Peter Schreiner ist CEO der Plattform gesund.de und treibt seit mehreren Jahren die digitale Vernetzung der Gesundheitsversorgung in Deutschland voran. Im Zentrum seiner Arbeit steht eine klare Idee: Patientinnen und Patienten sollen einfacher, schneller und vor allem sinnvoll mit ihren lokalen Gesundheitsanbietern verbunden werden – also mit Arztpraxen, Apotheken und weiteren Akteuren im direkten Umfeld.
Peter Schreiner denkt Gesundheit dabei nicht in einzelnen Sektoren, sondern als zusammenhängende Reise. Genau diese Perspektive prägt auch seine Arbeit bei gesund.de, wo er gemeinsam mit seinem Team daran arbeitet, digitale Lösungen zu entwickeln, die bestehende Strukturen nicht ersetzen, sondern intelligent miteinander verbinden.
Eine Vision: Lokale Versorgung trifft digitale Möglichkeiten
Schon früh im Gespräch macht Peter Schreiner deutlich, dass es ihm nicht um reine Digitalisierung geht. Vielmehr geht es darum, die bestehende Versorgung besser zu organisieren und für Patient:innen zugänglicher zu machen. Denn aktuell erleben viele Menschen das Gesundheitssystem als fragmentiert und wenig intuitiv.
Anstatt neue Insellösungen zu schaffen, setzt Peter Schreiner bewusst auf Vernetzung. Die Idee dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Die verschiedenen Stationen einer Behandlung – vom ersten Symptom über den Arztbesuch bis hin zur Apotheke – sollen digital miteinander verbunden werden, ohne dass die lokale Versorgung an Bedeutung verliert.
Gerade diese Kombination aus Nähe und Technologie macht den Ansatz von Peter Schreiner so spannend. Denn sie greift ein reales Bedürfnis auf: Menschen wollen digitale Unterstützung, aber gleichzeitig einen festen Ansprechpartner vor Ort behalten.
Die Apotheke als zentraler Anlaufpunkt im Alltag
Im Gespräch wird schnell klar, welche Rolle die Apotheke in dieser Vision spielt. Peter Schreiner beschreibt sie als einen der wichtigsten Einstiegspunkte in die Gesundheitsversorgung. Viele Menschen wenden sich zunächst an ihre Apotheke, wenn sie Beschwerden haben oder unsicher sind, wie sie weiter vorgehen sollen.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Abgabe von Medikamenten. Vielmehr sieht Peter Schreiner in der Apotheke einen Ort der Beratung, der Orientierung und zunehmend auch der Prävention. Diese Rolle wird seiner Ansicht nach in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen, gerade weil sie niedrigschwellig und direkt erreichbar ist.
Damit diese Entwicklung wirklich greift, braucht es allerdings digitale Unterstützung. Genau hier setzt gesund.de an, indem es die Apotheke in eine vernetzte Patientenreise integriert und ihre Stärken mit technologischen Möglichkeiten ergänzt.
Die Patientenreise neu organisiert – aber nah am Menschen
Ein besonders greifbarer Teil des Gesprächs ist die Beschreibung der sogenannten Patient Journey. Peter Schreiner zeichnet ein Bild davon, wie Versorgung im Alltag funktionieren kann, wenn Prozesse sinnvoll miteinander verbunden sind.
Statt mehrfach Wege zurücklegen zu müssen oder Informationen neu einzugeben, können viele Schritte digital vorbereitet werden. Termine werden online vereinbart, Rezepte digital übermittelt und Medikamente direkt bei der Apotheke bestellt. Gleichzeitig bleibt die persönliche Interaktion bestehen, etwa durch Beratung vor Ort oder direkte Kommunikation mit der Apotheke.
Gerade das E-Rezept zeigt dabei, wie groß die Lücke zwischen technischer Möglichkeit und tatsächlicher Nutzung noch ist. Obwohl die Infrastruktur vorhanden ist, wird sie bislang nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung genutzt. Für Peter Schreiner liegt genau darin eine der größten Chancen für die kommenden Jahre.
