{"id":3001,"date":"2026-04-02T06:00:00","date_gmt":"2026-04-02T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/?p=3001"},"modified":"2026-04-01T17:07:28","modified_gmt":"2026-04-01T15:07:28","slug":"prof-dr-ariel-stern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/visionaere-gesundheit.de\/en\/prof-dr-ariel-stern\/","title":{"rendered":"Prof. Dr. Ariel Stern \u2013 Wie evidenzbasierte Gesundheitspolitik unser System ver\u00e4ndern kann"},"content":{"rendered":"<div><script id=\"letscast-player-2e58fba0\" src=\"https:\/\/letscast.fm\/podcasts\/visionaere-der-gesundheit-3795aea0\/episodes\/prof-dr-ariel-stern\/player.js\"><\/script><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. Dr. Ariel Stern geh\u00f6rt zu den pr\u00e4gendsten Stimmen im Bereich Digital Health und Gesundheits\u00f6konomie. Sie ist <a href=\"https:\/\/www.humboldt-foundation.de\/entdecken\/newsroom\/dossier-alexander-von-humboldt-professur\/ariel-d-stern\">Alexander-von-Humboldt-Professorin <\/a>f\u00fcr Digital Health, Economics and Policy am <a href=\"https:\/\/hpi.de\/en\/stern\/team\/ariel-stern\/\">Hasso-Plattner-Institut<\/a> sowie Professorin an der Universit\u00e4t Potsdam. Zuvor war sie an der Harvard Business School t\u00e4tig und hat dort intensiv zur Schnittstelle von Innovation, Regulierung und Gesundheitssystemen geforscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als \u00d6konomin besch\u00e4ftigt sich Prof. Dr. Ariel Stern mit einer zentralen Frage: Wie lassen sich Gesundheitsentscheidungen so treffen, dass sie nachweislich bessere Ergebnisse f\u00fcr Patientinnen und Patienten liefern? Ihre Forschung zeigt immer wieder, dass Daten nicht nur unterst\u00fctzen, sondern der entscheidende Hebel f\u00fcr bessere Versorgung sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Evidenz statt Gef\u00fchl: Was gute Gesundheitspolitik wirklich braucht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleich zu Beginn des Gespr\u00e4chs macht <strong>Prof. Dr. Ariel Stern<\/strong> deutlich, worum es im Kern geht: Gesundheitspolitik darf sich nicht auf Einzelf\u00e4lle oder Erfahrungen verlassen, sondern muss auf belastbarer Evidenz basieren. W\u00e4hrend anekdotische Beispiele oft \u00fcberzeugend wirken, fehlt ihnen die Tiefe, um echte Entscheidungen zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie beschreibt evidenzbasierte Politik als einen Ansatz, bei dem nicht nur Daten gesammelt, sondern gezielt genutzt werden, um kausale Zusammenh\u00e4nge zu verstehen. Gleichzeitig betont sie einen Punkt, der oft \u00fcbersehen wird: Politik kann aktiv beeinflussen, welche Daten \u00fcberhaupt entstehen. Wer Reformen plant, sollte also von Anfang an mitdenken, welche Informationen sp\u00e4ter gebraucht werden, um den Erfolg zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn Daten \u00fcberraschen: Telemonitoring als Beispiel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders greifbar wird das Thema, als <strong>Prof. Dr. Ariel Stern<\/strong> von ihrer Forschung zum Telemonitoring erz\u00e4hlt. In den USA wurde diese Versorgungsform breit eingef\u00fchrt, lange bevor klar war, ob sie tats\u00e4chlich den gew\u00fcnschten Effekt bringt. Erst durch die Analyse gro\u00dfer Datens\u00e4tze zeigte sich ein differenziertes Bild: Einige Patientengruppen profitierten enorm, w\u00e4hrend andere kaum zus\u00e4tzliche Vorteile hatten. Vor allem Menschen mit schlecht eingestellten chronischen Erkrankungen werden durch Telemonitoring deutlich besser versorgt. W\u00e4hrend bei bereits gut betreuten Patientinnen und Patienten kaum Ver\u00e4nderungen sichtbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Erkenntnis ist entscheidend, weil sie ein verbreitetes Denkmuster infrage stellt. Es reicht nicht, eine Ma\u00dfnahme grunds\u00e4tzlich als \u201egut\u201c oder \u201eschlecht\u201c einzuordnen. Viel wichtiger ist die Frage, f\u00fcr wen sie wirkt und unter welchen Bedingungen sie sinnvoll ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Deutschland zwischen Aufholbedarf und echter Chance<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gespr\u00e4ch wird deutlich, dass Deutschland lange Zeit strukturell im Nachteil war, weil relevante Daten schlicht nicht verf\u00fcgbar oder nur schwer zug\u00e4nglich waren. Gleichzeitig sieht <strong>Prof. Dr. Ariel Stern<\/strong> genau darin eine gro\u00dfe Chance. W\u00e4hrend andere L\u00e4nder teilweise im Blindflug Entscheidungen getroffen haben, kann Deutschland jetzt gezielter aufbauen und aus bestehenden Erfahrungen lernen. Allerdings setzt das voraus, dass mehrere Dinge gleichzeitig passieren: Daten m\u00fcssen zug\u00e4nglich und verkn\u00fcpfbar sein, ihre Qualit\u00e4t muss stimmen, und es braucht Fachkr\u00e4fte, die diese Daten auch wirklich interpretieren k\u00f6nnen. