{"id":470,"date":"2020-01-05T08:17:00","date_gmt":"2020-01-05T07:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/?p=470"},"modified":"2020-01-03T19:52:33","modified_gmt":"2020-01-03T18:52:33","slug":"epigenetik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/en\/epigenetik\/","title":{"rendered":"Epigenetik oder warum sich Neujahrsvors\u00e4tze das ganz Jahr \u00fcber lohnen  &#8211; Faktencheck von Dr. Lara Maier"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-5fb07882 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAlle Jahre wieder\u201c&#8230; kommen wir \u00fcber die Feiertage zusammen, um uns sp\u00e4testens zwischen den Jahren gute Vors\u00e4tze f\u00fcrs neue Jahr zu setzen. Immerhin 40% der Deutschen pflegen diese Tradition regelm\u00e4\u00dfig. Ein l\u00f6blicher Ansatz, der leider selten langfristig umgesetzt wird. Dabei sollten wir, ganz unabh\u00e4ngig vom Kalender, verinnerlichen was f\u00fcr einen gro\u00dfen Einfluss unser allt\u00e4gliches Leben auf unsere lebenslange Gesundheit (und sogar die unserer Nachfahren) hat. In unserem aktuellen <a href=\"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/en\/episode-11-dr-moritz-voelker-albert\/\">Podcast mit Moritz V\u00f6lker-Albert, Mitgr\u00fcnder und CEO des Start-Ups \u201eEpiQMax<\/a>\u201c, geben wir euch etwas \u201eFood for thoughts\u201c ins neue Jahr mit und besprechen das Thema der Epigenetik. Epigenetik besch\u00e4ftigt sich mit dem \u201eAn- und Ausschalten\u201c genetischer Informationen auf direktem oder indirektem Weg \u00fcber beispielsweise \u201cMethylierungen\u201d<strong>. <\/strong>Somit beeinflusst sie ma\u00dfgeblich die Ausbildung unseres Ph\u00e4notypes.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ph\u00e4notyp<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#374742\" class=\"has-text-color has-background has-very-light-gray-color wp-block-paragraph\">Als <strong>Ph\u00e4notyp<\/strong> bezeichnet man das Erscheinungsbild eines <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Organismus\">Organismus<\/a>, d.h. seine tats\u00e4chlichen <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Morphologisch\">morphologischen<\/a> und <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Physiologisch\">physiologischen<\/a> Eigenschaften &#8211; unabh\u00e4ngig davon, ob sie vererbt oder erworben wurden. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"375\" src=\"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001.jpeg\" alt=\"Funktionsweise der Epigenetik\" class=\"wp-image-479\" srcset=\"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001.jpeg 750w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001-300x150.jpeg 300w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001-700x350.jpeg 700w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001-520x260.jpeg 520w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001-360x180.jpeg 360w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001-250x125.jpeg 250w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Epigenetik.001-100x50.jpeg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-5fb07882 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Meine Gene, mein Schicksal? <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Meinung, unsere Gene seien unser Schicksal, ist weit verbreitet. Fakt ist allerdings, dass unsere genetische Pr\u00e4disposition, also unsere Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr bestimmte Erkrankungen, nur f\u00fcr circa 10% unserer Gesundheit verantwortlich ist. Unsere epigenetischen Einfl\u00fcsse bestimmen jedoch 70-90%, denn die Methylierungsmuster sind so flexibel, wie es die andauernden Lebensumst\u00e4nde erfordern. Anders als die Basenfolge in der DNA ver\u00e4ndert sich das epigenetische Muster, wie in Tierexperimenten bereits nachgewiesen werden konnte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile ist bekannt, dass epigenetische Sequenzen auch an die n\u00e4chste Generation \u00fcbertragen werden. So haben Kinder, deren M\u00fctter zu Zeiten der Schwangerschaft Hunger litten ein signifikant erh\u00f6htes Risiko zu sterben. Oft zeigt sich das sogar erst nach dem 30. Lebensjahr und ist bedingt durch das Auftreten von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes oder Schizophrenie. Eine ausgewogene und pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung k\u00f6nnte durch die enthaltenen Methylgruppen und Vitamin B wiederum eine positive Einflussm\u00f6glichkeit besitzen, so dass das korrekte \u201eAus- und Anschalten\u201c genetischer Funktionen ohne signifikante Defizite abzulaufen vermag.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Methylierung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#374742\" class=\"has-text-color has-background has-very-light-gray-color wp-block-paragraph\">Unter <strong>DNA-Methylierung<\/strong> versteht man die chemische Kopplung von <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Methylgruppe\">Methylgruppen<\/a> an bestimmte <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Nukleotid\">Nukleotide<\/a> der <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/DNA\">DNA<\/a>. Damit werden Gene reguliert: Methylierte Nukleotide in der <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Promotor\">Promotorregion<\/a> eines <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Gen\">Gens<\/a> f\u00fchren zu seiner Inaktivierung und agieren somit als \u201eAusschalter\u201c. Dieses Ph\u00e4nomen verhindert, dass alle Gene in einem Gewebe oder einer Zelle gleichzeitig exprimiert werden. Es lassen sich sowohl gewebe- als auch krankheitsspezifische Muster identifizieren. Sie erm\u00f6glichen die Diagnose von Erkrankungen zu einem sehr fr\u00fchen Zeitpunkt und erlauben ihre molekulare Klassifizierung.