09.07.2026

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Episode

161

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46 Min.
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Alle Folgen, KI in der Medizin, System der Zukunft

Chris Philipps über KI im Gesundheitswesen: Warum Europa jetzt handeln muss

Chris Philipps ist Technologe und Experte für Tech-Due-Diligence bei der Beratung Philips und Burn, wo er die technische und KI-Reife von Unternehmen im Gesundheitswesen bewertet. Von Haus aus CTO, hat er mit seinem Team rund 600 solcher Prüfungen begleitet und beobachtet seit 2020 einen starken Anstieg von KI-Investitionen. Bei Visionäre der Gesundheit fragt Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, was künstliche Intelligenz konkret in Unternehmen verändert. Philipps erklärt, warum sogenanntes Vibe Coding die Softwareentwicklung aus der Engineering-Ecke zurück zu den Fachabteilungen holt, warum Feedback Loops für ihn über Erfolg oder Scheitern entscheiden und warum EVALS der am meisten vernachlässigte Teil von KI sind. Das Gespräch verbindet Investorenblick mit der Frage, wie Europa Schatten-KI in eigene Geschäftsmodelle überführt.

Warum das Thema wichtig ist

Also wir haben ein Gesundheitssystem, das so wie es jetzt ist, wir uns nicht mehr leisten können.

Künstliche Intelligenz entscheidet zunehmend darüber, wie wettbewerbsfähig Europas Gesundheitswirtschaft bleibt, während sensible Daten über Schatten-KI unkontrolliert abfließen und kaum eigene Geschäftsmodelle entstehen. Diese Folge macht deutlich, warum ein nicht mehr finanzierbares Gesundheitssystem, geopolitischer Wettbewerbsdruck und eine übervorsichtige Fehlerkultur zusammen darüber entscheiden, ob KI-Innovation hierzulande gelingt oder abwandert. Relevant für HealthTech-Gründerinnen und Gründer, Investorinnen und Investoren, Geschäftsführungen, Klinikleitungen sowie Regulierer, die über KI-Integration und Datennutzung entscheiden. Als Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens nutzt Inga Bergen das Gespräch, um den Blick von Investoren und Technologen für die Versorgung von morgen nutzbar zu machen.

key take aways

Laut Chris Philipps verlagert sich die Softwareentwicklung zunehmend aus der reinen Engineering-Ecke in die Fachabteilungen, weil Mitarbeitende sich per Vibe Coding eigene Anwendungen bauen und Prozesse selbst automatisieren, auch wenn die Ergebnisse noch prototypisch sind.

Philipps erklärt, dass Feedback Loops über Erfolg oder Scheitern von KI-Projekten entscheiden, denn erst das automatisierte Zusammenführen von Rückmeldungen lässt Systeme sich kontinuierlich verbessern, und genau hier liegt der bislang kaum genutzte größte Hebel.

Im Gespräch mit Inga Bergen bei Visionäre der Gesundheit warnt Philipps vor der Schatten-KI im Gesundheitswesen, weil dabei sensible Daten abfließen und fremde Modelle trainieren, während in Europa kaum eigene Geschäftsmodelle entstehen.

Philipps betont, dass Investoren vor allem auf den Moat eines KI-Startups achten, denn proprietäre Daten, tiefe vertikale Integration und systematische EVALS entscheiden darüber, ob ein Produkt mehr ist als ein austauschbarer Wrapper um ein fremdes Modell.

Zentrale Erkenntnisse

  • Chris Philipps hat mit seinem Team rund 600 Tech-Due-Diligences begleitet.

  • Vibe Coding bezeichnet das Bauen von Anwendungen durch Fachabteilungen statt reiner Engineering-Teams.

  • Feedback Loops sind der entscheidende Hebel für dauerhaft funktionierende KI-Anwendungen.

  • EVALS sind systematische Tests, die messen, ob ein KI-System zuverlässig das Richtige tut.

  • Schatten-KI im Gesundheitswesen führt zu Datenabfluss ohne europäische Geschäftsmodelle.

Die Gastgeberin

Host Image

Inga Bergen

Expertin für Digital Health & AI I Moderator | Founder | Angel Investor

"Visionäre der Gesundheit " Gründerin Inga Bergen ist eine der promintesten Stimmen für eine menschzentrierte Digitalisierung des Gesundheits­wesens. Seit 15+ Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Medizin und Gesellschaft. Im erfolgreichen Podcast und Newsletter "Visionäre der Gesundheit" ordnet Inga die digitale und KI-Transformation des Gesundheitswesens ein.

