, meine Inhalte zu lesen? Und ich bin halt über meine persönlichen Erfahrungen gegangen und habe gedacht, okay, ehrlicherweise, ich erlebe so viel jeden Tag, verrückte Sachen bis bescheuerte Sachen bis lustige Sachen bis sinnvolle Sachen. Warum schreibe ich das nicht einfach auf, was ich so über die Menschen denke? So, und das habe ich gemacht. Und das natürlich auch in der Sprache, in der ich am liebsten spreche, die natürlich sehr untypisch auf LinkedIn ist. Das weiß ich auch. Und manchen passt es auch gar nicht. Also ich kriege da auch echt Bashing. Also du kannst es dir nicht vorstellen. Ich hatte jetzt gerade einen Post gemacht, der eigentlich, also wenn man es mal runterbricht auf ein Stichwort, wäre es Zivilcourage. Und weil ich aber sozusagen ein Typus, weil ich wirklich diesen Menschen beschrieben habe, wie er quasi aus diesem Supermarkt, oder zwei Typen waren es, die sozusagen einer Mutter den Mutter-Kind-Parkplatz weggenommen hatten mit zwei dicken Karren. Das habe ich genauso beschrieben. Ich habe die Typen genauso beschrieben, wie sie sind, was sie in der Hand hatten, als sie rauskamen. Dafür wurde mir der Post gesperrt.

39:34

Inga Bergen

Wirklich?

39:34

Julia Neuen

Ja. Also Man muss auch wirklich sagen, ich will, ich will, also man muss auch wirklich sagen, ich habe ja immer eine sehr bildliche Sprache auf LinkedIn, immer. Also ich würde auch, wenn es auch wenn es eine Porsche fahrende Tussi gewesen wäre, hätte die auch ihr Fett weggekriegt. Also ich bin auch nicht so, dass ich da irgendwie, aber wenn das so ist, dann beschreibe ich den Typus genauso, wie er war. Und es hat auch nichts Wertendes zu tun, also gar nichts. Aber mir wurde der, also ich habe geschrieben, dass diese Typen mit auf der einen Seite Proteinshakes Und auf der anderen Seite hatten die diese ungeschälten Sonnenblumenkerne in der Hand. So, ich wurde tatsächlich, hatte ich zwei, die gesagt haben, so nach dem Motto, ob das jetzt hier auf eine gewisse Kulturgruppe hinweisen soll und so, wo ich geschrieben habe: Nein, also gar nicht. Man sieht auch sozusagen, was der Appell ist, nämlich dass man solchen Frauen dann eben helfen soll in so einem Moment und dass es wichtig ist, dass wir auch für unsere Werte einstehen und dass es eben kein Selbstläufer ist. Das war der Appell. Aber trotzdem fühlen sich manche Leute auch bei solchen Kleinigkeiten bei mir total getriggert und schreiben, weiß ich nicht, und melden dann sich.

40:46

Inga Bergen

Ja klar, aber das muss man echt aushalten. Also das muss man echt aushalten, wenn man Reichweite hat. Das ist so ein bisschen so. Aber du hast, ich meine, es ist für dich ja trotzdem wahrscheinlich, wenn du jetzt guckst, ist es eher ein Gewinn als dass es, also ich kenne das, aber ich Ich habe selten so ganz unkonstruktive, komische Kommentare, aber wenn ich sie habe, dann lese ich die auch schon so. Und am Anfang hat es mich auch sehr gestresst. Mittlerweile ignoriere ich das dann auch und entscheide mich auch manchmal dazu, Leute zu sperren, wenn die so das wiederholt machen. Weil ich will schon gerne eine konstruktive Diskussion haben und das finde ich schon besser. Was du jetzt aber hast, du gibst jetzt sogar ein Buch raus zu dem Thema. Also du hast jetzt quasi noch einen Side-Hustle gestartet als Influencerin.

41:34

Julia Neuen

Künstlerin. Ja, und auch da wieder, also immer, ich habe eigentlich immer wachsende Ideen, weil so viele Leute unter meinen Posts schreiben: Bitte, Frau Noyen, schreiben Sie ein Buch, tun Sie mir einen Gefallen, schreiben Sie ein Buch. Frau Noyen, können Sie die ganzen Posts nicht in einem Buch zusammenfassen? Wo ich dann irgendwie gesagt habe: Ja gut, wenn ihr euch das wünscht, dann kann ich das wohl machen. So, und das hat dann sozusagen, hat dann bisschen Welle geschlagen und somit habe ich dann Auch bin ich da in die Umsetzung gegangen und jetzt wird es sozusagen aber auch wirklich eine Komposition quasi aus diesen Posts. Da kommen natürlich auch noch einige neue dazu, die dann eben nicht auf LinkedIn sind und die, die also und auch noch viele andere schöne Sachen. Aber das wird sozusagen so eine schicke Urlaubslektüre für den Pool, wo man sich geschmeidig mit einer Piña Colada hinstellen kann und zu vielen Themen einfach ordentlich lachen kann.

42:31

Inga Bergen

Und da bin ich sehr gespannt drauf.

42:33

Julia Neuen

Gesellschaftskritische Inhalte, gut. Gut verdaulich, sage ich mal, bekommt. Genau, also das ist sozusagen Ziel.

42:42

Inga Bergen

Ja, ja, total spannend. Also ich fand es super, mit dir zu sprechen und auch zu sehen, mit welcher Energie du dieses spannende Thema vorantreibst. Ich freue mich auf jeden Fall auf dein Buch, werde ich mir bestellen und ich wünsche dir weiter viel Erfolg mit Peaches und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann, keine Ahnung, was dann der Name ist, aber noch eine ähnliche Plattform, Für die Herren der Schöpfung und das Thema Gesundheit, das wäre ja auch cool. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen und ganz, ganz herzlichen Dank, dass du mein Gast warst, liebe Julia.

43:12

Julia Neuen

Vielen, vielen Dank für die Einladung. Wir haben ja schon gesagt, wir kaufen gegenseitig die Bücher, weil ich deins ja auch noch nicht gelesen habe.

43:19

Inga Bergen

Ich kaufe mal ein Feature Builders und ich kaufe deins und dann— Sehr schön. Rezensieren wir das. Danke, Julia.

43:26

Julia Neuen

Sehr gerne.

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