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"375\" src=\"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001.jpeg\" alt=\"Beispiel f\u00fcr epigenetische Vererbung\" class=\"wp-image-482\" srcset=\"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001.jpeg 750w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001-300x150.jpeg 300w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001-700x350.jpeg 700w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001-520x260.jpeg 520w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001-360x180.jpeg 360w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001-250x125.jpeg 250w, https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/EpigenetischeVererbung.001-100x50.jpeg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-5fb07882 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ern\u00e4hrung, Bewegung, Schlaf und mentale Gesundheit: die 4 S\u00e4ulen unseres Lebens<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Epigenetik ist zwar mit unserer genetischen Pr\u00e4disposition gekoppelt, jedoch nicht davon abh\u00e4ngig. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass intensive Lebensstilver\u00e4nderungen bei Patienten mit Prostatakarzinom zur ver\u00e4nderten Expression von 500 Genen f\u00fchrte (453 wurden runter-, 48 hochreguliert). Sie stehen alle im Zusammenhang mit der Entstehung von Krebsgeschwulsten. Das Studiendesign muss kritisch betrachtet werden,&nbsp; aber auch weniger deutliche Ergebnisse zeigen \u00e4hnliche Tendenzen an. Zwillingstudien zeigen auf, dass sich sowohl unsere Darmflora (das Mikrobiom) als auch die epigenetischen Methylierungsmuster umso mehr unterscheiden, je l\u00e4nger die Zwillinge auseinander lebten und je \u00e4lter sie waren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Ern\u00e4hrung und regelm\u00e4\u00dfige Bewegung beeinflussen beispielsweise einen Rezeptor, der die Glukoseaufnahme im Skelettmuskel reguliert und damit Blutzuckerspitzen verringert. Ein konstant hoher Blutzuckerspiegel schadet uns unter anderem durch die Produktion von Proteinen, die Entz\u00fcndungen im K\u00f6rper provozieren. Dadurch kann es zu Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten im Innern unserer Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nde kommen (makrovaskul\u00e4re Endothelver\u00e4nderungen) und das wiederum f\u00fchrt zu Bluthochdruck und Arteriosklerose mit weitreichenden Konsequenzen. Fr\u00fche und langfristige Lebensstil\u00e4nderungen k\u00f6nnen dem Prozess entgegenwirken.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Aussicht auf personalisierte Medizin<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pr\u00e4diabetische Stadien k\u00f6nnten unter anderem dank \u201eEpiQMax\u201c vermutlich bald epigenetisch fr\u00fchzeitig erkannt und \u2013 durch Lebensstilver\u00e4nderungen und Medikamente \u2013 therapiert werden. Die Forschung ist hier noch am Anfang, doch mit dem Wissen \u00fcber unsere interpersonellen individuellen (epi)genetischen Unterschiede k\u00f6nnten auch Medikamente st\u00e4rker personalisiert werden. Das beginnt bei unserem Mikrobiom, welches Einfluss auf die Bioverf\u00fcgbarkeit eines Wirkstoffes haben kann, verankert sich in der proaktiven Wahl unseres Lebensstiles und endet beispielsweise bei der Entwicklung von individuellen Medikamten. EpiQMax setzt auf letzteres und forscht an \u201epersonalisierten (&#8230;) und therapiebegleitenden Wirksamkeitsnachweisen\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Gene, genauer unser Ph\u00e4notyp, ist also nicht alleine unser Schicksal, sondern wird von unserer Lebensf\u00fchrung beeinflusst. Neujahrsvors\u00e4tze hin- oder her, ich empfehle die 80-20-Regel: wer sich 80% \u201ebewusst gesund\u201c verh\u00e4lt, kann auch 20% ungesunden Lastern fr\u00f6nen. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bioverf\u00fcgbarkeit<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#374742\" class=\"has-text-color has-background has-very-light-gray-color wp-block-paragraph\">Sie bezeichnet den prozentualen Anteil eines Wirkstoffes einer Arzneimitteldosis oder von N\u00e4hrstoffen, die im systemischen Kreislauf zur Verf\u00fcgung steht. Die Bioverf\u00fcgbarkeit ist eine Messgr\u00f6\u00dfe wie schnell und in welchem Umfang pharmakologisch wirkende Substanzen oder N\u00e4hrstoffe resorbiert werden und wirken k\u00f6nnen. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>Moller-Levet et al; \u201eEpigenetic differences arise during the lifetime of monozygoute twins\u201d, Proc.. Natl. Acad. Sci USA, 2005&nbsp;<\/em><\/li><li><em>Ling et al; \u201cEpigenetics: A Molecular Link Between Environmental Factors and Type 2 Diabetes\u201d, Diabetes, 2009;&nbsp;<\/em><\/li><li><em>Ornish et al; \u201cChanges in prostate gene expression in men undergoing an intensive nutrition and lifestyle intervention\u201d, 2008<\/em><\/li><li><em>Godfrey et al; \u201cEpigenetic gene promoter methylation at birth is associated with child&#8217;s later adiposity\u201d, Diabetes, 2011<\/em><\/li><li><em>Group et al, New England Journal of Medicine, 2008<\/em><\/li><li><em>Schulz et al, Proc.. Natl. Acad. Sci USA, 2010<\/em><\/li><li><em>Heijmans et al ; \u201cPersistent epigenetic differences associated with prenatal exposure to famine in humans.\u201dProc.. Natl. Acad. Sci USA<\/em><\/li><li><em>www.spektrum.de&nbsp;<\/em><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAlle Jahre wieder\u201c&#8230; kommen wir \u00fcber die Feiertage zusammen, um uns sp\u00e4testens zwischen den Jahren gute Vors\u00e4tze f\u00fcrs neue Jahr zu setzen. Immerhin 40% der Deutschen pflegen diese Tradition regelm\u00e4\u00dfig. Ein l\u00f6blicher Ansatz, der leider selten langfristig umgesetzt wird. 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