Der Podcast

Visionäre der Gesundheit

VdR - einer der meistgehörten Health-Podcasts in Deutschland mit über 1 Mio. Streams. Wir sprechen mit Ärzt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Entscheider:innen über Innovationen, digitale Transformation, interkulturelle Medizin und die Zukunft der Versorgung. In über 170 Folgen, beleuchtet Inga Bergen mit ihren Gästen, Perspektiven, die Mut machen – und zeigt, wie Wandel im Gesundheitswesen wirklich gelingt.

Episoden BESCHREIBUNG

Chris Philipps über KI in Unternehmen, Investitionen und die Zukunft des Gesundheitswesens

Künstliche Intelligenz war das Thema, das sich die Hörerinnen und Hörer von Visionäre der Gesundheit am häufigsten gewünscht haben, und deshalb hat Inga Bergen, Expertin für KI und Digital Health und eine der führenden Stimmen für die Zukunft des Gesundheitswesens, für diese Folge einen Gast eingeladen, der wie kaum ein anderer den Überblick über den Markt besitzt. Chris Philipps ist von Haus aus CTO und bewertet mit seiner Beratung Philips und Burn die technische und KI-Reife von Unternehmen, bevor große Summen investiert werden. Weil er mit seinem Team bereits rund 600 solcher Prüfungen begleitet hat, bringt er eine Perspektive ein, die einzelnen Unternehmen fehlt, nämlich den direkten Vergleich über Hunderte von Firmen im Gesundheitswesen und darüber hinaus.

 

Wie verändert generative KI die Softwareentwicklung in Unternehmen?

Nach Beobachtung des Gastes verschiebt sich die Produktentwicklung gerade grundlegend, weg von schwerfälligen, stark bürokratischen Abläufen hin zu schnellen und schlanken Vorgehensweisen. Philipps beschreibt, dass er zunehmend Menschen aus Fachabteilungen erlebt, die sich mithilfe von KI kleine Anwendungen selbst bauen und Prozesse eigenständig automatisieren, auch wenn das Ergebnis häufig noch prototypisch ausfällt.

Für den umstrittenen Begriff des Vibe Coding hält er dennoch eine Lanze, weil das Prinzip die Entwicklung aus der reinen Engineering-Ecke herausholt und wieder dorthin bringt, wo sie ihm zufolge hingehört, nämlich zu den Anwendern. Im Gespräch wird deutlich, dass in vielen Unternehmen inzwischen zwei Wege parallel existieren, ein offizieller und ein eher inoffizieller, bei dem sich Mitarbeitende notfalls ihren eigenen Zugang zu KI-Werkzeugen besorgen.

Die klassische Trennung zwischen Personen, die Produkte spezifizieren, und jenen, die sie technisch umsetzen, löst sich seiner Einschätzung nach zunehmend auf. Stattdessen entsteht eine nutzerzentrierte Rolle mit Markt- und Geschäftsverständnis, die Produkte zugleich definieren und selbst bauen kann.

 

Welche konkreten Anwendungen bringt KI im Gesundheitswesen?

Der Gast schildert mehrere Felder, in denen künstliche Intelligenz bereits spürbaren Nutzen stiftet, von Wissensmanagement-Plattformen, die Ärztinnen und Ärzte bei Behandlungsentscheidungen unterstützen, bis zu Datenplattformen für seltene Krankheiten. Als Beispiel nennt Philipps ein Unternehmen aus England, das sich mit Erkrankungen befasst, die bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten, und über die systematische Auswertung großer Datenmengen überraschend viele Erkenntnisse gewinnt.

Im Gespräch wird deutlich, dass gerade dort, wo neue Arbeit entsteht, zusätzliche Daten und zusätzliches Wissen anfallen, die sich wiederum mit KI weiter optimieren lassen. So beschleunigt sich der Prozess selbst und verstärkt seine eigene Wirkung, was der Gast als kraftvollen Kreislauf beschreibt.

 

Warum sind Feedback Loops entscheidend für erfolgreiche KI-Projekte?

Feedback Loops gelten dem Gast als der eigentliche Kern gelungener KI-Anwendungen, auch wenn sie in vielen Unternehmen bislang kaum umgesetzt werden. Philipps erklärt, dass er darin ein Make or Break sieht, also den Punkt, an dem sich Erfolg und Scheitern entscheiden.