Vertrauen bleibt der entscheidende Faktor
Ein zentraler Punkt im Gespräch mit Inga Bergen ist die Frage, wie viel Digitalisierung Menschen im Gesundheitskontext überhaupt wollen. Gerade jüngere Generationen gelten als digital affin – gleichzeitig zeigt sich, dass sie bei gesundheitlichen Themen weiterhin Wert auf persönlichen Kontakt legen.
Peter Schreiner sieht darin keinen Widerspruch, sondern eine wichtige Erkenntnis. Technologie kann Prozesse erleichtern und beschleunigen, aber Vertrauen entsteht vor allem durch Menschen. Deshalb ist es für ihn entscheidend, digitale Lösungen so zu gestalten, dass sie bestehende Beziehungen stärken und nicht ersetzen.
Dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Gespräch und wird zu einem der zentralen Leitmotive seiner Arbeit.
Ein Blick in die Praxis: Vernetzte Versorgung vor Ort
Wie diese Vision konkret aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus Meppen, das Peter Schreiner im Podcast beschreibt. Dort arbeiten Arztpraxis und Apotheke nicht nur räumlich eng zusammen, sondern sind auch digital miteinander verbunden.
Das Ergebnis ist eine deutlich reibungslosere Versorgung. Patient:innen erhalten Informationen direkt aufs Smartphone, können Rezepte digital einlösen und werden informiert, sobald ihre Medikamente verfügbar sind. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt bestehen, etwa durch direkte Nachrichten oder Beratungsgespräche.
Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Transformation nicht abstrakt ist, sondern bereits heute funktioniert – wenn die richtigen Akteure zusammenarbeiten.
Zwischen Fortschritt und Bürokratie
Neben den Chancen spricht Peter Schreiner auch offen über die Herausforderungen im System. Besonders kritisch sieht er die zunehmende Bürokratie, die viele Prozesse verlangsamt und Fachkräfte belastet. Gleichzeitig erkennt er in Technologien wie KI große Potenziale, um genau diese Belastung zu reduzieren. Dokumentation, Kommunikation und Organisation könnten deutlich effizienter gestaltet werden – vorausgesetzt, die Technologie wird sinnvoll eingesetzt und nicht durch übermäßige Regulierung ausgebremst.
Dabei plädiert Peter Schreiner für einen pragmatischen Umgang: Datenschutz bleibt wichtig, darf aber nicht dazu führen, dass sinnvolle Innovationen blockiert werden.
Warum Veränderung jetzt stattfinden muss
Besonders eindrücklich wird das Gespräch, als es um strukturelle Herausforderungen im Gesundheitssystem geht. Peter Schreiner spricht offen über den demografischen Wandel und den zunehmenden Mangel an medizinischem Personal. Für ihn ist klar, dass das bestehende System an seine Grenzen stößt. Gerade deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um neue Wege zu gehen und vorhandene Potenziale zu nutzen. Digitale Lösungen können dabei helfen, Prozesse zu entlasten und Versorgung effizienter zu gestalten – allerdings nur, wenn sie konsequent umgesetzt werden.
Eine Folge, die Perspektiven verändert
Die Podcastfolge mit Peter Schreiner bietet nicht nur Einblicke in die Arbeit von gesund.de, sondern zeigt auch, wie konkrete Lösungen für die Herausforderungen im Gesundheitswesen aussehen können. Was besonders hängen bleibt, ist die Klarheit, mit der Peter Schreiner seine Vision formuliert. Es geht nicht um Technologie um der Technologie willen, sondern um eine bessere Versorgung für Menschen. Genau diese Haltung macht das Gespräch so relevant und gleichzeitig so inspirierend. Wer sich für die Zukunft der Gesundheitsversorgung interessiert, bekommt hier nicht nur Antworten, sondern auch viele Denkanstöße – und definitiv Lust, die gesamte Folge anzuhören.


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