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, kann evidenzbasierte Gesundheitspolitik ihr volles Potenzial entfalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie sich politische Debatten ver\u00e4ndern k\u00f6nnten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein besonders spannender Gedanke entsteht im Verlauf des Gespr\u00e4chs: Was w\u00fcrde passieren, wenn politische Entscheidungen konsequent datenbasiert getroffen w\u00fcrden? Die Antwort von <strong>Prof. Dr. Ariel Stern<\/strong> ist klar \u2013 nahezu jede Debatte w\u00fcrde sich ver\u00e4ndern. Statt pauschaler Aussagen oder politischer Positionen w\u00fcrde man gezielt danach fragen, welche Ma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich wirken, wie stark ihr Effekt ist und ob sich der Einsatz von Ressourcen lohnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang pl\u00e4diert sie daf\u00fcr, st\u00e4rker mit Reallaboren zu arbeiten. Neue Ans\u00e4tze sollten zun\u00e4chst in kontrollierten Umgebungen getestet werden, bevor sie gro\u00dffl\u00e4chig eingef\u00fchrt werden. Auf diese Weise lassen sich Fehler fr\u00fch erkennen und Entscheidungen fundierter treffen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Real-World-Data: Der untersch\u00e4tzte Schatz im System<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zentrales Element ihrer Arbeit sind sogenannte Real-World-Daten, also Daten, die im Alltag der Versorgung entstehen. Anders als klassische Studien liefern sie Einblicke in die tats\u00e4chliche Nutzung und Wirkung von Leistungen im realen Leben. Prof. Dr. Ariel Stern beschreibt diese Daten sehr anschaulich als eine Art Nebenprodukt des Systems \u2013 sie entstehen ohnehin, werden aber oft nicht konsequent genutzt. Gerade darin liegt ihr Potenzial. Sie erm\u00f6glichen es, Versorgung nicht nur theoretisch zu bewerten, sondern konkret zu messen, welche Ergebnisse erzielt werden und wo Verbesserungen n\u00f6tig sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Effizienz und Verantwortung: Wohin flie\u00dft das Geld?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage nach der Effizienz des Systems. Prof. Dr. Ariel Stern macht deutlich, dass wir h\u00e4ufig nicht genau wissen, welchen Nutzen bestimmte Investitionen tats\u00e4chlich bringen. Dabei geht es nicht nur darum, Kosten zu reduzieren, sondern vor allem darum, den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Nutzen f\u00fcr Patientinnen und Patienten zu erzielen. Wer wei\u00df, wo Geld eingesetzt wird und welche Ergebnisse daraus entstehen, kann gezielter steuern und bessere Entscheidungen treffen. Diese Perspektive bringt eine neue Klarheit in die Diskussion \u2013 und gleichzeitig auch unbequeme Wahrheiten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum unklare Regeln Innovation bremsen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Daten spielt auch die Regulierung eine zentrale Rolle. Besonders interessant ist dabei die Erkenntnis, dass nicht die Strenge von Regeln Innovation verhindert, sondern ihre Unklarheit. Wenn Unternehmen nicht genau wissen, welche Anforderungen gelten, entsteht Unsicherheit. Projekte werden verz\u00f6gert oder gar nicht erst gestartet, weil das Risiko zu gro\u00df ist. Klare Erwartungen hingegen schaffen Orientierung und erm\u00f6glichen Fortschritt. Gerade in Bereichen wie digitalen Gesundheitsl\u00f6sungen oder K\u00fcnstlicher Intelligenz wird dieser Zusammenhang immer deutlicher.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der eigentliche Wendepunkt: Daten zulassen, auch wenn es weh tut<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Ende des Gespr\u00e4chs wird es noch einmal grunds\u00e4tzlicher. Es entsteht der Eindruck, dass Daten in der Vergangenheit nicht immer konsequent erhoben wurden \u2013 m\u00f6glicherweise auch deshalb, weil ihre Ergebnisse unbequem gewesen w\u00e4ren. Denn wer genau hinschaut, muss handeln. Und genau darin liegt die Herausforderung. Prof. Dr. Ariel Stern sieht jedoch gerade in der aktuellen Krise des Gesundheitssystems eine gro\u00dfe Chance. Sie pl\u00e4diert daf\u00fcr, diese Situation zu nutzen, um endlich konsequent auf Daten zu setzen und Entscheidungen transparent sowie nachvollziehbar zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Ariel Stern zeigt eindr\u00fccklich, wie gro\u00df die L\u00fccke zwischen dem heutigen System und den vorhandenen M\u00f6glichkeiten ist. Gleichzeitig macht es deutlich, dass die Werkzeuge f\u00fcr eine bessere Versorgung l\u00e4ngst existieren. Wer diese Folge h\u00f6rt, bekommt nicht nur Einblicke in aktuelle Forschung, sondern auch ein neues Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie Gesundheitspolitik funktionieren k\u00f6nnte \u2013 klarer, transparenter und vor allem wirksamer. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Ariel Stern geh\u00f6rt zu den pr\u00e4gendsten Stimmen im Bereich Digital Health und Gesundheits\u00f6konomie. 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