In der konsequenten Form, in der alle Rückmeldungen automatisiert zusammengeführt werden, sei man vielerorts noch weit von diesem Ziel entfernt. Genau darin liegt nach seiner Darstellung jedoch der größte Hebel, weil sich Systeme so fortlaufend verbessern, statt starr zu bleiben.

 

Warum bremst die Fehlerkultur den KI-Einsatz in der Medizin?

Ein zentrales Hindernis sieht der Gast in der Art, wie mit Fehlern umgegangen wird. Philipps verweist darauf, dass es inzwischen zahlreiche Studien gebe, in denen KI den Menschen im medizinischen Kontext deutlich übertreffe, dass aber schon ein einzelner Fehler genüge, um heftige Reaktionen auszulösen.

Aus seiner Sicht handelt es sich dabei vor allem um eine Frage der Haltung, die sich dringend ändern müsse. Im Gespräch wird deutlich, dass eine fehlertolerantere Kultur, wie sie im Start-up-Umfeld verbreitet ist, auch dem Gesundheitswesen helfen könnte, KI schneller und mutiger einzusetzen.

 

Welche Rolle spielen EU AI Act und Schatten-KI in Europa?

Beim Thema Regulatorik zeigt sich der Gast differenziert, kritisiert aber, dass Unsicherheit über den EU AI Act oft als Vorwand diene, Vorhaben lieber ganz zu unterlassen. Bergen und Philipps sind sich einig, dass im Gesundheitswesen derzeit sehr viel Schatten-KI im Einsatz ist, also eine Nutzung, die an den offiziellen Prozessen vorbeiläuft.

Das Problem daran ist doppelt, denn einerseits fließen sensible Daten ab und trainieren fremde Modelle, andererseits entstehen in Europa kaum eigene Geschäftsmodelle, von denen die Region profitieren könnte. Im Gespräch wird deutlich, dass KI längst auch eine geopolitische und wirtschaftliche Dimension besitzt und dass wirtschaftliche Stärke die Voraussetzung dafür ist, Gesundheitsversorgung dauerhaft finanzierbar zu halten.

 

Woran erkennen Investoren ein verteidigbares KI-Startup?

Die häufigste Frage von Investorinnen und Investoren betrifft laut dem Gast die Verteidigbarkeit eines Geschäfts, also den sogenannten Moat. Philipps erklärt, dass proprietäre Daten, die nicht jedem Sprachmodell frei zugänglich sind, ebenso zählen wie schwer erreichbares Domänenwissen und die Frage, wie leicht sich ein Anwendungsfall auf weitere Felder übertragen lässt.

Kritisch bewertet er Produkte, die ein bestehendes Modell lediglich umhüllen, statt es tief vertikal zu integrieren, weil daraus eine gefährliche Abhängigkeit entsteht, etwa wenn ein Anbieter die Preise für den Zugriff auf seine Schnittstelle stark erhöht. Als besonders vernachlässigt und zugleich besonders wichtig nennt Philipps das Thema EVALS, also systematische Tests, die messen, ob ein System zuverlässig genau das tut, was es soll.

 

Wie sollten Gründer im Gesundheitswesen jetzt mit KI starten?

Wer heute gründen oder im Gesundheitswesen mit KI etwas bewegen möchte, sollte sich nach Rat des Gastes zunächst ein kleines Team aus KI-versierten Menschen aufbauen und den Austausch mit jenen suchen, die solche Vorhaben bereits umgesetzt haben, gern auch außerhalb der Branche. Wichtig sei dabei ein klares Signal aus der Führung, dass das Thema ernst gemeint ist und keine bloße Alibi-Aktion darstellt.

Zugleich mahnt Philipps zur Eile, weil das bestehende Gesundheitssystem in seiner heutigen Form kaum noch finanzierbar sei und der internationale Wettbewerb um KI rasch voranschreite. Bergen ordnet das mit Blick auf Europa ein und erinnert daran, dass etwa die mRNA-Technologie aus Deutschland stammt, was zeigt, dass Innovationskraft vorhanden ist.

Am Ende steht der Wunsch nach einem optimistischen Ausblick, denn beide sind überzeugt, dass gerade eine alternde Gesellschaft die Innovationskraft der KI benötigt, um Versorgung überhaupt sicherstellen zu können. Die Folge richtet sich damit ausdrücklich an Macherinnen und Macher, die im Gesundheitswesen etwas gestalten wollen.

Im Gespräch mit

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Chris Philipps

Managing Partner Philipps & Byrne

Chris Philipps

Chris Philipps ist Unternehmer, Technologieexperte und Spezialist für Tech Due Diligence. Er unterstützt mit seinem Unternehmen Investoren und Unternehmen dabei, die technologische Qualität von Start-ups und Wachstumsunternehmen zu bewerten. Gemeinsam mit seinem Team hat Chris Philipps bereits rund 600 Unternehmen analysiert. Dabei begleitet er Investitionen in Millionenhöhe, bewertet KI-Technologien, Softwarearchitekturen und Innovationspotenziale. Durch diese Arbeit erhält er einen außergewöhnlichen Überblick über den europäischen KI-Markt. Er sieht täglich, welche Technologien funktionieren, welche Geschäftsmodelle Zukunft haben und wie sich Unternehmen durch künstliche Intelligenz verändern.

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Chris Philipps

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Chris Philipps

Chris Philipps ist Unternehmer, Technologieexperte und Spezialist für Tech Due Diligence. Er unterstützt mit seinem Unternehmen Investoren und Unternehmen dabei, die technologische Qualität von Start-ups und Wachstumsunternehmen zu bewerten. Gemeinsam mit seinem Team hat Chris Philipps bereits rund 600 Unternehmen analysiert. Dabei begleitet er Investitionen in Millionenhöhe, bewertet KI-Technologien, Softwarearchitekturen und Innovationspotenziale. Durch diese Arbeit erhält er einen außergewöhnlichen Überblick über den europäischen KI-Markt. Er sieht täglich, welche Technologien funktionieren, welche Geschäftsmodelle Zukunft haben und wie sich Unternehmen durch künstliche Intelligenz verändern.

KAPITEL

00:00 — Begrüßung und 600 Tech-Due-Diligences von Chris Philipps

01:54 — Wie verändert KI die Softwareentwicklung in Unternehmen?

14:17 — KI im Gesundheitswesen: seltene Krankheiten und Feedback Loops

20:40 — Fehlerkultur, Security und der EU AI Act

27:21 — Schatten-KI: Warum Europa eigene Geschäftsmodelle braucht

34:02 — Moat, EVALS und Europas KI-Zukunft

TRANSKRIPT

00:01.318

Inga

Herzlich willkommen zum Visionäre der Gesundheit Podcast. Mein Name ist Inga Bergen, ich bin euer Host. Ich freue mich sehr, sehr, auf meinen heutigen Gast, denn ich habe euch gefragt, was für Themen euch interessieren. das erste Thema, Platz eins, war KI. Und heute habe ich einen wirklichen KI-Experten eingeladen und freue mich sehr auf Chris Phillips. Hallo, lieber Chris.

00:05.838

Chris Philipps

Ich seh' mich dann.

00:27.977

Chris Philipps

Hallo Inga, herzlichen Dank für die Einladung.

00:30.986

Inga

Ja, bist von Haus aus CTO, du bist ein Techie und hast dann eine unternehmerische Karriere gestartet und machst Tech-Due-Diligences. Das heißt, du bist der Experte, den man fragt in Europa, wenn man ganz viel Geld loswerden möchte, in Unternehmen investieren möchte, im Gesundheitswesen, aber auch sonst woanders. Und vor allen Dingen

01:29.902

Chris Philipps

Ja, Dank. Vielen Dank. Ja, ich habe natürlich die 600 DDs nicht ganz alleine gemacht, sondern die habe ich natürlich auch zusammen mit einem Team gemacht. Wir als Philips und Burn haben die gemacht. Aber ja, wir haben einiges gesehen. Wir sehen seit 2020 ungefähr verstärkt KI Investments. Je nach Phase versteht man da andere Dinge drunter, aber da können wir sicherlich noch über sprechen.

01:54.761

Inga

Genau, also du hast 600 Unternehmen dir angeguckt und jetzt immer mehr KI. Ich würde da auch direkt gerne einsteigen. Was verändert sich gerade durch künstliche Intelligenz in Unternehmen, die du siehst? Was verändert sich, um das wirklich mal so ganz platt auf den Punkt zu bringen?

02:16.173

Chris Philipps

Ja.

03:59.951

Chris Philipps

haben und die bauen auf einmal ihre kleinen Anwendungen oder ich sehe Leute aus den Business Units, ich sehe Fachabteilungen, die auf einmal selber sich Anwendungen bauen und Prozesse automatisieren und natürlich ist das alles noch sehr prototypisch, also ich weiß, dass Vibe Coding mittlerweile auch einen schlechten Ruf hat, aber ich finde das als Prinzip einfach extrem wichtig, dass das aus dieser reinen Engineering-Ecke rausgeholt wird und tatsächlich wieder da landet, wo es hingehört, nämlich bei den Anwendern, bei den Fachabteilungen.

04:28.87

Inga

Ich finde das extrem interessant, weil gerade im Gesundheitswesen stehen wir immer vor einer großen Herausforderung. Du hast auch viele Unternehmen aus der Sphäre dir angesehen, in deiner Karriere schon.

06:07.405

Chris Philipps

eindeutig einen Shift von dem letzteren großen, schwerfälligen, sehr bürokratischen Vorgehen hin zum Ersteren. Also das ist ganz klar auch mit allen Vor- Nachteilen, die damit verbunden sind. Was gerade in vielen Unternehmen, auch großen Unternehmen passiert, da gibt es, ich sag mal so die offizielle Art und Weise, Produkte zu bauen und dann gibt es so die subversive Art und Weise, Produkte zu bauen, die teilweise ganz inoffiziell stattfindet. Das heißt, die Anwender holen sich auch notfalls ihren eigenen Personal Cloud Code

07:02.502

Inga

Das finde ich gerade total interessant, weil du ja sagst, du hast das jetzt erlebt, dass Geschäftsführungen irgendwie mit dir in einem Meeting sitzen und sagen, ich stelle mir das so und so vor, guck mal, das habe ich gecoded mit irgendwie, diese App habe ich mir gebaut und

07:45.166

Chris Philipps

Ja.

07:49.286

Inga

Mhm.

08:17.615

Chris Philipps

Die verschmilzen gerade, Gott sei Dank, also das hat es in der Vorstufe schon in der Agilen Software Entwicklung gegeben, dass das cross-funktionale Teams waren. Aber diese Unterscheidung, die verschwimmt eigentlich immer mehr. Es wird eigentlich eine Rolle, eine sehr Nutzer zentrierte und Nutzer fokussierte Person mit so bisschen Business- und Markt-Background, die Produkte spezifiziert, die aber Produkte auch bauen kann. Und dann wird es Sonderrollen geben.

09:25.254

Inga

Ich finde es gerade total spannend, weil ich mich ja viel damit was Menschen mit KI machen, also was machen Patientinnen und Patienten, wie wirkt sich das auf das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten aus, wie recherchieren die. Und es gibt jetzt aber noch diese andere Dimension, über die wir heute sprechen und das ist innerhalb der Unternehmen. Und jetzt sehen wir im Gesundheitswesen, alles wird immer technologischer.

10:33.549

Chris Philipps

Hm.

10:39.046

Inga

Mmh.

10:57.638

Inga

Mhm.

11:04.271

Chris Philipps

war, gerne mit kleinen Teams gearbeitet, lieber kleine, gute Teams. Ob das jetzt, welchen Einfluss das auf den Hiringmarkt hat, das ist nochmal ein ganz anderes Thema, weil du das voll ansprachst. Da gibt es auch sehr verschiedene Statistiken gerade drüber. also generell kann man sagen, schlanker, fokussierter, AI-nativer und näher am Business dran und ja, also

11:14.758

Inga

Hm.

11:33.495

Chris Philipps

Beantwortet das deine Frage? Sorry, ich hab gerade irgendwie...

11:35.207

Inga

Ja, ja, das beantwortet schon meine Frage, weil wenn wir

11:49.069

Chris Philipps

Mhm.

12:08.582

Inga

ist der Prozess anders als der es früher ohne KI war.

12:13.805

Chris Philipps

Es gibt da verschiedene Aspekte. Das ist auch immer die Schwierigkeit an der Diskussion. Wenn wir über KI diskutieren, ist immer... Es gibt ja diesen Vergleich mit diesem Elefanten, an dem blinde Leute stehen und der eine steht vorne am Rüssel und der andere steht hinten am Bein und die verstehen ganz andere Dinge darunter. So kommt mir das auch immer vor, wenn wir über KI reden. Ich würde es mal versuchen, ein bisschen aufzuteilen. Also zum einen ist es KI-gestützter Entwicklungsprozess. Da haben wir jetzt schon relativ viel drüber gesprochen.

14:17.445

Chris Philipps

Wissensmanagement-Plattformen, die sozusagen Behandlungsunterstützung leisten für Ärztinnen und Ärzte sind oder ob das jetzt auch zum Beispiel Symptome oder Datenplattformen für seltene Krankheiten sind. Haben wir uns zum Beispiel auch vor ein paar Monaten eine Company aus England angeguckt. Wahnsinnig spannend. Krankheiten, die vielleicht so einfach wenig Aufmerksamkeit erfahren, aber dank KI man auf einmal über Data-Crunching wahnsinnig viele Insights rausholen kann.

14:57.262

Inga

Ja, und da finde ich wiederum auch total interessant, sobald man anfängt, Art der Arbeit zu machen, generiert man ja weitere Daten und generiert mehr Know-how und kann dann wieder KI nutzen, das noch zu optimieren. was wiederum die Geschwindigkeit dann schneller macht. Also es ist wie so ein Hamsterrad, würde ich jetzt nicht sagen, aber ja, wie ein Was?

15:23.103

Chris Philipps

Feedback Loops. Feedback Loops. Feedback Loops. tatsächlich, ich bin total happy, dass du das ansprichst, weil das ist, glaube ich, für mich so ein Make or Break, von dem man momentan noch nicht wirklich viel in vielen Unternehmen sieht. Aber was für mich eigentlich so die Essenz von

17:19.27

Inga

Ja.

17:34.893

Chris Philipps

Mhm.

17:49.845

Inga

in dieser Konsequenz das wirklich alles automatisiert zusammenzuführen, noch komplett weit von entfernt, da liegt aber der größte Hebel und das finde ich so spannend, weil du siehst ja, also du machst ja nicht nur Tech-Due-Diligences, wo du quasi bewertest, wie ist ein Unternehmen technisch aufgestellt und auch im Bereich KI aufgestellt, sondern du begleitest auch dann und wann größere Unternehmen bei Transformationsprozessen und das finde ich auch spannend, weil wir reden im Gesund...

19:00.205

Chris Philipps

Das ist eine weite Frage. glaube, der Vergleich zu der NHS ist ziemlich gut, weil wir sehen ja auch einige Companies im NHS-Umfeld. Ich habe immer den Eindruck, die NHS hat ein paar andere Prioritäten als das deutsche Gesundheitssystem. Also Datensammlung ist eins.

20:19.75

Inga

Deswegen nutze ich das nicht mehr.

20:40.367

Chris Philipps

Menschen Benchmarken und das ist ja schlicht und ergreifend nicht wahr, sondern es gibt ja genug Studien wo AI mittlerweile Menschen eindeutig outperformt, gerade auch im medizinischen Kontext, aber sobald ein Fehler passiert, bricht die Hölle los und ich glaube das ist ein Mindset Thema, was wir ganz dringend ändern müssen, was ich in anderen Bereichen, aber eben auch jetzt mal industrieagnostisch im Start-up-Umfeld generell sehe, dass man einfach, die Kultur wesentlich fehlertolerant

21:46.502

Inga

Mhm.

22:03.366

Inga

Ja klar, weil wie gesagt, die Sachen werden nicht so schnell eingeführt und dann haben die Leute ihren privaten Cloth-Account und machen dann damit eben die Sachen und im Idealfall laden sie keine kritischen Daten da rein. im Idealfall. Bringt mich zu einem anderen Thema, was ich auch noch total spannend finde. Ich glaube übrigens,

23:34.22

Chris Philipps

Ja.

25:26.893

Chris Philipps

in einer dauerhaften Extremsituation sein, was das Thema Security angeht, wenn wir uns dafür nicht rüsten. So, that being said, das andere Thema ist Regulatorik und da habe ich eine ganz andere Meinung zu, weil ich glaube...

26:02.902

Inga

was sich eben alles technisch widerspiegelt oder in technischer Unsicherheit widerspiegelt. Kann man das so formulieren?

26:10.09

Chris Philipps

Ich weiß nicht, ob es technische Unsicherheit ist. Was meinst du damit?

26:13.942

Inga

Ich meine damit, dass oft gesagt wird, da weiß ich nicht, wie das in dem EU-AI-Act jetzt gelöst werden würde, deswegen machen wir es lieber gar nicht.

26:24.749

Chris Philipps

So.

27:21.489

Inga

Ja, ja, 100 Prozent. das ist ja das, was wir gerade sehen. Wir sehen ja im Gesundheitswesen extrem viel Schatten-K.I. Und das ist total problematisch, weil einerseits die Daten abfließen, die Modelle dadurch trainiert werden, aber keine Geschäftsmodelle entwickelt werden in Europa, von denen wir auch in irgendeiner Form profitieren könnten.

27:45.25

Chris Philipps

Vor allem haben wir einfach

28:29.542

Inga

Verlinke ich auf jeden Fall in den Show Notes und habe es auch mit Interesse gelesen, weil es ja so ein Dominoeffekt hat und der wirkt sich auch extrem auf die Gesundheitsversorgung aus, weil nur mit wirtschaftlicher Kraft kann Gesundheitsversorgung finanzierbar bleiben und wenn alles irgendwann auf KI aufbaut und KI ein geopolitischer Wettbewerbsvorteil ist und die Anbieter von KI das als eine

29:45.198

Chris Philipps

Ich würde tatsächlich erstmal anfangen mit anderen Menschen zu reden, die sowas schon mal implementiert haben. Und ich glaube, da ist gar nicht so wichtig, im Healthcare-Sektor zu bleiben, sondern ich glaube, erstmal ein Gefühl dafür zu bekommen und auch den Geist aufzumachen, was ist eigentlich heute schon möglich.

31:37.518

Chris Philipps

Weil das muss ein starkes Signal in die Organisation rein sein, dass dieses Thema wichtig ist und dass das jetzt nicht irgendeine Feigenblatt-Aktion ist. Deswegen mag ich den Begriff Digitalisierung nicht so gerne, by the way, weil das war für viele Leute so ein Feigenblatt. Und da muss ein Signal her, dass es tatsächlich ernst gemeint ist.

32:01.51

Inga

Ja, sehr spannend. Ich hatte einen Podcast mit Hannes Kolbe, der die KI Einführung bei der AOK Nordost noch in einer anderen AOK macht. Und das ist total interessant, weil der sagt, die Menschen in der GKV sind nie so kreativ, wie wenn sie KI zum Beispiel nicht nutzen wollen. Also was sie dann alles machen, die KI nicht zu nutzen, ist total fancy. Das fand ich spannend. Und übrigens, ich war letzte Woche auf einer Konferenz in Athen, Panatheneas, großes Tech-Festival.

34:02.733

Chris Philipps

Ich glaube, die häufigste Frage, die wir von InvestorInnen gestellt bekommen, ist tatsächlich nach Mode, also wie defensible ist das, wie verteidigbar ist tatsächlich deren Alleinstellungsmerkmal auch auf längere Sicht raus. Also wie schnell können eigentlich

34:50.598

Inga

Mhm.

34:50.761

Chris Philipps

Hat die Company vielleicht das Glück, tatsächlich proprietäre Daten zu haben, an die nicht jedes Large-Language-Model automatisch rankommt und sich das aus dem Internet saugt oder aus anderen Datenquellen? Wie weit sind diese Daten angereichert? Gibt es ein Domainwissen, was sehr proprietär ist, was auch vielleicht schwierig zu erlangen ist? Das ist zum Beispiel so ein klassisches Mode-Thema.

35:16.646

Inga

Mhm.

35:18.973

Chris Philipps

Wie gut kann sich auch der Anwendungsfall auf andere Anwendungsfälle übertragen lassen? Wie leicht geht das? Wie billig ist das? Zum Beispiel, wenn es eine Software ist, die sich zum Beispiel aus Biomarkern, Indikatoren für Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen holt, kann das vielleicht auch auf neurodegenerative Erkrankungen übertragen werden, sodass man die Geschäftszelle auch ausweiten kann. Eine andere Frage ist immer, man sollte immer drauf gucken, bei jedem

35:41.958

Inga

Mmh.

35:48.8

Chris Philipps

Pitch Deck steht mittlerweile 50 mal so groß KI. das ist kein Unterscheidungsmerkmal mehr. Aber man sollte sich immer anschauen, ist es denn eigentlich nur ein Rapper bestehendes Modell oder ist es wirklich eine tiefe vertikale Integrierung? Und wenn es ein Rapper ist insbesondere, ist da eine Modellabhängigkeit. Also was ist, wenn Anthropic morgen irgendwie seine API zehnmal so teuer macht, seine API Zugriffe?

36:32.678

Inga

Mhm.

36:32.755

Chris Philipps

Und das dritte, was ich immer sehr wichtig finde, tatsächlich so dieses Thema EVALS, also Evaluation. Das ist ein technischer Begriff, gerade im Umfeld von KI. Und das sind eigentlich systematische Tests, die messen, ob das Ding macht, was es soll, ob es das auch wirklich kann und wie gut es das macht und ob es nichts anderes macht. Und EVALS sind, glaube ich, leider der am meisten vernachlässigte Teil von AI. Die finde ich aber verdammt wichtig. Und das haben wir auch in uns

37:11.334

Inga

zu schauen, ob es auch wirklich zuverlässig funktioniert, weil KI ja nie eine Arbeit reproduziert, sondern sich quasi immer einen neuen Weg sucht.

37:38.017

Inga

Genau, da kleiner Fun-Fact. Claude hat mir letzte Woche zweimal gesagt, go to bed now. Und das ist auch total interessant, weil das scheint Claude öfter zu machen gerade, Nutzerinnen und Nutzer zu sagen, go to bed. Irgendwie so out of context und anthropic weiß natürlich nicht warum. Also das finde ich auch total krass, dass wir dann so sind, gar nicht wissen warum. Bitte.

37:57.102

Chris Philipps

Hat es mir auch schon gesagt letzte Woche.

38:02.018

Inga

dir auch. Also, es noch gesagt hat, schreibt mir mal. Wen die KI noch gesagt hat, now go to bed. Wenn du jetzt auf all das guckst, was du gerade siehst, was würdest du sagen, sind so die Dinge, man jetzt, wenn man eine Company gründen möchte oder wenn man in Gesundheitswesen irgendwas machen möchte? Was sollte man da jetzt mit KI machen, aus deiner Sicht?

38:29.417

Chris Philipps

Du meinst als Produkt oder technisch?

38:31.872

Inga

Ja generell, egal, kannst du antworten, wie du willst.

38:33.773

Chris Philipps

Okay, also ich würde auf jeden Fall mir ein kleines Team von sehr KI-smarten Leuten heilen und damit meine ich jetzt gar nicht unbedingt irgendwelche...

39:45.895

Inga

Ja, okay, das macht total viel Sinn. Und denkst du, wir können in Deutschland, was digitale Lösungen angeht, sowohl in der Forschung, also es geht ja, wenn wir auf KI gucken, dann gucken wir auf pharmazeutische Forschung und da, ich meine, mRNA kam aus Deutschland. Das ist schon mal total spannend. Dann haben wir mit

40:23.507

Chris Philipps

bin da mal so hin und her gerissen.

41:45.859

Inga

Ja, absolut. Und im Gesundheitswesen bin ich auch fest davon überzeugt, dass wir die KI-Innovation benötigen, zukünftig überhaupt Versorgung für eine Gesellschaft im demografischen Wandel und unter wirtschaftlichen Unsicherheiten sozusagen zur Verfügung stellen zu können.

42:25.513

Chris Philipps

Uns rennt aber langsam die Zeit weg. Also wir haben ein Gesundheitssystem, das so wie es jetzt ist, wir uns nicht mehr leisten können. Wir haben eine globale Wettbewerbssituation auf dem KI-Thema, das wie gesagt auch geopolitische Auswirkungen hat, das auch massive wirtschaftliche Auswirkungen haben wird. Und mir tut das auch ein bisschen in der Seele weh, wenn ich dann einfach sehe, wie das einfach so pauschal...

43:50.406

Inga

Ja genau, wie können wir jetzt mit einem optimistischen Outlook starten? Das Gute ist ja, wie gesagt, ich verlinke euch noch mal den Text AI Europe 2031.

43:55.309

Chris Philipps

Entschuldigung, habe ich jetzt die Session gebombelt.

44:05.229

Chris Philipps

2031.

44:06.63

Inga

heißt der Text nicht AI 2027, den verlinke ich auch, aber das ist der Doomsday. Das Doomsday-Szenario, den hatte ich schon mal wann anders verlinkt. Das ist der globale AI Race zwischen den USA und China. Das spielt über Europa übrigens gar keine Rolle mit dem Fazit, dass die Menschheit sich auslöscht. Also so wollen wir jetzt nicht aufhören. Was ich gut finde, diesen Podcast hören ja viele Macherinnen und Macher, das KI-Thema. Ich hoffe immer, da ein bisschen Inspiration zu bieten.

45:04.621

Chris Philipps

Vielen

45:10.249

Chris Philipps

Herzlichen Dank, Inga, dass ich bei dir sein durfte. Hat Spaß gemacht.

45:16.524

Inga

Super!

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